Samstag, 5. März 2016

Schnibbelbohnen mit Speck (Wochenschau 9. KW)

Weder Mitleid noch Schadenfreude ergriffen von meiner Seele Besitz, als ich vom Fall Beck erfuhr. Es war eher eine Mischung aus Erleichterung und einem letzten Rest Empörung, den ich noch aufbringen konnte. Erleichterung: Herr Beck war u.a. der "religionspolitische Sprecher" seiner Partei. Seine Tiraden und Attacken gegen die katholische Kirche waren von kaum zu unterschreitender Ignoranz geprägt und er hat sich nicht die geringste Mühe gegeben, seine offene Feindschaft zu kaschieren. Herr Beck hat die Linie seiner Partei vertreten. Der Nachfolger wird vielleicht wenigstens nicht so schrill agieren.
Empörung: Es erinnert bei aller Unvergleichlichkeit doch etwas an den Fall der "ungekrönten Weinkönigin der EKD", als alle Welt herumjammerte als nach ihrer Trunkenheitsfahrt ihre Posten aufgab und dadurch fast die erste lutherische Märtyrerin der deutschen Straßenverkehrsordnung geworden ist. Wie sehr sie in ihrem  Zustand auf dem "besten Wege" war, unschuldige Menschen um Gesundheit und Leben zu bringen, wurde systematisch kleingeredet.
Es gibt nun mehrere Lesarten, wofür Herr Beck diesen illegalen Gehirnzersetzer gekauft haben mag. Bei danisch.de kann man sich in diversen Beiträgen aus den letzten Tage einen Überblick darüber verschaffen. Egal was es denn nun auch sei: Ein MdB hat sich in keinem dieser Milieus herumzutreiben und zwar aus einer Vielzahl von Gründen, angefangen von Fragen der Erpressbarkeit bis hin zur finanziellen Unterstützung von Verbrechern. Und schließlich ist es schlicht und einfach verboten, dieses Zeug zu besitzen, egal ob er sich damit selbst die letzten Reste aus der Kalotte pustet oder es anderen zur Selbstzerstörung gibt! Und nun dieses Gegreine in den Medien! "Daß er es gerade sein mußte." "War doch nicht so viel." und dergleichen! Ein Politiker hat nicht sich oder andere mit Drogen vollzupumpen! Und nun fehlen mir passende Formulierungen. Denn wenn ich von "klarem Verstand" oder "Vollbesitz der geistigen Kräfte" schriebe ... Vielleicht so: Er hat nüchtern und nicht zugedröhnt seinem Dienst nachzukommen!
Es ist doch irgendwie ein Treppenwitz, daß ein Politiker, der nur zu gerne Gegner in die braune Ecke stellte nun mit einem Nachbau des unter dem GröFaZ zum Einsatz gekommen Pervitin erwischt wurde.

Seine letzte große Parade vor dem  "unglücklichen Fehlkauf" fuhr er gegen die Schweinefleischbefürworter der CDU. Folgende Zitate dazu sind in verschiedenen Medien zu lesen und Stellen eine Art politsche Summe seines Denkens dar. Ich selbst mußte an Loriots Debatte zur Schnibbelbohnenkrise denken:

"Liebe CDU, das Grundgesetz steht über dem Schweinefleisch. Das deutsche Schwein ist kein Verfassungswert."
In indirekter Rede: Es sei die autoritäre Denke der Rechtspopulisten, wenn Juden, Muslime, Vegetarier und Veganer zum Schweinefleischkonsum gezwungen werden sollten.
"Was in Kitas, Schulen und öffentliche Kantinen auf die Teller kommt, entscheidet der Bedarf und keine CDU-Schweineideologie."
"Es ist schon ein besonderes Armutszeugnis der CDU, wenn das Schweinefleisch ihr höchster deutscher Wert ist, den sie vermitteln wollen. Wer keine anderen kulturellen Werte hat, ist eine arme Sau."

Bei diesen saumäßigen Tiraden frage ich mich, wie oft er wohl schon vorher dort zum Shoppen war.

Parteifreundin und stellv. Bundestagspräsidentin Claudia Roth zieht nicht wie Herr Beck gerne mal um die Häuser sondern marschiert gerne bei Demonstrationen "gegen rechts" mit, um der "guten Sache noch mal etwas mehr Drall zu verleihen. Aber auch sie umgibt sich dabei mit Menschen, die sich mit dem von ihr besetzten Amt wohl kaum in Einklang bringen lassen. Denn wenn sie sich mit Leuten einläßt, die Parolen wie "Deutschalnd, du mieses Stück Sxxxx!" skandieren und diesen nicht Einhalt gebietet, dann ist sie entweder schwerhörig oder derselben Meinung. Auch sonst ist sie immer für die gute Sache unterwegs. So hilft sie auch schon mal einer Redaktion bei der Auswahl der Studiogäste. Wie wunderbar es nach dieser Intervention gelaufen ist, mag hier nachlesen wer will.
Was es sonst noch Unschönes passiert ist, war mir nur durch die kluge Kommentierung der von mir hochgeschätzten Vera Lengsfeld erträglich geworden.

Lesenswerte Artikel:
Überfremdung? Nein, Selbstentfremdung!


Den Ehebruch, äh das junge Liebesglück des Maßanzug tragenden Justizminister mit merkwürdigem Demokratieverständnis kommentiert meisterlich Thomas Rietzschel.

Der geradezu dramatische Mangel an Fachkräften führt dazu, daß nun Mitglieder der SED-Nachfolgeorganisation PDS die IT-Spezialisten von der RAF* in den Bundestag holen muß.

Es ist völlig unpassend, aber ich habe bei einigen Gelegenheiten in den letzten Monaten immer wieder eine kleine Handlungssequenz im Kopf gehabt. Immer wieder in Vollmondnächten kam mich dieses Nachtgesicht an: Ein modernes Bureau am Abend. Nur die Schreibtischleuchte ist eingeschaltet. Person X sitzt hinter dem Schreibtisch. Es klopft an der Tür und kurz danach betritt, ohne eine Antwort abwartend, eine Truppe Offiziere in antiquierten Uniformen den Raum und baut sich vor dem Schreibtsich auf. Der Ranghöchste (Typ Gerd Fröbe) steht vorn. Die anderen bleiben etwas zurück im Halbdunkel. Kurzer Gruß durch zackiges Kopfnicken. Er stellt die mitgeführte schmale Aktentasche auf dem Schreibtischrand ab, öffnet sie und zieht ein beschriebenes Blatt Papier heraus, legt aus dem dort Sitzenden vor und sagt: " Es ist alles vorbereitet. Sie müssen nur noch unterschreiben. Lesen Sie es in aller Ruhe durch." Er greift noch einmal in die Aktentasche und legt etwas auf den Schreibtisch. Nach einem knappen "Sie wissen, was Sie zu tun haben!" Hackenschlagen, Kopfnicken. Kehrtwendung. Abgang. Tür zu.

Ich wünsche uns allen angenehmere Träume und einen gesegneten Sonntag!


(* In diesem Falle handelt es sich nicht um die Royal Air Force sondern um die "Rote Armee Fraktion", welche die Bundesrepublik seit den 1970er Jahren mit Unterstützung der Stasi terrorisierte. Ach, da fällt mir doch was auf ...)

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