Dienstag, 23. Januar 2018

Winterzeit - Lesezeit

Seit geraumer Zeit beziehe ich meine Lektüre (bis auf wenige Ausnahmen) aus Antiquariaten.
Kurz vor den sogenannten "Feiertagen" entdeckte ich in einer gutkatholischen Papier- und Buchhandlung am Niederrhein eine Neuausgabe der Pater-Brown-Geschichten des verehrten Gilbert Keith Chesterton. Ein katholisches Verlagshaus hatte eine Neuübersetzung erstellt und zwischen zwei ansprechend gestaltete Deckel "gebappt".
Gutgläubig, wie ich es manchmal noch sein kann, habe ich im Vertrauen auf die ordentliche Herkunft dieses Druckwerkes ein Exemplar gekauft. Vorfreude ist ja bekanntlich die schönste Freude und manchmal ist am Ende derselben auch kein Anlaß für die Fortsetzung unter anderen Vorzeichen. Doch in diesem Fall wurde ich nicht enttäuscht!!!
Eine gute und wortgetreue Übersetzung, bei der man das Original "durchschmeckt". Sie langt nicht ganz an die kongenialen Übersetzungen von Ulrich Enderwitz (Ketzer, Die andere Bibliothek) und Monika Noll (Orthodoxie, ebd.) heran, ist aber trotz angedrohter "Zeitgemäßheit" nicht zu sanft geraten.
Pater Brown und das Paradies der Diebe aus dem St.-Benno-Verlag.
Nicht antiquarisch, aber lesenswert!

Erinnern Sie sich noch an Dietrich Schwanitz und sein Buch "Bildung"?
Was hat es damals für einen Tumult gegeben, weil sich jemand anmaßte, so etwas wie eine Art Bildungskanon vorzulegen. Jetzt mit der zeitlichen Distanz von fast 20 Jahren muß man wohl festhalten, daß Herr Schwanitz mit seinem Buch eigentlich nur zusammengefaßt hatte, was man in Deutschland bis zu diesem Datum in einer guten, höheren Lehranstalt bis zum Schulabschluß alles geboten bekam.
Danach kam nur noch "Bruch und Dalles", durchideologisierte Reformpädagogik, Zeitgemäßes von Zeitgenossen, mittlerweile durchgegendert, vorgetragen in verfallenden Gebäuden. Anzügliche Sprüche gegenüber deutschen Geistesgrößen, dienen heute als Titel für Kassenschlager. Dummheit, schlechte Manieren, ungebildete Lehrer und verkommene öffentliche Gebäude als coole Unterhaltung für die Generation, die um ihre Bildung und Kultur betrogen worden ist.
Hauptsache barrierefrei!
Um so wichtiger ist es, sich unter den gegebenen Umständen und der herrschenden Staatsdoktrin der unausweichlichen, unaufgebbaren, alternativlosen Einheitsfront, die Litteratur neu in den Blick zu nehmen. Es geht darum, die Klassiker, ob alt ob neu, ob Aesop, Cervantes, Brecht, Fontane, Zuckmayer, Jünger oder Brecht und ihre zünde(l)nden Gedanken neu zu entdecken.
Günter Scholdt, Literarische Musterung, warum wir Kohlhaas, Don Quijote und ander Klassiker neu lesen müssen. Antaios Verlag

Damit bin ich mal wieder beim Thema Weltanschauung angelangt.
Wer kennt schon Juan Donoso Cortès oder hat etwas von ihm gelesen?
Sind Sie, werter Leser Katholik?
Vielleicht sogar "ein bischen Tradi"?
Sollten Ihnen dann der Name bisher nicht geläufig sein oder wenn überhaupt, dann nur mit einem negativen Beigeschmack, dann liegt es daran, daß er nicht zu den Siegern unserer Kirchengeschichte gehört und schon zu Lebzeiten von den progressiven Kräften ... Einer der besten Diplomaten seiner Zeit, Staatsphilosoph, gläubiger Katholik, eng verbunden mit Prosper Gueranger, brillanter Redner und weitsichtiger Politiker mit prophetischen Zügen.
Im Archiv der "Sezession" finden sie in der Ausgabe 18 einen Aufsatz, der Ihnen als Einstiegslektüre dienen könnte. Hier geht es zum pdf des Aufsatzes, hier zum Inhaltsverzeichnis und zum pdf des Gesamtheftes. (In gedruckter Form nicht mehr lieferbar, daher der Hinweis zum freien pdf beim Verlag)

Sie sind das Gerede über die sogenannte "Leitkultur" auch leid?
Haben Sie auch das Gefühl, daß die sogenannte "Zivilgesellschaft" nur noch ein lose angebundener Haufen von Egozentrikern ist, dem jegliche Gemeinsamkeit abhanden gekommen ist?
Sie möchten die Zustände nicht wie ein vor einiger Zeit verstorbener Politiker mit "spätrömischer Dekadenz" bezeichnen, aber gewisse Ähnlichkeiten fallen Ihnen schon auf?
Erscheint Ihnen die Demokratie immer mehr als Herrschaft des Geldes denn des Volkes?
Halten Sie vielleicht sogar "Optimismus" bei genauerer Überlegung für Feigheit!
Dann trauen Sie sich mal was! Zu Oswald Spengler und seiner Sicht zum Untergang des Abendlandes können Sie hier einen interessanten Zugang finden. (In gedruckter Form nicht mehr lieferbar, daher der Hinweis zum freien pdf beim Verlag)

Und über eine Alternative zur Marktwirtschaft haben sich die Freunde Hilaire Belloc und Gilbert Keith Chesterton auch so ihre Gedanken gemacht. Aber mehr kann ich Ihnen zum Distributismus leider nicht sagen. Da muß ich noch ein wenig suchen!

(So, nun ist nach längerer Pause der Eintrag endlich fertig geworden.
Ich stelle ihn jetzt erst mal zur Lektüre ins Netz. Die Tippfehler werde ich in den nächsten Tagen sukzessive ausmerzen.)

Denken Sie immer daran:
Die Freiheit wohnt in den Antiquariaten!

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