Donnerstag, 14. Juni 2012

Lob der Polemik

 Das Bloggertreffen in Freiburg i.Br. (schöne Abkürzung) hat stattgefunden und in der Blogozese scheint der Teufel los zu sein. Die Fragen nach Einschätzung der Tage, die Berichterstattung durch offizielle, die Wortwahl bei den Redebeiträgen vor Ort, die Endrücke der Hauskapelle und und und. Alles wird diskutiert. Das ist ja auch gut so. Der eine Blogger poltert munter drauf los. Der andere Schreiber ist differenzierter, etwas vorsichtiger in seiner Wortwahl. Alles wie gehabt? Nein! Ich beobachte ein Phänomen, das mir ein wenig Sorge macht! Heftige Diskussionen branden nun auf, ob man das so sehen kann, darf oder sollte. Man schüttet sich gegenseitig die Kommentarbereiche voll und diskutiert sogar über die Berechtigung von rhetorischen Mitteln! Was ist nur passiert?
Reicht schon ein Besuch in Freiburg, eine Tagung in einer deutschen katholischen Akademie aus, um den Spaltpilz der Selbstbeschäftigung, der die katholischen Verbände lähmt, auch in die Blogozese zu tragen? Selbstbeschäftigung und Selbstzensur durch die Blogozesanen? 
Das wäre ein scharfer Bruch mit der Tradition!
Nun ich gebe zu, das ist jetzt ziemlich polemisch!
Sicherlich ist es auch gut darüber nachzudenken, wie man mit einander umgeht und sich im Zweifelsfalle für Sachlichkeit, Freundlichkeit und höflichen Umgang zu entscheiden, auch und gerade um sich von gewissen Gestalten abzusetzen. Sicherlich ist es mit Entsetzen zu beobachten, wie sehr die Umgangsformen in den Meinungsforen zu wünschen übrig lassen. So mancher würgt einfach ein abscheuliches Gewölle in die Öffentlichkeit. Vieles ist von Haß und gefährlichem Unwissen geprägt. Doch sollen wir deswegen auf sprachliche Mittel verzichten und ecclesiastical oder political correct werden?
Darf ich deswegen nicht mehr polemisch sein?
Stellen wer uns mal janz dumm! Wat is Polemik?
Da sagt der Wiki von Pedia (immer Autoren angeben!) zum Beispiel:
"Polemisieren heißt, gegen eine (bestimmte andere) Ansicht zu argumentieren. Der Polemiker sucht nicht zwingend den Konsens, sondern versucht im rhetorischen Wettstreit seinen Argumenten zum Durchbruch zu verhelfen (vgl. auch Eristik). Als Gegensatz dazu wird auch die Apologie genannt, obgleich natürlich auch eine solche (Literatur betreffende) Rechtfertigungs- bzw. Verteidigungsrede durchaus polemisch sein kann. Das heute nur noch selten benutzte Wort Irenik ist als weiterer Kontrastbegriff zu Polemik anzusehen.
Kennzeichen von Polemik sind oft scharfe und direkte Äußerungen, teilweise auch persönliche Angriffe."
Soweit, so gut! Dagegen ist doch zunächst einmal nichts zu sagen, solange es um den Wettstreit von Argumenten geht und - so möchte ich jetzt als katholischer Blogger hinzufügen - wenn es dabei um die Unterstützung der Sache der Kirche mit lauteren Mitteln geht. Und hier tut sich für mich im letzten Satz des Zitates nun eine deutliche Grenze auf, die es m.E. nicht zu überschreiten gilt, die Grenze zum persönlichen Angriff, so wie er im folgenden Teil charakterisiert wird. Ich zitiere weiter:
"[Kennzeichen von Polemik sind oft scharfe und direkte Äußerungen, teilweise auch persönliche Angriffe.] Gelegentliches Ziel ist das Demaskieren eines Opponenten im Glaubens- und Meinungsstreit. Gegebenenfalls bedeutet dies auch die – mehr oder weniger – subtile Beschuldigung des Opponenten, keineswegs jedoch den Verzicht auf sachliche Argumente.
Hier wird es nun sehr gefährlich. Diese Gratwanderung sollte man tunlichst meiden, so finde ich.
"In der klassischen Rhetorik spricht man in einem solchen Fall von der argumentatio ad hominem (das auf die Person gerichtete Argumentieren). Dies meint das Bloßstellen, das Überführen eines Gegners, wobei man zum Beispiel seine Glaubwürdigkeit, seine Reputation und ggf. auch seine Integrität insgesamt anzweifelt, indem man evtl. Widersprüchlichkeiten seiner Ausführungen bzw. seiner Handlungen oder Unterlassungen unmittelbar zu seinen öffentlich proklamierten Einstellungen und Absichten aufzeigt."
Also das geht nun gar nicht aber in vielen "Diskussionsbeiträgen" ist auch dieser Bereich längst verlassen worden.
Manchmal habe ich den Eindruck, es geht nur noch um das "Plattmachen" der Person oder Institution. Welche Abgründe sich manchmal auftun...
Aber deswegen keine Polemik mehr in blogozesanen Veröffentlichungen? Soll man das Malen von Landschaften aufgeben, bloß weil der heutige Kunstbetrieb sich offensichtlich nur noch auf das Umschütten von Farbeimern zu verstehen scheint? Sollen keine Gedichte und Lieder mehr entstehen, wie die des Thomas zum Katholikentag, weil die Protestsongs von WisiKi über ein verbiestertes "Reim dich oder ich krieg dich!" nicht hinauskommen.
Nein, es braucht die Polemik und zwar in qualitativ guter Form.
Ein Hundeleben auf Vox clamantis in deserto ist ein gutes Beispiel dafür!
Also, lasst uns weitermachen für die gute Sache!
Doch gönnen wir uns für die nötigen Repliken in Zukunft etwas Zeit, wenn es möglich ist. Nach Abendgebet und Abendessen entkorke man eine Flasche Wein oder gönne sich ein gutes Bier. Und wenn dann Käse und Rauchwerk munden, nehme man sich den Text noch einmal vor. Er wird seinen wahren Stellenwert bekommen und die Replik wird abgeklärt, leicht und heiter aus den Tasten laufen!

Ach, wenn mir das einmal so gelänge!

Tschö zusammen und nix für ungut!
 

1 Kommentar:

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Wie heißt es doch so schön im Liede? "Wir glauben an unsere Sendung, sie bleibt in den Stürmen stehn ..." :-)
Danke für die Wortmeldung!