Dienstag, 22. Dezember 2015

Jes 55,1f. und der Einzelhandel

Wir haben uns an sehr viel gewöhnen müssen. So wurde nach und nach in jeder Branche des Einzelhandels die Bedienung durch geschultes Fachpersonal aufgegeben. Nur noch wenige Branchen leisten sich heute als Zeichen besonderer "Kundenorientierung" Mitarbeiter, die zahlungswilligen Käufern den Weg zur gesuchten Ware weisen. Ansonsten herrscht "Selbstbedienung", dieser Selbstwiderspruch, der bisher kaum bedacht wurde, aber zu einer ganz eigenen Mentalität führte, die irgendwo zwischen Unerzogenheit und knapp vor Plündern anzusiedeln ist.
Mittlerweile ist das "bargeldlose Einkaufen" per Bankkarte usus, kaufen ohne Geld, bis der Dispo platzt. Es war sicherlich nicht diese Form des "Kaufens ohne Geld", die dem Propheten Jesaja in seiner Vision vorschwebte. Noch weniger jedoch wird er jene Form völlig bezahlungslosen Zugreifens gemeint haben, die momentan das Leben so vieler Händler schwer macht.
So hat ein Lebensmittelfilialist in einer ungenannten Kleinstadt in letzter Zeit nicht nur einen Strom von Neukunden verzeichnen dürfen, er durfte daneben auch einen bisher nicht gekannten Schwund im angebotenen Sortiment feststellen. So bestellte er sich an einem Tag in der letzten Woche zwei Detektive, die der Sache einmal nachgehen sollten. Innerhalb der ersten Stunde (sic!)  gingen den Herren ein gutes Dutzend Personen (sic!) ins Netz, die ihre portemonnaieschonende Verdiesseitigung von Jesaja 55,1 verwirklicht hatten.
Bei der Aufnahme der Personalien kam es dann zu erheblichen Verzögerungen, da sich die Ergriffenen mit einer Ermittlertruppe konfrontiert sahen, die nur der Landessprache mächtig waren. Diese Probleme konnten dann aber gelöst werden. Ebenso war das Problem des Marktleiters nach dieser Stunde zunächst einmal gelöst. Denn die stabilen Mobilfunknetze garantierten in Windeseile eine Umleitung der Interessentenströme. Seither wird wieder ordentlich bezahlt, bar oder per Karte.

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