Mittwoch, 8. Juli 2015

Hagenkord im Hagelschlag

Pater Hagenkord hat bei einem Artikel seines Weblogs den Ton nicht ganz gefunden, hat dann noch ein Bild von zwei sich küssende Frauen von der Redaktion druntergemauschelt bekommen. Nun hat es im Karton gerappelt, äh in den Kommentaren und in den Emails wohl was mit dem Katechismus gegeben und schon ist die Seele waidwund und die Petersilie verhagelt. Es folgte ein  Artikel, der in der Kopfzeile des Browser mit "Enthemmte Diskriminierung" angezeigt wird und die kryptische Überschrift "Worte haben Wirklichkeit" trägt, was mich spontan an manche verunglückte NGL-Zeile erinnert.
Im Kommentarbereicht tummeln sich munter Leute, die Pater Hagenkord zu Klagen aufwiegeln und von öffentlichen Anhörungen träumen, in denen die Dunkelmänner ans Licht gezerrt und abgeurteilt werden.
An mancher Stelle im Kommentarbereich dachte ich: Nen Kirchenvolksgerichtshof, ja den hätten wir schon gerne, was?
Daneben entwickeln unwidersprochen Genderideologen neben ihren Theorien über allgemeine Bisexualität als Naturzustand, momentan bekannte Genderzahlen und zeigen dabei ihr differenziertes Weltbild, das sich durch Denkfiguren wie verklemmte Tradischwule, Chauvinisten, Katechismusneurotiker und sonstige völlig diskriminisierungsfreie und wertschätzende Begriffe auszeichnet.
Pater Hagenkord scheint sehr schwer angeschlagen zu sein, da er diesem ganzen Irrsinn und Wirrsinn im Kommentarbereich freien Lauf läßt und offenbar nicht in Lage zu sein scheint, auch nur einen Gran der katholischen Lehre zu verteidigen.
Mannomann!
Wie sagt in Bekannter von mir in solchen Sittewazionen immer:
Mit denen wärn wir nich mal bis in die erste Katakombe gekommen!

Gute Besserung in die verschnupfte Redaktion von Radio Vaticano!

Kommentare:

dilettantus in interrete hat gesagt…

Hagelschlach?

https://ksh.wikipedia.org/wiki/Hagelslag

Peter Friedrich hat gesagt…

Hallo!

Ich habe auf dem Blog von Pater Hagenkord unter dem Titel "Worte haben Wirklichkeit" gepostet. Ich muß erleben, daß ich oft keinerlei Antwort auf meine Argumente bekomme, in denen ich – für mich überaus wichtige – Anliegen vermittele. Hintergrund ist dabei auch meine eigene sehr leidvolle Kindheit und Jugend im kirchlich-familiären Umfeld und im katholischen Ordensgymnasium.
Ich darf behaupten, zu wissen, wovon ich rede, auch nach dem Austausch mit vielen anderen entsprechend Betroffenen.
Ich würde Ihnen meinen Beitrag aus Pater Hagenkords Blog hier noch einmal in voller Länge wiedergeben, Sie hätten dann die Gelegenheit, hier und heute Punkt für Punkt Stellung zu nehmen.

„Lieber Pater Hagenkord,

Das schöne Foto der beiden glücklich sich küssenden Frauen ist ganz und gar an der richtigen Stelle, ändern muß man gar nichts. Auch die eindeutige Haltung hier auf Ihrer Seite (samt der meisten Kommentare), die einer verschrobenen Menschenfeindlichkeit standhält, finde ich wunderbar.
Vergessen dürfen wir allerdings nicht, daß Menschen, die durch die kirchliche Sexual“moral“ geprägt sind und die entsprechenden kirchlichen Aussagen dazu eher wörtlich ernst nehmen, potentiell hochgradig psychopathologisch gefährdet sind. Eugen Drewermann beklagt in „Kleriker – Psychogramm eines Ideals“, daß Menschen durch eben diese kirchliche Lehre darin sabotiert werden, zu sich selbst zu finden, statt hilfreich dabei begleitet zu werden, ihrer jeweiligen Frage nach Zärtlichkeit Raum zu geben, insbesondere unabhängig davon, ob sich diese Zärtlichkeit nun hetero-, bi-, homo- oder sonstwie sexuell ausdrückt. Der religiöse Bezug darf uns die Kraft geben, einen Menschen vorbehaltlos zu fragen, wie es ihm geht, was für ein Mensch er eigentlich ist. Unterdrückt man diese Offenheit, sind alle schlimmen Folgen möglich, ja, folgerichtig, wie man sie auf diesen gewissen Internetportalen leidvoll erleben muß.
Die kirchliche Sexuallehre züchtet sich ihre Gemütskranken selbst. Man muß bald, man muß sehr bald etwas ändern.
Dieser Tage erinnerte ich mich einer grauenerregenden Erzählung von Ernest Hemingway, „Gott hab euch selig, ihr Herren“ aus den „Stories“, einer Sammlung mit dem Titel „Der Sieger geht leer aus“. Die schreckliche körperliche Selbstverstümmelung eines jungen Mannes, der nur für sich umsetzte, was er aus kirchlichen „Moral“lehren gewissermassen buchstäblich las – das ist nur eine der möglichen Manifestationen solcher Lehren.
Der Anspruch der kirchlichen Lehre, daß sich erotische Zärtlichkeit und Sexualität ausschließlich innerhalb einer Ehe ausdrücken dürfen, kastriert potentiell alle anderen Menschen in ihren individuellen Notwendigkeiten.
Ob ein Mensch dann sich selbst oder andere verstümmelt oder wunderlich, verschroben oder boshaft wird – die Folgen sind unabsehbar.

Freundliche Grüße
Peter Friedrich“

Es sei noch vermerkt, daß die angesprochene „Verstümmelung“ sich nicht nur körperlich manifestieren muß, beispielsweise können auch sonstige Selbstverletzungen, Zwangskrankheiten etc. die Teilnahme am Leben schlechthin „verstümmeln“.
Welchen Standpunkt nehmen Sie zu entsprechenden Krankheitsbildern ein, die im unmittelbaren Zusammenhang stehen mit der kirchlichen Sexualmoral?

Gruß
Peter Friedrich

PhrasenRoboter hat gesagt…

@Peter Friedrich
Diese Kirche defragmentiert in kontroversen, transformativen oder flexiblen Meinungsströmungen und bezieht sich überdies kompatibel und emanzipatorisch auf sich selbst. Drewermann ist wie ein Distanzgewinn und rund um dessen Ideenpool durch die Autonomien dargestellt. Im Diskussionsverlauf des RadioVatikanaffäre muss die Gesprächspraxis bei der transferablen Vor-Ort-Diskussion rekapitulieren. Transferable Generatoren parametrisieren vage Stellungnahmen und formulieren die Sophistikationen.

Laurentius Rhenanius hat gesagt…

@ Dilettantus: Echt mooi!

@ Peter Friedrich:

Sehr geehrter Herr Friedrich,

damit man nicht der Diskussionverweigerung zeiht, möchte ich Ihnen hier kurz antworten. Das kann und wird nicht erschöpfend sein, doch möchte ich Ihnen gerne meine Position in kurzen Worten umreißen. Als Absolvent einer katholischen Privatschule, der seine Schulzeit als rundweg positiv erlebt hat, kann ich mich dennoch in Ihre Position hineindenken und auch verstehen. Ja, Sie haben recht: Ihnen und vielen anderen ist Unrecht widerfahren. Das ist schrecklich, nicht gutzumachen. Die angewandten Methoden und auch die Übergriffe, welcher Art sie auch immer waren, haben Ihnen geschadet. Sie hat es zu großen Zweifeln an der Richtigkeit gewisser Normen geführt. Berechtigte Zweifel! Doch haben Sie schon genug gezweifelt? Ich meine das ganz ernst, bei allem Jokus, den ich sonst gerne mal schreibe! Haben Sie schon genug gezweifelt? Sie halten Drewermann für eine Kapazität, der die richtigen Fragen stellt und auch die Antworten findet! Ich habe ihn auch gelesen (u.a. "Kleriker"). Seine psychotherapeutischen Grundlagen gelten heute als längst überholt. Er gibt den Erfahrungshorizont einer bestimmten Generation wieder. Er hat es mit einer Gruppe von Erkrankten zu tun. Könnte er nicht dem Irrtum erlegen, daß jeder krank ist, er es nur noch nicht weiß? Zweifeln Sie an Drewermann! Ich habe es getan und tue es! Es ist eine Befreiung! Gehen Sie aber den Weg des Zweifels weiter! Stellen Sie sich selbst infrage! Tue ich jeden Tag mehrfach! Je radikaler man das macht, umso mehr fallen die falschen Gewißheiten!

Laurentius Rhenanius hat gesagt…

Fortsetzung Friedrich:

Auch ich habe meine "Revolutionsjahre" gegen Gott, Kirche und Papst gehabt, knallhart und schlimmer als ich es jetzt hier ausbreiten möchte. Ich bin mancher Idee und manchen Wunschtraum aufgesessen, doch ich habe immer versucht, neben der Emotion den Verstand nicht abzuschalten. Am Ende kam ich - ohne ihn damals schon gekannt zu haben - auf dasselbe Ergebnis wie Chesterton: Alles, wonach ich letztlich suchte, alles, was ich mir mühsam zusammendachte, gab es längst in Vollendung und Schönheit von den großen und kleinen Heiligen unserer Kirche erbaut.
Ich hatte mich als miesepetrigen Kritikaster enttarnt, der sich an der Struktur von Steinen aufhält, aber den Blick für die Schönheit des gesamten Bauwerkes verloren hatte. Sicherlich, man kann unterstellen, das der Heilige Franz von Assisi ein Hysteriker gewesen sein könnte. Wahrscheinlich war St. Thomas von Aquin ein Workoholic mit Eßstörungen. Weiß der Himmel, was man über Katharina von Siena, Maxim. Kolbe oder Card. von Galen alles sagen könnte. Wir sind alle (ob heiliggesprochen oder nicht) auf unsere Art und Weise sündig! Doch ist deswegen das Streben nach Reinheit und Güte falsch? Ist die Lehre der Kirche von der Ehe falsch, bloß weil es immer wieder mißlingt?
Ich kenne keine andere Form, die die Würde von Mann und Frau derart schützen und wahren könnte?
Sollen wir die Straßenverkehrsordnung auflösen, weil sich kaum noch jemand an die Regeln zu halten scheint? Muß ich mein Leben lang an der "Rechts-vor-links-Regel" verzweifeln, weil mein Fahrlehrer ein cholerischer Schreihals war?
Und da bin ich nun beim Punkt: Es ist schlimm, wenn sich Vertreter der Kirche (geweiht oder ungeweiht) vergessen und entgegen aller Lehre handeln.
Deswegen die Lehre aber per se als falsch zu bezeichnen, ist eine Antihaltung, die das Fehlverhalten für gewichtiger hält als die Sinnhaftigkeit der Regel.
Denn das angestrebte für alle mögliche Mittelmaß, das menschlich Machbare ist ein ebenso unerreichbares Ziel. Denn der Mensch kann bitterböse, engelsrein oder irgendetwas dazwischen sein. Doch es gilt das wahre Gute vom wahren Bösen zu scheiden. Es gilt das wahre Gute anzustreben und das wahre Böse zu lassen. Und wenn ich das wahre Gute erkannt habe, werde ich es lieben wie ein makellose Rose. Wenn ich frei für diese Erkenntnis bin, dann werde ich mit Thomas philosophieren und beten, mit Franz die Schöpfung preisen und wenn mich dann die Liebe zur Mutter in aller Freude, Kindlichkeit und Unschuld wieder umfängt, dann wird mir beim noch so angeblich kitschigsten Marienlied warm ums Herz. Dann wird der Beichtstuhl wieder zu einem Ort der Befreiung. Und dann verstehe ich vielleicht auch den Pfarrer von Ars, der dort für die nach Verzeihung suchenden Menschen aus Liebe beinahe verhungert ist. Dann habe ich die Chance über das allzumenschliche Mittelmaß hinaus tiefer und inniger zu lieben und entsprechend zu leben und zu handeln.
Wenn ich das habe, dann wird die die schlimme Erfahrung nicht weggewischt. Es wird die Monströsität dieser Erfahrung erst einmal in aller Schrecklichkeit aufgehen. Und vielleicht wird dann die Armseligkeit dieser Person aufscheinen, wie sehr dieser Verworfene und Verwirrte der Fürbitte bedarf. Und dann wird die wahre Befreiung passieren. Die Gespenster der Vergangenheit machen den Weg frei.
Ich wünsche Ihnen das von ganzem Herzen. Ich werde für Sie beten.
Trauen Sie sich! Wagen sie sich in das pralle katholische Leben, zwischen Liboritracht, Karfreitag, Wallfahrt mit Plaisir und Exerzitien bei Karthäusern. Schöpfen Sie aus dem Vollen und haben Sie Freude daran, was Ihnen die Kirche an Schätzen in allen Lebenslagen anbietet, von vor der Wiege bis nach der Bahre!

Ich bin durchaus weiterhin gesprächsbereit, aber die Diskussion über Pater Hagenkord erscheint mir dagegen nichtig und möchte Sie an dieser Stelle beenden.

Laurentius Rhenanius hat gesagt…

Abschließend noch zu Herrn Friedrich:
Ich bin übrigens auch der Meinung, daß sich in der Kirche dringend etwas ändern muß!
Ich kann Ihnen auch ganz genau sagen, was das ist: ich!
(Auch diese Weisheit stammt nicht von mir, sondern ist ein Bonmot der Mutter Teresa.

Cinderella01 hat gesagt…

Der Text zu Pater Hagenkords Hagelschlag ist Klasse und trifft das Thema, worum es wirklich geht.

Die Antwort an Herrn Friedrich ist nicht mehr zu übertreffen und auch ich nehme "einiges mit" davon. Danke dafür!

Laurentius Rhenanius hat gesagt…

@ Cinderella01:
Danke für das dicke Lob. Es ist alles sehr im Telegrammstil hingetippt. Manches ist dadurch etwas harscher im Ton, als ich es meinte.
Wäre gerne noch etwas ausführlicher an das Theman gegangen. Vielleicht mache ich das noch einmal.

Peter Friedrich hat gesagt…

Guten Tag und danke für die Ausführlichkeit Ihrer Antwort!

Erlebe beim Lesen die Anmutung einer fiebrig unruhig unheilvoll dahinträumenden geistlichen Warmwelt, tröstend warmes Kinderurin im bergenden nasswarmen Bett, Eindrücke von giftigem Rosa, liturgischem Plüsch, Kerzenschein, Weihrauch, Dünkel, Gefahr, verfälschten Gefühlen. Die Stachel uralten lauernden scharfen Schmerzes, die im euphorischen Rausch der himmlischen Narkose in breiige Watte gehüllt sind.
Das also: Nie wieder.
Als der Trockennasenaffe, der ich bin, schreite ich meinen Erdentag entlang, wandele ich über die Wiesen und bin jüngst zu Gaste beim Wirte wundermild des Ludwig Uhland, wohl genähret mit süßer Kost und frischem Schaum, auf weichen, grünen Matten ruhend, vom Wirte selbst zugedeckt. Befreit vom Glaubenszwang, es müsse doch nun diesen Wirt "geben"! Nicht "geben", nein, erleben!
REAL PRÄSENT mußte er für manche esoterisch Überreizten einst sein, dieser Heiland in der romantischen Naturverklärung, hier Äpfel und Schatten spendend, genauso wie es alle real präsenten Heilande gefälligst zu "geben" hatte, wie sie dann etwa durch die Kirche Brot und Wein spenden.
Es "gibt" sie alle nicht, diese Heilande, ein für alle Mal, sie sind in der kosmologischen Realität nicht existent.
Es "gibt" sie nicht (wir müssen ihnen nichts selbstentfremdend aufopfern).
Aber sie besitzen eine Wirklichkeit.
Ob diese Heilande nun wundermilder Wirt, Jesus Christus, Goldenes Kalb, dickes Auto, Millionen auf dem Konto, Homosexualitätsunterdrückung, Onanieunterdrückung, Alkohol, Macht, auch sexuelle Macht oder sonstwie heißen, durch Eugen Drewermann wissen wir endlich, endlich in völliger Klarheit, nüchtern, einfach und betörend schön zugleich, daß wir menschlichen Trockennasenaffen letztlich nur suchen nach dem, was ich beschreiben würde als die mitfühlende, liebende Gegenüberhaftigkeit an und für sich und als solche. Wir verzehren uns nach jedem freundlichen Blick, nach jedem Timbre von zugeneigter Wärme in der Stimme des Menschen, der mit uns spricht.
Schluchzende Sehnsucht hinter all unserem idiotischen (Kriegs-)Treiben, von Erich Maria Remarque mit einigen der ergreifendsten Worte poetisch auf den Punkt gebracht, "...können es nicht zwei Hände sein und ein geneigtes Gesicht?..."
Der Vater im Himmel, oder meinetwegen die Mutter im Himmel, resoniert mit unserer letzten Sehnsucht nach dem "geneigten Gesicht", nach der liebenden Gegenüberhaftigkeit überhaupt, so werden aus Trockennasenaffen "Kinder Gottes".
"Vater/Mutter" im "Himmel" "gibt" es nicht, aber besagte Resonanzbeziehung gibt uns bombensichere Orientierung, gibt uns den immer ersehnten festen Punkt im All.

Wovon waren wir doch gleich nochmal ausgegangen? Ach ja, Beschäftigung mit Kirchenlehre, Reinheit, Homosexualität, gottgewollter Vermehrungsbesamung, ja, ja... . Lassen wir doch diesen Unfug einfach sein! Diesen Unfug, der übrigens selbst zu einem dieser irrlichternden Heilande geworden ist, könnte man sagen, zu einer Scheinorientierung anhand des Aufwerfens von Scheinproblemen.
Fortsetzung folgt


Peter Friedrich hat gesagt…

Fortsetzung ...anhand von Scheinproblemen.

Immer und immer wieder, meinetwegen sieben mal siebenundsiebzig Mal, müssen wir die falschen Heilande fahren lassen. Einzig bietet uns Orientierung die Beziehung zur Absoluten Person aus Liebe und Mitgefühl, jener Person, die es nicht "gibt", jedoch die resonierende Beziehung zu ihr. Blaise Pascal läßt seinen Gott sagen, sinngemäß, "da du mich suchest, hast du mich bereits gefunden".

Wenn Sie mir nun nicht glauben, schmunzel, dann entbiete ich Ihnen den Deschner...
Oder, warten Sie, besser so: Wenn Sie mir den Drewermann nicht nehmen, dann komme ich Ihnen mit dem Deschner! Zack!
Noch ein Letztes, fällt mir da gerade ein, eine der schönsten Passagen bei Heinrich Böll, über das sich zum Unendlichen hin verströmende Zartgefühl in der Beziehung eines alternden Ehepaares, das Böll in wenigen Worten erfasst, "...Längst hatte er es aufgegeben, ihr mit seiner Männlichkeit zu kommen. ..."

Seien Sie als die nach Liebe sich sehnende Person geliebt, denn da Sie sich nach ihr sehnen, sind Sie ihrer bereits teilhaftig.
Peter Friedrich

Laurentius Rhenanius hat gesagt…

Lieber Herr Friedrich,
ich habe gerade Ihre Replik gelesen. Ich habe mich spontan dazu entschlossen, diese zu veröffentlichen. Ich tue dies deshalb, weil Sie Sieger sein wollen und Sie es auch sein sollen. Ich gebe hiermit zu: Sie haben mich besiegt! Sie sind von einer Glaubensstärke, Chapeau!
Doch woran glauben Sie? Zunächst dachte ich, Sie schenkten Personen und Werken, die Sie als Autoritäten bzw. Grundlagenwerken ihren Glauben. Doch schon die ersten Sätze Ihrer Antwort zeigten mir deutlich die Überlegenheit ihrer Glaubenswelt, denn sie fußt nicht in der Lektüre eines Memorials oder einer Kriminalgeschichte des Christentums oder des miesepeterigen Kultautors der alten SPD. Alles wird nur dazu herangezogen, um der ohnehin schon umeinnehmbaren Trutzburg Ihres Glaubens einen schmückenden Wimpel oder ein buntes Fähnchen hinzuzufügen.
Ich werde Ihnen die von Ihnen angeführten Kronzeugen nicht nehmen können. Nein, Sie achten keines der Werke und Personen, denn sonst würden Sie die Begrenztheit dieser Arbeiten mit ins Auge fassen. Nein, alles dient nur dazu, Sie zu bestätigen. Es geht nur um Sie, Ihre Erfahrungen, Ihre Meinung, Ihren Glauben. Was dem dient, wird vereinnahmt. Sie haben sich ein hermetisch abgeschlossenes System erschaffen, das der Bestätigung Ihres Ichs dient.
Sicherlich hat Ihre Seele gelitten und Ihnen ist großer Schaden zugefügt worden, aber den Zweifel können Sie nicht kennen und den Zweifel können Sie auch offentlich gar nicht zulassen. Ihre Herabsetzungen (Trockennasenaffen) und die Müllwagenmentalität (Begriff ist von Manfred Lütz geprägt worden) im Bezug auf die Kirche sind eine scheints notwendige Überlebenstechnik.
Dieser erste Absatz Ihrer Antwort läßt mich ahnen, wie sehr Sie diese bergenden Wände Ihrer Trutzburg brauchen. Ich wollte nicht "siegen", weil ich von vorn herein von meiner Niederlage überzeugt war. Ich wollte Sie zu einem tieferen Zweifel anregen, dem Zweifel am eigenen Ich und allen inneren Gewißheiten motivieren, um Ihnen einen Blick auf Schönheit und Freude des Lebens und des Glaubens zu finden.
Nur eines stimmt nicht: Ihr Schluß:
Denn ich sehne mich nicht nach Liebe, ich liebe mit jeder Faser meines Körpers und bis in die tiefsten Tiefen meiner Seele, auch wenn mich immer wieder die Gefühle bedrängen, die schaden und daher zu überwinden sind. Ja, ich sehne mich nach danach einst in der Liebe Gottes aufzugehen, dieser Vollendung aller Liebe, alles Schönen, alles Wahren, alles Guten.
Nochmals: Gratulation zu Ihrem Sieg, den ich jedoch für einen Pyrrhussieg zu halten geneigt bin.