Freitag, 18. Mai 2012

Ja wo laufen sie denn...? (Glosse)

"Haaach, ich bin ja so aufgeregt. .... Ja, wo laufen sie denn nun hin?"
Diese berühmten Sätze einer unsterblichen Kabarettnummer, die Loriot mit seinen Zeichnungen geadelt hat, kamen mir in den Sinn, als ich mir den Aufbruchstext des Z(d)K's gegönnt habe.
Meine Güte, was die alles wissen, können und stemmen* würden, wenn man sie nur richtig ließe!
Ja, des is ja der Waaahnsinn! Welch ein Potential zur Weltrettung im Z(d)K und seiner angeschlossenen Gremien so steckt! UNGLAUBLICH! Doch keiner "wertschätzt" das wohl, wenn ich den jammerigen Ton richtig verstanden habe. Überhaupt diese Sprache: das ist bestes Gremienkauderwelsch, unfröhlich durchgegendert und in neuer Rechtschreibung mit dem Etxtrablubb pastoralreferentischer Betroffenheit. Pater Hagenkord bringt es wunderbar auf den Punkt.
Also jetzt mal ganz persönlich, muß ich sagen, das hat mich schon sehr angerührt, ne also wirklich, in echt! Ich habe den Eindruck, hier verabschiedet sich eine Generation und packt in einen Text noch einmal alles rein, was die Katholikentage und Verbände in den letzten Jahrzehnten an pastoralem Neusprech entwickeln konnten. Hier zeigt sich noch einmal die volle Emanzipation von der Amtskirche und vom blinden Glaubensgehorsam!
Reschpekt!
Die Gottesfrage ist übrigens zugunsten der Mitmenschlichkeit, des Naturschutzes, der Energiewende und anderer zentraler Themen der Deutschen Kirche auf das Wesentliche reduziert worden, auf Zitate, die die Argumentation unterstützen. Das Ganze ist so eingedampft, wie wenn Angela Merkel sich in einem Nebensatz auf Konrad Adenauer bezieht, kurz und genauso überzeugend.
Und wenn sie dann im Fernsehen zu Wort kommen, die angegrauten Damen und Herren von "Wir meinen, wir seien die Kirche" und ihre Forderungen von Frauendiakonat und "von der Drohbotschaft zur Frohen Botschaft" in die bunte Schaumstoffbälle greinen, die man ihnen unter die Nase hält, dann wird mir schon fast ein wenig nostalgisch ums Herz, ....Würzburger Synode, das waren noch Zeiten!
Tja, und der Herr Lammert? Nach seinem Ausflug in die Übersetzungen ist er nun wieder im Jammertal angekommen und nöhlt wieder einmal Papst und Bischöfe an. Ich hätte mir da ja eher eine adäquate Lösung des "pro multis" erhofft!
Nein, jetzt mal Spaß beiseite und ein bischen ernster jetzt.
Seien wir doch mal ehrlich: Man könnte doch mit gutem Recht ne Herbstdepression kriegen!
Er ist aber auch zu traurig, dieser Aufbruch!
Es ist ein Aufbruch der Fußlahmen, die "nur noch kurz die Welt retten und 148 Mails checken" wollen, bevor es dann richtig los geht.
Gut, man muß das auch verstehen, es gab ja auch immer soviel zu beschließen. Das bleibt nicht nicht in den Kleidern hängen! Wer über viele Jahre nur in Pfarrheimen und Akademien rumgesessen hat, der tut sich halt schon ein bisserl schwer mit dem Aufstehen, die Knie tuns dann auch nicht mehr so und dann die Kreuzschmerzen..., tja und dann so einfach losstiefeln, alles ohne Kompass oder Wanderkarte? Das kann man doch wirklich nicht verlangen!
Mensch ich werde schon wieder so unartig im Tone!
Also:
Der Aufruf des Z(d)Ks ist ein Zeitdokument ersten Ranges! Es ist ein sprachliches Vermächtnis.

Ein gesegnetes Wochenende!

*Stemmen ist übrigens eine Ansammlung von Höfen zwischen Ekelmoor und Lauenbrück, im Naturschutzgebiet Schneckenstiege, zwischen Scheeßel und Bucholz gelegen. Die Google AG kann Ihnen da weiterhelfen, wenn es sie interessiert.

Kommentare:

Arminius hat gesagt…

Die Leute vom ZDK haben etwas Griechisches an sich. Wie diese den Euro behalten wollen, aber zum Sparen nicht bereit sind, wollen jene gerne in der Katholischen Kirche bleiben, aber evangelisch leben.

Johannes hat gesagt…

Na ein Stück weit ernster nehmen und an uns herankommen lassen sollten wir das Papier schon.