Dienstag, 31. August 2010

Blüten der Empörungskultur

Gestern Abend haben sich die ARD in eine neue Klasse der Empörungskultur gesendet. Gleichzeitig haben sie damit der Diskussionkultur in Deutschland einen weiteren Dolchstoß verpasst. Tu quoque Beckmann!
Mit der unsäglichen Abseife des Vorstandsmitgliedes der Bundesbank, Thilo Sarrazin, hat sich der öffentlich rechtliche Rundfunk in Deutschland eine neue Stufe des medialen Schauprozesses erarbeitet.
Die Zeiten, als der Talkmaster noch ein eher unparteiisch Fragender war, sind längst vorbei. Aber wie sehr sich hier Herr Beckmann zur Speerspitze der Empörten machte, wie sehr er dem "Angeklagten" das Wort abschnitt, seine Antworten nicht zur Kenntnis nahm, ihn zur persona non grata degradierte, alles das erinnerte an An Schauprozesse aus anderen Zeiten.
Was als kritische Auseinandersetzung mit dem Buch von Sarrazin angekündigt war, entpuppte sich als Versammlung von Leuten die gutmenschliche Empörung en masse, aber wenig substantielle Diskussion boten. Das Buch bedarf einer kritischen Würdigung. Einer noch kritischeren Würdigung bedarf aber der Umgang der Medien mit dem Autor, allen voran diese Sendung mit Beckmann und Co.
Nicht das Buch wurde kritisch diskutiert. Der Autor wurde plump diskreditiert.
So kreiert man einen Hype, führt aber nicht zu einem besseren Verständnis des Autors Sarrazin und zu einer wirklichen Auseinandersetzung mit seinem Buch!
Welche Blüten die Aufregung schon am äußersten linken Rand unserer Gesellschaft entwickelt hat, zeigt sich beim sogenannten "Bündnis gegen Rechts", das schon zur Entführung Sarrazins aufgerufen hat, oder wie ist die Fotomontage zu verstehen, die an die Entführung von Peter Lorenz erinnert?

Ein dunkler Abend für die "Medienkultur" in Deutschland!
Ein weiterer Beweis für den Untergang der Streitkultur" in Deutschland!
Ein weiterer Beweis für den Realitätsverlust der politischen Kaste, die sich weder mit validen Daten, noch mit den nachweislichen Problemen beschäftigte, sondern aus dem sonnigen Wolkenkuckucksheim berichtete!
Ein weiterer Beweis für den miserablen Zustand unserer Demokratie in der Berliner Republik!

Denn eine Demokratie muß solche Beiträge wie die von Thilo Sarrazin nicht nur aushalten, sie braucht sie essentiell für den gesellschaftlichen Diskurs. Sind solche Diskurse und Anfragen an das, was sich "mainstream" nennt nicht mehr möglich, ja wo sind wir dann angelangt? Bei der Meinungsoligarchie des Gutmenschentums, der Demokratur der "politisch korrekten Blockparteien", Diktatur des Politainments?

Ein Bonmot am Rande:
Frau Künast will das Buch auf der Fahrt nach Hamburg gelesen haben.
Der Zug (ICE) braucht von Berlin Mitte bis Hamburg HBF 1.39h bzw 1.52h. Gehen wir von der längsten Fahrzeit ohne Verspätung aus, so hätte sie in knapp zwei Stunden 464 Seiten schaffen müssen, also knapp 4 Seiten pro Minute. Hut ab! Es sei denn, sie ist mit den Bahnen des Regionalverkehres gefahren, dann wäre sie gut 4 Stunden unterwegs gewesen...
Ich werde mir nun auch das Buch kaufen, alleine um mir ein Bild von seinen angeblichen Gen-Aussagen zu machen und in welchen Zusammenhängen er sie macht. Wenn ich denn das Buch im Zug läse, so wäre vielleicht eher die Strecke Kiel München (14:18h bzw. 17:26h inkl. 9 bzw. 7 Umstiege in Regionalbahnen) angemessen oder vielleicht direkt eine Tour im Orientexpress, Paris-Konstantinopel, äh... Istanbul!
Ich werde wohl eher das Sofa wählen, wenn denn die Neuauflage auf den Markt kommt, denn wie ich gerade von der Buchhändlerin meines Vertrauens erfahre, gibt es keine Ausgabe mehr!
Ausverkauft!

Dieser Link zu Richard Wagners Artikel zu dem unsäglichen Abend bei Beckmann faßt alles in die Worte, die mir nach Anschauen der Sendung fehlten.
In einem Punkt möchte ich Wagner besonders recht geben:
Es ist zur Zeit wirklich "zum Heine lesen"! Nur bin ich weniger als Heine davon überzeugt, daß dieses Land "ewigen Bestand" hat. Ich teile nur seine Schlaflosigkeit!
Somit bekommt Heinrich Spoerls Satz aus der "Feuerzangenbowle" plötzlich wieder Aktualität:
"Baldrian! Baldrian gehört ein jedes Haus!"
Na denn mal ran an den Medizinschrank!
Gute Nacht allerseits!

Montag, 30. August 2010

Zu Ulrichs Gedanken

Ulrich mach sich auf "sensuum defectui" so seine Gedanken über den Zustand unserer Kirche. Nach Lekture des Eintrags habe ich mir gedacht:"Das hättest du genauso schreiben können!" Sehr wahrscheinlich hätte ich "noch eines draufgesetzt", da mir am gestrigen Sonntag nicht nur Vincentius eine ganz bestimmte Kommunionhelferin mal wieder fürchterlich unangenehm auffiel, sondern auch noch durch eine uninspirierte Predigt und allgemeine Schlampigkeit im Vollzug der Liturgie in meiner Andacht derart beeinträchtigt wurde, daß ich noch nicht einmal mehr die Kraft fand, mich darüber aufzuregen. Mit Benedikt XVI muß ich dieser Feier attestieren, daß man auch hier -wie üblich- die Liturgie durch eine Form religiöser Unterhaltung ersetzt hatte.
Und sonst?
Es stehen weitere Fusionen an. Die Strukturreform geht weiter mit allen "Erweiterungen des pastoralen Raumes" und den üblichen "Verdichtungen der Personalstrukturen", Gründungen von gGmbHs, etc. pp.
Glaubenstreue Katholiken haben Einstelllungsprobleme bei der eigenen Kirche oder werden schikanös behandelt. Es gibt Priestern, denen man ihre Treue zur Tradition und zum Heiligen Vater vorwirft, Bischöfe, die, ach...
Ich nehme das nur noch zur Kenntnis. Ich stelle ernste und tiefgreifende Symptome einer mich befallenden Resignation fest. Ich erhoffe nichts mehr. In diesen Tagen, in denen nun der Sommer endgültig vorbei zu sein scheint, drängen sich mir herbstliche Gedanken des Niedergangs und des Verfalls auf. Der Griff in meinem CD-Regal geht wieder zu den Werken der franz. Spätromatik. Die Leichtigkeit ist dahin und Francks "Pièce héroique" dröhnt durch mein Bureau. Die Luft ist erdig. Vanitas.
Wie Versatzstücke aus der Kindheit im Gedächtnis aufsteigen, wenn die Erinnerung durch Begegnungen mit einem Ort, einer Person oder einem Gegenstand aus der Vergangenheit geweckt wird und einen ganzen Kosmos an vergessenen Gefühlen wieder spürbar machen, die längst verlorenen schienen, so fördert auch Francks Musik solche Versatzstücke hervor. Es sind aber keine Bruchstücke aus dem eigenen Erleben; es sind Versatzstücke aus einer Vergangenheit, die ich nicht erlebt habe. Biographien von Menschen, die ich niemals kennengelernt habe, steigen vor meinem innneren Auge auf. Es sind alle diejenigen, die mich schon seit vielen Jahren beschäftigen. Es sind alle diejenigen, die in einer offensichtlichen Krise der Kirche den guten Kampf gekämpft haben, jeder auf seine Weise.
Pius V, Jean Marie Vianney, John Henry Newman, Johannes Nepomuk, Clemens August Graf von Galen, Thomas von Aquin, Thomas More, Maximilian Kolbe, Augustinus,... Johannes Dyba...
Wer jetzt psychologisieren mag, der soll es ruhig tun!
Mit dem Blick des kritischen und kirchenkritischen Zeitgenossen hat sich hier offensichtlich eine Art "Biotop der Bekloppten" (J.Becker) zusammengefunden, die auf ihre Art kantig waren und zumindest an einem Punkt in ihrem Leben so gehandelt haben, daß man ihnen aus Vernunftgründen ein hohes Maß an Unvernunft nachweisen muß.
Es ist nachweislich nicht gesundheitsfördernd, wie Jean Marie Vianney täglich über 12 Stunden in einem Beichtstuhl zu verbringen.
Es ist hochgradig unvernünftig, sich wegen einer Frage der kirchlichen Organisationsfrage stur zu bleiben und aufs Schaffot zu gehen, wie es Thomas More getan hat. Ein wenig mehr Flexibilität gegenüber den Ansprüchen seines Herrn und Arbeitgebers und die Pension wäre sicher gewesen.
Wegen innerer Zweifel an einem Lehrgebäude muß man doch keinen Posten an einer angesehenen Universität aufgeben, so wie es Newman getan hat!
Nein, alle diese Gestalten sind von Außen betrachtet absolut unvernünftig, nicht für das wahre Leben geschaffen. Diese Kirche verehrt die Unvernünftigen und Spinner!
Genau und zwar aus gutem Grund!
Diese Welt braucht die Spinner und Unvernünftigen; sie braucht die Heiligen Narren! Die Gefahr für die Welt sind die "Normalopathen" (M. Lütz) die für alles und nichts genau wissen, warum man da nichts ändern kann, warum man sich in den Lauf der Welt fügen muß! Es braucht in einer Welt der Entertainer in eigener Sache die unendlich Demütigen wie den Pfarrer von Ars als Vorbild. Es braucht in einer langweiligen und bewegungsunfähigen Gesellschaft Provokateure wie Johannes Dyba.
Aber wo sind sie?
Wo sind die Zeitgenossen, die uns den Mut geben, den Weg durch die Krise zu gehen?
Es gibt nicht viele und wenige von ihnen sind in einer Position, als daß sie uns Grund zur Hoffnung auf eine baldige Besserung geben können.
Ich fürchte, wir sind schlicht und ergreifend in der Lage, in der alle Christen, zu allen Zeiten, an alle Orten waren, sind und sein werden.
Wir müssen alle Hoffnung alleine auf Christus setzen, uns dem Schutz der Gottesmutter anempfehlen, -egal was auch kommen mag- treu zur Lehre der Kirche stehen, die Gemeinschaft mit dem Heiligen Vater halten und vor allen Dingen beten!

Alle vorhin genannten Persönlichkeiten sind ihren Weg in der Regel durchaus einsam gegangen, aber niemals ohne Vertrauen auf Gott.
Bei vielen Schwierigkeiten in unsrer Kirche hilft nur noch beten!
Der Mangel an Priestern:
Da hilft nur das Beten für Berufungen!
Die paddeligen Kommunionhelferinnen:
Da hilft nur das Beten um Einsicht!
Für die eigenen Ängste und Sorgen und die immer wieder aufsteigende Kleinmütigkeit:
Beten!
Wenn der Humor und der Schwung ausgeht:
Chesterton lesen und "Jerusalem" von Parry anhören!
Und schon ist die Resignation wie weggeblasen!

Nur Mut!

Immer man feste druff!

Thilo Sarrazin hat es mal wieder geschafft! Alle sind empört! Alle sind gegen ihn, jedenfalls wenn es nach den Medien geht. Der Burgfrieden der maingestreamten Wegschaugesellschaft ist in Gefahr. Den unwidersprochenen Dogmen des Multikulti-Appeasements ist ketzerisches Gedankengut entgegengestellt worden. Entsprechend hart und ungebremst schlägt die Empörungsindustrie der spaßfreien deutschen Gutmenscherei mal wieder zu.
Seinen angeblichen "Gen-Aussagen" bin ich aus Zeitgründen noch nicht näher nachgegangen. Seinen Äußerungen zur "Verdummung Deutschlands" möchte ich nach diesem Wochenende nur eines hinzufügen:

Quod erat demonstrandum!

Lesenswerte Kommentare dazu finden sich bei der "Achse des Guten" hier, hier (hier der ganze Artikel von Thomas Eppinger) und hier und hier (mit Presselinks).
Was auch immer nun mit Thilo Sarrazin passieren wird, sein neues Buch wird sich bestimmt nicht schlecht verkaufen.

Montag, 23. August 2010

Tod eines Künstlers

Nach Pong und manchem Jokus in der letzten ist nun am Wochenende ein Nachricht über die Sender gelaufen, die mich ziemlich getroffen hat.
Am Samstag ist Christoph Schlingensief von uns gegangen. Am späten Samstag lief auf 3sat ein Portrait über sein Leben. Wenn auch die Zeitungen heute gerne mit dem "Tod des Provokateurs" titeln, so zeigte dieses Portrait die andere Seite des streitbaren Theatermannes. Seine tiefe Verwurzelung in seiner Heimat Oberhausen, den familienorientierten Menschen, der seine verwitwete Mutter regelmäßig besuchte, etc. Daneben gab es auch eine kleine Zeitreise in seine Jugend, ein Besuch seiner Heimatpfarrkirche, in der er über Jahre ministrierte, was ihn in seinem künstlerischen Schaffen nachhaltig geprägt hat. Sein Oratorium "Kirche der Angst vor dem Fremden in mir" wäre ohne die Architektur dieser Kirche in Oberhausen und ohne seine Erfahrungen in der Liturgie nicht möglich gewesen.
Am Schluß des Filmes hatte ich einen ganz anderen Eindruck von diesem Künstler, als vorher. Ein Mensch mit einem großen Herz, der a u c h durch das Mittel der Provokation versuchte, Sichtweisen zu ändern und andere Einsichten zu vermitteln; ein Suchender, der andere auch zum Suchen animieren wollte und mit Mitteln der Kunst (Operndorf) eine andere, vielleicht bessere Gesellschaft ermöglichen wollte.
Seine Einschätzung der Kirche(n) war dabei eher realistisch, vielleicht auch hellsichtig, wie man diesem Ausschnitt aus seinem letzten Interview im Cicero entnehmen kann.
Alle offenen Fragen, die sich für ihn dann über die Wege der Kunst neu stellten und dort auch neue Lösungsansätze fanden, sind offenbar von der Kirche nicht beantwortet worden. Hier führte offensichtlich der Weg über die Kunst zurück zum Glauben. Die oft unterschätzte Wichtigkeit der Kunst für die Vermittlung des Glaubens spricht aus seinen Worten ebenso wie die offensichtliche Schwäche der Glaubensvermittlung in unseren Breiten.
Ich bete dafür, daß seine Suche in der ewigen Freude und Anschauung Gottes nun ihren Abschluß gefunden hat.
Requiem aeternam...
oder wie man hier auch schon mal sagt:
Komm gut nach Hause, Christoph!

Freitag, 20. August 2010

Pong!



an Stanislaus!

fools and horses

Einer der genialsten Stürze, den die BBC jemals gesendet hat:



So bewahrt eine offene Theke vor einer größeren Dummheit!

Kunst und Kirche

Für alle Leser aus den südlicheren oder nördlicheren Gefilde, denen die wahren Perlen der sakralen Architektur NRW's leider nicht so zugänglich sind, möchte ich heute ein Beispiel für den Einzug der Moderne in der münsterländischen Provence vorstellen. Dieser Kirchbau hat, im Gegensatz zu anderen nichtssagenden Gebäuden, sogar Lyriker der Gegenwart zu einem der seltenen Gedichte über moderne Kirchenarchitektur inspiriert, ja vielleicht sogar zu dem einzigen namhaften Gedicht eines namhaften Autors zu diesem Thema überhaupt.
Im Jahre 1965 wurde nach Plänen des Kölner Architekten Erwin Schiffer (Gott sei seiner armen Seele gnädig!) eine Kirche errichtet und zwar in Ahaus. Die bunten Fenster entwarf der nicht wenig berühmte Georg Meistermann (dito!).
Doch vor dem Bau der Kirche gab es noch ein Hinderniss:
der neugotische Vorgängerbau stand noch. Den Turm ließ man stehen und an die Stelle der neugotischen Kirche entstand dieser formschöne Bau:



Ist das nicht ein Wahnsinn, diese Symbiose von Vergangenheit und Gegenwart?
Also mich haut es jedesmal wieder um, wenn ich in diesen Ort komme! HAMMER!

Der Dichter Robert Gernhardt, seligen Angedenkens, war derart von diesem Bau hingerissen, daß er darüber ein hinreissendes Gedicht schrieb.

Den Text findet ihr hier und hier!

Er hat damit auch das volksmündlich-legendarische Patrozinium dieser Kirche begründet:

ST. HORTEN!

Prosit!

Ein Zitat

von Martin Mosebach aus dem Interview in "The European" aus dem April:

"Was gibt es Wichtigeres als die Liturgie für die Kirche? Die Liturgie ist der Körper der Kirche, die Liturgie ist der sichtbar gemachte Glaube. Wenn die Liturgie erkrankt, erkrankt die ganze Kirche – das ist keine bloße These, sondern eine Beschreibung der gegenwärtigen Situation. Man kann es nicht krass genug darstellen: Die Krise der Kirche hat es möglich gemacht, dass ihr größter Schatz, ihr Arkanum, aus ihrem Zentrum an die Peripherie gespült wurde."



Bei Alipius fand ich heute einen ebenso spannenden Hinweis auf ein Interview mit Msgr. Domenico Bartolucci, dem ehemaligen Chormeister der Sixtinischen Kapelle.
Ein weiser 93jähriger Kirchenmusiker spricht über die Reförmchen und die Reformen der Liturgie seit Pius XII. und zeigt deutlich die Fraglichkeit jener Änderungen auf. Beim Lesen des gesamten Interviews und auch bei den Reaktionen im Kommentarbereich bei Alipius ist mir eines noch einmal deutlich geworden. Wir haben es offensichtlich verlernt, den Alten und Weisen zuzuhören und davon zu lernen. Während in Fantasy-Romanen und -Filmen den klugen, alten weisen Druiden und Geschichtenerzählern eine wichtige Funktion bei der Ausbildung der jungen Heldinnen und Helden zukommt, sind wir darauf getrimmt worden, unsere eigene Position selbst zu finden und zu behaupten. Das Erzählen aus dem Schatz der eigenen Lebenserfahrung als Bereicherung für das eigene Leben und als Hilfe zur Entscheidungsfindung ist vollkommen weg. Das ist nicht nur durch das Schweigen der kriegstraumatisierten Überlebenden des WK II bedingt. Es sind auch die "jungen Alten", die nicht mehr alt und klug werden wollen, sondern -for ever young- noch mit 70 nen Tauchkurs in der DomRep machen müssen. Wer hat heute noch eine marmeladenkochende Oma mit viel Zeit zum Erzählen oder den rosenschneidenden Opa der gerne zuhört?
Ich hatte sie und bin sehr froh und dankbar darüber. Daneben gab es noch ein paar Großtanten und Großonkels, Urgroßmütter, Urgroßonkels, die ich alle noch kennen und lieben lernen durfte. Es wurde gerne und auch viel in unserer Familie gefeiert und so kam die Familie auch häufig zusammen. Ich hatte das große Glück und Privileg, nicht nur einen Weisen am Lagerfeuer zu haben, sondern eine ganze Reihe von lebensklugen Persönlichkeiten, die zwischen Nachmittagskaffee und mitternächtlicher Zigarrenpafferei munter erzählten.
Ich habe dort so manches auch immer wieder gehört. Diese Geschichten haben sich dann auch gesetzt und haben eine Art Grundausrüstung für alles, was danach bisher so gekommen ist, gebildet. Ich hätte mir auch manche unnütze Erfahrung ersparen können, wenn ich mir den einen oder anderen Ratschlag mehr zu Herzen genommen hätte. Mit großer Dankbarkeit schaue ich auf diese zeit zurück und bewahre sie als großen Schatz in Hirn und Herz.
Dieser Ausfall besteht aber nicht nur in den Familien. Er besteht auch in der Kirche. Der Ausfall solcher Autoritäten prägt auch leider unser Kirche. Es fehlt an Persönlichkeiten wie Domenico Bartolucci, die sich nicht als Hauptdarsteller in eigener Sache verstehen sondern wie er als Bewahrer und Hüter eines Wissens, das nicht angelernt und selbstbehauptet ist. Es steht im besten Sinne des Wortes mitten im Strom einer Tradition, an dem auch manche Flüchtigkeit im Pontifikat Pius XII wie ein störender Fels im Flußbett deutlich hervortritt und auch benannt wird.
Aber hat eine solche Stimme noch Gewicht? Wird ihm zugehört?
In Rom ganz offenischtlich. In Deutschland eher weniger!
Ein Land, das nur auf Innovation und Jugendlichkeit setzt, wird darin nur eine Stimme von vorgestern wahrnehmen und nicht eine Handlungsoption für die Zukunft.
Hier gilt der (nicht immer) neueste Forschungsstand. Dieser muß erst einmal gekannt und anerkannt sein. Wer das nicht leistet, leistet sich einen unverzeihlichen Fehler und verspielt sich die Aufmerksamkeit der Zuhörer. Und außerdem stehen dieser Lebenserfahrung ja die gefüllten Regalmeter der deutschen Liturgiewissenschaft gegenüber. Das kann so nicht richtig sein, weil x dazu geschrieben hat und y auch degegen ist. Hier gilt die am Schreibtisch gewagte These mal wieder schwerer als die Lebenserfahnrung eines 93jährigen Ausnahmemusikers und Vollblutklerikers.
Jeder ein kleiner Inquisitor, Müntzer und oder Luther in eigener Sache. Und wenn es nicht paßt? Pech für die Kirche! Soll sie sich doch gefälligst ändern wie Tchibo: Jede Woche eine neue Welt!
Typisch deutsch zählt die eigene taschenpäpstliche Einbildung mehr als die Ein-bildung der Materia der Kirche in die Forma Christi.
...
Msgr. Bartoluccis Interview ist ein weiterer Beleg dafür, wie sehr uns diese "Erzähltradition" in der Kirche fehlt.

Als ich diese Interview gelesen habe, kam mir eine Anekdote aus meiner Kindheit wieder ins Gedächtnis.
Mein Opa und einer seiner Nachbarn (beide seit ihrer Kindheit mit Garten, Gewächshäusern etc. bekannt) wurden vom Schwiegersohn eines anderen Nachbarn (beide (Nachbar wie Schiegersohn) nicht gerade für einen grünen Daumen bekannt), der vor einigen Wochen "eine Laube" (sprich Garten) gepachtet hatte, im Garten hinter dem Haus mit seinem angelesenen Wissen zugequasselt.
Oma saß am Tisch und war dabei, "den zweiten Eimer Kirschen zu entsteinen". (ich finde den Satz immer noch wunderbar komisch!)

Ach wie machen sie das denn? Soviel ich weiß muß man aber...

Das heißt aber Liebstöckel und nicht Maggikraut...
und so weiter.

Mein Opa harkte unbeirrt weiter und ließ den Redeschwall einfach über sich ergehen. Die ausgegangene Zigarre bekam wieder Feuer.
Paff, paff, hark, hark.
ach so, jaja..paff, paff
Endlich war er weg.
Harke in die Ecke gestellt, hingesetzt.
Sein Nachbar reicht ihm ne Flasche Bier und sagt:"Weiße, wenne keinen Kopp hass, sollse auch besser nich aussem Fenster kucken!"
Opa:"Keine Ahnung aber nen Rundschnitt!"
Will sagen:
Nicht theoretisieren, sondern Radieschen ernten!

auf katholisch:
Nicht als Nichtsänger über den Sinn von Gesangbuchleidern referieren, sondern erst einmal singen lernen!

In diesem Sinne:
Kommt der Sonntagspflicht brav nach und einen schönen Frühschoppen Euch allen!

Dienstag, 17. August 2010

Die Männerwirtschaft ist schuld!

Wer die sogenannten Privatsender einschaltet, bekommt neben den üblichen amerikanischen Fernsehserien, "Dinnershows" mit B-F Promis und Umbauserien eine Reihe von Serien geboten, die sich mit dem Leben der Ordnungshüter in Deutschland beschäftigen. Ob es nun die "Klassiker" "Toto und Harry" sind oder die Streifzüge mit den Damen und Herren des Zolls, des Eichamtes oder den Leuten diverser Ordnungsämter diese Serien haben eine Konstante:
Die Erwischten sind immer unschuldig!
Die einen wissen nicht, ab welcher Anzahl von Stangen sie ihre Zigaretten zu versteuern haben, bei den anderen ist es das Gefälle des Marktplatzes, das ihre Waage per se 5 gr. zuviel anzeigt und bei den Falschparkern ist es dann der Hausbesitzer, der rücksichtsloser Weise genau da seine Einfahrt eingerichtet hat, wo Herr x oder Frau y parken müssen, um einen Brief einwerfen zu können.
Keien Ausrede ist zu abstrus, als daß sie nicht vorgebracht würde. Dem Zuschauer zu Hause auf dem Sofa bleibt nur ein Kopfschütteln über die dreiste Dummheit der Erwischten und auch die Schadenfreude über das Knöllchen. Wenn sonst die Welt schon ungerecht ist und so viele Taten ungesünht bleiben, so ist doch die Politesse unbestechlich und vergibt ohne Ansehen der Person Knöllchen und ruft den Abschleppwagen. Wenigstens eine sorgt für Ordnung! Bravo!

Was in den letzten Tagen durch den süddeutschen Blätterwald rauscht, erinnert sehr an eine solche Dokusoap!
Der geistliche Leiter des ifp liefert Äußerungen ab, die dem Heiligen Vater, seine Amtsführung und die Kirche im allgemeinen derart abträglich sind, daß man sie in der freien Wirtschaft als "geschäftsschädigend" oder als "Zerstörung des Betriebsklimas" bezeichnen würde. Dafür gibt es "draußen in der Welt" eine fristlose Kündigung.
Es ist eine Binsenweisheit, daß ich nicht gleichzeitig meine Brötchen im Zwischenlager Gorleben verdienen kann und nach Feierabend vor dem Tor eine Sitzblockade leiten kann. Mit einem anderen Beispiel:
Wer als Pressesprecher der Firma x in der Öffentlichkeit die Produkte schlecht redet, der kriegt den Koffer vor die Tür gestellt. Das versteht sich irgendwie von selbst.

Nun hat die DBK diesem Herrn das Mißtrauen ausgesprochen. (Allein darüber kann man sich schon ein wenig wundern, weil die Aussagen doch sehr nach Gusto des binnenkirchlichen Mainstreams gestrickt sind und sonst wenig geahndet werden. Aber das ist ein anderes Thema!)
Nun passiert das, was jeder Politesse oder jedem Polizisten irgendwann einmal passiert, wenn er/sie versucht, Recht und Gesetz anzuwenden und durchzusetzen:
Es bildet sich eine Menschentraube und der Übeltäter bekommt von völlig unbeteiligten Personen völlig zu Unrecht Unterstützung, weil er sich lautstark beschwert. Es werden immer wieder dieselben dämlichen Sprüche geklopft!
Dann sind die Parkboxen sowieso zu eng, die Parkgebühren zu hoch, die Bußgelder eine Abzocke von armen Bürgern, etc.
Einen besonderen Drive bekommt eine solche Sache immer, wenn es sich um einen Angehörigen eines südländischen Clans handelt und nach und nach die Sippe zur Unterstützung zusammenkommt... Aber egal wer es auch ist:
Letztlich ist der Staat böse oder doof, auf jeden Fall immer schuldig, nur nicht der Täter.

Nun kommen auch bei Pfarrer Broch alle möglichen Leute zusammen und machen genau das, was wir aus dem Fernsehen oder von der Straße kennen. Völlig Unbeteilgte mischen sich ein, wissen mal wieder alles besser und greifen genau die an, die wegen ihres Einschreitens ein dickes Lob verdienten.
Und prompt werden den Bischöfen die gleichen dämlichen Stereotype um die Ohren gehauen, wie der Mitarbeiterin des Ordnungsamtes, nur hier scheut man sich nicht vor Vergleichen, die im Umgang mit einer Politesse zu einem schönen Prozeß wegen Beleidigung führen.
Die Kirche als Unrechtsregime alter Männer und Broch als niedergedrückte Stimme der Kritik. Ein echter Brüller!

Aber es rotten sich in diesem Falle keine nöckeligen Rentner oder halbstarke Panzerkettchenträger in Bollerbuchsen zusammen. Nein, es sind die Vertreter bestimmter Presseorgane und Rundfunkchefs, was ihren Äußerungen auf den ersten Blick den Anschein einer besondere Wichtigkeit verleihen mag. Ich kann diesen Äußerungen keine größeres Gewicht zusprechen, als so mancher Äußerung auf der Straße. Es ist dasselbe in grün und das macht die Sache auf andere Art und Weise zu einem schwerwiegenden Fall. Wieder einmal mehr zeigt sich, wie wenig diejenigen, die es eigentlich besser wissen sollten, eine kritische Distanz zu denn Dingen bewahren!
Aber es ist egal, ob es sich um Straße, Dokusoap oder in diesem Fall um die sog. seriösen Medien handelt. Das Spiel ist dasselbe und heißt "verkehrte Welt!"

Wenn nun einige der selbsternannten Verteidiger ihre Mitarbeit in der Kirche aufkündigen, so ist das aus meiner Sicht nur zu begrüßen! Es geht mit jedem wieder ein Vertreter jenes realexistierenden deutschen Katholizismusses, der die notwendige Reform der Kirche im Sinne des Heiligen Vaters verhindert. Außerdem scheint die Verwurzelung in der Kirche Gottes eh nicht sehr tief gewesen sein, wenn ein solcher Fall zur Aufkündigung der Ämter führt!

Nicht die Männerwirtschaft ist schuld und keiner der Bischöfe ist ein kirchlicher "Knöllchen Horst"!
Pfarrer Broch hat gezeigt, daß er offensichtlich für ein solchermaßen verantwortungsvolles Amt nicht mehr die nötigen Voraussetzungen hat.

Es ist wie in dem Fall in Hannover:
Die alkoholisierte Frau am Steuer war selbst schuld, daß sie den Führerschein verloren hat, weder die Polizisten, die sie gestellt haben, noch die rote Ampel haben einen Fehler gemacht!

Donnerstag, 12. August 2010

Route der Industriekultur

Als Kind des Ruhrgebietes bin ich es ja gewöhnt, daß jeder alte Flaschenzug, an dem vor 50 Jahren vielleicht mal nen Eimer Eierkohlen ins Dachgeschoß gezogen wurde, zur erhaltenswerten Industriekultur gezählt wird und - bei entsprechender Legende und Aufbereitung derselben - Besucherströme auslösen kann. Während die ältere Generation der Püttologen die Orte, an der sie viel Lebenszeit und nicht selten noch mehr ihrer Gesundheit gelassen hat, verständlicherweise gerne in Parks umgewandelt gesehen hätte (Deckel drauf und Bäume hin!), hat die Generation ihrer Kinder einen anderen Blick für die Zeugen der Vergangenheit.
Sie haben den Sprung aus der engen Zechenwohnung geschafft, sind nicht "auffen Pütt" gegangen. Sie haben dank einer damals noch besser funtionierenden Bildungslandschaft den Sprung in Kontor, Kanzlei, Praxis oder Klassenraum geschafft. Statt nun in den Heimatkirchen der Heiligen Barbara im Gebet dafür zu danken, daß sie die Väter vor dem Tod und sie vor der Arbeit unter Tage bewahrte, pilgert diese säkularisierte Generation zu den sog. "Kathedralen der Arbeit" und bestaunt Laufkatzen, Kohlenwäschen, Doppelbockanlagen und Kühltürme und bannt alles mit der vollmechanischen Spiegelreflex auf hochwertigen ilford pan f Film, natürlich nur schwarz weiß.
Dieser Trend geht natürlich auch nicht ganz spurlos an den Kirchengemeinden vorbei.
Schleppende bis rückläufige Besucherzahlen im Hause des Herrn, sprunghaft explodierende Besucherzahlen auf Zollverein, da kommt manche Pfarrei ins Grübeln, wie man gegen den Trend handeln kann.

Weitab vom Trubel zwischen Gasometer und Zeche Holland hat nun eine Pfarrei im Münsterland, St. Georg in Dülmen-Hiddingsel, kurzerhand einen neuen Stil entwickelt. Bei der Kirchenrenovierung zwischen 1996 und 1998 hat man Akzente im Kirchenraum gesetzt, die nach einer Verlängerung der "Route Industriekultur" bis in diese beschauliche Gemeinde des Münsterlandes schreit!!!
Wie der ausliegende Kirchenführer beschreibt, ist die Innenrenovierung nach "ausführlichen Diskussionen" ausgeführt worden. Warum fällt mir jetzt Martin Mosebach ein? ... Egal!
Die alte Wandbemalung ist weiß übertüncht worden. Somit bekommen die wunderbaren Materialien eine bessere Wirkung.
Was dem Hochaltar passiert sein mag, möchte ich gar nicht so genau wissen. Der Raum, wo er einmal gestanden haben muß, ist jetzt durch ein metallisches Etwas abgetrennt,was mich sehr an die Laufschienen in Schlachthöfen oder automatische Knasttore erinnert.



Die Gitterstäbe sind an manchen Stellen verschiebbar, damit man z.B. an den Tabernakel gelangen kann. Dieser besticht durch das billige Material (gebürsteter Stahl) und seine nichtssagende "Gestaltung". Das Design im Stile eines Sicherungskastens ist die beste Absicherung gegen zu verhindernde Devotionsgefahren, wie z.B. durch betende vielleicht sogar knieend betende Menschen dargestellt wird, wodurch der so nüchterne Raumeindruck für den unvoreingenommenen Besucher doch deutlich gestört werden könnte.



Daneben schiebt sich unter Vermeidung jeglicher Harmonie und Proportion der Zelebrationsklotz mit Pult und klerikaler Ersatzbank.



Zur Verankerung dieser "Neuen Mitte" hat man dann noch einen Stahlkranzleuchter darüber montiert. Durch eine unnötige Vielzahl von Strahlern im Hauptschiff, die an einfachen Strippen hängen, bekommt der Raum den letzten Schlag in Richtung Waschkaue. Die tragenden Säulen dienen in harmonisch abrundender Art als Litfaßsäulen und geben dem ganzen einen dubiosen Hauch von Werkskantine oder Unimensa. Deutet sich hier vielleicht zart, aber auch bestimmt der Generationenkonflikt an, den ich oben schon andeutete?



Beinahe hätte ich bei der Kniebeuge "Glückauf!" gesagt.
Tief beeindruckt von diesem Zeugnis des Willens zur Zeitgemäßheit habe ich den Ort verlassen!

Mittwoch, 11. August 2010

Blogere cum Ecclesia

Offensichtlich gibt es einige Kommentatoren in letzter Zeit, die mit dem Inhalt der Weblogs ihre Probleme haben und ein Nachdenken über die Folgen für die Kirche einfordern.
Nun habe ich solche Kommentare bisher nicht bekommen, vielleicht weil sich zu wenige Leser hierher verirren oder weil man mich eh für unbelehrbar oder bekloppt hält. Ersteres möchte ich entschieden bestreiten, letzteres mag durchaus stimmen. Wenn ich auf die Zeit zurückblicke, in der ich nun dieses Weblog unterhalte, so habe ich nach meiner Einschätzung niemals den Versuch unternommen, die Kirche Gottes in einer Weise herabzusetzen, daß es ihr in der Öffentlichkeit schaden könnte. Ich habe lediglich mit allen Mitteln der Sprache, die mir zur Verfügung stehen jene Haltungen, Personen, Denkrichtungen zu kritisieren, die sich offenischtlich mit allen Mitteln auf den deutschen Sonderweg bewegen wollen und dabei vor keinem Mittel zurückschrecken, um Personen und Gruppen, die ihnen entgegenstehen (könnten), auszuschalten. Ich wehre mich mit aller Entschiedenheit gegen eine einseitige Deutung des II. Vatikanums, die der Hermeneutik des Bruches verpflichtet ist und halte mich damit treu an die Auslegung, wie sie von unserem Heiligen Vater gemacht wird, wie ich im übrigen überhaupt versuche, mich an die Vorgaben des Magisteriums zu halten. Damit bin ich als Katholik, der seine "participatio actuosa" seit über 30 Jahren in verschiedenen Aufgabenbereichen seiner Wohnortgemeinden immer wieder mehr als erfüllt, eher ein Störenfried als ein gern gesehener Mitarbeiter im Steinbruch des Herrn. Ich blicke (mit wenigen Ausfalljahren) auf eine fast 30-jährige aktive Zeit zurück, die deutlich vom allgemeinen Glaubensverfall und einer Verwohnzimmerung unserer Volxkirche.
Mir liegt es fern, in einer Antihaltung gegen diese verwohnzimmerte Kirche das Heil zu suchen. Frei nach Dietrich von Hildebrand: Die Wahrheit wird nicht dadurch errungen, indem man versucht, eine Fehlhaltung durch eine andere Fehlhaltung zu ersetzen.
Mir liegt es auch fern, jemanden durch meine Philippika missionieren zu wollen.
Ich möchte lediglich dazu anregen, das als normal empfundene alltägliche Sosein unserer deutschen Kirchenrealität in all seiner Provinzialität, Verschrobenheit, Arroganz und (verzeiht die folgenden Worte!) manchmal sektiererischen Antikatholizität so darzustellen, daß es nicht mehr als das Normale gesehen wird sondern als das, was es ist, nämlich Kryptoprotestantismus.
Der Weg dazu ist der Weg der satirischen Überzeichnung, des kabarettistischen Schreibens. Durch die Überzeichnung kommen Konturen deutlicher hervor, werden Momente der Verfremdung erzeugt, die einen anderen Blick auch aus der Distanz ermöglichen.
Kabarett und Satire haben im besten Sinne mit Humor zu tun. Humor ist kein bloßes Witzemachen. (Ich kenne Leute, die können stundenlang Witze erzählen, haben aber nicht den geringsten Humor!) Humor will etwas ändern und nicht bloß Lacher ernten.
Humor jedoch entsteht nur durch die empfundenes Leiden. Leiden kann ich jedoch nur, wenn ich auch zu tiefer Liebe fähig bin.
Ich liebe nicht nur ( wie Gustav Heinemann) meine Frau, meine Eltern, Freunde etc. jeden auf seine besondere Art und Weise, ich liebe auch meine Kirche. Daher leide ich auch mit ihr. Ich leide an dümmlichen Auftritten gewisser Funktionärskader genauso wie an einem miserablen Kirchenbau, der den Namen Kirche nicht verdient oder an einer miserablen Kirchnmusik, die ihr höchstes Ziel, nämlich zur Verehrung Gottes zu erklingen, nicht mehr im Blick hat und nur noch zur Bespaßung der Gemeinde gemacht wird. Das ist heute alles leider so selbstverständlich und wird einfach hingenommen und getan.
Dagegen schreibe ich meine Einträge im Sinne eines "blogere cum ecclesia", nicht mehr und auch nicht weniger.
Wem es nicht gefällt, der kann es ja schreiben oder soll woanders kuscheln gehen!!!
Das war jetzt mal ganz schnell hingekloppt!

Mahlzeit zusammen!

Freitag, 6. August 2010

Lobhudelei für einen Kabarettisten

Es ist für mich eines der merkwürdigsten Phänomene, daß es Georg Schramm gelungen ist, mit Lothar Dombrowski eine Figur zu schaffen, der zugehört wird, der man gerade aufgrund der Klarheit und Härte seiner Positionen nur zu gerne beipflichtet, obwohl diese Figur genau den Typus verkörpert, dem man normalerweise weniger Gehör schenkt und dessen Positionen man in den seltensten Fällen zustimmen will, weil sie altbacken und radikal erscheinen, es ist der Typus des frustrierten Pensionärs. Dombrowski ist ein Geniestreich seines Erfinders. Georg Schramm hat ihn nach eigener Aussage irgendwann auf einer Studentenfete in seiner Studienzeit in Frankfurt entwickelt. Dombrowski ist eine ausgereifte Figur, bei der einfach alles stimmt, von der "Lederhand" bis zum VdK-Abzeichen am Revers. Immer gut und hintergründig informiert schleudert er dem Publikum die Fakten und ihre Folgen mit Verve und prophetischer Härte ins Gesicht.

Wer es sich zutrauen mag, der folge diesem Link
http://www.youtube.com/watch?v=9sEWTn9fAsY&feature=related
oder auch diesem
http://www.youtube.com/watch?v=Jgrl6ZHRkhk&feature=related
oder jenem
http://www.youtube.com/watch?v=sOgQbx9Ry9s&feature=related
oder welchem
http://www.youtube.com/watch?v=x7-X44v2s9o&feature=related

Einen guten Sonntag miteinander!

Ping!Pong!Ping!

Die schlimmsten Feinde der Kirche sind ja in der Kirche zu suchen und nicht außerhalb. Es bedarf, wie ich schon mehrfach schrieb, einer schnellen Eingreiftruppe. Ein erster Versuch ist dazu bei den Anglikanern schon zu Beginn der 1970er gemacht worden, wenn auch mit mässigem Erfolg. Diese etwas reißerische wie kritische Reportage der BBC (eines der frühesten Zeugnisse des sog. "reality-TV"-Formates) zeigt, wie schwierig die Situation für dieses SEK war und wie gering die Erfolge bei der Übermacht und Gerissenheit der Gegner war. Ein erschütterndes Dokument, das jedoch sehr gut den Zustand der anglikanischen Gemeinschaft erklärt.




Damit beende ich vorerst meine Ping-Pong Partie mit Vincentius Lerinensis!
PS: The Epilogue ist genial! Ich kannte den Sketch nicht!

Donnerstag, 5. August 2010

Ping!

Mein Ping! geht an Vincentius Lerinensis mit einem anderen "mental fight".
Wir wissen alle:
Ernst is auffem Platz!

I'm dreaming of a

Keine Sorge!
Ich bin weder des Sommers müde, noch mag ich amerikanische Weihnachtsschnulzen wie sie uns die dortige Schlagerindustrie in den 1950ern mit "Bing Bong Crosby" schenkte.
Eigentlich war es mein Plan, etwas über "Harmoniümer" ins Blog zu stellen, doch es kam ganz anders! Ich hab mal wieder was falsches gelesen!

I'm dreaming of a great Inquisition!
Kennt ihr auch diese Angänge, wenn die Geduld nachlässt, die Hoffnung in den Keller sinkt, weil man allüberall den Hauch des großen Verwirrers und Durcheinanderwerfers zu spüren glaubt, wenn man sich in seiner geliebten Kirche umsieht?
Nein, ich habe heute morgen nicht die Seite des berühmten süddeutschen Pastoralteams aufgerufen und mir dort eine Depression eingefangen!
Es muß nicht immer Schweinfurt sein!
Diesmal war es "nur ein Wort", das mich in all meiner Dünnhäutigkeit so sehr getroffen hat.
Bei Thysus fand ich einen wunderbaren Artikel über das katholische Ereignis für die Schweiz, die Bischofswahl 2010.
In einem Manifest (grundgütiger Himmel!), dessen Inhalt auch genau das hält, was die Überschrift verspricht, kommt dann dieses monströse Wortgefummel, das mir sofort ein spirituelles Sodbrennen bescherte:

duale Verfasstheit

(als Beschreibung der schweizer Kirchen-(würg)-strukturen).
Das ist derart unschön, daß man es sich noch nicht mal mehr "schöntrinken" kann!

Wie kommt man auf ein solches Sprachungetüm?
Meine Vermutung: Viele Jahre, in vielen wichtigen Gremien, in schlecht gelüftete Räumen sitzen, bei fairem Kaffee und klimaneutralen Dinkelkeksen!
Dann passiert so etwas! Das ist typisch neoliberales Kirchentechnokraten Rottwelsch!
Mir fielen sofort noch mehr nette Namen für diesen Jargon ein:

Gremien-Masematte
Strukturalisten-Hindi
WisiKi-Esperanto

An ihrem Manifesten sollt ihr sie erkennen!

Diesen Vertretern des post-postmodernen Kirchendemokratismus scheint jeder Zugang zu den Quellen des Glaubens unserer Kirche verschüttet worden zu sein. Der Bischof ist kein Geweihter Gottes mehr, kein sacerdos magnus, der gesandt ist, (in der Gemeinschaft mit dem Heiligen Vater) Hirte seiner Herde zu sein. Das ist schon länger nicht mehr so!
Vielmehr ist man beim Status eines gremienorientierten Ehrenvorsitzenden angelangt, den man zwar irgendwie haben muß, der aber bitte möglichst den Geschäftsbetrieb nicht stören soll!
Halt ein freundlicher Winkeonkel, der manchmal nen violetten Gürtel tragen darf, also quasi Kirchenpräsident mit komischer Dienstkleidung!

Welch ein Jammertal!!!
Hier wird man nicht mehr an die Ströme lebendigen Wassers geführt.
Das ist die Sprache derer, die an den Wassern zu Babel ihre Harfen in die Weiden gehängt haben und schon zwei Schritte weiter sind, als einfach nur "hinwerfen und weinen"!
Hier melden sich Menschen zu Wort, die sich organisiert und einen Ausschuß zur Evaluation der Grundlagen für gendergerechte und zeitgemäße Klageliedentwicklung gegründet haben.
Man bleibt im verhassten Babel und macht seinen eigenen Laden auf, eine Art Autonomiegebiet für Berufsgremieker.
Willkommen in der Kirchenvolksrepublik Gremiestan!
Was für ein Fortschritt!
Gratulation!
Ich weiß, in der Schweiz ist rechtlich alles ein wenig anders, weil die Konkordate dort anders gestrickt sind. Tja, wenn es nur die Schweiz wäre und die dortigen Konkordate........

Dann kommt dieser Wunsch wieder hoch...
apostolische Visitation, Inquisition, Einsetzung von Exorzisten...
Aber wo sind die Priester, wo die Orden, denen es gelingen könnte, diese gigantischen Aufgaben zu meistern?

Es gibt Zeiten, da möchte man sich am liebsten schon nach dem Frühstück einen schickern gehen! Aber erstens schmeckt um diese Uhrzeit kein Pilsken und zweitens hilfts auch nicht!

Da hilft nur eines: beten!

Schönen Tag noch!

Dienstag, 3. August 2010

Nee, wat schön!

Für alle, die es gern etwas triumphaler haben, hier ein prachtiges Fiddeo zum Abend.
Sir Huberts "Jerusalem" auf einem seltenen Pedalharmonium ganz wunderbar dargeboten von einem niederländischen Organisten.



Der Text ist, naja, nur was für hartgesottene Gemüter. Deswegen fehlt der hier auch.

Einen guten Abend wünscht Euch der Laurentius!

Drei-Wort-Killerphrasen

In Amerika hat es angefangen, bei CatholicismWow! ist es dann in den deutsprachigen Raum eingedrungen und erfaßt nun die Blogozese: Die Drei-Wort-Killerphrase mit der man Familienfeiern oder andere Zusammenkünfte innerhalb von Sekunden in ein Inferno der schlechten Laune verwandeln kann, wenn der Anteil der Freidenker bei dem entsprechenden Anlaß hoch genug ist.
Ich fand die Sammlungen und Kommentare sehr anregend und auch erheiternd. Prompt meldete sich auch bei mir der Pegasus und entführte mich zu einem raschen und tiefen Flug über die Niederungen unserer Volxkirche (a.D.?!).
Wer in entsprechenden Gremien sitzt und ob der allgemeinen Strukturdebatten deutliche Anzeichen von Amtsmüdigkeit spürt, dem empfehle ich die Ausarbeitung eines kleinen Monologs für die nächste Sitzung, bei dem er eine oder einige der Folgen Phrasen ungehemmt einsetzt:

Katechese statt Gesprächskreis
oder
außerordentlich, ordentlich, unordentlich
oder
Opfer statt Gemeinschaftsmahl
oder
Hochaltar nicht Montinitischchen
oder
gemeinsame Gebetsrichtung Osten
oder
nur knieende Mundkommunion
oder
Unfehlbarkeit des Papstes
oder
Frauenpriestertum ist Häresie
oder
Rom hat entschieden
oder
Choral statt Sakropop
oder
Geht häufiger beichten!
oder
Wann gibts Ablaß?
oder
Dogma statt Demokratisierung
oder
Maria semper virgine
oder
(Eigenkreation mit kalauernder Wirkung)
Rubrica sunt servanda!
oder
Glaubensschatz der Kirche
oder
Mess-Opfer-Früchte
(Na? Der war doch gut oder?)

Danach muß man sich um die Wiederwahl keine Sorgen mehr machen.