Sonntag, 29. April 2018

All Gas and Gaiters

Wenn der Name der P. G. Wodehouse in unseren Breiten nicht unbekannt ist, so ist dies einer Serie zu verdanken, die in den 1990er Jahren seinen Romanfiguren Jeeves und Bertie Wooster ein mediales Denkmal setzten. Bertram Wilberforce Wooster, Adelssproß, geschlagen mit einem großen Vermögen und einem noch größeren geistigen Unvermögen, hat in seinem Butler Jeeves einen Begleiter, der ihn immer wieder mit großer Rafinesse aus unglücklichen Verloben befreit und ihn vor modischen Entgleisungen zu bewahren weiß. Reginald Jeeves, ein Mann mit profundem Wissen, war sogar  Namensgeber einer ehemals exzellenten Suchmaschine, die später leider von Tante Guggel überflügelt wurde. Was man vom Ratschlag gewisser Tanten zu halten hat, kann man bei Wodehouse lesen ...
Aber manchmal ist die Hilfe der alten Tante, die manchmal zuviel wissen will, gar nicht so schlecht.
So suchte ich vor einigen Tagen eine Übersetzung der englischen Redewendung "all gas and gaiters".
Ein erster Versuch über leodict brachte keine vernünftigen Ergebnisse. In einem anderen Lexikon finde ich den Hinweis zu den literarischen Wurzeln. Der früheste Beleg findet sich demnach bei Charles Dickens (Nicholas Nickleby, 1839). Die Redewendung soll bei Dickens einen mehr als zufriedenstellenden Zustand umschreiben. So benutzt ihn auch Wodehouse noch im Jahre 1961 (Ice  in the Bedroom). Doch was hat das mit "gas" und "gaiters" zu tun?
Gas steht Luft, Benzin und als Verb für "schwafeln/labern".
Wer "gaiters" guggelt, kommt schnell bei merkwürdigen, langen Schutzhüllen für Treckinghosen an.
Gaiters nennen sich aber auch die merkwürdigen, langen Gamaschen, die (früher ständig und heute nur noch zu Anlässen wie der königlichen Gartenparty) von der anglikanischen Geistlichkeit getragen wurden. Frogcoat, Kniehosen und Gaiters sind der Schlüssel zu einer weiteren Bedeutung dieser Redewendung, die sich im Laufe des 19. Jh's ausbildete und wenig günstiges Bild auf den Klerus. Gas and Gaiters steht für die eine Eloquenz, die wortreich wenig bis nicht mehr nachweisbaren Inhalt oder Sinn transportiert und mit einem übersteigerten Selbstbewußtsein gekoppelt ist. man dreht sich nur um sich selbst, hat den Bezug zur Außenwelt etwas verloren. Im Laufe des frühen 20. Jh's "säkularisiert" sich die Redewendung und steht nun für alle so auftretenden Personen.
In den 1960er Jahren hat die BBC mit einer Rundfunk- und Fernsehserie "All gas and gaiters" diese vieldeutige Redewendung als Titel gewählt, die mit viel Humor hinter die Klostermauern einer Bischofskirche schaut, wo in (manchmal in zu enger) Nachbarschaft die Mitglieder des Kapitels wohnen, was, wie ich gelernt habe, spannend, sehr spannend ...

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