Freitag, 13. Juni 2014

Wortgewaltig? Wochenschau 24. KW

Das evangelische Pfarrhaus war über Jahrhunderte eine Institution mit vielerlei Funktionen. Über den Prototyp in Wittenberg, den Landpfarrhof in Mecklenburg bis hin zur Großstadtpfarrei mit Etagenwohnung waren sie immer ein Hort der Bildung, meistens auch der Frömmigkeit. Die Entwicklung vom kinderreichen Haushalt mit Morgenandacht über die ersten Bindestrich Hausnamen,vom sonntäglichen Eckenkragen zum immer gleichen Strickpulli ist hinlänglich bekannt. Nur wenige Traditionen haben sich halten können, wie zum Beispiel die Macht der Pfarrfrau. Wenn sich ein Ratsvorsitzender beim Frühstück von seiner Frau darüber belehren läßt, was für ein schlimmer "Männerladen" die EKD doch sei und er sich daraufhin mit Verve für Frauen, Gender und sonstwas engagiert, so kuscht er wie einstmals Dr. Martinus Luther vor seiner Gattin "Herr Käthe". Moment! Damit wäre der Wittenberger vielleicht sogar Vorreiter des Genderismus...? Noch bedenklicher ist jedoch der Niedergang der Sprache und der Sprechkultur bei den Vertretern der "Kirche des Wortes". Luther, der sprachprägende Reformator. Die Wirkmächtigkeit der Sprache läßt sich nicht zuletzt an der raschen Ausbreitung der Reformation ablesen. Das Pfarrhaus war ein Hort der Sprachkultur, wohlgemerkt "war". Davon ist heute nur noch wenig zu spüren. Wer in den letzten Jahren in die Verlegenheit kam, bei z.B. einer Hochzeit, einer Konfirmation oder einer Beerdigung nach protestantischer Agenda anwesend sein zu müssen, der wird sich vielleicht so wie ich gefragt haben, wo der Unterschied zu Standesamt, Jugendweihe und Freidenkerbegräbnis gewesen sein mag, wenn man vom verschämt eingefügten Abendmahl und Vaterunser absieht. Statt Predigtkunst ungelenke, vereinnahmende, zwischenmenschelnde Wohlfühlfloskeln.
Wenn nun altvordere Emeriti den Verlust des einst so reichen Wortschatzes beweinen, so ist dieser Analyse vorbehaltlos zuzustimmen und ihre Klage nachvollziehbar. Das Wort, das die Menschen bewegen kann, zur Umkehr, zum Neuanfang beflügelt, es ist der Selbstbestätigung gewichen. Und weil man weiß, wo die Guten und wo die unbelehrbaren Bösen stehen, begnügt man sich mit dem Status quo. Umkehrruf oder Einladung?
In diesem Zusammenhang sehe ich auch die Äußerung des Bundespräsidenten gegenüber Mitgliedern einer national gesinnten Partei. Herr Gauck als ehemaliger Pastor lebt den ständig gewollten Traditionsbruch als Teil seiner Identität. So hat er ja schon von Anfang an verkündet, er würde sich ja durch das Amt nicht ändern wollen. Das heißt letztendlich: Mein Ego ist mir wichtiger als das Amt. Mit Luther: "Hier stehe ich! Ich kannt nicht anders!" Das Wort "Rücksichtnahme" gehört offensichtlich nicht in das Vokabular. "Achtung" (vor Amt und Volk) auch nicht. Es ist bedenklich, wenn der höchste Repräsentant des Staates seine Amt dazu benutzt, Teile der Bevölkerung als nicht diskussionswürdig oder -fähig zu bezeichnen. Er polarisiert, schließt aus und macht sich so zum Repräsentanten einer Gruppe, die er für würdig hält, von ihm Amt wahrnimmt, sondern die Möglichkeiten des Amtes dazu benutzt, seine Persönlichkeit auszuleben. Es schadet letztlich  Amt und Land. Wem nicht klar sein sollte, was ich meine, der sei an alle Priester erinnert, die sich zum Herren über die Liturgie gemacht haben und machen. Der angeblich nicht iustitiabele Begriff "Spinner" ist 
nur ein Beweis für den oben beschriebenen Verlust an Sprache, Sprechkultur und  - Verzeihung - ein Zeichen mangelnden Anstandes, will sagen: hier hat sich jemand nicht seinem Stande gemäß benommen.
In diesem Sinne hat sich der islamische Vorbeter durchaus anständig benommen, der in den Gärten des Vatikans seine Chance offensichtlich genutzt hat, den Vatikan durch ein Gebet zu Allah nach der Auslegung einiger islamischer Rechtsgelehrter zum Hoheitsgebiet der Wüstenreligion zu machen. Er hat seine Chance genutzt! Daß dabei noch eine Sure für den Sieg über die Ungläubigen reingemauschelt wurde, ist dabei schon fast eine Petitesse. Anders ausgedrückt: Franz I., der sich ja nicht als Pontifex Maximus sieht, sondern lieber Bischof von Rom sein will und als "Signifex Maximus" (Oberster Zeichensetzer) von sich reden macht, hat sich vorführen lassen, wie ein Schulkind, das seine Hausaufgaben nicht gemacht hat. Vielleicht kennt man in Argentinien nicht die Geschichte des maurisch besetzten Spaniens. Man muß auch nicht wissen, daß die Protestanten sich schon vor Wien nicht an der Verteidigung des Abendlandes beteiligt haben. Man muß ja noch nicht einmal die Regensburger Rede des guten Benedikt XVI. kennen. Aber die diplomatischen Bulletins über das Martyrium der Christen in islamischen Ländern sollten zumindest gelesen werden. Und was "ultraorthodoxe Juden von christlichen Gedenkstätten im Heiligen Land halten, kann man hier nachlesen. Die gesetzten Zeichen tragen interessante Früchte. Nebenbei haben Seine Heiligkeit angeblich auch wieder das Pectorale im Zingulum verschwinden lassen und die Wortwahl soll freimaurerisch gewesen sein. Mag das so sein, wie es will: im Sinne der Kirche war das wohl nicht, eher ein Fehlversuch in Sachen Weltpolitik. Selbst auf der Seite, die uns sonst mit den täglichen "Perlen" beschenkt, ist dieser Fall Roms nicht mehr zu deckeln und die Zuschriften im Kommentarbereich sind deutlich, wenn man von einigen "Kamillenblüten" einmal absieht.

 Währenddessen hat sich in Chartre mal wieder die katholische Jugend getroffen!
Das ist mal was anderes als kjg und ihre Papierchen!

Zum Abschluß ein bitterer Witz aus eigener Herstellung:
Frage: Was ist der Unterschied zwischen Kaiser Konstantin und Papst Franz I.?
Antwort: Kaiser Konstantin hat als Heide das Christusmonogramm auf Feldzeichen und Schilde seiner Truppen anbringen lassen und damit die Schlacht gewonnen!

Ich wünsche allen Lesern einen gesegneten Rest der Pfingstoktav!

1 Kommentar:

Cinderella01 hat gesagt…

Danke für diesen Beitrag. Damit ist alles gesagt. Und die Verunsicherung geht weiter, wenn man in sein neuestes Interview liest. Auch hier wird man bei RV wieder viele freundliche Worte finden müssen, um die Aussagen ins rechte Licht zu rücken. Das mit der "Gebetessprache" ist wohl doch nicht so gut angekommen.