Freitag, 30. Juli 2010

Verdienter Aktivist,

Held der Arbeit und andere wunderbare Auszeichnungen hatte man in den nicht mehr so ganz neuen Bundesländern, als sie sich noch ihrer sozialistischen Unabhängigkeit und Freiheit im Paradies der Werktätigen erfreuen konnten. Mit dem Untergang der DDR ist auch die fröhliche Vielfalt der Orden und Ehrenzeichen verschwunden und hat ein Vakuum zwischen "Seepferdchen", Blutspenderabzeichen und dem Großkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland hinterlassen. Was gab es nicht alles für wunderbare Sachen! Welche Tristesse beherrscht doch die Berliner Republik! Weder ist die Aufnahme in "The Most Noble Order of the Garter" möglich, noch ist ein wohlklingender "Hofrat" zu erringen.
Aber es zeigt sich ein Silberstreif am Horizont!

Im Bereich der nichtstaatlichen Auszeichnungen tut sich nun etwas! In der Blogozese gibt es erste Anzeichen für die Einführung eines Preises oder Verdienstordens. Bei der Namensgebung ist man noch in der Findungsphase.
Wie der Preis aussehen soll, scheint auch noch nicht klar.
Ich persönlich wäre ja schon für etwas Repräsentativeres, auch um sich von solchen Fragwürdigkeiten wie dem einstmals von "Imprimatur" verliehenen Senforden deutlich abzuheben (siehe dort unter "Besondere Aktionen").
Also schaut bei Alipius rein, macht bei der Abstimmung mit und sprüht Geist bei den Kommentaren!

Mittwoch, 21. Juli 2010

Krawattini

Vor über 1 1/2 Jahren wurde in Vechta dem Kirchenvolk eine Novität vorgestellt, die Kirchenkrawatte.
"Offizialat präsentiert erste Krawatte der katholischen Kirche. Flagge zeigen mit der Kirchenkrawatte" lauten die Überschriften.
Damals habe ich den Artikel überhaupt nicht wahrgenommen, obwohl ich als regelmäßiger kath.net Leser dort den Hinweis hätte finden müssen. Ein lieber Freund schickte vor einigen Tagen den Link per mail.
Zunächst einmal dachte ich bei der Überschrift, jetzt sollte eine Art "Dienstkrawatte" für die Schlipsfraktion des deutschen Klerus eingeführt werden. Aber das kann ja nicht sein. Diese Herren lassen sich ja bekanntlich weder disziplinieren noch in irgendeiner Art und Weise uniformieren.
Neugierig fing ich an, den Artikel nun doch zu lesen.
"An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen," ... steiler Einstieg, denke ich mir. Die Frucht der Kirche Gottes in Deutschland ist also das "Designen" einer Krawatte.
Halt! Sei nicht so bissig, denke ich mir und lese weiter.
"Doch künftig könnten waschechte Katholiken auch anhand ihrer Krawatten identifizierbar sein. Zumindest, wenn es nach dem Vechtaer Theologen Dietmar Kattinger geht. Er ist der Erfinder der ersten katholischen Kirchenkrawatte. Und will damit zum modischen Flaggezeigen anregen."
Also waschechte Katholiken tragen also Kirchenkrawatte. Ich dachte immer man müsse regelmäßig die entsprechenden Sakramente empfangen und der Sonntagspflicht nachkommen. Äußere Kennzeichnungen seien nicht erforderlich, dafür aber zu gegebener Zeit ein Glaubenszeugnis...
Sicher gibt es Regionen in Deutschland, wo man an der Westenfarbe des Mannes die Konfession der Familie erkennen kann. Aber wollen wir nun wieder "trachteln"?
Nun was halte ich davon?
Trachteln soll, wer will undwenn es in die Region paßt, aber was ich von der Krawatte halte, läßt sich kurz und knapp sagen:
Nichts aber auch rein gar nichts!

Zum Einen ist es die Farbwahl.
So sehr auch gelb/weiß ein "mutiges Bekenntnis" zur Kirche darstellt (zumindest zur Fahne des Vatikans), so stellt sie als Krawattenfarbe eine echte Herausforderung dar und zwar nicht für alle Zweifler und Feinde der Kirche sondern -über alle Konfessionsgrenzen hinweg- für alle Verteidiger des guten Geschmacks! Es ist ein echtes Opfer für alle, denen der Herr Geschmack und Farbempfinden in die Wiege gelegt hat. Wer so etwas trägt, opfert seinen guten Geschmack auf dem Götzenaltar des Zeitgeistes und der vordergründigen PR-Mache. Hier ist jeder Katholik nach St. Thomas von Aquin nur noch seinem Gewissen verpflichtet.
(Entschuldigung! Der Schock..., ich habe mich etwas gehen lassen...)
Die Farben gelb (gold) und weiß sind nicht gerade dazu angetan, im Alltag getragen zu werden. Die Farben erzwingen geradezu einen Cutaway mit gestreiften Hosen (vor 18.00h!!!), einen schwarzen Anzug oder zumindest einen grauen Dreiteiler.
Sie suggerieren zumindest bei mir die Teilnahme als männliche Hauptperson bei einer kirchlichen Vermählungsfeier. Für den Gang ins Büro oder zum Essen eignet sich diese Farbkombination überhaupt nicht. Man sieht damit immer aus, als ob man auf dem Weg zur Kirche die Orientierung verloren hat oder ob man sich die ganze Sache noch einmal anders überlegt hat (lucky exit)!
Oder ist das nur der erste Schritt ?
In mir keimt Hoffnung auf!
Genau! Die Krawatte ist der Anfang einer Kleiderreform! Es ist wieder Stil gefragt. Ein waschechter Katholik weiß, was er am Sonntag zu tragen hat: Cutaway, top hat und Kirchenkrawatte... Nein, die ganz bestimmt nicht!
Im Artikel finde ich dazu keine Anhaltspunkte. War ja auch nicht zu erwarten.
Es wird eher peinlicher!
Am unteren Ende der Krawatte hat der findige Designer noch etwas einsticken lassen:
Dort steht: "Gern katholisch"
Als humorige Note und als möglicher Einstieg in ein Gespräch!
Einstieg in ein Gespräch?
Die Aufschrift an dieser Stelle?
Wenn ich versuchen sollte, diese Worte zu entziffern, muß ich bei eine korrekt gebundenen Krawatte dem Träger derselben in eine Region des Körpers starren, auf die ich während einer Konversation nicht schauen kann, ohne daß dieser Blick mißverstanden werden könnte. Im besten Falle vermutet das Gegenüber einen Fleck im Hemd im schlimmeren Fall ein Reißverschlußproblem, im GAU macht er sich Gedanken darüber, ob ich, äh... Sie wissen schon was ich meine!
Es ist auf jeden Fall kein lustiger Aufmacher für ein unverkrampftes Gespräch über ein ach so fröhliches Krawattenverhältnis zur Kirche Gottes.

Ich hatte oben mit "Zum Einen..." den ersten Durchgang eingeleitet.
Es fehlt noch "Zum Anderen..." ein weiterer.
Dieser folgt nun:

Wer trägt Seidenkrawatten von den bekennenden Katholiken und Kirchenbesuchern?
Gut, ich bekenne mich dazu, daß wenn schon, dann nur Seide, allein wegen der Farben und des Knotenfalls...
Ich meine aber etwas anderes!
Wer geht denn zur Heiligen Messe?
Diejenigen, die "krawattiert" zur Kirche kommen, wissen sich anderen Regeln verpflichtet, als Designideen und zweifelhaften Bekleidungstipps aus der Bistumsverwaltung!
Aber diese "Krawattini" sind doch eher die Ausnahme, eine kleine Minderheit unter den Kirchenbesuchern.
Die bürgerliche Mitte oder was davon noch übrig ist, hat sich fast ganz verabschiedet.
Diejenigen, die am Sonntag dem Herrn zur Ehre lobsingen, sind in der Regel nicht die "schlipsbewehrten Leistungsträger" unserer neoliberalen Gesellschaft. Diese sind eher der Totalausfall vor dem Altar Gottes. Hier finden sich eher jene, deren Karriere nicht so weltlich erfolgreich (verlaufen) sind.
Anders gesagt: Es ist einfach nicht der "dresscode" des Durchschnittskatholiken. Tja,... der Realitätsbezug.

An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen!
Die katholische Kirche deutscher Zunge bringt zwar kaum noch Priester und Ordensleute hervor, aber dafür produziert sie "lustige" Seidenkrawatten für 19,90 €.