Montag, 25. April 2016

Der Tanz zum Sonntag

Etwas verspätet, aber mit Blick auf die Ereignisse von gestern möchte ich Ihnen heute einfach nur einen Tango vorstellen. Musik: Will Meisel, Text von Willy Rosen und Marcel Lion. Sie hören Marek Weber mit seinem Orchester in einer historischen Aufnahme aus dem Jahre 1930:


Dienstag, 19. April 2016

Kultur für Körper und Geist

Da der Staatsfunk seinem Bildungsauftrag nicht mehr nachkommt, sind wir allesamt auf die Angebote des Internets zurückverwiesen. Dort finden sich Beiträge aus den Kindertagen eben jener Rundfunkanstalten, die diesem Auftrag noch gerecht wurden.
Ich erlaube mir, Ihnen die Serie "Gestatten Sie? Tanzen mit dem Ehepaar Fern" ans Herz zu legen. Wenn Sie Ihre Bewegungsabläufe auf dem Parkett über den Horizont von Klammerblues und Discofox hinaus weiten wollen, sind Sie mit dieser Serie bestens beraten. Sie ist ein Hort alter Gesellschafts- und vergessener Modetänze, welche Sie dank der charmanten wie präzisen Anleitung zu neuem Leben erwecken können.
Trauen Sie sich mal was!
Raus aus dem Einerlei der Tatortabende und Talkshows!
Machen Sie es den Generationen vor 1968 nach:
Laden Sie Freunde ein, räumen Sie Ihre Möbel beiseite und los gehts! 
Dazu eine Ananasbowle, kalte Platte samt Käseigel und Russisch-Ei!
Üben Sie mit Ihren Freunden und dann wagen Sie sich an die echte Kulturrevolution:
Lehren Sie bei der nächsten Festivität, die Sie auszurichten haben, den Anhängern des Helene-Fischer-Einheitsbreies einmal richtig Mores!

Als Einstieg sei der etwas ruhigere Rheinländer (geschlossen und offen) empfohlen:



Retten Sie mit Körper und Geist ein wunderschönes Stück abendländischer Kultur!

Donnerstag, 14. April 2016

Se onverschämter Lömmel!


A: "Deutschland ist Exportweltmeister!"
B: "Richtig! Die deutsche Wirtschaft verkauft nur begehrte Spitzenqualität ins Ausland."
A: "Das hat Priorität in der Politik!"
B: "Genau! Deswegen exportiert die Bundesregierung das durch Steuern generierte Geld auch an jeden Staat, der danach begehrt!"
So oder so ähnlich lief bis vor gut 30 Jahren ein politischer Witz oder eine Kabarettnummer an. Danach hätte A protestiert und B hätte zur Untermauerung seiner Behauptung eine entsprechende Liste mit gut recherchierten Zahlen vorgestellt. Durchdachte Wortwahl, gesetzte Pointen ohne Dreingabe von Kraftausdrücken. Wenn auch das gute Tischgespräch eigentlich politische Themen verbietet, waren doch Inhalt und Wortwahl in diesen Tagen noch so, daß sie den Rahmen eines solchen nur selten gesprengt hätten.

Was Herr Böhmermann sich geleistet hat, erinnert hingegen eher an die Äußerungen einer Person mit Tourettsyndrom und Koprolalie. Es hat weder Hand noch Fuß, ist nicht witzig. Es ist schlichtweg eine Aneinanderreihung von Schimpfworten. Wenn es Ziele gehabt haben sollte, dann folgende: Tabubruch und maximale Provokation bei ebenso kompletter Preisgabe irgendeines Niveaus. Das ist gelungen!
Daneben hat er offensichtlich nicht bedacht, daß man mit Anhängern der "Friedensreligion" im Gegensatz zu Christen nicht folgenlos das Hänneschen machen kann. Vielleicht glaubt er ja wirklich, daß der Islam nach Europa gehört und in Europa genauso zahnlos reagiert wie die DBK oder die dauerbetroffen EKD. Und so hagelt es nun Klagen, er steht unter Polizeischutz und angeblich sucht die türkische Presse nach seinem Aufenthaltsort. Die Provokation war ein voller Erfolg. Diese vollkommene intelligenzfreie Nummer zieht  immer weitere Kreise. Und wenn man dann noch den vorschnellen Kotau der Kanzlerin mit in den Blick nimmt und die in den Reihen der Nationalen Front offen ausgesprochenen Zensurbegierlichkeiten, dann hat es schon fast etwas "demaskierendes". Aber aufgrund der nun wirklich nur als unverschämte Frechheiten zu bezeichnenden Zeilen hat er nun genau diesen Begierlichkeiten zu breiterem Verständnis verholfen.  Der große Schaden liegt nicht in der politischen Krise, in der jetzt der Bundeshosenanzug und seine Bangebuchsen stecken. Geschieht ihnen eigentlich ganz recht. Denn die von Ihnen betriebene Politik ist zum Schaden des deutschen Volkes und der Völker Europas. Herr Böhmermann ist auch ein Produkt des von Zwangsgebühren und Politikergremien überwachten Staatsfunkes. Der Schaden liegt ganz woanders. Es ist schwer, vor diesem Tableau die Freiheit der Künste zu verteidigen. Herr Böhmermann hat mit seiner zur Schau gestellten mangelnden Erziehung der Sache der Rede- und Meinungsfreiheit einen Bärendienst erwiesen.

Samstag, 2. April 2016

Kunst vom Lande

Über den heutigen "Kulturbetrieb" und seine "Kulturschaffenden" gäbe es viel zu sagen, was ich mir aber - wie versprochen - verkneife. Stattdessen werde ich einen kleinen Ausflug in die Gefilde der "Volkskunst" machen. Während man für die Küche seit einiger Zeit gerne "regional" einkauft, ist die Volkskunst als regionale Spezialität noch nicht wiederentdeckt. Es gibt zwar hoffnungsvolle Ansätze in bayerischen Landen. Aber am Nordrhein und in Westfalen, ja gibt es denn überhaupt etwas zu entdecken? Neben den Kleinkunstgrößen wie Herbert Knebel oder den Bullemännern, die doch eher mit Verballhornungen arbeiten, ist es sonst eher still. Eine Grund dürfte dabei im Verlust der Volkssprache zu suchen sein. Denn während man im "Schüden" die Dialekte weiterhin pflegte, sind sie bei uns durch eine Vielzahl von Gründen aufgegeben worden und fast ganz verschwunden.
Zwei Männer, die noch als Muttersprache ihre Regionalform des Münsterländer Platts sprachen, möchte ich heute mit zwei Tondokumenten vorstellen.
Augustin Wibbelt (1862-1947), katholischer Priester und Literaturhistoriker, bekam nach seiner Abituransprache eine öfffentliche Schelte in der Zeitung, weil sein Hochdeutsch nicht ganz den Erwartungen des Auditoriums entsprach. Er hinterließ ein weit gefächertes Werk, sowohl in Hochdeutsch als auch op Platt. Romane, Gedichte und Geschichten mit legendären Gestalten wie Vader Klüngelkamp haben ihn bekannt gemacht. Ein kleines Gedicht von ihm gehört in vielen Schulen des Münsterlandes heute noch zum Lernstoff, nämlich "Dat Pöggsken" (Das Fröschlein)
Das Gedicht, von Augustin Wibbelt selbst gesprochen, können Sie sich bei Münster.org anhören.

Daneben sei "Tönne" Vormann (1902-1993) erwähnt. Ausgebildet als Maler und Radierer arbeitete u.a. für den Ullstein Verlag. Daneben machte er sich als Sänger und "Liedermacher" (ein für mich sonst eher negativ besetzes Wort) einen Namen.
Von ihm gibt es eine Schallplatte (herrliches  Wort!) aus seinen 80ern. Darauf findet sich neben dem "Pöggsken" auch die Geschichte von "Burlala", die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte:


Was dem Nichtmünsterländer gemeinhin sofort auffällt, ist der Ausfall des "G"-Lautes, welcher durch ein kehliges "CH" ersetzt wird und was auch an die Stelle des sonst weiche "ch"  tritt.
Dazu ein kleiner katholische Witz aus Westfalen.
Wieviel "G" sind in einem "Gegrüßet seist Du, Maria"?
Genau zwei:
Chechrüßet seist Du, Maria, voll der Chnade, der Herr ist mit Dir! Du bist chebenedeit unter den Weibern und chebenedeit ist die Frucht Deines Leibes, Gesus. Heilige Maria, Mutter Chottes, bitte für uns Sünder, gezz und in Stunde unseres Todes.

Einen chesechneten Weißen Sonntach wünscht Ihnen,

Laurentius Rhenanius