Freitag, 18. September 2015

Nächstenliebe = Sozialkasse?

Werte Leser,
am Ende einer Woche, die ich witterungsbedingt auf dem Krankenlager zubringen mußte, fasse ich noch einmal ein paar Gedanken zusammen, die mich schon seit geraumer Zeit beschäftigen und ich hier noch einmal zur Diskussion stellen möchte.

Sozialkassen
Die Sozialkassen wie Renten-, Arbeitslosen-, Kranken- und Pflegeversicherung sind Errungenschaften, welche beginnend bei Reichskanzler Otto v. Bismarck von den jeweiligen Regierungen und Staatsformen auf Deutschem Boden ausgebaut oder beschnitten wurden. Der Zweck dieser Kassen besteht zunächst einmal darin, den "abhängig Beschäftigten" eine Absicherung für Alter, Krankheit oder Arbeitsverlust zu geben, die sie sich aufgrund der Einkommensverhältnisse sich selbst nicht schaffen könnten. Die Einbehaltung des Geldes bewahrt den jeweiligen Versicherten vor den Gefahren der Selbstverwaltung, die in Zweckentfremdung oder Fehlinvestition liegen können. Gleichzeitig wird durch das Prinzip der Solidarität die Finanzierung größerer Leistungen für besonders betroffene Einzelpersonen (z.B. GroßOP) möglich, die sonst unbezahlbar wären. Eingeführt wurde dieses System, um große soziale Unterschiede zu mildern. Der Staat wollte die innere Ordnung und Ruhe im Lande absichern und nahm dafür Arbeitgeber wie Arbeitnehmer in die Pflicht.
Wir haben es also mit einem staatstragenden System zu tun, das einen Interessenausgleich schafft und aus einem dreifachen Eigennutz (Absicherung der Arbeiter, Wahrung innerbetrieblicher Ruhe, Wahrung des inneren Friedens) einen gemeinsamen Nutzen für alle macht und so Frieden und Sicherheit beförderte. Solange alle diese Seiten den eigenen Nutzen erkennen können und sich nicht übervorteilt fühlen, ist dieses System Sozialstaat ein sehr stabiles. Es verlangt von allen Seiten ein gewisses Ethos. Dieser besteht einerseits in der Bereitschaft, dem Staat vertrauend, diese Absicherung der Interessen zu überlassen und gleichzeitig die Kassen nicht unnötig zu belasten. Es ist ein Geschäft auf Gegenseitigkeit, bei der die Extreme der Unterversorgung (Wofür zahle ich überhaupt ein?) ebenso zum Problem werden können wie die Überversorgung (Die bekommen alles nachgeschmissen!). Beides kann den inneren Frieden eines Staatswesens nachhaltig erschüttern. Ebenso gefährlich ist es, wenn der Staat aus ideolgischen Gründen eine der Seiten (Arbeitnehmer oder Arbeitgeber) begünstigt. Als Beispiel sei hier z.B. HartzIV genannt, eine Reform, die passenderweise den Namen eines Managers trägt und zur Verelendung weiter Bevölkerungsteile geführt hat, wie auch andere Reformen der Regierung Schröder.
Noch einmal in geraffter Form: die Sozialkassen werden aus dem hart verdienten Löhnen und Gehältern finanziert und dienen zur Absicherung der Bürger des Landes.
Wenn wir diese Definition zunächst einmal festhalten, kommen wir nun zum nicht minder strapazierten Begriff :
"Nächstenliebe"
Durch die der Romantik und der Empfndsamkeit entlehnte Deutung der Liebe als ein geradezu wundersam geschenkter Gleichklang der Herzen und damit der Gefühle, ist der Begriff "Liebe" in einer Weise unglücklich überformt, daß er gleichermaßen Kinos, Buchhandlungen und Plattenläden wie Familiengerichte mit den Produkten dieser Sicht flutet.
Liebe ist keine Frage der Hormone oder Gefühle, es ist zunächst einmal ein Willensakt. Man vertraut sich einer Person, die man als ebenbürtig anerkennt. Man entscheidet sich für eine Person, ohne Bedingungen, freiwillig, unbefristet. Das muß noch nicht einmal erwidert werden. Liebe widerspricht damit allen Grundsätzen eines Vertrages! (Und damit habe ich auch schon alles zu sog. Eheverträgen gesagt.) Diese Liebe ist Grundlage einer funtionierenden Familie und eines entsprechenden Verhältnisses zu gut. Alles ganz unromantisch, wunderlos, nüchtern. Liebe befördert Treue. Treue macht aus einem (Ehe)mann einen Ehrenmann.
"Nächstenliebe" ist als Gebot dabei eine Erweiterung, die sich zunächst einmal auf das Umfeld außerhalb der direkten Familie erstreckt. Die Durchbrechung des Clanwesens, was in manchen Teilen des Christentums immer noch nicht gelungen ist, ist das entscheidende, das Christentum prägende Element. Die "Abgehängten" in der Gemeinde, in Not, krank, vereinsamt, ohne Schutz eines Clans, kommen in den Blick, Sie bedürfen als Mitchristen unserer Hilfe, Fürsorge und Achtung!
Dies geschieht aus Liebe (s.o.). Wir erkennen sie als ebenbürtig an, da sie Getaufte und damit von Gott wie wir mit Treue beschenkte Geschöpfe sind.

Die "Feindesliebe" weitet diesen Blick noch einmal. Es ist eine noch größere "Zumutung" als die Nächstenliebe. Aber merke: Nächster und Feind sind zu erkennen und zu unterscheiden!
Sie dient der Versöhnung und verhindert Rache. Sie lähmt und verhindert jedoch nicht die Verteidigung des Christen durch vorauseilende Kapitulation. Denn bin ich als Liebender und Getreuer meines Nächsten nicht dazu verpflichtet, diesen, wenn ihm Gewalt angetan werden soll, zu schützen und zu verteidigen und wenn es sein muß mit Waffengewalt?
Wer seine Eltern, Frau oder Kinder aus pazifistischen Erwägungen heraus notfalls nicht mit der Knarre verteidigen will, ist entweder ein treuloser (s.o.) Feigling oder reif für die Psychatrie!!!

Zur Sache:
Die Sozialkassen sind eine Errungeschaften zum Nutzen des Staates, der Unternehmer und Arbeitnehmer, die in einem Vertragesverhältnis ein System der gegenseitigen Absicherung geschaffen haben. Es dient somit diesen. Wenn sich an diesem Vertrag bez. an der Nutzung der Gelder etwas ändern soll, muß das Einverständnis der Vertragspartner eingeholt werden. Dies geschieht zur Zeit (unzureichenderweise) durch die Wahl von Parteien und deren Wahlprogramme.

Nächstenliebe ist vor dem Hintergrund der Liebe als eines freilwillig eingegangenen Vertrauensverhältnisses (ohne Bedingnung einer Gegenseitigkeit) ein Gebot Jesu, dieses Vertrauensverhältnis auf das Umfeld außerhalb der Familie zu erweitern. Es ist ein Gebot, das die Unterscheidung von Feind und Nächsten nicht einebnet sondern wie sich an der Existenz des Gebotes der Feindesliebe zeigt, beläßt.

Die Mittel der Sozialkassen sind für die Belange der Einzahler zu verwenden. Alles andere ist Zweckentfremdung und gefährdet den Frieden zwischen den Vertragspartnern!

Die Nächstenliebe ist ein persönlich geschenktes Vertrauen zwischen Einzelpersonen.

Ergo: Nächstenliebe hat nichts mit Sozialkassen zu tun!!

Solange die Unterscheidung von notleidenden Nächsten (=Nichtfeind) und Feind nicht gemacht werden kann, ist nicht Sentiment sondern Vernunft gefordert.
Wenn es an Vernunft fehlt, dann gehen schnell die Lichter aus.
Denn wie heißt es im Volksmund: "Nichts ist schlimmer, als wenn die Dummen fleißig sind!"


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