Samstag, 2. April 2016

Kunst vom Lande

Über den heutigen "Kulturbetrieb" und seine "Kulturschaffenden" gäbe es viel zu sagen, was ich mir aber - wie versprochen - verkneife. Stattdessen werde ich einen kleinen Ausflug in die Gefilde der "Volkskunst" machen. Während man für die Küche seit einiger Zeit gerne "regional" einkauft, ist die Volkskunst als regionale Spezialität noch nicht wiederentdeckt. Es gibt zwar hoffnungsvolle Ansätze in bayerischen Landen. Aber am Nordrhein und in Westfalen, ja gibt es denn überhaupt etwas zu entdecken? Neben den Kleinkunstgrößen wie Herbert Knebel oder den Bullemännern, die doch eher mit Verballhornungen arbeiten, ist es sonst eher still. Eine Grund dürfte dabei im Verlust der Volkssprache zu suchen sein. Denn während man im "Schüden" die Dialekte weiterhin pflegte, sind sie bei uns durch eine Vielzahl von Gründen aufgegeben worden und fast ganz verschwunden.
Zwei Männer, die noch als Muttersprache ihre Regionalform des Münsterländer Platts sprachen, möchte ich heute mit zwei Tondokumenten vorstellen.
Augustin Wibbelt (1862-1947), katholischer Priester und Literaturhistoriker, bekam nach seiner Abituransprache eine öfffentliche Schelte in der Zeitung, weil sein Hochdeutsch nicht ganz den Erwartungen des Auditoriums entsprach. Er hinterließ ein weit gefächertes Werk, sowohl in Hochdeutsch als auch op Platt. Romane, Gedichte und Geschichten mit legendären Gestalten wie Vader Klüngelkamp haben ihn bekannt gemacht. Ein kleines Gedicht von ihm gehört in vielen Schulen des Münsterlandes heute noch zum Lernstoff, nämlich "Dat Pöggsken" (Das Fröschlein)
Das Gedicht, von Augustin Wibbelt selbst gesprochen, können Sie sich bei Münster.org anhören.

Daneben sei "Tönne" Vormann (1902-1993) erwähnt. Ausgebildet als Maler und Radierer arbeitete u.a. für den Ullstein Verlag. Daneben machte er sich als Sänger und "Liedermacher" (ein für mich sonst eher negativ besetzes Wort) einen Namen.
Von ihm gibt es eine Schallplatte (herrliches  Wort!) aus seinen 80ern. Darauf findet sich neben dem "Pöggsken" auch die Geschichte von "Burlala", die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte:


Was dem Nichtmünsterländer gemeinhin sofort auffällt, ist der Ausfall des "G"-Lautes, welcher durch ein kehliges "CH" ersetzt wird und was auch an die Stelle des sonst weiche "ch"  tritt.
Dazu ein kleiner katholische Witz aus Westfalen.
Wieviel "G" sind in einem "Gegrüßet seist Du, Maria"?
Genau zwei:
Chechrüßet seist Du, Maria, voll der Chnade, der Herr ist mit Dir! Du bist chebenedeit unter den Weibern und chebenedeit ist die Frucht Deines Leibes, Gesus. Heilige Maria, Mutter Chottes, bitte für uns Sünder, gezz und in Stunde unseres Todes.

Einen chesechneten Weißen Sonntach wünscht Ihnen,

Laurentius Rhenanius

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