Donnerstag, 15. August 2013

Die EKD - ein Abgesang

Die folgenden Zeilen werden kein Wort über diese unsägliche protestantische Ringtauschaktion enthalten. Es gibt auch nichts über die ungekrönte Weinkönigin der EKD oder die papierverschwendende Produktion von Familienschriften.
Es geht um eine sehr ernste Beobachtung, den Verlust einer kulturtragenden Gruppe in unserem Land. Wir haben ihr Wegsterben kaum bemerkt. Es sind Herren, die in meiner Kindheit schon lange ergraut waren, Faconschnitt und randlose Brillen trugen, die sonntags im schwarzen Anzug und silbergrauer Krawatte und an hohen Feiertagen (Reformationstag) noch im Lutherrock mit Eckenkragen durch die Straßen gingen. Ich meine jenen Typus eines evangelischen Pfarrers, der ab den 1980er Jahren nach und nach durch den zeitgemäßeren, bügelfreien Wackersdorfgegner, die Kampfemanze oder den Typ "Mutti" ersetzt wurde. Die Ära des Strickpullovers a la Drewermann hatte begonnen. Auf Johannes Rau geht folgender Spruch zurück: "Wenn sie auf einem Zeitungsbild den evangelischen Pastor suchen, so ist es immer der im Strickpullover und mit Vollbart!"
Diesen Paradigmenwechsel konnte man auch an der "Umgestaltung" der Pfarrhausgärten erkennen. Wo vordem gepflegte Rosenstöcke und wohlbeschnittene Obstgehölze standen, entwickelten sich binnen weniger Jahre naturbelassene Biotope. Ein Klimawandel machte sich bemerkbar. In den Jahren zuvor begegneten sich Dechant und Pastor distanziert, freundlich aber in keiner Weise unherzlich. Statt wie früher bei der Gartenarbeit wurde es nun in der Gemeinde hemdsärmelig: Die Zeit der Macherökumene brach an! Der "augenfreie Dialog auf Angsthöhe" endete bald mit einer klaren, immer gleichen Rollenverteilung: Hier die Kräfte des Fortschrittes, dort die Handlanger der Reaktion.
Wenn ich hier nur Äußerlichkeiten wiedergebe, so liegt das an meinen Erinnerungen, die ich als katholischer Schüler und Ministrant in unserem Stadtteil machen konnte. Doch dieser Verlust an Stil, Umgangsformen und Gartenkultur ist nichts gegen den Verlust, der sich auf den Kanzeln und an den Altären spüren ließ. Darüber hat Susanne Baumstark einen trefflichen Artikel bei "eigentümlich frei" veröffentlicht, den ich hier gerne verlinke.
Es ist ein Abgesang auf die EKD und ihre Landeskirchen mit einem katholischen Schluß, der hoffen läßt.

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