Dienstag, 5. August 2014

Wertegemeinschaft (Philippika!)

In einem namhaften Konversationslexikon aus den 1950er Jahren ist dieser Begriff nicht auffindbar. Ich muß mich mit dem Lemma "Wert" begnügen. Dort lese ich dann, daß es sich philosophisch um die "positive Bedeutung eines Objektes im Verhältnis zu anderen" handelt, mit Verweisen auf Lotze, Kant und Aristoteles. Danach geht es dann in die Volkswirtschaftslehre.
Wertegemeinschaft ist also in diesem Sinne kein gewachsener Begriff, eher ein Neologismus. So taucht er auch erst in den neueren Ausgaben des Dudens auf. Danach handelt es sich bei einer W. um eine "durch gemeinsame Wertvorstellungen verbundene Gemeinschaft". Damit ist das Problem nicht gelöst sondern präzisiert, denn "Wertvorstellung" besagt ja nun auch nicht sehr viel und durch "gemeinsam" erscheint mir die Sach noch mehr kompliziert. Um nicht als Kritikaster oder Neoscholast das ganz große Faß zu öffnen, so gehe ich den Weg allen bequemen Geistes zu Guugel und Wiki sein Pedia. Prompt werde ich bei "Wertvorstellung" zu "Menschenrechte" verwiesen und zur "europäischen Bewegung" bzw. zum Art. 2 des EU-Vertrages.
Auf einer Infoseite ist zu lesen:
"Diese Werte sind nach Art. 2 des Vertrags über die Europäische Union (EUV), die Achtung der Menschenwürde, Freiheit, Demokratie, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit und die Wahrung der Menschenrechte einschließlich der Rechte der Personen, die Minderheiten angehören. Darüber hinaus verpflichtet sich die EU in Art. 3 diese Werte zu fördern, indem sie ihre Einhaltung im Inneren der EU gewährleistet und sich für ihre Verwirklichung und Weiterentwicklung nach außen einsetzt."
Weiter heißt es dort:
" Die Idee der Europäischen Wertegemeinschaft, zu der sich jeder Mensch bekennen kann, ist dabei auf die historischen und philosophischen Wurzeln des christlichen Abendlandes, der Französischen Revolution, der Aufklärung, der Säkularisierung und des Humanismus zurückzuführen."

Werte dieser Gemeinschaft sind also
a) die Achtung der Menschenwürde
Ich sehe darin keinen "Wert" sondern eine Aufgabe jedes einzelnen Menschen, ein entchristianisiertes Gebot, eine Art "Analog-Nächstenliebe" im Sinne des sog. "Analog-Käses", ein künstliches Produkt ohne natürliche Grundlage. Es ist Grundlage gesellschaftlichen Lebens aber bestimmt kein "Wert".
b) Freiheit
ist zuächst einmal ein unveräußerliches Gut, ein Geschenk göttlichen Ursprunges, daß ich eingedenk seiner Herkunft und der eigenen Geschöpflichkeit anderen zu gewähren habe. Aber welche Freiheit? Freiheit ist doch immer Freiheit auf etwas hin? Oder ist hier Privation (Freiheit von) gemeint?
Demokratie, (nach W. Churchill die schlechteste Staatsform) ist zunächst einmal eine Staatsform neben anderen. In Europa (Ausnahme Schweiz) häufig durch brutale Beseitung des Gottesgnadentums eingeführt. Ein Wert ist sie nicht. (Siehe auch c).)
c) Gleichheit
Hier hilft Wiki einmal ganz unvoreingenommen weiter:
"Gleichheit bedeutet Übereinstimmung einer Mehrzahl von Gegenständen, Personen oder Sachverhalten in einem bestimmten Merkmal bei Verschiedenheit in anderen Merkmalen. Identität bedeutet eine völlige Übereinstimmung, das heißt Ununterscheidbarkeit in Hinsicht auf jedes Merkmal. Ähnlichkeit bezeichnet eine nur annähernde Übereinstimmung. Gleichheit besteht zwischen zwei oder mehr Objekten und einer oder mehr Eigenschaften. Gleichheit bezeichnet das Verhältnis zwischen den verglichenen Gegenständen oder Personen. Gleichheit kann bestehen bezüglich der Qualität, der Quantität oder der Relation. Sie wird durch die Methode des Vergleichs festgestellt."
Danke! Aber ist das ein Wert? Es ist wohl eher ein "Gleichheitsideal" gemeint, das sich aus den Quellen der franz. Revolution speist, wobei der Versuch, diese Gleichheit mittels halbautomatischer Schneidemaschinen herzustellen, sehr zweifelhaft ist. Außerdem "Ideal" bedeutet doch wohl eher "in der Wirklichkeit nicht einholbare Wunschvorstellung einer Einzelperson", nicht wahr?
d) Rechtsstaatlichkeit (Staatstheorie) ist das Gegenstück zur Willkürherrschaft und gehört seit geraumer Zeit in den Bereich der "Ideale" (siehe c)).
e) Wahrung der Menschenrechte und Minderheitenrechte
Hier sind wir nun wieder im Bereich der franz. Revolution angelangt. Diesen Kanon theoretischer Rechte als Wert zu bezeichnen, ist nicht nur falsch, es ist geradezu geschichtsvergessen. Nachdem man die rechtmäßige Regierung entrechtet und enthauptet hatte, began der blutige Siegeszug der Menschenrechte, der sich gegen das eigene Volk (Beispiel Vendeé) und später gegen ganz Europa richtete (Napoleon I.) und seither fast jeden menschenverachtenden Feldzug irgendwelcher Revolutionäre als Rechtfertigug diente.
Wertegemeinschaft?
Der Rekurs auf die gemeinsame Geschichte erschöpft sich augenscheinlich in den "Errungenschaften" der franz. Revolution und ihrer Epigonen. Das gemeinsame Erbe des großen christlichen Abendlandes ist aufgrund der damit verbundenen Mühsal nicht angetreten worden.
Anders ausgedrückt: wie kann eine zerstrittene Erbengemeinschaft als tatkräftige Gemeinschaft nach außen wirken um diese "Werte" zu vermitteln und zu wahren?
Warum kümmert es die Regierungen in Europa (Entschuldigung!) einen Dreck, wenn im Orient und in Afrika Christen massakriert werden? Warum kümmert es die Regierungen in Europa ebenfalls einen Dreck, wenn in China Kirchn geschleift werden und in Nordkorea willkürlich Menschen in Gulags verschwinden?
Und Amerika, the "godblessed home of the free?"
Der Präsident zündelt gegen Russland und Europa "eingedenk der großen Kriege der Geschichte" (Sarkasmus aus!) läßt sich vor den Karren des Landes spannen, das Leute wie Thomas Barnett, Geostratege und Militär, über die nachhaltige Beseitigung aller amerikanischer "Handelsgegner" vor großem Publikum reden läßt. Wer es wissen will, der gugel mal diesen Namen plus "Globalisierung". Sehr spannend.
Wertegemeinschaft im Sinne von Verwertung einer Gemeinschaft für eigene Ziele!
Währenddessen tobt hier "ho ochlos" auf der Straße angeblich "für Gaza" und zeigt blanken Judenhass.
Und wer jetzt sagt, es seine ja nur ein paar Leute gewesen, der sei daran erinnert, daß selbst in der unnennbaren Partei der Anteil der knallharten Antisemiten zu Beginn nicht sehr groß war, eher eine ganz ganz kleine Gruppe! Da die Schreie aus einer anderen Ecke kommen, sind Polizei und Schlapphüte wohl in Schockstarre! Wo bleiben den nun die runden Tische, Lichterketten und Mahnwachen?
Das haben wir alles schon mal gehabt, nur in braun!
Und da wir schon mal dabei sind:
Wo wirft unser lieber Papa "Bonasera" seine ach so große Beliebtheit in die Waagschale und startet Appelle an seine "muslimischen Freunde", haut den Regierungen der Welt, allen voran den USA auf die Mütze, führt den zahnlosen Tiger UNO vor? Der macht lieber Radiosendungen mit argentinischen Pfarreien, läßt erfolgreiche Bistümer visitieren und entschuldigt sich bei Pfingstlern für Sachen, die gar nicht stattgefunden haben.
Mannomann, es muß ja nicht ein zweiter Urban II. sein, aber ein wenig von Innozenz XI. sollte er in Anbetracht der Lage schon entwickeln, oder Pius XII nacheifern...
Ich hab mal wieder nen Rochus!
Ich bitte höflichst um Entschuldigung, aber das mußte jetzt mal raus!
Wenn es diese Seite demnächt in dieser Form nicht mehr geben sollte, dann haben sie vielleicht unsere "Freunde" aus der "Wertegemeinschaft" lahmgelegt.
Schreibfehler sind der Verve des Moments geschuldet und werden in den nächsten Tagen ausgemerzt!
Ich bitte um Ihr Verständnis.

Montag, 4. August 2014

"Hümnendiskussion" (blogozesane)

Etwas spät geselle ich mich nun auch noch in die Reihe derer, die sich um die Hymnenfrage kümmern. Bei Pro Spe Salutis ist ein Eintrag mit dem Vorschlag von Pappa Heuss aufgetaucht, der durch das beherzte Eingreifen des hochverehrten Bundeskanzlers, Dr. Konrad Adenauer ("Wir singen jetzt die dritte Strophe des Deutschlandliedes!") vereitelt werden konnte. Auch die anderen Versuche hier und da wollen nicht wirklich überzeugen.
Auch Vorschläge wie "Wir treten zum Beten" (was mal wieder in den Zapfenstreich reintegriert gehörte), sind ebenso verfehlt wie das alte Turnerlied "Ich hab mich ergeben".
Nationalhymnen, sind sie nicht eine Erfindung des 19. Jh's und somit für einen Katholiken neumodischer Schnickschnack?
Was ist schon "Land der Berge" (Republik Österreich" wenn man dagegen die katholische Erkennungsmelodie "Salve Regina" hört?
Oder das "Tantum ergo". Da haben die Ösies ja eine ganz wunderbare Austauschmelodie, Die alte Kaiserhymne, also unsere jetzige Nationalhymne "mit nur dritter Strophe".
Ich finde die Melodie durchaus schön und passend, dieses Kaiserquartett des Haydn Josef.
Auch der alte Text war schön, aber seit 1866, ach ihr wißt es ja ...