Freitag, 20. Mai 2016

Zukünftige "Vergangenheitsbewältigung"

[Den folgenden Beitrag habe ich schon vor längerer Zeit geschrieben und für einen passenden Anlaß "auf Halde gelegt". Dieser Anlaß ist nun gegeben. Im "Merkur" ist ein Artikel erschienen, der über die AfD-Veranstaltung in Landau berichtet. Wer das Video gesehen hat, (siehe die Wochenschau zur Pfingstoktav) wird sich über die Darstellung im Merkur wundern, wenn man noch an die Unabhängigkeit und die Objektivität der Qualitätsmedien geglaubt hat. Denn dort wird der Dialog zwischen Frau Petry und den Störern, der sich über fast 30 Minuten erstreckte, nicht dargestellt. Stattdessen wird behauptet, ein Sicherheitsmensch hätten den Abiturienten einfach das Mikrophon abgenommen. So etwas nennt man Tatsachenverdrehung oder schlichtweg LÜGE! Es steht in allerschlimmster Tradition der ganz großen Gesinnungsblätter, deren Namen ich nun nicht aufführen will. Die vom hochverehrten Michael Klonovsky eingeführte Bezeichnung "Lückenpresse" als Ersatz für "Lügenpresse"  bekommt hier einen ganz besonderen Drall.]

Kurz vor der "Kehre" (Uwe Steimle) brachte ein sog. Nachrichtenmagazin eine journalistische Instanz zu Fall. Die Geschichte war nicht neu, eher ein Aufwasch einer längst bekannten Geschichte. In den ewigen 12 Jahren hatte er als junger Schreiber einen Artikel verfaßt, der durch die Mühlen der Redaktion ging und etwas über Künstler, ihre gehobene gesellschaftliche Stellung und der daraus resultierenden besonderen Verantwortung aussagen sollte. Der Text ist bis auf den "zeitgemäßen" Sprachgebrauch (einmal wird der Begriff "Volksgenosse" gebraucht) geradezu unverfänglich pauschal, etwas hölzern, inhaltlich altbacken und schwer moralin. Es werden keine Namen genannt, keiner persönlich diskreditiert. Alles bleibt auf der Ebene eines eher allgemeinen Nachsinnens. Es ist das traurige Ergebnis einer von Denk- und Sprechverboten gebeutelten Sprache, also schon wieder erschreckend akuell. Wenn man den Hintergrund dieses Artikels betrachtet, findet man den Stoff aus denen man einen Skandal mit garantierter Tiefenempörung stricken kann: Ein junger Pianist hatte seine Zweifel am Endsieg in Worte gefaßt, war denunziert und dafür hingerichtet worden. Der ebenfalls junge Journalist hatte daraufhin diesen allgemeinen und staatstragenden Artikel verfaßt.
In den 60er hatte die Stasi schon einmal einen Skandal inszenieren wollen. Aber wer glaubte damals in der BRD schon der Stasi? Und wenn man diese eher schwache Ergebenheitsadresse liest, die an jeder Ecke nach einer bestellten Pflichtarbeit riecht, so fragt man sich eher, warum sich niemand wiederholt mit der Personen beschäftigte, die den jungen Künstler denunziert, verurteilt und hingerichtet hatten. Denn diese ideologisch linientreuen Personen hatten seinen zu frühen Tod verschuldet und nicht der junge Schreiberling. Wie man es auch bewerten mag: Ende der 1980er Jahre ging es dem betagten Herrn, der niemanden jemals an irgendein Messer geliefert hatte, in einer hochmoralisierten Kampagne an den Kragen. Er verhielt sich "unklug", leugnete, ein Historiker hatte noch Details herausgefunden, die im Sinne der Skandalisierung verzweckt wurden. Am Ende war die Sache so hochgepeitscht worden, daß im Vergleich zum Denunzianten, Richter und Henker jener Journalist zum eigentlichen Monster mutiert war.
Seine Leistungen nach 1945? Weg, vergessen! Die "Jugendsünde" war unverzeihlich! In der Rückschau muß man feststellen, daß er von vornherein keine Chance hatte. Egal, wie er sich auch immer nun verhalten hätte, es ging nicht um "Aufarbeitung", es ging um die Vernichtung seiner Persönlichkeit.
Dieser Umgang mit einem alten Herrn und verdienten Journalisten hat mich damals schon sehr befremdet und meine Zweifel an den angeblich so hehren Motiven gewisser "Nachrichtenmagazine" genährt. (Die Tagebücher des verstorbenen Braunauer Spitzenpolitikers waren ja auch erst kurz zuvor vermarktet worden.)
Wir werden sehen, was die Zukunft für diejenigen bereithält, die sich heute in Ergebenheitsadressen ergehen, sich im vorauseilenden Gehorsam andienen, Karrieren knicken, Autoren aus Verlagen drängen, Berufsverbote, ja Erwerbtätigkeitsverbote für Andersdenkende erwirken wollen, zu Boykott und Verfolgung aufrufen. Hoffen sie auch, unentdeckt zu bleiben oder mit "Rosen für den Staatsanwalt" durchzukommen?


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