Freitag, 27. Juli 2012

Hindenburglichter! (Philippika am Freitag)

(Sommerlochrecycling eines älteren Entwurfes)
Also bei uns zu Hause hießen Teelichter "Hindenburglichter". Allein der Name läßt nicht gerade Feierstimmung aufkommen. Das "Hindenburglicht"  gehörte ins Stövchen und als Notbeleuchtung in den Vorratsschrank. Die Herkunft dieser Stearindosenbeleuchtung rührt aus einer Notsituation und es istmachte es eher ein praktischer Helfer oder ein notwendiges Übel. Schön ist es nicht. Das "Hindenburglicht" spendet etwas Wärme und ein wenig Licht. Sie kommen aus dem Schützengraben des WK I, hatten ihren festen Platz in den Luftschutzbunkern im WK II und waren bei uns nur sehr ungern gesehen, weil die im Hause wohnende Großelterngeneration diese Ursprungsverwendung nur zu gut kannten und auch zum alten Hindenburg ein wenig gutes Verhältnis hatten. "Hindenburglichter"
Es wäre niemals jemand in den Sinn gekommen, eine Festtafel mit "Hindenburglichtern" zu zieren. Da kamen richtige Kerzen in entsprechenden Leuchtern auf den Tisch. Da mußte keine Feierlichkeit erklärt oder heraufbeschworen werden. Sie war einfach zu sehen.
Leider hat sich der Spitzname etwas verloren und auch der ursprüngliche Zweck ist nur wenig bekannt. Seit Jahren macht das "Hindenburglicht" mehrere Karrieren. Als Raumbedufter und Beleuchtungseinsatz für allerlei Gerätschaften des Kunst- und Bastelgewerbes tritt es uns überall entgegen. Wer einmal die riesigen Kartons mit den 100er Säckchen in nordischen Möbelmärkten gesehen hat, der weiß, wie sehr sich das früher so "kostbare" und an Mangel und Not erinnernde "Hindenburglicht" von seinen Ursprüngen entfernt hat und zu einer zwielichtigen Massenware mit trauriger Vergangenheit entwickelt hat. So ändern sich die Zeiten.
Ein gut abgetarntes "Hindenburglicht" kann durchaus ein freundliches Licht zaubern. Was ich jedoch überhaupt nicht ausstehen kann, ist der Ersatz von Opferkerzen durch "Hindenburglichter". Sicherlich wird den Küstern die Arbeit erleichtert, es ist auch irgendwie sicherer und der Einkauf der "Hindenburglichter" günstiger als der Einkauf  von Kerzen. Ja, ich weiß und die kfd kann damit besser tanzen und bei Jugendgottesdiensten lassen sich so schöne Symbole legen! Das ist alles schon schlimm genug, aber als Opferlicht?
Ja Herschaftszeiten ist euch denn nichts mehr peinlich? Wenn ihr die 30 Cent oder sonst was in den Opferstock gesteckt habt, wie erklärt ihr bitteschön der Jungfrau Maria, dem Heiligen Antonius oder wem auch sonst, daß ihr nicht eine ordentliche Wachskerze zu ihren Ehren entzündet, sondern mit einem lumpigen "Hindenburglicht" daherkommt! Wie das schon aussieht! Bunte Plastebecher oder noch schlimmer im Alumantel! Das ist doch eine ausgewachsene Unverschämtheit, der Gottesmutter einen solchen Kram anzutragen! Da kann man doch nicht von einer Kerze sprechen!
Wenn ich dann schon sehe, wie sich die Küster - oder wer sonst für die Schilder zuständig sein mag - um "Hindenburglicht" oder "Teelicht" herumdrücken.  In mancher Kirche findet sich so euphemistische Umschreibungen wie "Opferlicht, 50 Cent" Opferlicht! Wenn ich das schon lese!
OPFERLICHT!!! Dieser fromme Etikettenschwindel! "Teelicht" muß es heißen oder besser gleich "Hindenburglicht"! Jawohl! Wenn schon die Plätze nicht mehr so heißen sollen, dann wenigsten diese Notbeleuchtung!
Ja und wie sagen sie es dann der Gottesmutter, wenn sie dieses Gelumpe entzündet haben? Vom wohlriechenden Duft des Wachses kann ja wohl kaum eine Rede sein! Versuchen sie, es ihr schönzureden oder benutzen sie gar den Begriff "Opferlicht"? Steigt Ihnen denn nicht die Schamesröte ins Gesicht, wenn sie ein solches Geraffel vor die Madonna stellen?  Was? Für ein "Hindenburglicht" soll der Heilige Antonius eurer Vergesslichkeit aufhelfen?  Stearindochtlinge vom Discounter! Das sind ja, ... also, da hat ja der Wachsdocht am Kerzenanzünder des Küsters noch mehr Würde! Das ist ja geradezu ein himmlisches Lohndumping! Und da wundert ihr Euch, wenn die Erhörungen ausbleiben und der Heilige Antonius den verlorenen Schlüsselbund nicht wieder herausgibt. Also ich kann das verstehen!
Aber es geht ja noch schlimmer! Strom statt Stearin! Der Wahnsinn!
Die Kerzeninnung (Schau an!) hat einen Artikel von Dr. Eduard Nagel (Aha?!)veröffentlicht, der sich in passender Weise über eine neue Fehlleistung  sog. "Kirchenausstatter" ausläßt. So ganz neu ist das zwar nicht, wenn ich an Italienreisen Ende der 1980er denke, aber die Technik der Flammensimulation scheint deutliche Fortschritte gemacht zu haben. Der Bes.... ist nun so täuschend, ....ja wen will man denn damit, ...also, das ist doch ebenso ruß- wie sinnfrei!
Wenn das Schule macht, dann bleibt nur noch der Gang in eine orthodoxe Kirche oder der Bau einer Hauskapelle!
Ein schönes Wochenende und gute Andacht!

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