Dienstag, 15. Oktober 2013

Einen Rosenkranz für Limburg!

Auf die Gefahr hin, mich mal wieder unbeliebt zu machen und allgemeines Unverständnis zu evocieren, möchte ich mein vollkommenes Unverständnis über die Skandalisierung des Limburger Domforums und seines Bauherrn zum Ausdruck bringen. Sicherlich ist es etwas teurer geworden, als es zunächst gedacht. Der Bauherr ist seiner Aufsichtspflicht nachgekommen und hat immer dann, wenn die Architekten wichtige Dinge vergessen hatten, entsprechende Änderungen machen lassen. Nun ist das Gebäude fertig und es funktioniert. Er hat den unter seinen Vorgängern entstandenen Renovierungsstau abgebaut und hat mit diesem Gebäude für das Bistum bleibende Werte geschaffen.
Dazu kann man Seiner Exzellenz nur gratulieren, und es ist ihm zu danken, daß er so umsichtig war!!!

Denn in der Regel ist bei öffentlichen Großprojekten nicht nur die Kostenschätzung ein unverbindliches Zahlenspiel. Am Ende stehen nicht selten Gebäudekomplexe in der Landschaft, die nicht benutzt werden können. Am Ende stehen gigantische "Scheiterhaufen" aus Stein in der Landschaft, deren Modernität gegenüber den alten Holzmodellen darin besteht, daß keine bedauernswerten Mitbürger auf ihnen ihr Ende finden. Es ist nur unser Geld, das in Form von Steuern aus den Taschen gezgen worden ist oder gar nicht erst bis in die Geldbörse gekommen ist, weil der Arbeitgeber es schon vorher an "Vater Staat" weitergeleitet hat. Millionen und Abermillionen verschwinden auf diese unaussprechlich furchtbare Weise tagtäglich sang- und klanglos.

Beispiele?
Fangen wir doch im hohen Norden an, in der Freien und Hansestadt Hamburg.
Dort murkst seit Jahr und Tag eine Ansammlung geballter Inkompetenz am Projekt "Elbphilharmonie" herum. Ein phantastischer Bau, der optisch zwar manchen Freund moderner Architektur überzeugen mag, aber nie für Konzertbesucher konzipert war. Nun müssen die Akustiker die Fehler im gelobten "Design" ausmerzen. Aber das ist nur ein kleineres Problem in dem Geasmtprojekt. 2010 sollte der Bau seiner Funktion übergeben werden. Wenn alles gut geht, wird es nun vielleicht 2016.
Kosten:
Eine "Machbarkeitsstudie" aus dem Jahr 2005 ging von 186 Mio aus.
Bei Vertragsabschluß 2007 waren es dann schon 241,3 Mio.
Am Ende rechnet man mit 575 Mio (Netto), wenn alles gut geht.

In Köln baut man nicht nur eine U-Bahn, bei deren Erstellung es zu spontanen Veränderungen im Stadtbild kommt und Menschenleben ausgelöscht werden. Dort gibt es auch Untergrundkonzertsäle, die nur dann ihre Funktion erfüllen können, wenn man den darüberliegenden Stadtplatz für die Dauer des Konzertes sperrt.

Wer noch einen Koffer in Berlin hat, der sollte ihn mit der Bahn oder mit dem Auto abholen, da der neue Flughafen vielleicht nie seiner Bestimmung übergegeben werden kann. Die Liste der Mängel weist mittlerweile 75.000 Positionen auf. Da sind nicht nur zu kurze Rollentreppen bestellt worden. Die Brandschutzanlagen sind ebenso eine Fehlkonstruktion wie die Abfertigungshallen, die die zu erwartenden Menschenmengen nicht werden bewältigen können. Es ist ein funktionsuntüchtiger Großflughafen gebaut worden, für den ein anderer funktionierender Flughafen geschlossen wurde. Anfangs berechnete Kosten: 1,7 Mrd.
Sollte der Flughafen irgendwann 2014 doch noch den ersten Passagier abfertigen können, werden es mindestens 5,1 Mrd. gewesen sein, die wir für ein vermurkstes Dings ausgegeben haben. Ein nicht unerheblicher Anteil der Mehrkosten ist dem (immer noch) Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit und seinen ständigen Änderungswünschen zu verdanken.

Dortmund: U-Turm
Vom Brauereiturm zum "Kreativzentrum":
Anvisierte Kosten für den Umbau: 59 Mio.
Tatsächlicher Bedarf bis 2012: 83 Mio.
Vermutliche jährliche Betriebskosten: 10,2 Mio.
Nutzung: Wurde während des Umbaus nur teilweise geklärt.

In Stuttgart versenkt die Deutsche Bahn einen Euro nach dem anderen in das Projekt "Sturgert 21" für einen Bahnhof, der einen nur geringen Zeitvorteil bringen wird, dafür aber einen denkmalwürdigen Bahnhof auslöscht und die Mineralquellen in Stadt und Umgebung gefährdet. Den Juchtenkäfer lasse ich jetzt mal beiseite.
Kosten und Eröffnung? Wer weiß ...

Dann wäre da noch die Pleite "Nürburgring", die mit schlappen 249 Mio. aus dem Landeshaushalt Rheinland-Pfalz abgewickelt werden muß.


In Augsburg wird die Maximillianstraße für 19,5 Mio zur "Hebung der Lebensqualität" erneuert. Die portugiesischen Granitplatten erweisen sich jedoch als schadhaft und ungeeignet und werden nun nach und nach durch andere Baustoffe ersetzt.

In Erfurt wird ein Kompetenzzentrum für Hochtechnologie und Solarwirtschaft für 9,5 Mio gebaut. Nach nicht ganz einem Jahr meldet es Insolvenz an und wird abgewickelt.

Wer mehr lesen möchte, bestelle sich kostenlos die "Schwarzbücher" beim Bund der Steuerzahler!
Da finden sich auch Infos zur WestLB, SachsenLB, BayernLB etc.
Nicht vorgestellt werden darin jedoch die Mrd., welche uns die zweifelhaften Euro-Rettungspakete, Euro-Rettungsschirme kosten und kosten werden, der allgemeine und tägliche Schmu im Gesundheitswesen, die Energiekostenentwicklung ...

Fassen wir zusammen:
Ein Mann baut ein Haus. Es ist fertig, ist zwar etwas teuer geworden. Es wird über Jahrzehnte seine Aufgabe gut erfüllen können. Es hat eigentlich niemanden etwas gekostet, aber alle regen sich auf!
Ein Aufschrei geht durchs Land.

Mehrere Leute unternehmen die unterschiedlichsten Baumaßnahmen. Kaum eine wird fertig. Kaum eine funktioniert oder erfüllt langfristig ihren Zweck. Unser aller Geld wurde versenkt. Man meckert, macht Witze über die Angelegenheiten und fertig.

Einer fliegt für alle kostenneutral in einem bequemeren Sessel, weil er von einem Mitarbeiter und seinen privat zusammengedudelten Rabatten mitgenommen wird.
Alle regen sich auf und fordern den Kopf, weil er das "Ährlein-Rotwelsch" nicht beherrscht! Strafanzeige!
Andere fliegen auf Steuerzahlers Kosten zu ihrem privaten Vergnügen durch die Weltgeschichte und nutzen die Rabatte nicht zur Herabsetzung der nächsten Dienstflüge (und damit zum Nutzen der Steuerzahler). Dem möglichen Meckern entgeht man durch einen Kuraufenthalt in Brüssel.

Hier stimmen Anlass und Reaktion nicht überein.

Die Berichterstattung steht in keinem guten Verhältnis zur Faktenlage.
Die Art der Berichterstattung darf man getrost als "Stimmungsmache" bezeichnen. Es handelt sich um eine Hetzkampagne, die sich aus den verseuchten Quellen speist, die da Neid, Mißgunst, Rachsucht und sonstnochwie heißen mögen. Kirchengegner und kirchliche Feinde rotten sich zu einer unheligen Allianz zusammen und ziehen an einem Strang. Während man den ohnehin als moralisch verkommen geltenden Politikern mittlerweile alles nachzusehen scheint, arbeitet man sich an den Exponenten einer moralischen Instanz ab, deren Maßstäbe man selbst schon seit Jahrzehnten nicht mehr ernst nimmt.
Oder ist es vielleicht eine Art Ersatzhandlung? Wenn man schon nicht in der Lage ist, den Volksvertretern die Leviten zu lesen und für ihre Fehltritte zur Rechenschaft zu ziehen, dann haut man halt dem Bischof auf die Mitra, egal warum, diesem bösen Machthaber!
Hier scheinen die Maßstäbe verloren zu sein!
Wie sollte es aber auch in einer Gesellschaft, in der es als vernünftig gilt, wenn man seine Eltern billig im ehemaligen Ostblock verbrennen läßt, ein Grundverständnis dafür geben, daß es unwürdig ist, die Reliquien von Heiligen in Keksdosen zu verwahren. Wie sollten auch die Horden von religiösen Analphabeten, die angeblich für ihr Gebet nur einen Wald brauchen, in Stuhlkreisen herumreden oder schlichtweg gottlos leben, verstehen, daß ein Geistlicher, der so gefordert ist wie ein Bischof in seinem Amt, einen Ort des Gebetes braucht, der ihn erdet, wo er Anschluß an die Ewigkeit finden kann. Gebaute Entweltlichung und Zeitenthobenheit in einer sich immer stärker verweltlichenden Gesellschaft mit ihrer selbstverschuldeten Zeitnot. Das muß provozieren!
Es ist der Aufruhr der Spießer, die die Gazetten beherrschen. Kleinkariert bis an den Rand der Einfarbigkeit, schrill, hysterisch, erbarmungslos. Haß in aller Häßlichkeit. Es ist Dummheit, blanke Dummheit. Diese Form der Dummheit nennt der Heilige Thomas schlichtweg Sünde!
"Ein Irrtum wird zur Sünde des Verstands, wenn es sich um Unwissenheit oder Irrtum über etwas handelt, was einer durchaus verstehen könnte und verstehen sollte." (STh, I, II, 74, 5)

Beten wir für den Bischof von Limburg und seine Diözese!
Beten wir auch für alle und uns selbst, die wir uns alle immer wieder verirren in Dummheit und Sünde.
Ich habe einen Rosenkranz dafür aufgeopfert!




Kommentare:

Sursum corda hat gesagt…

Hier wurde alles zum Thema gesagt, was zu sagen ist. Mir bleibt nur eines: für diesen Beitrag ganz herzlich "Danke!" sagen!

Anonym hat gesagt…

Beten sollte man für Bischof Tebartz, Gott schenke ihm Einsicht und die Kraft zur Umkehr und die Kraft für das, was er angerichtet hat, einzustehen.

Laurentius Rhenanius hat gesagt…

Lieber Anonymus,
Umkehr ist bei der sich nun zeigenden Faktenlage ein gutes Stichwort, für alle diejenigen, die an dieser Lumperei gegen den Bischof beteiligt waren und auch für alle, die dieser Lumperei auf den Leim gegangen sind.