Samstag, 29. Dezember 2012

Kässmann, Bann und Abendmahl

Reformationsjubiläum 2017.
Wie kann man dieses denkwürdige Datum gebührend begehen?
Wenn wir uns die Folgen der Kirchenspaltung nach dem Thesenanschlag ansehen, so wäre ein stiller Gedenktag sicherlich angemessen. Denn wenn wir auf das Elend der Glaubenskriege, die gegenseitigen Verfolgungen und Konflikte schauen, die sich bis heute durchtragen, so wäre ein Trauertag für die Toten und ein Gebetstag für die Einheit der Christen etwas passender, als die angestreben Jubelfeiern in Wittenberg, bei denen ein Mann geehrt werden soll, dessen Werk nicht nur eine Spur der Verwüstung durch Europa gezogen sondern der in seinem Handeln, Denken und Tun mehr als fragwürdig erscheinen muß. Soll das alles heutzutage unbedacht beiseite geschoben werden?
Während man die Namen verdienter Generäle aus dem kollektiven Gedächtnis zu verdammen sucht, sollen die Verdienste eines Mannes unkritisch gelobt und gefeiert werden,
der seine Gelübde gegenüber Gott und der Kirche gebrochen hat,
der seine Angriffe gegen Glaube, Papst und Kirche unter dem Schutz von Fürsten führte, die in einer Abspaltung von Rom ihre machtpolitischen Interessen verfolgten,
der für die Erschlagung aufständischer Bauern wetterte,
der den Fortbestand des jüdischen Glaubens nur durch die schlechte Verkündigung der Kirche begründet sah,
der sich nach der Nichtbekehrung der Juden nach der Reformation zu einem erklärten Judenhasser wurde,
der mit zunehmenden Alter immer irrationaler und schärfer gegen die Kirche wetterte und bis zu seinem Lebensende nichts widerrufen hat?
Entschuldigen Sie bitte diese etwas harsche Negativliste, aber wenn es heute schon reicht, einem Greis, der krank und von gerissenen Strategen getäuscht, eine Unterschrift geleistet hat, deswegen in den Orkus der Geschichte zu kippen, dann frage ich mich, wie bei den beschriebenen und bekannten Fakten für einen Herrn Luther nicht nur bunte Fähnchen und Festspiele gegeben werden sollen und darob kein Sturm der Entrüstung durchs Land rauscht.
Vielleicht liegt es an der gelungenen PR, die die EKD schon seit Jahrzehnten pflegt oder auch nur an der allgemeinen Sympathie für die "starke Frau" Margot Kässmann, die holde "Lutherbotschafterin".

Diese hat nach Meldung von kath.net nun endlich das gefunden, was den Lutherfestspielen noch gefehlt hat und fordert es nun von Papst und Kirche:
die Aufhebung der Exkommunikation Martin Luthers!
Das wäre doch das Sahnehäubchen, wenn am 31.10.2017 die Bannaufhebungsbulle vom Heiligen Vater käme, am besten noch in Wittenberg vor dem Reformationsportal der Schloßkirche persönlich vom Papst verlesen und Frau Kässmann überreicht! Dann rein in die Schloßkirche, damit der Papst am Grabe Luthers einen Kniefall machen kann, sich danach persönlich bei der EKD entschuldigt und dann teilt Frau Kässman für alle das Abendmahl aus.
Toll!
Bis auf den von mir erfundenen Kniefall und die Entschuldigung fordert Frau Kässmann aber genau das vom Papst.
Sie wird wissen, daß diese Forderung wohl kaum erfüllt werden kann. Aber warum fordert sie dann so etwas?
Ich halte es für einen bewußten und gewollten Affront! Es ist ein Frontalangriff auf die Lehre unserer Kirche und den Papst! Hier die armen, von der katholischen Kirche nicht richtig geliebten Protestanten, die doch so gerne versöhnt einen tollen Festtag mit allen feiern wollen und dort die altbackenen Spielverderber, die den armen Martin noch so viele Jahrhunderte nach seinem Tod nicht verzeihen wollen.
Es ist ein Akt der Vereinnahmung, dem man sich nicht entziehen kann, ohne sich und seinem Ruf selbst einen Schaden zuzufügen.
Egal wie sich der Papst zu dieser Sache auch immer stellen mag: es wird ein Unwetter über ihn hereinbrechen!
Die Kritik am Vorgehen von Frau Kässmann dürfte wohl ausbleiben, obwohl sie nach der Causa Williamsson wissen sollte, was passiert, wenn der Papst Exkommunikationen über Gruppierungen aufhebt, in der solchermaßen politisch-unkorrekte Denker wie ihr Luther beheimatet sind.
Super gemacht, Frau Kässmann!

Kommentare:

Admiral hat gesagt…

Ruhig bleiben, Kräuterlikör trinken, Bußgottesdienst organisieren.

sophophilo hat gesagt…

Danke! Ich habe herzhaft gelacht bei der Überreichung und dem Kniefall! ;)