Dienstag, 17. Mai 2016

Trink doch ene mit!

Der Stammtisch ist für viele ein Synonym für Spießigkeit. Sog. St.parolen, St.politiker stehen in aller Regel im Rufe, einen eher beschränkten Denkhorizont zu haben, dem die Komplexität der politischen "Gemengelagen" abgehen und zu rigorosen Simplizissmen neigt. Es ist ein Schimpfwort ähnlich  wie "Schrebergartenmentalität". Es wird gern von jenen Kreisen im Munde geführt, für die der Besitz einer Krawatte als Beweis reaktionären Gedankengutes gilt. Sie sind links-intelletuell, sprich geschichtsvergessen und durchideologisiert bis kompletten Realitätsverweigerung bei gleichzeitiger Aufgabe des logischen Denkens und unter Verlust des letzten Funken gesunden Menschenverstandes!
Dieser Geisteszustand führt dann zur Formulierung von Sentenzen, die ebenso einfach wie falsch sind.
Ein Beispiel aus dem Staatsfunk: Letzte Woche verglich einer der Staatsspaßmacher in von Schnitzlers Spuren die BRD mit einer Eckkneipe, um die Harmlosigkeit der einströmenden Asylforderer zu zeigen. Er strich einfach ein paar Nullen und kam dann zu dem Schluß; daß wenn in eine Kneipe mit 80 Leuten zwei dazukämen, dies doch gar nicht ins Gewicht fiele und so schlimm ja nun auch nicht sei. Tolles Beispiel! Applaus! Platz ist in der kleinsten Hütte!
Wenn wir einmal großzügig vom allgemeinen Kneipensterben absehen, hat diese Stimmungskanone einiges übersehen. Bleiben wir beim Beispiel Kneipe und rechnen wir auch etwas einfacher. Zahlten alle ihren Deckel selbst, gäbe es ja schon mal keinen Grund zu meckern? Doch in der Kneipe BRD gelten andere Regeln. Dort wird die 24Std-happy-hour nur von den Stammkunden bezahlt. Nach offiziellen Berechnungen zahlen knapp 50% der Kneipenbesucher gut 95% der Zeche und das auch noch mit ganz unterscheidlichen Anteilen. Wenn wir die Einkommenssteuer  zugrunde legen, so zahlen nur 20% rund 80% der Happy-hour in der Kneipe. Der Rest säuft uneingeladen einfach fröhlich mit, ob arm, ob reich. Und während Frau Wirtin das Lied "Trink doch ene mit" auf autorepeat durchdudeln läßt,  fragt sich, je länger die Dauerparty läuft, Otto Normalverbraucher-Zahlemann, wie das weitergehen soll. So tönt vom Stammtisch immer lauter und bestimmter das Lied "Wer soll das bezahlen?"  durch den Pulk der Gratissäufer. Diese fühlen sich von den Spaßbremsen belästigt. Die zwei neuen finden zwar die Zahlungsmodalitäten ok und haben nach der ersten Runde schon einen beachtlichen Deckel mit gut 100.000 Euronen gemacht, den der Wirt den Nettozahlern heimlich unter die anderen runden Deckel mischt. Die Neuen sind aber mit dem Rest der Veranstaltung nicht einverstanden. Frauen haben ihrer Meinung nach in solchen Lokalen nichts zu suchen, ebensowenig wie Mettbrötchen, Frikadellen, Pils und Hörnerkorn. Die halbbesoffene Menge findet das alles ganz lustig und bemerkt nicht, wie die zwei langsam den Laden aufmischen. Und während das Mobiliar langsam zu Bruch geht und die Fäuste fliegen, johlt die Partymeute "Einer geht noch, einer geht noch rein!
Das ist Ihnen jetzt zu simpel?
Da gebe ich Ihnen gerne recht:
Einfach dürfen nur die Genossen! Das nennt sich dann Volkserziehung Kabarett oder Comedy.
Alles andere ist Stammtischgegröhle, nicht wahr?

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