Samstag, 21. September 2013

Pasticcio con fuoco


Da ich auch in dieser Woche kaum Zeit für Einträge hatte, kommt nun ein Eintrag in Form der klassischen Wochenübersicht:

1. Schönheit und Anmut der Muttersprache
Mein Lieblings-Neologismus der vergangenen Woche war plötzlich und unverhofft einfach da. Er leuchtete mir aus einem Kühlregal eines hiesigen Großkrämers entgegen:
"Direktsaft" prangte auf einer Flasche südfrüchtlichen Nektars. Dabei ist "Nektar" im Kauderwelsch der Lebensmittelindustrie im Zusammenhang mit diesem "high-end-product" ein vollkommen falscher Begriff, da "Nektar" einen minderen Aufguß mit geringem "Fruchsaftanteil" bezeichnet, also quasi das genaue Gegenteil, eine Art "Indirektsaft"! Der "Direktsaft" ist hingegen fast frisch gepreßt, aber halt schon in der Kühlkette unterwegs und darf wohl deswegen nicht als "Frischsaft" bezeichnet werden. Er unterscheidet sich außerdem vom "Smoothie", weil er keine mit Fruchtpurée angedickte Plörre zweiten Ranges ist. "Direktsaft"! Welcher europäischen Verordnung wir wohl dieses Zauberwort zu verdanken haben?

2. Pensionist der Woche oder "Zollitsch, Sie sind raus!"
.... aber auch wieder nicht! Nun ist er pensioniert, vertritt sich aber selbst. Wieder eine klare Entscheidung aus Rom, wie so vieles, was Franz I. so von sich gibt. Damit bin ich auch schon beim

3. Aufreger am Rande:
Nein, es war nicht "Der Herr Karl" und auch nicht die Aktion "Ladies in red", die mal wieder in gewohnter Manier die verworrene Exzentrik gewisser Kreise zur Schau stellten, die einstmal zur geistigen Elite Europas gerechnet wurden.
Weit mehr regt mich das Bild auf, welches unser momentaner Pontifex abgibt.
Da werden bei einer Versammlung Bemerkungen über Mitarbeiter fallengelassen, die man zumindest als unprofessionell  bezeichnen muß. Es wird dann auch schon mal einem Frager von Franz der Redefluß unterbrochen, wenn gerade eine Pointe lockt. "Stromberg" auf römisch.
Ich sehe einen Mann, der in aller Öffentlichkeit dem scheidenden Kardinalstaatssekretär einen Glauben an die salesianisch-katholische Kirche unterschiebt. Was für ein herrlicher Witz!
Da fallen mir gerade eine Menge alter Jesuitenwitze ein. Zum Beispiel der:
Stürmt der Sekretär in das Büro des Pater Generals und sagt atemlos: "Pater General, man hat das Grab des Herrn gefunden. Die Befunde sind eindeutig!" "Ja, und wo liegt das Problem?" "Es lag ein männliches Skelett darin!" Darauf der Pater General: "Ach, sie mal an! Er hat also wirklich gelebt ... "
Ich habe mich beim Lesen des Berichtes ziemlich fremdgeschämt. Ich kann darin wenig von der väterlichen Güte erkennen, die allen auf einmal die Herzen so erwärmt, wenn er einem Menschen, der ihn ehrfürchtig als "Heiliger Vater" anredet, dann als Retourkutsche mit "Heiliger Sohn" betitelt wird. Wem schon einmal solch schulmeisternde Herzensgüte zuteil wurde, der weiß, wie sehr einem das die Wangen und Ohren erwärmen kann.
Und wenn auch mancher Lebensschützer meint, der Segen nach Berlin bedeute, den Papst auf seiner Seite zu haben, so teile ich diese optimistische Sicht nicht. Ich teile da eher das Mißtrauen und auch die Trauer manch kritischen Geistes, der schon vor dem heute so breitgetretenen Interview in einer gewissen Jesuitenzeitung in den doppeldeutigen Redereien den Anfang vom Ende witterte. Ich habe diese bitteren Tränen, die nun mancher Lebensschützer weint, schon geweint, als er die Loggia des Petersdomes betrat und sein "Guten Abend" in die Welt sandte. Ich habe meinen Sorgen nach Wiener Art in das eine oder andere Glaserl Wein geschüttet, als ich von dem wenig demütigen Gezänke um die berühmte Kleiderfrage hörte. Ich hatte kurz zuvor den Film "Katholiken" gesehen und mir war so, als wenn ich gerade Zeuge der unerzählten Vorgeschichte des Filmes würde.
Auch wenn mir dafür einige Leser wieder "weltverschwörerische Tendenzen", sündhaften Pessimismus, mangelnden Gehorsam oder sonst was unterschieben werden, bitte sehr! Wer es dem Wetter zuschreiben will, von mir aus auch das! Es ist Herbst und das herabfallende, vergehende Laub verbreitet Gerüche, die trübe Gedanken aufsteigen lassen. Aber in Verschwörungstheorien ist einer wesentlich besser, Franz I. Er sprach doch von gewissen Seilschaften in Rom. Dann fliegt er nach Rio, erzählt im Flieger wieder was anderes, was natürlich wieder ein Mißverständnis war. Er zeigt ja für so vieles Verständnis, aber wird offensichtlich immer mißverstanden, was dann wieder zu nachgeholten Dementis führt. Am Ende will er dann nicht mehr darüber reden, weil es ja andere wichtige Dinge gibt. Außerdem ist er ja ein armer Sünder und liebt alle und alles, nur offensichtlich sein Amt nicht!
Mein Newsletterabonement bei Radio Vatikan jedenfalls werde ich in den nächsten Tagen kündigen, weil ich beinahe täglich einen halben Herzinfakt erleide, wenn ich nur die Überschriften lese.
Vorhin erst kam so eine Meldung, wonach Franz I. irgendetwas zum Thema Frauen und Leitung in der Kirche gesagt haben soll, was wohl in den nächsten Tagen zur Euphorisierung der Bundesvorsitzenden von "frauenwürde" führen dürfte und die kfd in einen neuen Papalismus münden lassen könnte, eine mir schlichtweg unerträgliche Vorstellung! Wenn ich die schier beängstigende "Begeisterung" der Deutschen Kirchenfürsten sehe, dannbekomme ich das kalte Grausen!
Es ist nicht so, als daß ich mir nicht wünschte, die kfd und die DBK wären romtreu. Nichts wäre mir lieber als das!
Es ist eine Frage der Voraussetzungen!
Dieser von südamerikanischen "Rotierern" gefeierte Mann ist auf dem besten Wege, diese Kirche in eine konturlose, "gemainstreamte" Wohlfahrtsorganisation à la EKD umzustricken, wenn er weiter so pastoral rumschwurbelt.  Er redet viel, sagt aber nichts. Er schweigt zu den relaventen Themen. Ich kann beim besten Willen wenig "Perlen" in den spontanen Äußerungen finden. Diese "Spontanität" ist aus meiner Sicht eher "Unüberlegtheit" im weniger guten Sinne des Wortes. Ebenso unüberlegt und wenig im Sinne der "Kontinuität der Pontifikate" ist sein Umgang mit den Franziskanern der Immaculata. Oder ist es vielleicht sehr wohl überlegt? (Man beachte die getrennte Schreibweise, die ich im Sinne der alten Schreibung und ihrer Differenzierung "wohlüberlegt" wähle.) Man macht auf allerhöchsten Ordre einen der Dissidenten zum Chef. So dürfte die Methode der "inneren Zerrüttung" den frisch aufgeblühten Orden bald dahinraffen und die Mannstärke sowie den Altersdurchschnitt auf das Niveau eines der personaloptimierten Polyesterreformhabit-Orden ziehen.
So sehr ich Benedikt XVI, als Geschenk des Heiligen Geistes sah und sehe, so sehr sehe ich Franz I. als schwere Prüfung an.

4. Wahlfieber:
So ähnlich spannend muß es in dem Teil unseres Landes zugegangen sein, der vor einigen Jahren noch die sog. Volkskammer wählen durfte. Zum Glück sind wir diesmal nicht so alternativlos, auch wenn die Medien nach alter mitteldeutscher Tradition diesen Eindruck zu erwecken suchte.

5. Verlust der Woche:
Der greise Marcel Reich-Ranicki hat uns verlassen. Ein streitbarer Mann, der uns den Wert guter Litteratur auf unvergleichliche Art um die Ohren schlug. Er maß die angeblichen Riesen mit Maßstäben, die ihre wahre Größe zeigten. Seine Abneigungen nie verbergend, ehrlich, klar und aus tiefster Überzeugung heraus Stellung beziehend. Er hat mir schon länger gefehlt, unser "Litteraturpapst". Nun ist er von uns gegangen.
Requiem aeternam!

6. Die Dauerbrenner:
Limburgs Bischof hat den Besuch der ewigbetroffenen "Wutkatholiken" gut überstanden.
Weiter so!

Seine Eminenz Joachim Kardinal Meisner strahlen Weisheit und Humor in wohltuender Weise aus.
Danke dafür!

7. Zwischen Topf und Pfanne
Das Thermometer sinkt und die Köstlichkeiten aus Keller und Küche werden wieder gehaltvoller. Das Einerlei der sommerlichen Grillerei ist vorüber! Zwiebelkuchen, Federweißer, Oktoberfestbier, Leberkäs und Kürbisgerichte heben die ohnehin gute Stimmung.
Hopfen und Pfalz, Gott erhalt's!

Kommentare:

tradi.nl hat gesagt…

Volle Zustimmung.

Severus hat gesagt…

Vergelt's Gott!:-)