Freitag, 12. August 2016

Schönheit in Sprache und Bekleidung

Gestern fand ich in der hiesigen Lokalpresse eine dpa-Meldung mit folgender Überschrift:

Polka Dots lockern Basics auf

???
In den folgenden Zeilen geht es nicht um eine Anleitung für eine heitere Zusammenstellung von Volksmusik. Ein weiblicher "Stilcoach" (also eine Stilcoachin) aus Berlin gibt vielmehr äußerst fragwürdige Bekleidungshinweise. Sie rät u. a. zum Mustermix von gestreiften Stoffen, Paisley-, Karo-, Blumenmustern mit "Polka Dots", gerade auch in Verbindung mit Jumpsuits!
Hä?
Wat issen Polka Dot?
Da stellen w'r uns ma janz dumm und sagen: Früher nannte man das "getupft", also quasi Pünktchenmuster!
Solche Musterkombinationen als "Dernjehr Krieh" auszugeben, kann auch einer Person passieren, die ihre Kindheit nicht im Ruhrgebiet der 1970er verbracht hat. Solche Musterkombinationen kamen nur in bestimmten Vierteln vor, wenn die Hausfrauen in Rock, Bluse und Kittelschürze mal eben an 'ne Aschentonne gefitscht sind. Das ist Wiederholung bekleidungstechnischer Stillosigkeiten aus den Zeiten zwischen Ölkrise und Startbahn West!

So etwas zeugte damals schon von Geschmacklosigkeit, die man auch nicht mit Eile oder schlechtem Wetter entschuldigen konnte und durch die Bezeichnung "trendiger Look" nicht eben besser wird. Quittiert wurden solche Entgleisungen damals wie folgt:
"Die hatte 'n paar Farben an! Als die durche Tür kam, da fing der Blindenhund von Onkel Franz an zu knurren, aber frag nich wie!" oder
"Braun und blau, Pollacks Frau!" So hieß dat früher!
Mit solche Sprüche hat man uns früher Stil beigebracht, ganz ohne "Coach" und nicht nur für nen Trend! Da hasse dein ganzet Leben wat von! Sowat prägt!

In diesem Sinne: Mahlzeit!

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