Dienstag, 4. Juni 2013

StielBlütInnen: Meine Leipzigin lob ich mir?

Liebe Leser,
momentan ist es etwas still auf dieser Seite, da ich beruflich sehr eingespannt bin. Es gibt aber Meldungen, da muß ich einfach in die Tasten greifen.
So brachte mich eine Meldung aus der ehemaligen "Heldenstadt" Leipzig aus dem Tritt.
Leipzig diente Goethe - sie wissen schon, der mit Schillers Glocke - in seinem "Faust" (Es geht nicht um Rocky 1-5!) als Hintergrund für eine Suffszene in Auerbachs Keller. Ob in dieser Stadt der Buchmesse und Verlage der Senat der Universität seine Sitzungen in jenen Keller verlegt hat und die Beschlußfähigkeit jenes Gremiums dabei an eine Promilleuntergrenze gekoppelt worden ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Der Verdacht liegt aber nahe, wenn man eine Meldung beim Qualitätsnachrichtenmagazin SpOn für echt halten will. Denn dieser Beschluß zeigt deutlich, daß die Mitglieder des hochgelahrten Senates offenbar selbst einfachstes Grundwissen über das Deutsche nicht mehr parat hatten. Hier liegt offensichtlich der Verlust der eigenen Muttersprache vor, wie man ihn sonst z.B. bei jugendlichen Komasäufern beobachten kann.  Denn:

In schier unendlicher Diskussion, besser: "angstfreiem Diskurs auf Augenhöhe" über antifrauenfeindliche Titelführung und Postenbenennung ist ein Physikprofessor auf die Idee gekommen, doch direkt alle mit "Professorin" zu titulieren, egal ob Männlein oder Weiblein. Dieser Vorschlag, sei er nun ernst gemeint gewesen, ein Scherz, ein Akt blanker Verzweiflung oder im Vollrausch vorgetragen worden, er ist durchgekommen! Es heißt nun im Hort der Wissenschaft, Lehre und Weisheit in der Stadt Leipzig - ernsthaft - "Herr Professorin"!

Wo waren denn die heldenhaften Germanisten, die den weichgespülten Kollegas einmal den Unterschied zwischen grammatischem Genus und biologischen Sexus erklärten und -eine Lanze für die geschundene Muttersprache brechend - dem unwissenden Volke erklärten, das "Professor", "Bäcker", "Buchhalter" geschlechtsneutral sind.
Wo sind die Leipziger geblieben, die mit ihren Montagsdemonstrationen den Stasi-Staat zum Wanken brachten?
In dem Jahr, in dem wir der Völkerschlacht bei Leipzig von 1813 besonders gedenken sollten (es wird wohl nichts dergleichen passieren), ist man nicht mehr in der Lage, sich der Barbarisierung der Sprache durch die Sturmtruppen der Neosuffragetten erwehren!

Wer diese Philippika nun als Dysphemia ansieht, sollte sich überlegen, wie sehr er schon sein Denken und Reden einer "herrschenden Meinung" angepaßt und Geist, Feder und Zunge Fesseln angelegt hat.

Wenn Sprache nicht mehr in Freiheit den eigenen Regeln folgen darf und stattdessen den Denkstrukturen einer Ideologie angepaßt wird, ist der Schritt zu Denkverboten längst getan, ist ein Totalitarismus schon am Werk!

Schnelltest: Essen Sie noch "Negerküsse" oder sind Sie schon auf "dänisches Schaum-Waffeldessert mit Schokomantel" umgestiegen? Na?

Mir ist ein Wort aus jenem Faust des alten Geheimrates wieder in den Sinn gekommen, wo Mephistopheles zum Schüler spricht:
"Mit Worten läßt sich trefflich streiten,
Mit Worten ein System bereiten,
An Worte läßt sich trefflich glauben,
Von einem Wort läßt sich kein Jota rauben."

Prostmahlzeit!

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