Freitag, 23. März 2012

Wiedertäuferkäfige runter! (Die Glosse zur Posse)

Münster
Wie aus Kreisen des Ordnungsamtes verlautet, fordern einige Mitglieder des Stadtrates die sofortige Beseitung der Wiedertäuferkäfige an St. Lamberti. Es sei beschämend, das mit diesen schauerlichen Leichenkörben heute noch der Tourismus befördert wird. Sie seien Zeugnis einer menschenverachtenden kirchlichen Gewaltjustiz gegenüber Angehörigen einer religiösen Minderheit mit (niederländischem) Migrationshintergrund, die in freier Wahl von den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt seinerzeit zur Stadtregierung gewählt worden wären. Man fordere außerdem die Errichtung einer Gedenkstätte vor St. Lamberti, sowie die Errichtung eines Institutes zur gendergerechten Erforschung des Wiedertäufertums. Gleichzeitig soll eine Resolution an den Bischof von Münster in Vorbereitung sein, welche die Tilgung aller öffentlich sichtbaren Zeichen des Fürstbischofs und Täuferunterdrückers Franz von Waldeck im Zuge der Domrenovierung fordert. Werde dies nicht wie gewünscht erfolgen, so wolle man den Entzug staatlicher Mittel bei der Domsanierung prüfen. Laut ZDF hat Guido Knopp vor eingen Wochen einen Ur-ur-ur-ur-ur-Großenkel von Jan van Leiden in Ohio ausgemacht, der wegen der Käfige in Münster heute noch nicht nach Europa reisen kann. Er soll vor laufender Kamera in Tränen ausgebrochen sein. Das daraufhin angeschriebene Bistum Münster sei zu keiner Stellungnahme bereit gewesen. Eine erste kleine Gruppe von Demonstranten soll vor dem Bischofspalais in Münster vom jetzigen Nachfolger des Fürstbischofs, Dr. Felix Genn, durch ein massives Polizeiaufgebot gewaltsam vom Grundstück entfernt worden sein. WisiKi Deutschland fordert mittlerweile den sofortigen Rücktritt des Bischofs. Wie nicht anders zu erwarten, schweigt Rom zu diesem Zwischenfall. n-tv berichtet ab heute 24 Stunden live vom Domplatz.

Wenn Sie nun, geneigte Leserin, geneigter Leser diese Meldung als "Ente" entlarvt haben, so kann das daran liegen, das Ihnen der Titel schon etwas über den "Wahrheitsgehalt" dieser Meldung verraten hat. Sie lesen also sorgfältig und gleichzeitig haben Sie sich Ihren gesunden Menschenverstand bewahrt. So einen hanebüchenen Blödsinn kann man doch eigentlich nicht fordern, oder?
Sollten Sie jedoch der Geschichte auf den Leim gegangen sein, so mögen sie vielleicht zur Zeit der Lektüre etwas unaufmerksam gewesen sein, aber sie zeigen daneben eine andere Lebensklugheit, Sie sind realistisch.
Sie sind realistisch genug, um Ihren Zeitgenossen einen solchen Blödsinn zuzutrauen, jenen Freunden des Friedens, die ihr historisches Halbwissen aus dem Infotainment à la Guido beziehen und bei jeder Gutmenschenaktion dabei sind, solange der Betroffenheitsfaktor stimmt, es also "gegen die Kirche" und/oder "gegen rechts" geht. Es ist die klassische "einfache Aktion für einfache Gemüter". Jeder weiß irgendwie was dazu, die Sache greift an prominenter Stelle tief ins Bild und Selbstverständnis ein. Außerdem ist man gegen etwas. Das kann also schon mal nicht verkehrt sein. Damit ist der Aktion schon einmal die Unterstützung der Medien sicher. Diese wiederum simplifizieren dann noch einmal nach dem "Prinzip Pferdeoper" (weißer Hut: good guy; schwarzer Hut: bad guy): hier die modernen Aufgeklärten, dort der böse Fürstbischof (sic!) mit seinen ewiggestrigen "Waldecker Mordbuben". Damit läuft dann der übliche mediale Zirkus an, der dann die ganze Angelegenheit vollkommen ad absurdum führt.
Nun ist die obige Geschichte nicht ganz aus der Luft gegriffen, leider.
Im westfälischen Münster schwelt ein Streit um den Namen eines Platzes in der Stadt. Es ist der Platz, der dem Schloß und dem Schloßplatz vorgelagert ist. Es ist der seit 1927 nach Paul von Hindenburg benannte Platz. Ich kenne ihn nur als mit Schlaglöchern und Pfützen übersäten Parkplatz, nicht schön, aber praktisch. Nun soll hier etwas neues entstehen, vielleicht die nächste Luxusbebauung oder einfach nur eine Neugestaltung. Auf jeden Fall sollen die (für die Stadt notwendigen) Parkplätze weg und der Name gleich mit.
Es ist eine Provinzposse! Typische universitätsstädtische "Besserbürger" mit altlinken und ahistorischen Ressentiments gegen "Kaiser und Reich", studentische Antifas, Strassnumbenennungsaktivisten, Juchtenkäferretter, etc. haben sich zusammen mit der debilen Ortspresse zu einem Bündnis gegen von Hindenburg und alle Personen der deutschen Geschichte rechts von Joschka Fischer gefunden. Das ganze wird dann noch mit einem regionalisierten "Historikerstreit" abgerundet, wer denn nun der "neueren Forschung" folge.
Aufgemerkt! Es geht also um "neu" und nicht um Wahrheit. Es geht also wieder einmal nicht darum, der historischen Person Otto von Hindenburg Gerechtigkeit widerfahren zu lassen und die Entscheidung der Stadt Münster von 1927.
Hier wird mal wieder an der Geschichte rumgeschrieben. Es wird geklittert, aus Unwissenheit und ideologischer Verblendung herumradiert, Damnatio memoriae des modernen Gutmenschentums. Daß man sich auf bloßen Verdacht hin der gleichen Techniken bedient, wie es zum Beispiel Stalin getan hat, spielt dabei keine Rolle. Der gute Zweck heiligt jedoch die zweifelhaften Mittel und macht die Anwender offensichtlich beratungsresistent und auch ein wenig skrupellos.
Wer sich sein Bild davon machen will, folge diesem Link.
Ein gesegnetes Wochenende!

Kommentare:

Stanislaus hat gesagt…

Wer ist denn "Otto von Hindenburg"???

Laurentius Rhenanius hat gesagt…

Sorry, hatte nebenbei was von Paul von Bismarck gelesen. :-) Da ist was durcheinander gegangen.