Mittwoch, 29. August 2012

Jawoll: Ein Gott, ein Glaube, eine Kirche!

Wer beim Lesen dieser Überschrift innerlich etwas gezuckt hat, der kann von sich behaupten, im Geschichtsunterricht nicht geschlafen zu haben. Wer außerdem noch bei den Worten "deutsche Christen" eine Fehlschreibung vermutet, beweist kirchengeschichtliches Fachwissen jenseits des eigenen konfessionellen Tellerrandes und sprachliche Sensibilität.
Nun kann man nicht erwarten, daß alle Menschen so empfindlich auf Anklänge an nationalsozialistische Formeln reagieren, wie ich es gemeinhin tue. Auch kann man von einem katholischen Nachrichtenportal aus Österreich nicht erwarten, daß es etwas über die braune Kirche unter Reichsbischof Müller weiß. Aber die ganze Geschichte kommt nicht aus "Felix Austria" sondern aus den Stammlanden der Reformation und Reformkatholiken. In einem Land, wo man für die kleinsten Kleinigkeiten schon mit dem schlimmsten rechnen muß, wo selbst die Liebe sanktioniert wird, wenn ein unerwünschtes Parteibuch in der Schublade liegt, da dürfte ein solcher Lapsus nicht passieren; und wenn er passiert, wann kommen die notwendigen Sanktionen? Man darf gespannt sein.
Die ganze Geschichte wird von "prominenten deutschen Christen" getragen. "Prominent" ist dabei im landläufigen Sinne gemeint: Leute, die man aus Presse, Funk und Fernsehen kennt, dort jedoch nicht wegen ihres christlichen Engagements ständig erscheinen, sondern die Medien als Vehikel für ihre berufliches Dasein nutzen. Frömmigkeit und Glaubenstreue gehören nicht unbedingt zu den hervorstechenden Eigenschaften jener Christen. wie z.B. die üblichen Verdächtigen unter den Unterzeichnern: Bundestagspräsident Norbert Lammert und sein Z(d)K-Kollege Wolfgang  Thierse, sowie die Schavan-Steinmeier GmbH & Co KG. Es sind die Experten des deutschen Sonderweges, die uns regelmässig mit sonderbaren Ideen beglücken.
Diese Experten starten nun wohl eine nächste Stufe der Absonderlichkeit. Was soll das? Soll zum 50 des V2,.. äh 2. Vat. die Deutsche Einheitskirche der bürgerlichen Mitte starten und  die Fusion bis zum Reformationsjahr 2017 geschafft sein? Am 5. September wissen wir mehr!
Vermisst habe ich auf der Liste Heiner G., Uta R.-H., Eugen D. und Hans K. Das wird sich bestimmt noch ändern!
Ein wenig enttäuscht war ich, als ich las, daß auch Altbundespräsident Richard von Weizsäcker sich zur Unterschrift hat bewegen lassen.

Eine provokante Anfrage am Ende:
Was wäre wohl passiert, wenn eine Initiative unter z.B. Bischof em. X ähnlich unsensibel eine Kampagne gestartet hätte, vielleicht mit so schillernden Titeln wie:
Unser Glaube heißt Treue! (urgs)
Am römischen Wesen kann Deutschland genesen! Für Papst und Kirche!

Ja, ich weiß: es kommt nicht so sehr darauf an, was gesagt wird. Es kommt darauf an WER es sagt.

Mahlzeit!

Kommentare:

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Fehlt noch die "Taufe" entsprechender Lieder ... "Unser Banner flattert uns voran, hinterm Kreuze ziehn wir Mann für Mann ... und das Kreuz, es führt uns in die Ewigkeit, denn am Kreuz überwand Gott den Tod" ... ;-)

Stanislaus hat gesagt…

Hochnotpeinlich! Jetzt weiß ich auch, warum das der epd aus seiner Meldung rausgestrichen hat.