Donnerstag, 14. März 2013

Genosse Don Camillo

Was war das für ein Abend! Völlig überraschend stieg der weiße Rauch auf und dann kam ein Mann auf den Balkon, mit dem keiner gerechnet hatte, Franziskus. Bescheiden, der Bürde des Amtes und der bevorstehenden Aufgaben bewußt, freundlich, zurückhaltend. Er lädt zum Gebet für den Vorgänger ein, bittet um das Gebet der Menschen, bevor er selbst den Segen spendet. Zutiefst angerührt, schließe ich mich der Gebetsgemeinschaft an.
Dann dauert es keine Viertelstunde und schon gibt es die ersten schwarzen Flecken auf der frischen Soutane, weil die mediale Dreckschleuder schon wieder auf Touren kam. Da war doch was in der Zeit der Militärdiktator, oder? Er ist doch auch gegen die Homo-Ehe! Wunderbar, dachte ich, machen wir so weiter, wie wir bei Benedikt aufgehört haben.
Ich freue mich, daß mit dem nun beginnenden Pontifikat, ... ja freue ich mich den wirklich?
Und nun ertappe ich mich selbst bei derselben Kaffeesatzleserei wie die Kommentatoren. Mir kam eine Sequenz aus dem Film "Genosse Don Camillo" in den Sinn. Don Camillo war mit der Delegation der KPI in die Sowjetunion gereist. Mitten in der Verbrüderungsfeier war Schluß mit lustig und alle mußten ins Hotel zurück. Im Hotel fielen dann auf, das die Bilder von Chruschtschow alle fehlten. Dann tauchten Bilder mit einem anderen Konterfei auf und italienischen Genossen fingen an, sich in wüsten Spekulationen zu ergehen, was zu einer Panik führt. Es kommt zur Ausarbeitung eines Fluchtplanes. Just als man sich schon im Treppenhaus befindet, geht das Licht an und die Feier geht weiter. Der Eiserne Vorhang war nicht zu und es drohte auch kein Aufenthalt in Sibirien.
Was will ich damit sagen:
1. Der Mann ist Papst und der Heilige Geist wird sich schon etwas dabei gedacht haben!
2. Ich war kein "Papalist", der zu jeder Entscheidung unkritisch "Tu es Petrus" gesagt und das Gehirn ausgeschaltet hat und werde es auch in Zukunft niht sein. Es ist galt und gilt das Prinzip des Gehorsams, welches jedoch strikt von einem "blinden Gehorsam sogenannter "Führerprinzipe" zu unterscheiden ist.
3. Auch das Pontifikat Benedikt XVI. ist keines der ungetrübten Freude gewesen. Man denke, was er alles leider nicht mehr auf den Weg bringen konnte. Das wiederum bedeutet:
4. Es wird nicht so heiß gegessen, wie gekocht wird.
5. Die Kurie ist auch noch da!

Andererseits deute ich unweigerlich Gesten und Gesichter, was zum berühmt-berüchtigten Bauchgefühl wird. Neben aller Rührung überkam mich schon ein leichter Schauer. Denn seine ersten Sekunden auf der Loggia entsprachen kaum den warmen Worten, die sich dann nach seinem "Guten Abend" in seinem Munde formten. Es tut mir leid, aber das stumme, regungslose Gesicht zeigte für mich kaum Zurückhaltung sondern Härte. Sein " Buona sera", ... Es tut mir leid, aber ich kenne zu viele Priester jenes Alters mit solchen liturgischen Manieren, als daß ich mich vorbehaltlos über eine solche Begrüßung freuen könnte.
Sicherlich steht auch zu befürchten, daß ein selbst kochender und ÖPNV benutzender Erzbischof auf dem Stuhle Petri das sein könnte, was Polo fahrender Bischof Kamphaus für das Bistum Limburg gewesen ist.
Kann ich von einem Jesuiten mit "franziskanischen Zügen" eine Vorliebe für "High-End-Liturgien" erwarten? Wohl kaum, wenn ich an jene Jesuiten und OFM's denke, bei denen ich das eher zweifelhafte Vergnügen eines Gottesdienstbesuches hatte! Auch da deutete sich schon bei seinem Auftritt "ganz in weiß" und in seinem Umgang mit der Stola etwas an, was ich nur mit "armer Marini!" beschreiben möchte.

Als gebeutelter Vertreter der Abteilung "Bömmelkes & Tröddlekes", der wider alle Vernunft auf einen Cappa magna Träger gehofft hatte, kann ich nur auf die angedeutete "Brüderlichkeit" vertrauen. Und seien wir doch einmal im Rückblick vorsichtig krtitsch: Benedikt hat den Ordo originis aus der Verbotszone geholt, nicht weniger, aber auch nicht mehr! Die Liturgien in Rom, ..."O je, Marini"

Es bleibt halt die offene Frage: Wille Gottes oder Gusto des Kardinalskollegiums?
Es bleibt der Vorbehalt, den der Heilige Vinzenz Palotti schon formuliert haben soll: "Papst ist nun der geworden, den Gott dazu ausersehen hat oder den er nicht verhindert hat."

Schließen wir Franz I. umso tiefer ins Gebet ein! Flehen wir umso eindringlicher um den Beistand des Heiligen Geistes! Schenken wir ihm unser Vertrauen!

Kommentare:

ed hat gesagt…

Sehr schön gesprochen!
....und ich schätze nicht nur auf die cappa magna, sondern auch auf eine Krönung mit Tiara werden wir verzichten müssen :D

tradi.nl hat gesagt…

Auch eine Woche danach hege ich die selben von Dir geaeusserten Bedenken. Und was Du zu des Papstes Gesichtsausdruck geschrieben hast, ist mir auch aufgefallen. Musste an eine gewisse Echse denken.

Laurentius Rhenanius hat gesagt…

Bei mir hat sich in der Woche auch nichts geändert. Und dann ist er auch noch bei Rotary, der Grundschule für Freimaurer!