Donnerstag, 27. August 2009

Pastoral und einfühlsam

Ich bin mal wieder sprachlos, liebe Mitblogozesanen und werde das in aller Ausführlichkeit zum Ausdruck bringen!
Der Grund dafür ist folgende Geschichte:
Es erreichten mich soeben Nachrichten aus der westf. Provence.
Dort setzt in einem Städtchen eher unvermittelt ein Fusionsprozess der zum Teil steinalten Pfarreien ein. Wenige ahnten was, kaum einer wußte bisher genaueres, der Klerus hüllte sich in Schweigen oder verbreitete "gezielte Indiskretionen" an ausgewählte Clubs und Freunde. Nachdem nun ein Pfarrer das eisige Schweigen gebrochen hat, weil er seine Verantwortung wahrnehmen will, gehen nun die Wogen hoch. Ein weiterer zog dann notgdrungen nach. Die übrigen Stadtgemeinden träumen immer noch den Traum der Volkskirche mit sakramentaler Vollpension, wenn sie nicht durch die Tageszeitung und die Berichterstattung über die Infoabende auch langsam wach geworden sind. Die Kirchenzeitung des ungenannten Bistums brachte wenig bis kein erhellendes Material in den letzten Monaten zu dieser Thematik!
Die düsteren Perspektiven ab 2011 stellen sich wie folgt dar:
Nur ein Pfarrer für die Stadt samt allen Dörfern und ein vic. coop. plus eine ungenannte Zahl an Diakonen und Laientheologen für (bis jetzt) über 2x.000 Seelen, verteilt auf eine beinahe zweistellige Anzahl von Pfarreien. Der Wechsel geht also vom trauten katholisch-westfälischen Schlaraffenland zur Wirklichkeit im Ruhrgebiet in knapp einem Jahr.
Dieser vic. coop. (ein "Nochpfarrer" aus einer Fusionspfarrei) hat bei einer Pfarrversammlung in x durch seine Wortbeiträge gezeigt, mit welcher pastoralen Einfühlsamkeit und Behutsamkeit er diesen Prozess unterstützen will, wenn man der örtlichen Presse in ihrer Berichterstattung folgen möchte. Nachdem namhafte Pfarrkinder (die weit über 50 Aktiven Köpfe der Gemeinde) ihre Bestürzung und ihr Unverständnis über diesen Prozess, seinen Ablauf (undemokratisch) und die Folgen (unnötiger Kahlschlag) zum Ausdruck gebracht hatten, gab ihnen ihr zukünftiger Hilfshirte folgenden aufmunternden Satz mit auf den Weg, der die Stärkung der Laien unterstreichen sollte: "Es darf dann nicht mehr dieses Affentheater geben, wenn ein Laie eine Trauung leitet!"
Schluß mit lustig!
Extrawurst gibt es nicht mehr!
Druck und EPa!
Besser kann man es nicht sagen oder?
So baut man Brücken!
Hier zeigen sich doch schon im Ansatz die Fähigkeiten dieser Person, in diesem schwierigen Prozess als einfühlsamer, vermittelnder und mitfühlender Seelsorger die Menschen nicht mit ihren Ängsten und Nöten allein zu lassen und aufzufangen.
Ich könnte schreien!
Apropos Druck und EPa. Vielleicht könnte man ja eine adaptierte Feldtrauung wieder einführen, so wie damals im WK II. Während der Bräutigam als Held an der Ostfront lag oder gerade gefallen war, saß die Braut an der Heimatfront im Standesamt neben einem Stahlhelm als repraesentatio des Abwesenden.
Das war doch ein bekanntes Modell.
Ein Birett auf dem Volxaltar als repraesentatio... hm...
Geht nicht! Das Birett ist ein Erkennungszeichen der Ewiggestrigen!
Da müßte dann schon der Dienstschlips des Pfarrers, die Alltagssandalen oder die Brille, die jeder kennt, her! So wäre doch in dieser harten Zeit wenigstens etwas von ihm anwesend, so wie damals...

Erzbischof blogt!

so weiß Stanislaus zu berichten.
Mir fiel dazu ein ganz schlechter Kalauer ein:
Erst blockt er nur und nun blogt er auch noch!

Je länger ich ihn betrachte, umso besser finde ich ihn!

Mittwoch, 12. August 2009

Vermischtes vom Tage

Die Glosse des Vortages hat eine erfreuliche Resonanz gefunden. Sponsa Agni hat bei Father Z noch weitere schöne Bilddokumente aus katholischen Kinderzimmern gefunden. Klasse!

Radio Vatikan tickerte heute eine Meldung durchs Netz, die das Verhältnis zwischen Katholiken und Moslems unter dem Pontifikat Benedikt XVI. aus der Sicht eines römischen Islamexperten darstellt:
"Viele islamische Intellektuelle respektierten den Papst gerade wegen seiner herausfordernden Beiträge, sagte der deutsche Jesuit (Felix Görner) am Dienstag der Katholischen Nachrichten-Agentur in Frankfurt."
Das unterscheidet islamische Intelektuelle vom (christlichen) Durchschnittsintelektuellen in Deutschland!
"Das Kirchenoberhaupt habe das wohlwollende Interesse seines Vorgängers Johannes Paul II. am Islam um die wissenschaftliche Debatte mit dem Islam erweitert. Die katholische Kirche habe gegenüber dem Islam einen „angenehm gelassenen Ton“ gefunden, fügte Körner hinzu."

Hört, hört!

Dienstag, 11. August 2009

Pädagogisch wertvoll (Achtung: Glosse!)

Wie manch anderer ist auch der Autor dieser Zeilen mit den Produkten der Firma geobra Brandstätter aufgewachsen. Als 1974 die ersten playmobil-Figuren in die Spielwarenläden kamen, habe ich sofort mein Taschengeld dafür ausgegeben. Nach und nach kamen immer mehr Püppkes zusammen, dazu Häuser, Fahrzeuge und und und. Eine meiner Lieblingsszenarien waren Festumzüge, allen voran Fronleichnamsprozessionen. Bei mir im Kinderzimmer war mindestens einmal in der Woche, Fronleichnam! Notwendige Teile, die nicht im Sortiment zu finden waren, wurden selbst gebastelt. Bis weit in die 1990er Jahre hat die Firma playmobil sich "weltanschaulich neutral" gehalten und keine Kirchen, Paramente etc. angeboten. Auch jetzt gibt es nur eine kitschige "Hochzeitskirche", die sich eher an eine weibliche Zielgruppe richtet. Also wurde aus Stadtturm, Stadtmauer und diverser Gebäudeteile (damals war alles noch eine Art Baukastenprinzip und frei kombinierbar) eine große Stadtkirche gebaut, die ich im Schaufenster eines großen Spielwarengeschäftes gesehen hatte. Glocken hatte ich auch (Messingminiaturen von Graßmayr, Inssbruck!!!) Festgeläut! Der Zoch kütt, mit Ehrengarde und was im Rheinland halt alles so dazugehört!!! Härrlisch!
Daneben gab es auch Heiligenfeste (natürlich mit Reliquienprozessionen, is ja klar!), das Requiem erster Klasse, Pontifikalämter etc. Nä, war dat schön!
Mit großer Neugier hörte ich den Kindheitserinnerungen meiner Oma zu. Denn dort existierte im Hause ein großer Spielaltar für die Jungs. Dort wurden stille Messen, Hochämter (Dreimännerämter) etc. gespielt. Wenn mal einer der Brüder beim Fußball war, mußte Oma ministrieren. "Sehr fortschrittlich!" wird sich mancher vielleicht jetzt sagen, aber der älteste Bruder hatte vorher beim Dechanten nachgefragt, der ihm -in aller Rheinlichkeit- eine entsprechende Dispenz für den Notfall erteilte. Wunderbar! Das nötige Equipment wurde bei Wallfahrten erstanden. Ich lebte in der Zeit des Novus ordo und meine Oma erzählte aus der Zeit, in der man noch mit und in dem überlieferten Ritus lebte. Ich habe nie etwas von Befreiung von den "alten Zwängen und der Drohkirche" gehört. Vielmehr hatte ich den Eindruck, daß man die vergangene Zeit sehr geschätzt hatte. Der realexistierende deutsche Verbandskatholizismus stand und steht in unserer Familie auch heute noch nicht hoch im Kurs. Erst vor einigen Monaten begriff ich, daß sich die gesamte Familie nach der Liturgierevolution aus der Kirche still verabschiedet hatte. Es gab div. Rosenkränze und alte Kölner Gesangbücher, GLs aber nicht.
Ejaal! Wollte ich eigentlich gar nicht erzählen:
Also jetzt noch mal ganz kurz:
playmobil war in der Zeit des novus ordo ein probates Mittel zur Festigung im Glauben!
Jetzt habe ich ein erstes Zeugnis für die Umsetzung des Motu proprio in den Kinderzimmern entdeckt!
Es wird Zeit für die Diözesen, sich dieser Realität zu stellen und entsprechende Fortbildungen für Erzieherinnen katholischer Kindergärten, für Grundschulen, Jungendverbände, etc. anzubieten.
Schluß mit Nistkastenbau, Hüpfburg, Klettergarten! Altäre bauen! Staffelgebet üben!
Auch die Spielwarenindustrie hat skandalöserweise noch nicht darauf reagiert!

Ich sach ja immer wieder: Erst wenn in katholischen Familien neben der wii-Konsole auch wieder ein Spielaltar im Kinderzimmer steht und auf Kindergeburtstagen neben anderen Spielen auch wieder ein Zug von Jungs zum "Asperges" das elterlichen Wohnzimmer stürmt, ohne das sich eine aufgeklärte Tante daran stört, haben wir einen wirklich liberalen Zustand erreicht!

Mittwoch, 5. August 2009

Die Alternative im Superwahljahr 2009

Für alle, die in diesem Jahr noch nicht genau wissen, welcher Partei sie auf Bundesebene ihr Vertrauen und ihre Stimme geben sollen, habe ich eine echte Alternative entdeckt, die HSP! Sie ist links, liberal und konservativ zugleich.
Der Wahlwerbespot und die Internetpräsenz sind sehr aufschlußreich.