Montag, 31. August 2015

Der Abfall der Senioren

wer nun meint, ich zöge nun gleich in der Manier gewisser Möchtegernmachthaber aus "unserer Regierung" gegen Angehörige der älteren Generation vom Leder, die noch nicht der Vielvölkerseligkeitsduselei anheimgefallen sind, der wird sich getäuscht sehen. Es geht auch nicht um eine Studie über das Mülltrennverhalten der Rentner und Pensionäre, die es, so wie ich unsere Forschungsschmieden kenne, sicherlich schon gibt. Es geht um etwas wesentlich wichtigers.
Während ich mich über jeden freue, der langsam die Schlafmütze des Deutschen Michels abnimmt und den Staatsschauspielern keinen Glauben mehr schenkt, so sehr bedauere ich jeden Austritt aus der katholischen Kirche. Hierzulande wird es jdem durch einen Gang zum Amtsgericht recht leicht gemacht, wenn er sich aus "dem Verein" abmelden will. Ob ihnen bewußt ist, daß sie damit ihren Glaubensabfall manifestieren? Auch wenn es für manche nur ein Steuerspartrick zu sein scheint: Wer so wenig Verbindung zu seiner Kirche hat, daß er selbst den mickerigen Steueranteil lieber für sich behalten will, der kann nur vom rechten Glauben abgefallen sein, den Geiz ist ... Na? Nicht das, was uns die Werbung glauben machen will sondern eine der sieben ... Na?
Doch nun läßt sich ein ganz neues Phainomenon beobachten, geradezu ein Novum, denn die Generation 60+ verabschiedet sich vermehrt per Amtsgericht aus der Gemeinschaft der Gläubigen, wie kath.net berichtet.
Die Frage ist nun, warum die Generation, die bisher das Gros der Kirchenbesucher außerhalb der Evente Taufe, Weihnachten, Erstkommunion, Hochzeit, Familiengottesdienste stellte, sich nicht mehr mit den Tröstungen der Heiligen Mutter Kirche auf das Ende vorbereiten will und dafür lieber Steuern spart.
Die Deutungsversuche schießen ins Kraut. Für die einen ist die Ausweisung der Kirchensteuer auf den Kontoauszügen schuld, für die anderen die unvermeidlichen 68er, am Ende ist es dann wieder der alte Käse aus Limburg oder die Backpfeife im Internat, das man nie selbst besucht hat. Kann alles sein, muß aber nicht stimmen. Menschen werden mit zunehmendem Alter wunderlicher. Auch das könnte ein Grund sein oder die Seuche, sich sonntags aushäusig mit der Familie in einem Ausflugslokal zum Frühstücken ("Bransch") zu treffen.
 Vor einiger Zeit bekam ich einen Hinweis über ganz andere und zutiefst verständliche Bewegggründe. Denn nicht wenige der Älteren gehen, weil sie ihre Heimat verloren haben. Sie fühlen sich in den neuen Pastoralkombinaten Großgemeinden schlichtweg nicht mehr zu Haus!
Die Messe feiert Pfarrer x oder u. Für Beerdigungen ist diese Woche Pastoralreferentin y zuständig. Krankenbesuche machen in diesem Quartal Diakon z und Vic. coop. abc. Messen können nur im Büro Dudeldorf, Dienstag und Freitag in der Zeit von 10.00-10.20 Uhr bestellt werden oder am Mittwoch 16.45-17.00 Uhr in Bummelshausen (nur in geraden Kalenderwochen, ausgenommen: Ferien und Markttage!) Pfarrheim weg, die Kirche ums Eck, vielleicht nach Feierabend neben Hausbau und Familie mithochgezogen, ist zum Bürohaus oder zur Urnenhalle geworden.
Man trifft sich nicht mehr und über allem schwebt das Pastoralteam in aller Unfehlbarkeit.
Da nun Jammern bekanntlich nichts nützt und man diese Erfahrung auch mit dem eigenen Bischof machen konnte, machen sich diejenigen, denen es um gelebte Gemeinschaft in Christus geht, nun auf den Weg, aber ganz anders als die Bistümer es sich träumen ließen. Da seit den Aufbrüchen des Konzils der Buchhalter die Lehre der Kirche dem "allgemeinen-irgendwie sind-wir-ja-alle-Gottes-Kinder" gewichen ist, verabschiedet man sich vom anonymen Großbetrieb und wechselt zum sympathischeren Mittelständler mit gutem Kundenservice und hohem Nestwärmefaktor. Was jetzt etwas karikiert klingt, spielt anschenend für eine nicht geringe Gruppe ein Rolle und wird sich noch zu einem großen Problem auswachsen. Es ist wie bei der Firma, die ehemals als Deutsche Bundespost bekannt war und damals wie heute den Bittstellern (Kunden) nur in selten erwiesenen Gnadenakten (vulgo "Kundenhotline") entgegentritt. Der Exmonopolist hat immer noch nicht begriffen: Die Kunden brauchen heute keine behördlich zugewiesene Strippe mehr, um zu telephonieren. Wenn der Tarif nicht mehr paßt, wird gewechselt und die Nummer mitgenommen. Die Konkurrenz schläft nicht! Guten Morgen, Mutter Kirche!
So geht nun der eine zu den Baptisten, weil die Musik so schön flott ist und man so persönliche Predigten hört, der andere geht mit dem Ehegespons dann lieber zur photovoltaisch-veganen evangelischen Gemeinde, weil die Pastorin die Beerdigung von Kegelbruder x so persönlich gemacht hat. Und wieder andere, die gerne ihr nachkonziliares Idyll im überschaubaren Maßstab 1:87 weiterleben möchten, gehen dann zum Beispiel zu den Altkatholiken. Alles scheinbar wie gehabt nur alles überschaubar und persönlich.
Es geht um das Wort "PERSÖNLICH"!
Der Abfall der Senioren könnte den Bistümern noch viel früher als von den Beraterfirmen berechnet, leere Bänke bescheren. Und es wird ihnen ebensowenig wie den Großkonzernen der Wirtschaft eine Imagkampagne nützen, um verlorenes Vertrauen wiederzugewinnen. Die Gemeinden ehren die Alten nicht mehr. Dafür ist ja bekanntlich die Caritas zuständig. Die Kirchen hat verlernt, daß der persönliche Umgang, das persönliche Vorbild entscheidend für ein Leben im Glauben ist. Unsere Kirche hat viele Verwalter und viel zu viele Abwickler mit entsprechenden Mentalitäten und entsprechendem Verhalten. Die "Kollektive der pastoral Werktätigen" ersticken jede Initiative in Diskussionen, Ausschüssen, Leitbildern und QM-Zirkeln. Alle sind gut mit sich beschäftigt und zumeist noch überlastet wie die "Telefonhotline". Nie ist einer kompetent und/oder zuständig und wenn, ja dann ist der gerade außer Haus.
Da kannste wirklich manchmal vom Glauben abfallen!
Und für alle, die jetzt mit mangelnder Glaubensstärke, Kampf und sonne Kamellen ankommen:
Ich wünsche mir auch immer wieder eine kleine heile Kirchenwelt und ich kann jeden verstehen, der sich nach Durchsicht seiner Kontoauszüge die Frage stellt, warum er sein Geld dieser KcKinsey-Truppe zur Verfügung stellen soll! Und wer von uns ist nicht regelmäßig so angefressen, daß er oder sie nicht den Büttel hinwerfen mag?
Aber wir tun es nicht ...
 ... aus Liebe ...



Freitag, 28. August 2015

"Der Kindlein" und das Moralische (Wochenschau)

Was in den letzten Tagen "blogözesan" passiert ist, erinnert mich ein wenig an Ludwig Thomas unvergessliche Geschichten um den Pfarrer Falkenberg* aus den Lausbubengeschichten, der gemeinhin nur als "der Kindlein" bekannt ist. Er ist ständig in Angst, der Versucher könne ihn und seine Gemeinde verderben. Mal ist es der Lausbub Ludwig, mal die preussische Offiziersgattin, die der Gemeinde eine antikisierende Statue schenkt. Immer ist gleich die öffentliche Moral in Gefahr und es muß ein "Fanal angezündet" werden.  Es ist die Karikatur eines Kirchenmannes, der zwischen Puritanertum und Provinzpolitik steckt, lebensfern, verklemmt, freudlos, bigott und hysterisch. Er hält sich für den Vorposten katholischer Moral und Lehre, ist aber nur ein Spießer in Soutane, der unter bayerisch-barocker Putenseligkeit preussisch-protestantische Tristesse verbreitet, ohne es zu bemerken. Er überzeugt niemanden, höchstens vom Gegenteil. Ein zeitloses und immer noch weit verbreitetes Modell, heutzutage jedoch meistens ungeweiht, seltenst katholisch, dafür aber "engagiert".



Ein anderes zeitloses aber leider zu selten gewordenes Modell stellt jener andere Priester dar, der weder Herz, noch Hirn, noch Glaube dem Zeitgeist geopfert hat. Klar und deutlich führt er uns die unverfälschte Lehre auf, eins mit der Tradition, die heutigen Herausforderungen erkennend, den Weg weisend, keiner Staatsdoktrin verpflichtet, mutig, nicht auf Lob hoffend, ein entweltlichter Mitarbeiter der Wahrheit.




Wenn man hingegen die von uns gewählten Damen und Herren betrachtet, so scheinen sie offensichtlich mit den Problemen unseres Landes ebenso überfordert wie Hochwürden Falkenberg mit dem Lausbuben Ludwig. Die wenig staatsmännischen verbalen Entgleisungen und antidemokratischen Kontrollphantasien der letzten Tage lassen darauf schließen. Mancher hat anscheinend nicht nur die äußeren Maße vom "Kindlein". Sollte dies kein Streß gewesen sein, so liegt die Vermutung nahe, daß sich das Volk durch Proteste und Unmutsbekundungen das Vertrauen seiner Regierenden verspielt haben könnte.
Klingt bekannt? Hatten wir doch schon mal? Na, wer weiß es noch? 17. Juni 1953?

Bertold Brecht, meine Damen und Herren, ist nach gut 60 Jahren plötzlich wieder ein Tageskommentator:

"Nach dem Aufstand des 17. Juni
Ließ der Sekretär des Schriftstellerverbands
... Flugblätter verteilen
Auf denen zu lesen war, daß das Volk 
Das Vertrauen der Regierung verscherzt habe
... 
Wäre es da
Nicht doch einfacher, die Regierung
Löste das Volk auf und
Wählte ein anderes?"

TV-Tip für das Wochenende:
Samstag, 20.15 Uhr, n-tv: Führerabend
Sonntag, 20.15 Uhr, servusTV: Stars schlagen Alarm: Schwarzenegger und "la Waldsterben"


* von dem leider viel zu früh verstorbenen Rudolf Rhomberg (1920-1968) einzigartig verkörpert.



Mittwoch, 26. August 2015

Merkel in Marxloh (Filmbericht)

Aktualisierung: Wie mir erboste Leser mitgeteilt haben, soll es sich bei dem eingestellten Video um eine eher plumpe Fälschung handeln. Ich werde das bei nächster Gelegenheit prüfen!

Die "Aktuelle Kamera" Tagesschau berichtet:




Dienstag, 25. August 2015

Wörtersterben I

Während der unter medialem Tamtam schon in den 1970er gestorbene deutsche Wald sich immer noch bester Gesundheit erfreut, verkümmert dagegen unsere Sprache tagtäglich etwas mehr, gänzlich unbeweint.
Dilletantens Gedanken zum "Spülstein" waren es, die mich nach solchen Wörtern suchen ließen.
In loser Folge werde ich demnächst hier einige vorstellen, die mir in den Sinn kamen.
Vorschläge sind gern gesehen!
Den Anfang macht:

Anmut


Freitag, 14. August 2015

Das Schweigen des Kölners

Aus Frankreich kommt die Initiative, am morgigen 15. August die Glocken für die verfolgten Christen zu läuten. Wie weit die Solidarität mit den verfolgten Brüdern und Schwestern ist, zeigt sich an dieser Aktion wieder einmal. In Frankreich machen nicht alle mit, die DBK (nicht verwandt und nicht verschwägert mit gleichklingender Versicherung) hält sich bedeckt. Den Vogel schießt dabei der Erzbischof von Köln ab! Während er im Juni noch für die mutmaßlich im Mittelmeer ersoffenen Flüchtling eine publikumswirksame Großaktion mit 23.000 Glockenschlägen mitinitiierte, sind ihm die bestialisch gefolterten, geköpften, verbrannten, gekreuzigten, erschossenen, erschlagenen, zerbombten, oder im Mittelmeer über Bord geworfenen oder versklavten Schwestern und Brüder nicht einen einzigen Zug am Seil wert. Anstelle des tönenden Protestes und in den Ohren klingenden Mahnrufes lädt er zur Schweigeminute in den Dom. "Totschweigen" hatte eine neue Qualität bekommen.
Meine Gefühle in Worte zu fassen und einer wie auch immer gearteten Öffentlichkeit zu präsentieren, verbietet mir der Anstand.
Ich hoffe nur, es gibt genug Pfarrer, die selbst die Initiative ergreifen.
Seliger Clemens August von Galen steh uns Deutschen bei!

Donnerstag, 13. August 2015

Ein mutiger, unbequemer,

unerschrockener und dabei zutiefst herzlicher, sympathischer Mahner aus Dresden: Uwe Steimle.
Ich habe in den letzten Wochen an manchen Blogeinträgen herumgeschnitzt, gefeilt und werkelt, aber dann war es mir entweder zu spitz oder doch wieder zu weich und rund geraten. Ich wollte es Ihnen dann doch nicht zumuten.
Stattdessen, lasse ich lieber den Mann zu Wort kommen, den ich für den besten Kabarettisten unserer Tage halte:














Mahlzeit!