Mittwoch, 21. März 2012

Erlösungsbedürftigkeiten

Die Meldung von gestern:
Israel will angeblich einen Angriffskrieg gegen den Iran führen und für Deutschland träte damit ein "Bündnisfall" ein, der aber durch das Grundgesetz so nicht abgedeckt ist, so schwadronieren ein Sprecher und ein "Experte" auf WDR5. Meine Güte, welch ein Gewissenskonflikt! Die Tatsache, daß damit Israel wahrscheinlich einen Weltkrieg auslösen könnte, diverse Islamistenzellen vielleicht Europa mit Terror überziehen würden, alles das spielt natürlich bei dieser Diskussion keine Rolle.
Am Sonntag wurden wir durch den "Kirchenfunk" desselben Funkhauses geweckt und mit einem Aufreger in den Sonntag entlassen. Eine Sendung, die eigentlich der Verbreitung christlicher Inhalte vorbehalten sein sollte, berichtete über den Aufstand eines Dorfes im Rheinischen. Dort war der Kindergärtnerin aufgrund ihrer Wiederverheiratung vom Pfarrer der Stuhl vor die Tür gesetzt worden. Prompt revoltierten die ortsansässigen wutbürgerlichen Gutmenschen. Die Stadt prüft nun, ob die Kirche aus der Trägerschaft rausgeboxt werden kann, damit der pöse Pfarrer raus ist und die liebe, arme Kindergärtnerin bleiben darf. Abgerundet wurde dieser Beitrag von spöttisch-mitleidigen Sätzen über die angeblich mangelnden Bibelkenntnisse des Pfarrers (zu den Themen "Steinewerfen" und "Nächstenliebe") und einem flotten Stammtischspruch über das Verhältnis unseres Heilandes und Erlösers zum Codex iuris canonici von 1983.
Daneben wird weiterhin auf unseren Ex-Bundespräsidenten eingedroschen, wenn sich eine Gelegenheit bietet. Bietet sich keine, so wird schnell eine herbeigeredet, notfalls in einer Talkshow oder in einer sogenannten "Satiresendung".
Der Nachrichtenchef der zweiten deutschen folksferdummung macht ein Interview mit dem iranischen Präsidenten. Schlecht vorbereitet, wie er ist, geht er dem gewieften Demagogen auf dem Leim und läßt sich vorführen.
In der Schweiz bringt ein Busfahrer 22 Kinder ums Leben, weil er während der Fahrt in einem Tunnel am bordeigenen DVD-Spieler rumfummelt.
In Frankreich führt seit Tagen ein muslimischer Terrorist den Polizeiapparat der "Grande Nation" an der Nase herum.
In der Lokalpresse eines Nachbarortes hat man einen Dauerbrenner. Nach dem ungeklärten Tod eines 20-jährigen bietet die Redaktion beinahe täglich einen neuen Misch aus wüsten Spekulationen und halbgaren Wiedergaben von Presseerklärungen der involvierten Polizeistellen. Da momentan das Thema "Gerichtsmedizin" gute Quoten im Fernsehen bringt, will man offensichtlich mit diesem Thema auch die Auflage beflügeln. Und so sickern immer neue Unappetitlichkeiten aus dem Sektionssaal direkt in das Blatt. Die immer neuen "Ergebnisse der Forensik" zerren auch noch die letzten Reste des Privatlebens des Verstorbenen auf den Marktplatz. Die Angehörigen bekommen keine Ruhe. Die Würde, Integrität und das Ansehen eines tragisch zu Tode gekommen Menschen werden -unter dem Hinweis auf das Recht des Bürgers auf Information, das große öffentliche Interesse und diversen angeblich betroffenen journaillistischen Pflichten- werden selbstverständlich gewahrt.

Die Sonne scheint. Es ist warm. Der Frühling ist da. Gottes gute Schöpfung hüllt sich in in Blüten und frisches saftiges Grün. Die Vögel singen. Ostern naht! Laetare, Ierusalem!

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