Dienstag, 21. Februar 2012

Wäät, Äschermittwoch!

So, nu isser weg, der alte Bundespräsident, ein 90% Aspirant ist auch schon gefunden und schon geht die Wühlerei wieder los. Die einen erahnen eine eventuell unaufgearbeitete DDR-Vergangenheit, die anderen nöseln an der gescheiterten Ehe herum und an seiner "Lebensgefährtin", wieder andere mögen jetzt schon seinen "Ossi-Patriotismus" nicht...
Nun frage ich mich langsam, wer könnte denn überhaupt wahrhaft würdig sein, diesen Posten zu übernehmen? Dieser Posten, der so wichtig ist, weil wir einen Person an der Spitze brauchen, die beschlossene Gesetze unterschreibt, Staatsgäste an der Ehrenformation der Bundeswehr vorbeischiebt und Neujahrsansprachen hält! Ich würde mal behaupten wollen, für diese Aufgabe sollte es genügen wenn sich ein versierter Staatsrechtler mit Eloquenz und guten Manieren dafür fände. Stattdessen wird der Makellose ohne Furcht und Tadel gesucht, der alle Deutschen repräsentieren kann. Ist der ganze Aufstand um "dat Ambt" nicht unangemessen? Auf der anderen Seite spiegelt die Diskussion auch etwas anderes wider, die Sehnsucht nach einem Staatsoberhaupt, zu dem man mit Stolz aufblicken kann. Schwingt hier nicht die Sehnsucht nach etwas mehr als einem Unterschreiber und Redner vom Dienst mit? Zeigt nicht schon die Empörung darüber, welche Partei denn nun den "Richtigen" benennen wird, daß man sich eine Person wünscht, die über allen Niederungen der Parteiensümpfe und ihren Verzweckungen schwebt. Oder ist es vielleicht doch eher ein Zeichen für die Gnadenlosigkeit einer säkularisierten Gesellschaft, die das Perfekte sucht. Hier soll jemand Ansprüchen genügen, die man selbst schon lange als behindernde Skrupel bei der Beförderung der eigenen Karriere abgestreift hat. Von daher passte der bisherige Präsident als ein realistischer Repräsentant der deutschen Gesellschaft im Jahre 23 nach dem Fall der Mauer eigentlich ganz gut.
Oder ist es noch ganz anders? Ist es vielleicht der Wunsch nach Kontinuität über Legislaturperioden hinaus?
Ist es vielleicht doch die Suche nach etwas anderem, höheren, ja sogar etwas überirdisches, das sich nicht nur einem Wunder gleich aus den Sümpfen des Parteiengeschachers erhebt, sondern diesem völlig enthoben ist? Zeigt sich hierin nicht auch, wie hoch und ernst diese Aufgabe nun doch zu sein scheint, nicht nur der "oberste Grüßaugust" der Nation?
Sucht man nicht insgeheim doch den Heiligen, von Gott mit Gnadengaben versehenen Versöhner und Heiler des Volkes? Die Ernsthaftigkeit, mit der alle möglichen Kandidaten gewogen und für zu leicht befunden werden, ist sie nicht ein Hinweis auf diese Sehnsüchte und gleichzeitig auch ein Hinweis auf eine nicht gefüllte Leerstelle?
Noch regieren die Tollitäten, bis heute um Mitternacht. Dann wird uns das Aschgrau des Äschermittwochs ebenso einholen wie das Grau unseres Alltags und das Grau der Berliner Republik mit seinem grauen Parlamentssaal, dem grauen Kanzleramt. Dabei könnte die Republik durchaus bunter sein und damit meine ich nicht die in Reden eines Bundespräsidenten herbeigeredete Buntheit der Republik!
Es könnte viel unverkrampfter und entspannter sein, wenn wir die richtige Mischung aus Ernst und Humor nicht nur im Rosenmontagszug hätten, sondern auch, sagen wer emaal, nach der Sommerpause im Parlament. Wir kennen das ja alle. Der erste Tag nach den Ferien ist bei der Arbeit immer der schlimmste. De jannze Tisch widder voll mit Bundesdrucksachen, de Kalender voll, da musse ja sonne Hals kriegen! widder de janze Tach rumsitzen, Kaffee, Kommissionen,.. Bah wat fies!
Dat macht der Engländer ja geschickter. Da kütt am ersten Tach des Parlamentes erstemal der Zoch!
De Queen kütt! Härrlisch! Dann geht die ins Parlament, nicht Rede auspacken und raus mit dem Text, näh!! Ankleidezimmer, Krönsche ob der Kopp! Rübber zu den Lords! Großer Einzug! Hinsetzen! Nu wird das Unterhaus geholt. Und jetzt wird es lustig und dat jehört alles dazu! Zum einen: Die Sitzplätze sind alle schon weg! Et gibt nur noch Stehplätze in der Nordkurve! Haha! Und nun löppt der black Pete (der schwatte Pitter) rübber ins House of Commons. Das Gesicht dabei! Wunderbar. Jetzt ist der schon fast im Sitzungssaal, da knallen se dem doch de Döör vor de Kopp zu. Rumms! Da ist dann anklopfen angesagt! Dann darf er rein und wird je nach Laune der Abgeordneten mit dummen Sprüchen empfangen. Er muß sich mehrfach verbeugen und dann sagen, dat de Queen die Jungs drüben sehen will. Der Speaker (also der englische Lammert) nörgelt dann irgendein: "Jahaa, wer kommen ja gleich nach!" und schlufft dann los. Absolut respektlos und humorig aber dennoch treu ergeben!
Und bei uns wird in dreißig Tagen ein neuer Mann im grauen Anzug auf fünf Jahre gewählt!
Ich sach Euch:
Wäät, Äschermittwoch!