Samstag, 22. Januar 2022

Wohltuend unzeitgemäß

Heute verweise ich ausnahmsweise auf einen Videokanal mit sehr fragwürdiger Löschpraxis. Dort findet sich der Kanal eines jungen französischen Komponisten, Musikologen und Organisten, Simon Lecaulle. Chormusik in bester katholischer Tradition, Cembalo- und Orgelkompositionen in barocker Formensprache. Leider ist fast alles nur in einer "synthetischen Vorversion" zu hören, leider, denn der erste Eindruck ist m. E. vielversprechend. Mir gefällt's und seine Motetten ... ein Traum, der hoffentlich bald realisiert werden kann. Auf "Fatzebook" kündigt er die Vollendung eines Requiems an. 

https://www.youtube.com/c/SimonLecaulleComposer/videos

Samstag, 8. Januar 2022

Muckefuck von vorgestern, aufgewärmt

 

Meine Großväter – Gott habe sie selig – hatten beide auf ihre Art eine schwierige Kindheit. Der eine litt unter seinem offensichtlich durch „14-18“ seelisch geschädigten Vater, der andere unter der zeitgemäßen Erziehung zu Sparsamkeit und Achtsamkeit gegenüber Nahrungsmitteln. Er mußte nicht nur Essen, was auf den Tisch kam, er bekam auch das, was er nicht mochte, solange aufgetischt, bis es aufgegessen war. Nach allem, was ich von meinem Großvater weiß, war er schon in jungen Jahren ein freier Geist, musikalisch begabt, tiefsinnig und dementsprechend humorvoll, tiefgläubig und dabei kritisch gegenüber solchen, die sich als Autoritäten vorstellten mochten. Ein Schuhmacher, der seinen Schiller und Uhland genauso konnte und kannte wie Karl Kraus, Reutter oder Valentin. Je älter ich werde, desto mehr bedaure ich, ihn nicht kennengelernt zu haben, da er kurz nach meiner Geburt an den Spuren, die der WK II an Körper und Seele hinterlassen hatten weit vor seiner Zeit starb. „Glaube wenig, zweifle viel, denke selbst!“ war seine Maxime, die er an seine Tochter, meine Mutter und damit auch an mich weitergegeben hat.
Das gleiche Erziehungsmodell wie meine Urgroßmutter (ansonsten eine herzensgute Frau) scheinen gewisse Qualitätsmedien momentan wieder mit ihren Konsumenten in Bezug auf Benedikt XVI. anzuwenden. Immer wieder wird der gleiche alte, fragwürdige Kaffee aufgewärmt und in immer anderen Tassen neu auf den Tisch gestellt, bis er geschluckt wird. Es ist schon verwunderlich, für wie dumm ein vormaliges hanseatisches Intelligenzblatt („Hamburg ist ja DIE deutsche Pressestadt, ich weiß nicht, ob sie das wissen?“ Schtonk) seine Leser halten muß, wenn ein solcher Muckefuck aufgetischt wird und man diesen müden Aufguß als „lecker Tässchen Kaffee“ als verkauft. Man rechnet immer noch mit der Recherchefaulheit der Leser, obwohl man mit zwei oder drei Suchbegriffen die „Enthüllung“ als aufgewärmte Poteé à la Relotius enttarnen kann. Es wird wieder versucht, mit längst als widerlegt erwiesenen Geschichten das Ansehen des Papa emeritus zu beschädigen. Es mag die Gutgläubigen geben und die, die sowas nur zu gerne glauben wollen. (In der Regel ziehe ich aus solchen Texten mehr Schlüsse aber der Schreiber als über den Beschriebenen.)
Jedoch habe ich in letzter Zeit das Gefühl, solche „Unappetitlichkeiten“ schmecken immer mehr Menschen immer weniger und stoßen ihnen immer saurer auf. Es wird weniger geglaubt, mehr gezweifelt und wieder mehr selbst gedacht.
Auf Abraham Lincoln soll der Satz zurückgehen, der wie so manche grundlegende Erkenntnis der Geschichte leider in Vergessenheit geraten zu sein scheint:

Man kann einen Teil des Volkes die ganze Zeit täuschen
und das ganze Volk einen Teil der Zeit.
Aber man kann nicht das gesamte Volk die ganze Zeit täuschen.

Mit Joh 8, 32:
Die Wahrheit wird euch frei machen.
(Aber es empfiehlt sich, das ganze Kapitel 8 zur Kenntnis zu nehmen.)

Eine (etwas überfällige) Götzendämmerung kündigt sich an.

https://beiboot-petri.blogspot.com/2022/01/anti-ratzinger-schmutzkampagne-cui-bono.html

P.S.:
Apropos „leider vergessene Erkenntnisse“:
Zum angeblich weltweiten Monothema nur ein Satz von Gilbert Keith Chesterton, Apostel des gesunden Menschenverstandes:

The trouble with always trying to preserve the health of the body is,
that it is so difficult to do without destroying the health of the mind.

Dienstag, 28. Dezember 2021

Jahresabschlußbilanz

Seit einigen Monaten habe ich auf dieser Seite keine Veröffentlichungen mehr getätigt. Der allgemein grassierende Wahnsinn brachte täglich, stündlich, manchmal minütlich einen Strauß von Themen. Doch ich wußte nichts zu schreiben. Mir kam es vor, als wenn ich schon alles x-mal ventiliert hätte, jede "Welle", jede Lauterbachiade verstärkte in mir diesen Eindruck. Mittlerweile habe ich das Gefühl, nun zwei Jahre lang eine Art Murmeltiertag durchgemacht zu haben. Nur habe ich nicht jeden Tag die Chance bekommen, denselben Tag immer neu zu durchleben, ich habe schlichtweg zwei Lebensjahre zersägt bekommen. Seit zwei Jahren habe ich kein Museum, kein Theater, keinen Konzertsaal mehr betreten können. Bis auf zwei gesungene Gottesdienste ruhen meine musikalischen Aktivitäten. Die wenigen Proben, die in der Zwischenzeit stattfinden konnten, waren ernüchternd. Der Chordirektor der Thomaner hat schon zu Beginn der "Alternativlosigkeiten" davon gesprochen, wie problematisch sich ein mehrmonatiger Probenausfall auf den spezifischen Klang und die musikalischen Fähigkeiten seiner Kantorei sein werden. Er sprach von der Gefahr eines Traditionsabbruches. Die wenigen Proben, die ich miterleben mußte, haben diese Befürchtungen vollumfänglich bestätigt. Der Klang ist tot, das Gespür füreinander und die zu interpretierende Musik sind trotz aller "Trockenübungen" weg. Ein über zwanzig Jahre kultiviertes Klangideal ist ausradiert worden. 

Ausradiert scheint auch der gesunde Menschenverstand. Die Radikalisierung der mißerfolgreichen Politiker, der Unwille sich an Recht und Gesetz zu halten, die offensichtliche Freude an der Drangsalierung des Souveräns wird nun eher über kurz als über lang zu tiefgreifenden Veränderungen führen.

Die Zahl des christlichen Anteils der deutschen Bevölkerung hat zum ersten Mal nach Abschluß der Friesenmission die 50% Marke unterschritten. Nur 4% vertrauen den Konfessionen überhaupt noch. Nicht überraschend.
(Die Ränder für die moderne Pastoral werden also immer größer. Das Geschäft brummt...)

In Rom herrscht Gutsherrenart vor. Nichtgebuuuusterte sind entlassen worden.
Der pöhse alte Ritus soll "met Stompf ont Steehl" ausgerottet werden. Kontemplative Orden stehen unter Kuratell. Rom hat die Finger auf den Ordensvermögen. Merkwürdige Geldflüsse nach Australien sind aufgeflogen, die in die Zeit fallen, als man Kardinal Pell (der die Vatikanfinanzen prüfte und massive Unregelmäßigkeiten festgestellt hatte) dort mit falschen Aussagen in den Knast brachte...

Gestern Abend habe ich meine Einträge auf dieser Seite Revue passieren lassen. Nihil novi sub sole! Alles irgendwie schon beschrieben oder prognostiziert. Das Peter-Prinzip geht seiner Vollendung entgegen. Der immergleiche und vorhersehbare Wahnsinn ereignet sich, nur die Schlagzahl steigt. 

Wenn wir der der Seherin von Sievernich vertrauen dürfen, so sind uns am 02.12.2019 drei schwere Jahre angekündigt worden. Ende 2022 wären wir dann durch dieses Jammertal erst einmal durch.

Ich wünsche Ihnen allen ein gesegnetes Jahr 2022!