Samstag, 1. März 2014

Der Lotse geht von Bord

Seine Heiligkeit, Franz I., Pontifex Maximus, Diener der Diener Gottes, hat das Rücktrittsgesuch Joachim Card. Meisners angenommen. Es war an der Zeit. Der Verlust ist herb. Wir werden seine klare Stimme noch sehr vermissen.
Die Reaktion der Medien war so langweilig wie vorhersehbar.
Anstelle eines bunten Menus vom Buffet der Meinungsvielfalt gab es wieder einmal den bekannten deutschen Worthülseneintopf ohne Hirneinlage. Die Qualitätsgaranten der öffentlich-recht-dürftigen Anstalten und der Freunde des Fortschrittes in den Printmedien boten allüberall ihr dünnes Instant-Adjektivsüppchen aus der Gulaschkanone an.
Die Zutatenliste kann wie folgt beschrieben werden:
konservativ (15%)
reaktionär (5%)
umstritten (30%)
Emotionsextrakte, Moralinsäure (Konfrontationsmittel) sowie wirklichkeitsverneinende und realitätsferne Vorurteilsstoffe (B90/Gr.; Alt68)
(Warnhinweis für Kirchgänger: Das Produkt kann Spuren von Katholikenfeindlichkeit enthalten!)

Eine Beobachtung am Rande:
Während bei Joachim Card. Meisner nur noch als "ehemaliger" apostrophiert wird, spricht man beim em. "Freiburgerle" immer noch vom "Erzbischof", obwohl dessen MHD ja schon vor einigen Wochen abgelaufen ist.

Kommentare:

Jürgen Niebecker hat gesagt…

Beim Freiburger Erzbischof merkt man nicht so wirklich, daß er nun "ehemaliger" ist, weil er zwar kirchenrechtlich den Titel gewechselt hat, aber es im Bistum weiter geht wie bisher.

In Köln haben wir nun eine echte Vakanz.

Ich persönlich finde es deutlich besser, wenn ein Bistum merkt, daß es keinen Bischof mehr hat.
In Fällen, in denen der Emeritus zum Administrator ernannt wird, hat man immer das Gefühl eines "Staffellaufs" bei dem der nur Stab weiter gereicht wird und es ansonsten heißt: „Ohne Bruch - Weiter wie bisher.“
Ja, die Möglichkeit eines heilsamen und heilenden Bruchs mit nachfolgend etwas „Neuem“ wird verunmöglicht.

Zudem: Wenn es einen Alt-Bischof/Administrator gibt, schwingt immer im Hintergrund die Gefahr mit, daß der Alt-(Erz)bischof noch Einfluß hat.

Ich bin auch kein großer Freund von der Emeritiererei:
Warum muß ein Bischof – auch wenn er noch fit ist – mit einer bestimmten Altersgrenze seinen Rücktritt anbieten?
Warum kann er nicht solange machen, wie er es gesundheitlich machen kann?
Warum nicht Bischof bis zum Tode?

Als damals überraschend Erzbischof Kardinal Degenhardt starb, war das natürlich ein Schock. Auf der anderen Seite war damit der Bischofssitz wirklich vakant. Es gab auch keinen „herumgeisternden“ Alt-Erzbischof.

Es war die Chance nun alles anders zu machen oder alles beim Alten zu lassen oder sonstwie zu handeln. –Völlige Freiheit des neuen Bischofs.

Es gab keinen Alt-Bischof der über die Schulter guckt oder auf den man zumindest „irgendwie“ Rücksicht nehmen mußte.

Ob am Ende alles „besser“ wird, steht auf einem anderen Blatt. Aber wenigstens ist dann die Chance da.

Braut des Lammes hat gesagt…

Über die Verwendung des Worte „umstritten" und „konservativ“ hatte ich mal einen Beitrag geschrieben – und dann doch nicht veröffentlicht, es macht einfach keinen Spaß.

@Jürgen: Bischof oder Priester bis zum Tod ist man ja, das Sakrament wirkt ja auf ewiglich, nach der Ordnung Melchisedeks. Um das Amt eines Ortsbischofs oder Gemeindepfarrer auszuüben, ist allerdings ein Mindestmaß an körperlicher Gesundheit erforderlich, das hat ja auch Papst em. Benedikt klar erkannt.