Mittwoch, 23. März 2016

Tag des Verrates

Der Mittwoch der Karwoche gilt nach alter Tradition als Tag, an dem Judas für dreißig Silberlinge seinen Herrn verriet. "Verraten und verkauft" stehende Wendung und Pleonasmus zugleich.
Wenn wir nun am Tag nach den muslimischen Attentaten durch die Kommentare der politischen Foren schauen, so wird der Begriff des Verrates in unterschiedlichsten Facetten auf die zur Zeit "regierenden" Berufspolitiker angewendet. Doch wann hat dieser Verrat begonnen? Meiner Meinung nach wesentlich früher, als man gemeinhin denkt.
Der Mensch ist schwach. Er ist mit allerlei Gebersten behaftet. Eine der großen Schwächen des Menschen ist seine Unfähigkeit, über Generationsgrenzen hinweg zu lernen. Er schafft es nicht, aus den Fehlern der Eltern und Ahnen Schlüsse zu ziehen, die ihn vor den immergleichen Fehlern bewahrt. Er ist nicht in der Lage, die ewiggleichen Muster wiederzuerkennen. Stattdessen sieht er immer wieder Neues und Unbekanntes, für das er immer neue Lösungen sucht, alte Fehler im neuen Gewand. Diese Dummheit paart sich dann in aller Regel mit Arroganz, Fortschrittsdenken und dem Glauben, in der Ferne läge das Heil, was den häufig sehr klugen Propheten aus eigenen Landen den Zugang zum Hirnskasten verwehrt.
Dazu gesellte sich Habgier, der Traum von der Schaffung von Werten aus dem Nichts, vulgo Zinseszins. Diesem ist alles untergeordnet. Alles hat sich in Soll und Haben auszudrücken. Bildung (woran es ohnehin schon fehlte) wurde dem Diktat der "Verwertbarkeit" unterworfen und letztlich durch "Kompetenzerlangung" ersetzt. Das Siechtum der kaputtgesparten wie durchideologisierten Geisteswissenschaften wird durch Symptomträger wie den hypnotisch starrenden Fernsehphilosophen Precht ebenso repräsentiert wie die ewig jungen Alten, die nie erwachsen, geschweige denn weise werden wollen.
Suchen Sie in den Generationen unter 70 diejenigen, die noch Goethe, Schiller, Fontane, Uhland oder Heine parat hätten! (xxxx ju Göte!)
Finden Sie in den Generationen unter 70 diejenigen, die (mit oder trotz Abitur), die ihren Homer, Caesar, Ovid oder Walther von der Vogelweide als Schatz in ihrem Herzen trügen! (Elitärer Kram für Freaks)
Können Sie spontan zehn junge Leute aufzählen, die Barock von spätem Rokoko, Empire von Gründerzeit oder Romanik von Gotik unterscheiden könnten? (Design!)
Wo sind die jungen Menschen die ihren Gefühlen in Musik Ausdruck verleihen könnten, die sich nicht an den Vorbildern der Musikindustrie orientiert?
1914 gingen in Europa die Lichter aus. Damit hatte Edward Grey, damaliger Außenminister des Vereinigten Königreiches recht, und sie sind nie wieder angegangen. Dem unverschuldeten Albtraum des Krieges folgte die Aushungerung und Demütigung. (Die letzte Rate wurde übrigens am 3.10.2010! bezahlt) Im Kreuzfeuer sich radikalisierender Ideologien geriet das Land in die Fänge jener Partei, die es in dann ein zweites Mal in die Niederlage und damit wiederum in die Hände der Alliierte brachte. War in Weimar die eigene Kultur fragwürdig geworden, wurde sie nun zur Unkultur. Mit der Reeducation verschwanden nicht nur Sekundärtugenden. Es wurde ein neuer "way of life" eingeimpft, der dem alten deutschen Meisterbrief das Modell "vom Tellerwäscher zum Millionär" als schillernde Konkurrenz beigesellte. Kunst und Kultur (ehemals Gemeinschaft fördern und Vehikel der Selbstverortung) wurden immer mehr zu einem privaten Freizeitvergnügen. Der Gesangverein wird vom hochgeistigen Unterfangen eines Jazzabends oder dem Gekreische auf Popkonzerten abgelöst. Moden und Markenwaren übernahmen die Prägung von Persönlichkeiten, der Dialekt als letztes Makel landschaftlicher Verhaftung verliert sich immer mehr. Am Ende steht der einsame, entfremdete, entwurzelte und rückgratlose Sproß einer ehemaligen Kultur, der sich über "Style" definiert und als Ersatz für Herkunft und Heimat seine Wahlverwandtschaften mit den neuesten Trendanschauungen eingeht, die ihm das gute Gefühl vermitteln, auf der richtigen Seite zu stehen, letztlich um den eigenen Marktwert nicht zu gefährden. Firmenphilosophie für Ich-AGs. Genau solche rückgratlosen Gestalten, regieren nun nach Abgang der letzten Lateiner (Franz-Josef Strauß) in Europa herum. Sie lassen sich von sogenannten "Thinktanks" die Weltsicht vorkauen, unfähig auch nur einen eigenen Gedanken zu fassen, gehetzt von Analysen, gefangen in ihren Worthülsen. Daher sind Appelle an so etwas wie "gesunden Menschenverstand" zwecklos. Dazu bedürfte es zumindest eines Grundvertrauens in so etwas wie Erfahrungswissen oder des Glaubens an ein Jüngstes Gericht als Instanz einer schonungslosen Letzverantwortung. Echtes Mitgefühl ist nicht zu erwarten. Es ist Werkzeug für die Erlangung politischer Ziele, kein Gefühl wahrer Zuwendung.  Wir haben unsere Kultur schon lange aufgegeben, uns dem Diktat der Märkte unterworfen, die von irgendwelchen sinistren Milliardären bestimmt werden. Es geht um Besitz, Besitzergreifung, Entmachtung und Zerstörung von Personen, Institutionen und Ländern, die diesen Interessen im Wege stehen. Ob sich dahinter nun die Pläne zur Weltrettung verbergen (NWO) oder um die Weltmacht der Vereinigten Staaten oder die Rettung des Juchtenkäfers stehen, ist letztlich egal. Es ist alles kompletter Irrsinn, der vielen Menschen das Leben kostet und kosten wird und das, was den Menschen neben der Möglichkeit der Gotteserkenntnis vom Tier unterscheidet, nämlich Bildung und Kultur auszurotten sucht. Damit möchte ich noch einmal das Zitat des jüngst verstorbenen Meisters Nikolaus Harnoncourt erinnern, welches ich am 7. März eingestellt habe.
Der Multimilliardär und Strippenzieher von heute ist in aller Regel kein deutscher Handwerksmeister mit gestandenem Weltbild und genialen Ideen (wie es sie heute zwar auch noch gibt). Es sind (Ex-)Nerds wie Zuckerberg und Gates oder Börsengänger wie Soros. Würth und Fischer sind die Ausnahme. Typen wie die Geissens sind die Regel!
Francois de la Rochefoucauld schrieb 1678: "Verrätereien begeht man öfter aus Schwäche als in der ausgesprochenen Absicht, zu verraten."
Mit Blick auf die Geschichte Europas hat ein solcher Verrat aus Schwäche genau in dem Ministerium des oben zitierten Edward Grey im Jahre 1914 stattgefunden. Dort sind dringende Telegramme des deutschen Kaisers verschwiegen, Gespräche abgelehnt worden, weil man u.a. die Chance sah, den Weltherrschaftsanspruch Britanniens über die Weltmeere durch Vernichtung der kaiserlichen Flotte durchzusetzen. Wirtschaftsinteressen und Allmachtsfantasien. Es war ein Verrat an Europa und an der Welt. Der Rest kam ebenso schicksalhaft wie folgerichtig. Was nun passiert ist nichts anderes als die Fortsetzung von Partikularinteressen und Spintisierereien vermittels Terror. Destabilisierung und Vernichtung von ehemaligen Kulturnationen durch die Anhänger einer kulturfeindlichen und kriegerischen Weltanschauung. Boko haram, "Bücher sind unrein", nennt sich eine besonders brutale und radikale Splittergruppe. Dies hat zu Europa gehört und wird niemals zu Deutschland gehören können. Das sollte auch dem hirnlosesten Trottel eine Woche nach der Leipziger Buchmesse zu vermittel sein! Aber selbst im Angesicht der Opfer von Brüssel werden wohl die Synapsen der regierenden H.o.n.K.(s) kaum ihre Arbeit aufnehmen.


Keine Kommentare: