Dienstag, 6. Dezember 2016

Zum Nikolaustag

Im Ruhrgebiet sagt man: "Heute is Nickelaus!" Kurz und bündig. Ebenso kurz, bündig und eintönig ist auch das hier gepflegte Liedgut. Wenn überhaupt noch bekannt, so singt man noch "Nicke-laus, komm in unser Haus!" und kommt damit dann auch direkt zur Sache "Pack die große Tasche aus!" Knecht Ruprecht, Hans Muff oder Swatte Piet sind von vorn herein raus aus der Nummer. Haustür auf, Taschenkontrolle! Lustig, lustig, Traleralalaa! Also lustig ist das nicht, eher etwas unverschämt. Der weitere Verlauf dieser Abzocke erschließt sich aus den anschließenden Strophen.
Das begleitende Pferd wird in die Wohnung gezwungen (Es steht ein Pferd auf dem Flur!), danach wenig artgerecht unter den Tisch gezwungen und dann mit Heu und Hafer verköstigt. Das völlig verstörte Tier will auf den "Bunten Teller" zugreifen, wird aber daran (gewaltsam?) gehindert. Merke: Keine Hände, keine Kekse! Lustig, lustig, Traleralalaa! Hier endet der Liedtext und verschweigt, was danach kommt. Der "Nickelaus" steht mit leeren Taschen und einem traumatisierten Reittier irgendwo zwischen Kamen und Duisburg auf der Straße!
DAS IST NICHT LUSTIG!
Überhaupt ist Sankt Nikolaus in den Stammlanden der Reformation sehr übel mitgespielt worden. Als wenn man nicht schon mit der Abschaffung der zeitlichen Sündenstrafen, dem Ablaßwesen etc. genug Problemene in Theologie und Kirchenwesen verursacht, die Gläubigen in puncto "Jenseitsvorsorge" nachhaltig geschädigt, und, dem normalen Werktätigen durch die Streichung der Feiertage notwendige Erholungstage genommen hätte. Nein! Alle Bereiche des Lebens wurden rigoros zum Schlechten hin verändert. So fielen z.B. die gesundheitsfördernden Fastentage aus dem Kalender. Und dann - jetzt bin ich beim Thema - St. Nikolaus!!!
Auch das ist ein Punkt, der im ganzen Trubel um das "Jubeljahr der Reformation" im nächsten Jahr bisher unter den Tisch gekehrt wurde: Luther hat das Christkind erfunden und damit St. Nikolaus, Hans Muff, Knecht Ruprecht und Co in die Arbeitslosigkeit entlassen!
Warum? Das will ich Ihnen sagen: Es ging um die Destabilisierung der herkömmlichen Paidagogik! Hier wurden wichtige Erziehungsberater, die so manchem entgleisten Sprößling wieder in die Spur geholfen haben, einfach weg"rationalisiert". An die Stelle des handfesten Grampus trat nun das erste Modell einer Reformpaidagogik, die Mär vom lieben Christkind.
Aus der "Drohbotschaft" wurde ein "gewaltfreies Resozialisierungsprogramm" mit geordnetem Bonuspunktesystem. Im schlimmsten Fall gab es nix (Der Gabentisch ist öd und leer. Die Kinder schauen blöd umher!), im besten Falle konnte die vorher ans Christkind geschickte Einkaufsliste vollständig abgehakt werden.
Was man dabei mal wieder nicht bedacht hatte? Die katholische Tradition hat nichts dem Zufall überlassen. Alles war wohlgeordnet, erfüllte seine Zwecke zum Wohle der Menschen und zur Vertiefung der Frömmigkeit und zur Entfaltung der Frohen Botschaft. War St. Nikolaus ein nicht kalkulierbarer, externer Berater, der zum festgesetzten Termin zum Hausbesuch erschien und mit entsprechenden Sofortmaßnahmen einen Vorgeschmack auf die jenseitigen Sanktionen für diesseitige Verfehlungen bot, so ist das nie in Erscheinung tretende "Christkindchen" die paidagogische Manifestierung Luthers Gnadenangst, ein Säugling, klein, schutzlos, ein Kind, das geliebt werden möchte, das weint, wenn ich mich nicht um es kümmere, mir aber nicht den Hosenboden stramm ziehen kann.
Es war und ist der Gewissenserforschung absolut abträglich. Denn die Erklärung, die St. Nikolaus noch schwarz auf weiß in seinem großen Buch mitbrachte, wurde nicht mehr geliefert. (Das Buch als Zeichen göttlicher Allwissenheit. Man denke an die entsprechenden Zeilen des Dies irae.) An Stelle einer genauen Aufzählung der Missetaten, der daraufhin erfolgenden Befragung des Angeklagten und die sofortige Urteilsvollstreckung trat nun die diffuse Unterstellung, daß man wohl nicht brav genug gewesen sei, sonst hätte ja das Christkind ...
Letztlich wurde es so zum Handlanger der Eltern, das die Schuld trug, wenn es nichts gab, weil das Christkind nichts gebracht hatte.
Fördert man so ein inniges Christusverhältnis?

Infolgedessen wurde so aus dem Fest der Menschwerdung des Erlösers und der Vorbereitungszeit des Advents letztendlich eine Orgie des Konsumrausches gemacht. An die Stelle des großen Geheimnisses und Wunders, daß Gott Mensch wird, um der Welt die Erlösung zu schenken, trat nun das niedliche kleine Christkindchen, das für die Aufhäufung der Geschenkberge unter dem (ebenfalls von Luther erfundenen) Weihnachtsbaum verantwortlich gemacht wurde. Am Ende der Entwicklung steht die vollsäkularisierte Comicfigur "Weihnachtsmann" oder der Mann vom Paketdienst.

Mensch, jetzt bin ich wieder von Hölzken auf Stöcksken gekommen!
Was ich eigentlich schreiben wollte:
Es gibt wunderschöne Lieder zum Nikolaustag.

Ein ganz besonders schönes Lied kommt aus den Niederlanden.
Dem Blog Ad tiliam ist es zu verdanken, daß es einem (hoffentlich) weiteren Publikum in den Ländern hochdeutscher Zunge bekannt werden kann.

Folgen Sie dem Link und genießen Sie die Musik!

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