Dienstag, 24. März 2009

Satter Klang zur Fastenzeit

Heute bin ich über eine interessante Internetzseite gestolpert, das Hi-Fi hymn book. Es handelt sich um eine freie Seite mit einem akustisch sehr guten Angebot. Über die Interpretationen läßt sich trefflich streiten.
Als kleines Schmankerl ein Strophenlied aus der anglikanischen Tradition zur Fastenzeit "Forty days and forty nights":



Der Text:

Forty days and forty nights
Thou wast fasting in the wild;
Forty days and forty nights
Tempted, and yet undefiled.

Sunbeams scorching all the day;
Chilly dew-drops nightly shed;
Prowling beasts about Thy way;
Stones Thy pillow; earth Thy bed.

Should not we Thy sorrow share
And from worldly joys abstain,
Fasting with unceasing prayer,
Strong with Thee to suffer pain?

Then if Satan on us press,
Jesus, Savior, hear our call!
Victor in the wilderness,
Grant we may not faint nor fall!

So shall we have peace divine:
Holier gladness ours shall be;
Round us, too, shall angels shine,
Such as ministered to Thee.

Keep, O keep us, Savior dear,
Ever constant by Thy side;
That with Thee we may appear
At the eternal Eastertide.

Donnerstag, 19. März 2009

Von der Inquisition zur Vulkanisation

In den letzten Wochen bin ich immer wieder versucht, meinen nostalgischen Gefühlen nachzugeben. Früher, ja dammals war noch alles in Ordnung! Als ich heute meine diversen Postfächer "auf Leitung" prüfte, zeigte ein Postfachanbieter auf der "Bis die Tage!"-Seite mir eine Auswahl angeblich wichtiger Nachrichten.
Eine davon berichtete über die Reaktion der spanischen Regierung auf die Berichterstattung der Flugpressekonferenz, die der Heilige Vater (Lang lebe Benedikt XVI.!!!) auf dem Weg nach Afrika gegeben hat.
Die Form der Berichterstattung ist ja hinläglich bekannt:
Die Aussagen des Papstes werden auf eine römische Latexallergie verkürzt, die Fragen der Bildung, Erziehung und Verhaltensänderung im Sinne einer Humanisierung fallen mal wieder weg. Ist auch mal wieder nen bischen zu "nachhaltig gedacht" und insgesamt eine anstrengende Aufgabe.
Auf diese anstrengenden Aufgaben gibt es schlichte politische Antwort aus Spanien!
Was ist leichter als eine echte Reform?
Symbolpolitik!
Was ist einfacher als anstrengende Bildung?
Geschenke!
So handelt denn auch die spanische Regierung und schickt offensichtlich aus Protest gegen die unverstandenen Äußerungen des Heiligen Vaters erst einmal eine Ladung weltverbessernder Menschenfreundlichkeit auf den schwarzen Kontinent.
Wie blöd und zynisch muß man eigentlich sein, um sich zu einer solchen Aktion hinreißen zu lassen?
Hauptsache mal wieder antikatholisches Profil gezeigt oder was?
Wo sind denn das bahnbrechende, erfolgreiche Engagement und die Modelle Spaniens und der säkularen Restwelt für die Probleme Afrikas und die Aidsbekämpfung, gegen die sich der Heilige Vater so infam und unnötig auflehnt?
Steckt mal wieder mehr Geld in die Aids-Forschung!
Trotzt den Pharma-Konzernen die Patente auf Bluttests und Medikamente ab!
Schiebt einen Riegel vor die Preistreiberei der Patentbesitzer, die es den armen Ländern der Welt unmöglich machen, die Medikamente und Tests zu bezahlen!
Ich bin sauer, STINKSAUER!
Spanien, das Land, dessen königliche Majestäten einmal den Ehrentitel "allerkatholischste Majestäten trugen"und aus einem königliche Kloster heraus regierten,
das Land, in dem die Inquisition so segensreicht gewirkt hat (Lesen Sie dazu bitte Hans Conrad Zander!)
das Land, das die Armada gegen das ketzerische England aufgeboten hat,
schickt heutzutage billige Einwegprodukte in unzureichenden Mengen um den Heiligen Vater zu brüskieren!
Wo lebe ich eigentlich?

Die Initiative von Frau Dr. Gudrun Kugler fordert gleiche Rechte in Europa auch für Christen und unterhält eine Zwischennetzseite, auf der sich Opfer von christophobischen Übergriffen melden können. Sollte man der Kurie den Link nicht langsam mal schicken?

Montag, 16. März 2009

Sie können es nicht lassen!

Das nicht unbekannte Nachrichtenmagazin mit dem orange-roten Rahmen auf der Titelseite legt nach. Um die Person des Heiligen Vaters weiter zu demontieren und noch weiter in die rechtsextreme Ecke zu schieben, werden nun Verbindungen zu einem "zweifelhaften" Verlag in Österreich ausgegraben, der im Jahre 1998 einen Aufsatz des damaligen Kardinals Joseph Ratzinger nachgedruckt hatte. Ich warte auf den Tag, an dem das ungenannte Nachrichtenmagazin aus Hamburg nachweist, daß es in Marktl am Inn auch ein Mitglied der NSDAP gegeben hat und ein Redakteur nach den möglichen Einflüssen auf den "Buben Joseph" sucht.
Jetzt mal Spaß beiseite!
Es reicht!
Hier geht es nur noch um Demontage der Person und nicht mehr um kritischen Journalismus. Der Unterschied zwischen einer Karikatur in der englischen Boulevardpresse und diesem Artikel scheint mir ein nur sehr geringer zu sein. Während sich "The Sun", "Daily Mirror" und wie sie alle heißen mögen, sich mit Bildern an ein Publikum mit Leseschwächen richten, bedient dieses Magazin anscheinend eine Leserschaft mit ideologischem Tunnelblick, denen der Zugang zu anderen Medien offensichtlich nicht möglich ist, oder aus ideologischen Gründen von ihnen abgelehnt wird. Wer sonst könnte denn einen solchen Artikel und die gesamte Berichterstattung der letzten Wochen auch nur ernsthaft als seriöse Quelle halten? Die Starfighter-Affäre und der Fall "Neue Heimat" sind lange vorbei.
Tempora mutantur et nos mutamur in illis. Manches ändert sich halt nicht zum Besseren hin. Das gilt auch für Wochenzeitschriften!
Quod erat demonstrandum!

Die Frage zum Schluß:
Gibt es einen Preis für besonders schlechte Presseerzeugnisse, so etwas wie der berühmte "Goldene Pannemann" der Sendung "Wie bitte?"???

Sonntag, 15. März 2009

Zu den Reaktionen...

auf den Brief des Heiligen Vaters gab es erwartungsgemäß ein sehr geteiltes Echo in der Öffentlichkeit. Bei Motu Proprio gibt es dazu einen lesenswerten Kommentar, der sich besonders mit den Reaktionen der kna und der DBK beschäftigt.
Allen Lesern noch einen guten 3. Fastensonntag!

Donnerstag, 12. März 2009

Schweizer Bischof deckt Skandal auf: Die Heilige Kuh ist eine Stopfgans! (GLOSSE!)

So sähe wohl eine Überschrift aus, wenn diese Meldung bei kath.net, einen Aufmacher bei der Boulevardpresse wert wäre. Der Bischof von Basel, Mgr. Kurt Koch legt in einer nicht ohne Humor geschriebenen Analyse dar, daß nicht nur das Zweite Vatikanum von jedem Katholiken anzuerkennen sei, sondern auch alle anderen ökumenischen Konzile der Kirchengeschichte.
Es gäbe in den letzten Wochen zwar eine erfreuliche Steigerung der "Lehramtstreue" in der Schweiz, doch seine Analyse kommt zu einem unerfreulicheren Ergebnis.
In meinen eigenen Worten: Die Lehramtstreue ist nichts weiter als eine Fehldeutung des o.g. Konzils, in dessen Beschlüsse alles das hineingestopft würde, was den Grupppierungen, allen voran der "Geist-des-Konzils"-Flügel gerade gut schmeckt.
Man kennt das ja auch bei Rezepten. Der echte "Apfelkuchen sehr fein" steht im Dr. Oetker Backbuch "Backen macht Freude" aus dem Jahre 1960 (gibt es wieder als Reprint zu kaufen!) auf der Seite 28. Wenn Sie sich danach richten, bekommen sie einen wirklich feinen Klassiker auf die sonntägliche Tafel. Daneben gibt es dann die ganzen merkwürdigen Varianten, die sich dann alle aus dem "Geist des Rezeptes" angeblich folgerichtig ableiten lassen. Alles, was lecker sein könnte, steht da angeblich im Rezept oder ist zumindest mitgedacht, bis hin zur "unsüßen Variante". Ich mag diese Gespräche bei der Kaffeetafel, wenn dann die abenteuerlichsten Traditionslinien von den versammelten backenden Tanten der Verwandtschaft konstruiert werden. Ein besonderer Klöpper ist dann immer die "süße" oder "unsüße Variante", mit der dann alles gerechtfertigt wird. Da wird dann ganz schnell eine "Elsässer Quiche Lorraine" (HILFE!) zu ner unsüßen Variante des "Apfelkuchen sehr fein" aus Bielefeld! Fangen Sie dann bloß nicht an zu lachen! Ihnen fliegt dann die geballte Backerfahrung der Tanten um die Ohren. Der "Geist des Rezeptes" und Deutungen der Medien in persona der backenden Tante, sind eine Art Heilige Kuh.
So ähnlich, schreibt jetzt Mgr. Koch in seinen Worten, ist das auch mit dem Konzil und dem PSI-Flügel: Das Konzil ist also eine Art Grundidee, in der nach Stopfgansmanier alles reingestopft wird, was lecker ist und paßt. Die Heilige Kuh Konzil ist somit eigentlich gar keine Helige Kuh sondern ein kreativ gefüllte Stopfgans, ohne Grundkenntnis darüber, was eigentlich eine leckere gefüllte Gans eigentlich ausmacht... Ach, lesen Sie doch selbst nach!

Mittwoch, 11. März 2009

Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht...

und damit das nicht passiert, hier ein paar satirische Links zu Uncyclopedia! Hierbei handelt es sich um einen nicht ganz so nahen Verwandten von Wikipedia.
Dieser angeheiterte Schwippschwager ungleichen Namens aus Elberfeld bietet u.a. einen guten Artikel über die neue Zivilreligion political correctness, ebenso zu Nxxxx-Küssen, zur Historie des Dominostein-Day oder zur bahnbrechenden Technologie der pranzologischen Dextralsenzeuse.

Weiterhin fröhliches Fasten!

Unser Heiliger Vater zu Piusbruderschaft, Pannen und Prügel

bei der FAZ online gefunden!

Liebe Mitbrüder im bischöflichen Dienst!

Die Aufhebung der Exkommunikation für die vier von Erzbischof Lefebvre im Jahr 1988 ohne Mandat des Heiligen Stuhls geweihten Bischöfe hat innerhalb und außerhalb der katholischen Kirche aus vielfältigen Gründen zu einer Auseinandersetzung von einer Heftigkeit geführt, wie wir sie seit langem nicht mehr erlebt haben. Viele Bischöfe fühlten sich ratlos vor einem Ereignis, das unerwartet gekommen und kaum positiv in die Fragen und Aufgaben der Kirche von heute einzuordnen war. Auch wenn viele Hirten und Gläubige den Versöhnungswillen des Papstes grundsätzlich positiv zu werten bereit waren, so stand dagegen doch die Frage nach der Angemessenheit einer solchen Gebärde angesichts der wirklichen Dringlichkeiten gläubigen Lebens in unserer Zeit. Verschiedene Gruppierungen hingegen beschuldigten den Papst ganz offen, hinter das Konzil zurückgehen zu wollen eine Lawine von Protesten setzte sich in Bewegung, deren Bitterkeit Verletzungen sichtbar machte, die über den Augenblick hinausreichen. So fühle ich mich gedrängt, an Euch, liebe Mitbrüder, ein klärendes Wort zu richten, das helfen soll, die Absichten zu verstehen, die mich und die zuständigen Organe des Heiligen Stuhls bei diesem Schritt geleitet haben. Ich hoffe, auf diese Weise zum Frieden in der Kirche beizutragen.

Eine für mich nicht vorhersehbare Panne bestand darin, daß die Aufhebung der Exkommunikation überlagert wurde von dem Fall Williamson. Der leise Gestus der Barmherzigkeit gegenüber vier gültig, aber nicht rechtmäßig geweihten Bischöfen erschien plötzlich als etwas ganz anderes: als Absage an die christlichjüdische Versöhnung, als Rücknahme dessen, was das Konzil in dieser Sache zum Weg der Kirche erklärt hat. Aus einer Einladung zur Versöhnung mit einer sich abspaltenden kirchlichen Gruppe war auf diese Weise das Umgekehrte geworden: ein scheinbarer Rückweg hinter alle Schritte der Versöhnung von Christen und Juden, die seit dem Konzil gegangen wurden und die mitzugehen un d weiterzubringen von Anfang an ein Ziel meiner theologischen Arbeit gewesen war. Daß diese Überlagerung zweier gegensätzlicher Vorgänge eingetreten ist und den Frieden zwischen Christen und Juden wie auch den Frieden in der Kirche für einen Augenblick gestört hat, kann ich nur zutiefst bedauern. Ich höre, daß aufmerksames Verfolgen der im Internet zugänglichen Nachrichten es ermöglicht hätte, rechtzeitig von dem Problem Kenntnis zu erhalten. Ich lerne daraus, daß wir beim Heiligen Stuhl auf diese Nachrichtenquelle in Zukunft aufmerksamer achten müssen. Betrübt hat mich, daß auch Katholiken, die es eigentlich besser wissen konnten, mit sprungbereiter Feindseligkeit auf mich einschlagen zu müssen glaubten. Um so mehr danke ich den jüdischen Freunden, die geholfen haben, das Mißverständnis schnell aus der Welt zu schaffen und die Atmosphäre der Freundschaft und des Vertrauens wiederherzustellen, die - wie zur Zeit von Papst Johannes Paul II. - auch während der ganzen Zeit meines Pontifikats bestanden hatte und gottlob weiter besteht.

Eine weitere Panne, die ich ehrlich bedaure, besteht darin, daß Grenze und Reichweite der Maßnahme vom 21. 1. 2009 bei der Veröffentlichung des Vorgangs nicht klar genug dargestellt worden sind. Die Exkommunikation trifft Personen, nicht Institutionen. Bischofsweihe ohne päpstlichen Auftrag bedeutet die Gefahr eines Schismas, weil sie die Einheit des Bischofskollegiums mit dem Papst in Frage stellt. Die Kirche muß deshalb mit der härtesten Strafe, der Exkommunikation, reagieren, und zwar, um die so Bestraften zur Reue und in die Einheit zurückzurufen. 20 Jahre nach den Weihen ist dieses Ziel leider noch immer nicht erreicht worden. Die Rücknahme der Exkommunikation dient dem gleichen Ziel wie die Strafe selbst: noch einmal die vier Bischöfe zur Rückkehr einzuladen. Diese Geste war möglich, nachdem die Betroffenen ihre grundsätzliche Anerkennung des Papstes und seiner Hirtengewalt ausgesprochen hatten, wenn auch mit Vorbehalten, was den Gehorsam gegen seine Lehrautorität und gegen die des Konzils betrifft. Damit komme ich zur Unterscheidung von Person und Institution zurück. Die Lösung der Exkommunikation war eine Maßnahme im Bereich der kirchlichen Disziplin: Die Personen wurden von der Gewissenslast der schwersten Kirchenstrafe befreit. Von dieser disziplinären Ebene ist der doktrinelle Bereich zu unterscheiden. Daß die Bruderschaft Pius' X. keine kanonische Stellung in der Kirche hat, beruht nicht eigentlich auf disziplinären, sondern auf doktrinellen Gründen. Solange die Bruderschaft keine kanonische Stellung in der Kirche hat, solange üben auch ihre Amtsträger keine rechtmäßigen Ämter in der Kirche aus. Es ist also zu unterscheiden zwischen der die Personen als Personen betreffenden disziplinären Ebene und der doktrinellen Ebene, bei der Amt und Institution in Frage stehen. Um es noch einmal zu sagen: Solange die doktrinellen Fragen nicht geklärt sind, hat die Bruderschaft keinen kanonischen Status in der Kirche und solange üben ihre Amtsträger, auch wenn sie von der Kirchenstrafe frei sind, keine Ämter rechtmäßig in der Kirche aus.

Angesichts dieser Situation beabsichtige ich, die Päpstliche Kommission „Ecclesia Dei“, die seit 1988 für diejenigen Gemeinschaften und Personen zuständig ist, die von der Bruderschaft Pius' X. oder ähnlichen Gruppierungen kommend in die volle Gemeinschaft mit dem Papst zurückkehren wollen, in Zukunft mit der Glaubenskongregation zu verbinden. Damit soll deutlich werden, daß die jetzt zu behandelnden Probleme wesentlich doktrineller Natur sind, vor allem die Annahme des II. Vatikanischen Konzils und des nachkonziliaren Lehramts der Päpste betreffen. Die kollegialen Organe, mit denen die Kongregation die anfallenden Fragen bearbeitet (besonders die regelmäßige Kardinalsversammlung an den Mittwochen und die ein- bis zweijährige Vollversammlung), garantieren die Einbeziehung der Präfekten verschiedener römischer Kongregationen und des weltweiten Episkopats in die zu fällenden Entscheidungen. Man kann die Lehrautorität der Kirche nicht im Jahr 1962 einfrieren - das muß der Bruderschaft ganz klar sein. Aber manchen von denen, die sich als große Verteidiger des Konzils hervortun, muß auch in Erinnerung gerufen werden, daß das II. Vaticanum die ganze Lehrgeschichte der Kirche in sich trägt. Wer ihm gehorsam sein will, muß den Glauben der Jahrhunderte annehmen und darf nicht die Wurzeln abschneiden, von denen der Baum lebt.

Ich hoffe, liebe Mitbrüder, daß damit die positive Bedeutung wie auch die Grenze der Maßnahme vom 21. 1. 2009 geklärt ist. Aber nun bleibt die Frage: War das notwendig? War das wirklich eine Priorität? Gibt es nicht sehr viel Wichtigeres? Natürlich gibt es Wichtigeres und Vordringlicheres. Ich denke, daß ich die Prioritäten des Pontifikats in meinen Reden zu dessen Anfang deutlich gemacht habe. Das damals Gesagte bleibt unverändert meine Leitlinie. Die erste Priorität für den Petrusnachfolger hat der Herr im Abendmahlssaal unmißverständlich fixiert: „Du aber stärke deine Brüder“ (Lk 22, 32). Petrus selber hat in seinem ersten Brief diese Priorität neu formuliert: „Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die in euch ist“ (1 Petr 3, 15). In unserer Zeit, in der der Glaube in weiten Teilen der Welt zu verlöschen droht wie eine Flamme, die keine Nahrung mehr findet, ist die allererste Priorität, Gott gegenwärtig zu machen in dieser Welt und den Menschen den Zugang zu Gott zu öffnen. Nicht zu irgendeinem Gott, sondern zu dem Gott, der am Sinai gesprochen hat; zu dem Gott, dessen Gesicht wir in der Liebe bis zum Ende (Joh 13, 1) - im gekreuzigten und auferstandenen Jesus Christus erkennen. Das eigentliche Problem unserer Geschichtsstunde ist es, daß Gott aus dem Horizont der Menschen verschwindet und daß mit dem Erlöschen des von Gott kommenden Lichts Orientierungslosigkeit in die Menschheit hereinbricht, deren zerstörerische Wirkungen wir immer mehr zu sehen bekommen.

Die Menschen zu Gott, dem in der Bibel sprechenden Gott zu führen, ist die oberste und grundlegende Priorität der Kirche und des Petrusnachfolgers in dieser Zeit. Aus ihr ergibt sich dann von selbst, daß es uns um die Einheit der Glaubenden gehen muß. Denn ihr Streit, ihr innerer Widerspruch, stellt die Rede von Gott in Frage. Daher ist das Mühen um das gemeinsame Glaubenszeugnis der Christen - um die Ökumene - in der obersten Priorität mit eingeschlossen. Dazu kommt die Notwendigkeit, daß alle, die an Gott glauben, miteinander den Frieden suchen, versuchen einander näher zu werden, um so in der Unterschiedenheit ihres Gottesbildes doch gemeinsam auf die Quelle des Lichts zuzugehen - der interreligiöse Dialog. Wer Gott als Liebe bis ans Ende verkündigt, muß das Zeugnis der Liebe geben: den Leidenden in Liebe zugewandt sein, Haß und Feindschaft abwehren die soziale Dimension des christlichen Glaubens, von der ich in der Enzyklika „Deus caritas est“ gesprochen habe.

Wenn also das Ringen um den Glauben, um die Hoffnung und um die Liebe in der Welt die wahre Priorität für die Kirche in dieser Stunde (und in unterschiedlichen Formen immer) darstellt, so gehören doch auch die kleinen und mittleren Versöhnungen mit dazu. Daß die leise Gebärde einer hingehaltenen Hand zu einem großen Lärm und gerade so zum Gegenteil von Versöhnung geworden ist, müssen wir zur Kenntnis nehmen. Aber nun frage ich doch: War und ist es wirklich verkehrt, auch hier dem Bruder entgegenzugehen, „der etwas gegen dich hat“ und Versöhnung zu versuchen (vgl. Mt 5, 23f)? Muß nicht auch die zivile Gesellschaft versuchen, Radikalisierungen zuvorzukommen, ihre möglichen Träger - wenn irgend möglich - zurückzubinden in die großen gestaltenden Kräfte des gesellschaftlichen Lebens, um Abkapselung und all ihre Folgen zu vermeiden? Kann es ganz falsch sein, sich um die Lösung von Verkrampfungen und Verengungen zu bemühen und dem Raum zu geben, was sich an Positivem findet und sich ins Ganze einfügen läßt? Ich habe selbst in den Jahren nach 1988 erlebt, wie sich durch die Heimkehr von vorher von Rom sich abtrennenden Gemeinschaften dort das innere Klima verändert hat; wie die Heimkehr in die große, weite und gemeinsame Kirche Einseitig keiten überwand und Verkrampfungen löste, so daß nun daraus positive Kräfte für das Ganze wurden. Kann uns eine Gemeinschaft ganz gleichgültig sein, in der es 491 Priester, 215 Seminaristen, 6 Seminare, 88 Schulen, 2 Universitäts-Institute, 117 Brüder und 164 Schwestern gibt? Sollen wir sie wirklich beruhigt von der Kirche wegtreiben lassen? Ich denke zum Beispiel an die 491 Priester. Das Geflecht ihrer Motivationen können wir nicht kennen. Aber ich denke, daß sie sich nicht für das Priestertum entschieden hätten, wenn nicht neben manchem Schiefen oder Kranken die Liebe zu Christus da gewesen wäre und der Wille, ihn und mit ihm den lebendigen Gott zu verkünden. Sollen wir sie einfach als Vertreter einer radikalen Randgruppe aus der Suche nach Versöhnung und Einheit ausschalten? Was wird dann werden?

Gewiß, wir haben seit langem und wieder beim gegebenen Anlaß viele Mißtöne von Vertretern dieser Gemeinschaft gehört - Hochmut und Besserwisserei, Fixierung in Einseitigkeiten hinein usw. Dabei muß ich der Wahrheit wegen anfügen, daß ich auch eine Reihe bewegender Zeugnisse der Dankbarkeit empfangen habe, in denen eine Öffnung der Herzen spürbar wurde. Aber sollte die Großkirche nicht auch großmütig sein können im Wissen um den langen Atem, den sie hat; im Wissen um die Verheißung, die ihr gegeben ist? Sollten wir nicht wie rechte Erzieher manches Ungute auch überhören können und ruhig aus der Enge herauszuführen uns mühen? Und müssen wir nicht zugeben, daß auch aus kirchlichen Kreisen Mißtönendes gekommen ist? Manchmal hat man den Eindruck, daß unsere Gesellschaft wenigstens eine Gruppe benötigt, der gegenüber es keine Toleranz zu geben braucht; auf die man ruhig mit Haß losgehen darf Und wer sie anzurühren wagte - in diesem Fall der Papst -, ging auch selber des Rechts auf Toleranz verlustig und durfte ohne Scheu und Zurückhaltung ebenfalls mit Haß bedacht werden.

Liebe Mitbrüder, in den Tagen, in denen mir in den Sinn kam, diesen Brief zu schreiben, ergab es sich zufällig, daß ich im Priesterseminar zu Rom die Stelle aus Gal 5, 13 - 15 auslegen und kommentieren mußte. Ich war überrascht, wie direkt sie von der Gegenwart dieser Stunde redet: „Nehmt die Freiheit nicht zum Vorwand für das Fleisch, sondern dient einander in Liebe! Das ganze Gesetz wird in dem einen Wort zusammengefaßt: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst! Wenn ihr einander beißt und zerreißt, dann gebt acht, daß ihr euch nicht gegenseitig umbringt.“ Ich war immer geneigt, diesen Satz als eine der rhetorischen Übertreibungen anzusehen, die es gelegentlich beim heiligen Paulus gibt. In gewisser Hinsicht mag er dies auch sein. Aber leider gibt es das „Beißen und Zerreißen“ auch heute in der Kirche als Ausdruck einer schlecht verstandenen Freiheit. Ist es verwunderlich, daß wir auch nicht besser sind als die Galater? Daß uns mindestens die gleichen Versuchungen bedrohen? Daß wir den rechten Gebrauch der Freiheit immer neu lernen müssen? Und daß wir immer neu die oberste Priorität lernen müssen: die Liebe? An dem Tag, an dem ich darüber im Priesterseminar zu reden hatte, wurde in Rom das Fest der Madonna della Fiducia unserer Lieben Frau vom Vertrauen - begangen. In der Tat - Maria lehrt uns das Vertrauen. Sie führt uns zum Sohn, dem wir alle vertrauen dürfen. Er wird uns leiten - auch in turbulenten Zeiten. So möchte ich am Schluß all den vielen Bischöfen von Herzen danken, die mir in dieser Zeit bewegende Zeichen des Vertrauens und der Zuneigung, vor allem aber ihr Gebet geschenkt haben. Dieser Dank gilt auch allen Gläubigen, die mir in dieser Zeit ihre unveränderte Treue zum Nachfolger des heiligen Petrus bezeugt haben. Der Herr behüte uns alle und führe uns auf den Weg des Friedens. Das ist ein Wunsch, der spontan aus meinem Herzen aufsteigt, gerade jetzt zu Beginn der Fastenzeit, einer liturgischen Zeit, die der inneren Läuterung besonders förderlich ist und die uns alle einlädt, mit neuer Hoffnung auf das leuchtende Ziel des Osterfestes zu schauen.

Mit einem besonderen Apostolischen Segen verbleibe ich

im Herrn Euer


Aus dem Vatikan, am 10. März 2009

Donnerstag, 5. März 2009

SPASSEKENMACHER


Was wird hier wohl gerade gerufen?
a)Ein dreifach donnerndes: Kölle...!
b) Kamelle!
c) Hipp, hipp!...
d) Düsseldorf... nee, nee, nee! Dat kann nich!


Was paßt hier wohl besser?
a) Ein Tänzchen in Ehren...
b) Ach wär ich nur ein einzig Mal ein stolzer Prinz im Karneval...
c) ... sowas ham wer lange nicht gesehn! So schön, so schöön!
d) Laßt uns schütteln die Hände!

Lösungen:
Bild 1
a) unwahrscheinlich
b) nicht unmöglich
c) möglich
d) niemals!

Bild 2
a) vielleicht
b) kann
c) man weißet nich!
d) Asterix bei den Briten kam erst später raus!

Die Bilder zeigen nicht eine besondere Form des niederländischen Karnevals (was immer das auch sein sollte?!) sondern die ausgelassene, vorkonziliare Straßenfête nach der Weihe des Bischof-Koadjutors Mgr. Jan Bluyssen in 's Hertogenbosch am 27.12.1961!
Das waren noch Zeiten, damals: unverkrampft, fröhlich, volksnah. WAHNSINN!!!

Es sind Bilder aus der guten alten Zeit des niederländischen Katholizismus am Vorabend des Niedergangs.
Die Veränderungen der Zeit danach, als dann der vielbeschworene "frische Wind"wehte oder der sog. "Geist des Konzils" sich auch in der römisch-katholischen Kirche in den Niederlanden ausbreitete, hat ein Blogger einmal so in nüchternen Zahlen zusammengefaßt:
"During the 1950s, the Netherlands possessed a higher ratio of priests and religious to Catholic population than any other European country. Its Sunday Mass attendance rate was among the highest in the world at the time of the Council; as late as 1967, the figure was still 63 per cent, including 84 per cent in rural areas. The Dutch Church's missionary activity before Vatican II was unequalled in the world: with two per cent of the world's Catholics, it provided 11 per cent of it missionary priests. Yet within scarcely ten to fifteen years there was almost complete collapse. For example, between 1960 and 1977, ordinations to the priesthood fell from 318 to 16, a far worse drop than in neighbouring Belgium and West Germany. Mass attendance fell to less than 20 per cent of the pre-Vatican II high of 70-75 per cent; again a much worse decline than elsewhere. At the same time, 4300 nuns and brothers left religious life and over 2000 secular priest defected or were laicised: this was three time the world average. By the 1980s, the Church in Holland was in a condition of de facto schism. The Papacy and the Vatican were viewed with undisguised hostility or disdain by a big proportion of nominal Catholics while Catholic doctrines and teachings were widely rejected."

Quelle mit weiteren Hintergrundinfos: hier und ein aktuelleres Beispiel aus den NL hier.

Montag, 2. März 2009

Ankündigungen aus Rom

Es geht mit der "Rehabilitierung" (mein persönliches Unwort des Jahres 2009!) des gregorianischen Ritus ein wichtiges Stück weiter. Drei außerordentliche Feiern sind für März und April angekündigt worden, die u. a. von namhaften Vertretern der Kurie gefeiert werden:
Eine Priesterweihe (Erzbischof Burke),
ein Hochamt in der Lateranbasilika zur 800 Jahrfeier der Genehmigung der Franziskanerregel, sowie ein Pontifikalamt ebenda, welches der neue Präfekt der Kongregation für den Gottesdienst (wir berichteten) zelebrieren wird.
(Gelesen auf der deutschen Seite zum Motu proprio.)

Sonntag, 1. März 2009

Aus gegebenem Anlaß


erkläre ich bis auf Widerruf dieses Weblog zum
offiziellen



Wer es mag, mag es kopieren!
(Manches geht nur noch mit Humor.)