Dienstag, 12. Februar 2013

Nachrufnachlese

Nicht nur der Blitz hat wohl am gestrigen Abend in den Petersdom eingeschlagen. Die Meldung vom geplanten Rücktritt unseres Heiligen Vaters hat eine ähnliche Wirkung gehabt. Selbst die Übertragung der Rosenmontagszüge wurden für Nachrichtensendungen unterbrochen. Die Versuche, schon in den ersten Reportagen dem Heiligen Vater eine anfängliche bis fortschreitende Demenz nachzusagen, wurden aber nicht weiter verfolgt, auch wenn man bis in die Spätnachrichten hinein immer wieder über seine geistige Gesundheit faselte. Nach und nach traten sie dann alle vor die Kameras, ob es nun der Freiburger war oder das Bundesduett Gauck-Merkel. Alle bezeugten "ihren tiefen Respekt vor der Entscheidung einer so herausragenden Persönlichkeit" oder sonstige Worthülsereien. Ich habe immer ein besonderes Problem mit diesen "Wertschätzungen", wenn sie von Menschen geäußert werden, die sich in der Vergangenheit weder durch ein weiteres Verständnis für Person und Aussagen ausgezeichnet haben und sich dann in eine betuliche Lobhudelei versteigen. Es blieb also auch bei den Nachrufen bei den üblichen Peinlichkeiten: Erzbischof Robert warf krokodilstränenreich die Nebelmaschine an, die Pastorentochter aus der Uckermark sagte Sätze, in denen man keine inhaltliche Linie erkennen konnte und Joachim Gauck grüßte amts- und erwartungsgemäß, was das das Zeug hielt. S.E. Reinhard Card. Marx wollte auch nicht überzeugen.
Nicht fehlen durften natürlich die Vertreter von "Wir wollen aber auch was!", die mit immer hängenden Mundwinkeln (Nietzsches Diktum von der Erlösung kam mir dabei in den Sinn) von den nun endenden "krisengeschüttelten" Pontifikat sorgenvoll auf die zu befürchtenden Entwicklungen in Rom schauen. Sie fürchteten, glaube ich, daß ein neuer Papst gewählt wird, der nicht aus den Reihen von "Wir wollen auch aber was!" kommt. Ich teile diese Einschätzung!
Und dann ging es erst richtig los: Brennpunkte, Sondersendungen. Für mich hat gestern der SWR den Vogel abgeschossen. Die waren offensichtlich sehr gut vorbereitet. Da hatte wohl eine Redaktion während des gesamten Pontifikates Benedikts XVI. nichts anderes zu tun gehabt, als mit "Müllwagenmentalität" (Lütz vor Jahrenden zu U. R.-H.) alles zusammenzukarren, was man dem Papst alles ankreiden könnte. Es fehlte nur noch der Vorwurf, der Klimawandel ginge auf das Konto der Glaubenskongregation, aber auch unter Müller dürfte man nicht mit einem Schuldeingeständnis und einer Entschuldigung rechnen. Es war unglaublich!
Zum Glück habe ich gestern nicht die Ausfälle gewisser "Monitor"-Redakteure des WDR mitbekommen.
Die taz bekommt für die ewiggestrige Papstabseife in Form dümmlicher Nachtreterei ordentlich "langen Hafer" im Kommentarbereich, was mir wohl tut und Nerven spart.
Bei k-tv fiel Hw. Buscher fasst aus der Rolle, als ein Anrufer von einem neuen Papst mehr oder minder forderte, endlich für Gerechtigkeit und soziale Reformen in der Dritten Welt zu sorgen. Er mußte noch einmal daran erinnern, wie wenig die Kirche ein Weltverbesserungsverein ist, sondern eine von Gott gestiftete Einrichtung zur Rettung der Seelen. Das wäre auch mal eine innovative Idee für die DBK, dacht ich so bei mir. Aber da wird eher eine Lösung mit Fähnchen und Kuchen weiterverfolgt.
Damit bin ich nun bei der Spekulation um die Nachfolge und das angestimmte Wunschkonzert in Sendern und Gazetten. Da den meisten Wunschzettelerstellern nicht bekannt zu sein scheint, daß der Heilige Geist die Entscheidung der Kardinäle beflügelt und nicht die neunmalklugen Ratschläge derer, die schon immer wußten, was für die Kirche der Zukunft wichtig ist, vertrauen sie den Mikrophonen oder Kolumnen ihre Wünsche in dem kindlichen Vertrauen an, das irgendein Weihnachtsmann das Konklave davon überzeugen könnte, wenn man es nur oft genug sagt oder schreibt.
Und so wünschen sich alle frischen Wind und einen Papst aus Übersee, wo immer es auch sein mag.
Nun mag es kommen, wie der Heilige Geist es will, aber wenn es ein Kandidat aus Übersee werden sollte, dann dürfte der frische Wind etwas anders aussehen, als es sich manche "Multikulti-Begeisterte" so vorstellen. Denn ein Papst aus Sri Lanka, Afrika oder auch den USA könnte für sie eine unerwartete "kulturelle Bereicherung" für die Kirche werden. Denn dort ist die Una Sancta eine Kirche im Kampf, reich an Glaubenszeugen und arm an Einnahmequellen. Und wer in Konkurrenz zu den wachsenden Freikirchen wie in Mittel- und Südamerika steht, wird wohl weniger Verständnis für die Besonderheiten der Stammlande der Reformation aufbringen, als es ein ehemaliger deutscher Theologieprofessor aus Marktl vermochte.
Ich habe "keinen Traum für die Kirche"! Ich halte mich in römischer Tradition an Realität und Faktizitäten und bete um die Erleuchtung des Konklaves, damit es dem Wunsch Gottes folgt!
Summa summarum: Das Fernsehprogramm war also - wie nicht anders zu erwarten - öffentlich-rechtlicher Krampf mit antikatholischer Propaganda, ideologisch und qualitativ auf dem Niveau des unvergessenen Eduard von Schnitzler.
Aber es gab am späten Abend einen unerwarteten Lichtblick: Die Reportage über den Besuch des Kölner Dreigestirns bei Papst Benedikt. Es war einfach wunderbar! Ein gut gelaunter Kardinal Joachim, der einmal ohne hämische Kommentare einfach so gezeigt wurde, wie er sein kann, wenn man ihn nur läßt, nämlich unverkrampft, leutselig und humorig, der mit den Karnevalisten in abendlicher Runde dem römischen Wirt das letzte Bier weggetrunken hat. Ein sympathisches Dreigestirn, daß sich in aller Freude auf den Besuch beim Papst vorbereitet, ohne eine lammertschen Reformvorschlag im Gepäck zu tragen, sondern Schwarzbrot und Flönz mitbringen! Im Flugzeug unterhält man sich über die Verbindung von Kirche und Karneval, ohne die das ganze Geschunkel ja seinen Sinn verlöre. Und dann die Audienz! Der Papst läßt sich den Sessionsorden verleihen, ein Prinz, der sein Knie beugt und den Ring küßt, eine Jungfrau (und siebenfacher Vater), die einen vollendeten Knicks vollführt und seine Deftigkeit überreicht de Flönz! Am Ende sind alle zu Tränen gerührt, schämen sich nicht dafür, wenn ihnen die Stimme vor innerer Bewegung wegbricht und der Prinz sagt sinngemäß: "Das ist der schönste Tag in meinem Leben!" und man weiß: dat meint der gezz abber wirklich voll Ernst! Das alles sah ich nur noch ziemlich verschleiert, weil ich schon beim Kniefall des Prinzen die Augen so voll Gewässer hatte. Dat ging mir so annet Herz. Neneneee.... Wenn ich nur dran denke, dann...
Darum mein Dank an Gisbert Baltes vom WDR für diese Dokumentation!
Solange Kölle noch solche Dreigestirne hat, ist mir um den Karneval in der Domstadt zumindest nicht bange!
Die Amtszeit ihrer Tollitäten geht schon heute um 24.00 Uhr zu Ende.
Allen sei ein letztes herzliches "Alaaf!" zugerufen. Und bis der nächste Zoch kütt, das dauert!
Morjen is Äschermittwoch!
Damit beginnt in diesem Jahr eine ganz besondere Fastenzeit!

Kommentare:

Severus hat gesagt…

Danke! - das war so ziemlich der einzig mögliche Kommentar zu dem ganzen Journaille- und Politprominenz-Geschwafel!

Der Predigtgärtner hat gesagt…

Sehr treffend bemerkt, danke!
Habe ich direkt mal verlinkt...