Mittwoch, 11. November 2015

Bundeskanzler a. D. Helmut Schmidt +


Nun ist er von uns gegangen! Der unangepaßte, unbequeme und so gradlinige Hanseat. Für mich war er nicht einfach ein Bundeskanzler in einer Reihe seit Konrad Adenauer. Für mich war er der Bundeskanzler schlechthin. Ein pragmatischer Mann, der sich nicht von Terrororganisationen wie der RAF erpressen ließ, ein Mann, der eine Partei führte, die noch den Bürger im Blick hatte. Kohl mag als "Kanzler der Einheit" in die "Gechichte" eingehen. Doch die wahre Größe eines Menschen erkennt man in den Krisen, wie die Sturmflut, die Hamburg 1962 heimsuchte oder den berüchtigten "Deutschen Herbst" 1977. 1982 beendete ein konstruktives Mißtrauensvotum seine Kanzlerschaft. Bei allen Erwägungen wer, wie, wann, was tat, ist es letztlich ein innerparteilicher Flügelkampf gewesen. Die Parteilinke hat ihn im Streit um NATO-Doppelbeschluß und Konjunkturkrise (als Folge der damaligen Ölkrise) letztlich zur Strecke gebracht und uns allen die "geistig-moralische Wende" unter Kohl beschert.
Helmut Schmidt war ein wahrhafter Bürgermeister seiner Heimatstadt Hamburg, selbst wenn er nur Innensenator war.
Helmut Schmidt war ein wahrhafter Bürgerkanzler seines Heimatlandes Deutschland.
Ich hätte ihm gegönnt, wenn er der Kanzler der Einheit geworden wäre und ich hätte es auch diesem Land gegönnt, denn es wäre uns allen manches erspart geblieben.
Ich habe ihn mir häufig in den Jahren seit 1982: "Wenn er noch Kanzler wäre..."Seither, so muß ich gestehen, habe ich keinen der nachfolgenden "richtlinienkompetenten" Personen mehr schätzen können. Ich erkannte in ihnen nur noch Taktierer, die um des Machterhaltes willen agierten und den Bürger, den grundgesetzgemäßen Souverain dieses Landes immer mehr aus den Augen verloren, danach immer mehr verachteten um ihn schließlich und endlich heutigentags zum potenziellen Staatsfeind Nr. 1 zu machen.
Requiem aeternam ...

Kommentare:

ad tiliam hat gesagt…

Daß DU das so schreibst... ;-) Sehe es ebenso.
Immerhin hat der lutherische Hanseat, der sich zum Ende hin nicht mehr zu einem Gottesglauben durchringen konnte (was man nach 96 Jahren in diesem Schlamassel ja auch verstehen kann), nach Medienberichten einen Trauergottesdienst in St. Michaelis gewünscht.
Möge er in Frieden ruhen und wir ihn dereinst wiedersehen!

Laurentius Rhenanius hat gesagt…

@ ad tiliam:
Kleiner Scherz am Rande: An Adenauer habe ich - aus gegebenen Gründen - keinerlei Erinnerungen und Franz Josef Strauß ist ja nie Bundeskanzler geworden. ;-)
Seine hanseatische Besonnenheit hat unserem Land damals sehr wohl getan und täte es auch heute wieder.
Ehre, wem Ehre gebührt!