Dienstag, 9. Oktober 2012

Küng Kong und der weiße Mann

Jahrestage und Jubiläen sind beliebte Anläße, an denen man Zeitzeugen zu Wort kommen läßt. Fernsehenmacher nutzen sehr gerne Zeitzeugen in Geschichtsdokus. Die Lücken zwischen magerer Aktenlage und nachgestellten Szenen ("Wahrscheinlich hat es sich so zugetragen ...") werden gerne durch  Beobachter 2. oder 3. Ordnung aufgepeppt. Wichtiger sind dabei meistens die übermittelten Emotionen als die in der Erzählung enthaltenen Informationen. Da wird dann z.B. die Tochter einer Metzgersfrau gefragt, die Heinz Rühmann 40 Jahre nach Abschluß der Dreharbeiten von "Quax der Bruchpilot" eine Paar Wiener Würstchen am Münchener Hauptbahnhof verkauft hat, ob ihrer Mutter damals etwas aufgefallen sei. Dann gibt es eine kurze Antwort wie: "Er soll sehr hungrig gewesen sein. -Schnitt- Und dann das Trinkgeld. -Schnitt- Sie hat sich so gefreut!" Schluchzer -Schnitt- Spielszene. Im ZDF bekommt man bei den ganzen 33-45-Dokus immer eine bunte Mischung von Zeitzeugen angeboten, vom Opfer bis zu scheinbar unbelehrbaren Gestalten. Der kundige Zuschauer weiß, wem er trauen darf und wem nicht!
Die ernsthaft betriebene Geschichtsforschung jenseits des Infotainement billigt den Aussagen Zeitzeugen  einen nur sehr begrenzten Stellenwert zu. Es gibt zuviele Faktoren, welche die Erinnerung  und die Darstellung des Geschehenen beeinflussen. Manchmal erinnert man sich nach so vielen Jahren nicht mehr so richtig oder man "begradigt" die Geschehnisse aus menschlich durchaus nachvollziehbaren Gründen, die von Schuldverstrickung bis zur Aufwertung der eigenen Rolle reichen können. Und manchmal darf einfach auch nicht sein, was nicht sein darf. Die Glaubwürdigkeit eines Zeitzeugen läßt sich meistens nur daran ermessen, inwieweit sich Aussagen mit den erwiesenen Fakten decken.
Der bei den Medien wohl beliebteste Zeitzeugen für das Vat II ist unangefochten Hans Küng. Zum Konzilsbeginn vor 50 Jahren hat der DLF ein Interview natürlich mit ihm geführt. Wen hätte man auch sonst fragen sollen?
Es hätte ein sehr interessantes Interview werden können, wenn Küng Kong nicht einem Stichwortgeber wie Herrn Gierth begegnet wäre, sondern einem gut vorbereiteten Kenner wie Alexander Kissler.
Er hätte dem Gedächtnis von Hans Küng sicherlich auf die Sprünge geholfen und so manche Schote über Johannes XXIII. wäre sicherlich nicht unkorrigiert über den Sender gegangen.
Wer die Sagen von Küng Kong und dem weißen Mann lesen möchte, der folge diesem Link zum DLF.
Wer es mehr mit knallharten Fakten hat, der schlage nach bei Kissler im "The European".

1 Kommentar:

Arminius hat gesagt…

Über das Verhalten der Fernsehmacher brauchen wir uns nicht weiter zu wundern. Der Kulturkampf ist nun mal so.