Montag, 31. Oktober 2011

Gedenktag des Heiligen Wolfgang

An diesem nicht gebotenen Gedenktag begehen die von uns im Glauben getrennten protestantischen GeschwisterInnen im Herrn das Gedächtnis an einen historisch nicht sicher belegbaren Akt. Am 31.10.1517 soll es angeblich durch den Augustinereremiten Martin Luther zu einer bis heute von den Behörden nicht geahndeten Sachbeschädigung an der Schloßkirche zu Wittenberg gekommen sein. Am Morgen jenes Tages entdeckte man an einem Portal der Schloßkirche ein Flugblatt, das mit den damals üblichen Befestigungsmitteln (Hammer und Nägel) angebracht worden war. An der Tür entstand nicht unerheblicher Sachschaden. Wenn auch nach kurzer Zeit Martin Luther für den Inhalt des Flugblattes verantwortlich gemacht werden konnte, so ist bis heute umstritten, wer für die Sachbeschädigung am Portal verantwortlich zu machen sein könnte. Daher mußten die Kosten für die Reparatur der Kirchentür von der Allgemeinheit getragen werden. Soweit zum Humor!

Heute begehen die Protestanten landauf landab diesen Tag mit den üblichen Festgottesdiensten.
Wer jetzt meint, ich hätte hier einfach als kleine Retourkutsche für das Papstbashing mal was aufgetischt, der täuscht sich. Ich habe, seitdem ich mich in der Schule mit der Reformation und ihren Folgen beschäftigen mußte, in jedem Herbst meinen ganz persönlichen "Kirchengeschichts-Blues" um den Reformationstag herum.
Warum? Nun, das hat folgende Gründe. (Ich weiß, das ist alles nicht vollständig, "holzschnittartig" etc.)
Wer sich einmal die veröffentlichten Predigten zu diesem Tag im Netz, Radio oder Fernsehen betrachtet, dem fällt etwas auf, jedenfalls ist es mir so gegangen.
Zunächst einmal ist es ein über jeden Zweifel erhabener Grundton, der die Landschaft prägt. Die Reformatoren, allen voran natürlich M. Luther, haben etwas Notwendiges und absolut Richtiges getan. Sie haben Mißstände angeprangert, haben furchtlos dem Papst widerstanden und nicht nachgegeben. Dann wird die Bibelübersetzung erwähnt und ganz am Ende vielleicht noch die bedauerliche Spaltung von Rom, die aber nur aufgrund der Halsstarrigkeit Roms und der Unwissenheit der dumpfen Kardinäle und des Papstes und der damaligen Zeitumstände passiert ist. Schließlich war das nicht Luthers Schuld. Alles in allem: Mensch, was hätten wir nur ohne den Luther Martin gemacht? Ohne Luther wären wir alle in den Kerkern der Inquisition umgekommen, dumm gehalten von einem bösen Papst und einem verdorbenen Klerus, gequält mit falschen Reliquien, durch den Kauf von Ablassbriefen ruiniert, ersoffen in einem Meer von Weihwasser und Heiligenbildchenoder im Weihrauch erstickt!
Die historische Rechnung, die man den Katholiken zu jeder sich bietenden Gelegenheit gerne aufmacht (und die dann in aller Regel nicht stimmt!), entfällt vollenends.

Ich persönlich empfinde diesen Tag nicht so sehr als Gedenktag an den mutigen Denker und unerschrockenen Prediger, den man feiern sollte. Für mich ist es eher ein stiller und trauriger Tag, wenn ich an die Folgen jenes so "unerschrockenen Tuns" denke. Wenn ich schon ein solches Datum für den Beginn der Reformation setze, so ist es ein Trauertag. Ist an diesem Tag nicht der Tatsache zu gedenken, daß die Einheit des christlichen Westens durch die Schwäche der Bischöfe, dem Hintertreiben der Fürsten und die Sturheit eines Mönches zerstört wurde, mit fatalen Folgen für die Welt und unzähligen Opfern auf allen Seiten?
Während man sonst gerne gerade von römischer Seite an entsprechenden Tagen selbskritische Einsicht und Schuldbekenntnisse einfordert, fehlt der Blick auf das durch die Reformation über Europa gekommene Elend vollends.
Wo fange ich an?
Bei den Menschen:
Man bedenke nur, welches Trauma jene durchlitten haben, die damals in den Klöstern ein Leben in Kontemplation und Arbeit führten und dann vertrieben wurden. Sie verloren ihre Heimat, ihr soziales Umfeld, ihre soziale Sicherung. Viele Frauen wurden deswegen gezwungen, gegen ihre Gelübde in Ehen einzuwilligen. Es kam zu Ausschreitungen gegen sie, angeblich auch zu Vergewaltigungen durch die "Befreier". Ordensleute, die nicht abschwören wollten, wurden des Landes verwiesen oder hingerichtet.
Wie mögen wohl die Glaubens- und Gewissensnöte jener Menschen ausgesehen haben, die als "unbeteiligte Anwohner" jene Auschreitungen miterlben mußten.
Man denke an die armen Bauern, die von Luthers radikalen Sympathisanten in einen irren Krieg geführt wurden, den sie nur verlieren konnten.
Man denke an Luthers Schriften und Ansprachen, wo er sich nicht mit den unterdrückten Bauern solidarisierte, er vielmehr nach der starken Hand der Obrigkeit schrie und die dann ganze Landstriche entvölkerte? Wer denkt über die fatalen Folgen dieser Verknüpfung von Kirche und Staat nach, die sich hier anbahnte?
Man denke an die "konfessionellen Säuberungen" in den nachfolgenden Jahrhunderten. An die vertriebenen Hugenotten denkt man immer, aber wer hat die Vertreibung der "Altgläubigen" jemals ausführlich dokumentiert?
Wer denkt an die Konfessionskriege und ihre verheerenden Folgen, allen voran der 30jährige Krieg.
Wer redet einmal kritisch auch von Luthers Antijudaismus? Wer spricht davon , daß Luther meinte, durch seine Reformation würde die Lehre Christi so rein dargestellt, daß die Juden sich bekehren müssten, Sie es nur nicht getan hätten, weil Rom das Evangelium verdunkelte? Als sie ihm aber nicht folgen wollten, wurde er im Laufe der Jahre immer härter und ausfallender gegen die "Verstockten".
Wer gedenkt der Opfer des protestantischen Sündenwahns, an die calvinistischen Überwachungssgesellschaften in den Niederlanden, der Schweiz, den USA mit ihren Gardinenordnungen und Tanzverboten, die mit ihrer verqueren Moral und Rigorosität Generationen von Menschen eingeschüchtert und seelisch verbogen haben?

Wer denkt an den Hexenwahn, der sich in besonderer Härte in den Ländern der Reformation ausgetobt hat? Wer spricht davon, daß die letzte Hexe in einem protestantischen Kanton der Schweiz ihr Leben lassen mußte?
Wer denkt an die Opfer des Kulturkampfes in Preussen? Wie viele talentierte junge Menschen sind an der Verwirklichung ihrer Talente gehindert worden, weil sie für Preussens "das falsche Gesangbuch hatten"?
Wer denkt an die verheerenden Wellen der Reformation in England und ihre unzähligen Martyrer, Opfer der dynastischen Ängste eines Königs und leerer Staatskassen, die zerstörte Kultur, das zu Unrecht eingezogene Kirchengut...?
Wer denkt an diesem Tag an die Kirchenstürme, die Zerstörung unwiederbringlichen Kulturgutes durch fanatisierten Pöbel, durchgedrehte Professoren und Pastöre, die zerschlagenen Altäre, Figuren, Orgeln, Gewänder, Reliquien, Fenster, Glocken, die abgerissenen Kirchen und Kapellen, Bildstöcke...?
Wer denkt daran, wie sehr wir wohl der Reformation den Einzug von Landessprache und Strophenlied in unsere Liturgie "verdanken", mit allen bekannt Folgen?
Wer denkt an die Verheerungen in der Alltagskultur, bis hinein in die Kochtöpfe?

Egal, wir sind ja heute total multikulti und liebe Europäer.

Am Ende wird man wieder "Ein feste Burg" gesungen haben und wird mit einem guten Gefühl und ein paar bunten Lutherklümpchen in der Tasche nach Hause gehen.
Gut, daß es Luther und Konsorten gab! Gut, daß es uns gibt, fortschrittlich, ökologisch verantwortlich denkend und überhaupt so solidarisch, kritisch,.. einfach gut für die Menschheit.

Oder ist es vielleicht doch nicht so einfach?

Freitag, 28. Oktober 2011

Wichtige Terminerinnerung!

Nicht vergessen:
Am Montag ist der Gedenktag des Heiligen Wolfgang!
Einen andächtigen Messbesuch am Christkönigsonntag wünscht
Laurentius

DBK GmbH & Co KG (PHILIPPIKA!)

Und wieder gilt es, den Originaltitel zu erraten. Den Originalband aus meiner Sammlung wird aber nicht als Preis zur Verfügung stehen.
Es ist eine Satire aus Frankreich (1976 zuerst erschienen), die sich mit den Folgen des Kapitalismus auseinandersetzt, Marktsättigung, Schweinezyklus, Verödung menschlicher Beziehungen.

Die deutschen Bistümer scheinen gelernt zu haben und haben es besser gemacht als die Helden jener Geschichte. Sie haben es auch besser gemacht, als manche andere Institution. Schauen wir uns ein paar bedauerliche Pleiten bei unseren Schwestern und Brüdern an, die noch von uns getrennt sind.

Church of England:
Diese hatten vor einigen Jahren durch ungeschicktes Bündeln von Wertpapieren den gesamten Pensionsfond der Kirche an der Börse verzockt.

EKD:
Geschickter war da schon der evangelische Kirchen Kreis Herford in Westfalen, der durch geheime Kassen in den Jahren 1967/68 bis 2011 aus einer knappen Mio gute 15 gemacht hat und zwar nicht nur vor Steuern sondern ganz ohne Steuern. Das lief Jahrzehnte wunderbar und dann kommt ein neuer Superintendent und macht den Saubermann. Alle sind zurückgetreten. Steuern wurden nachgezahlt. Der traurige Rest, ja was macht man mit den Geld?

Die deutschen Bischöfe scheinen das Portfolio der Bistümer bestens gefüllt zu haben. Weite Streuung (vom Buch bis zum Ballett) bedeutet ja zugleich Risikominderung. Reinvestieren um Marktführerschaft auszubauen, ein Gespür für die Bedürfnisse breiter Bevölkerungsschichten. Marktwirtschaftlich sehr gut gemacht. "We aim to please." "Wir möchten, daß sie zufrieden sind." Jeder gute Verkäufer weiß, wie leicht es ist, Stammkunden bei der Stange zu halten und wie schwer es ist, Neukunden zu akquirieren. Da muß man auch schon mal das Sortiment etwas erweitern, auch wenn es nicht ganz zur übrigen "Geschäftsidee" passt. Hier ist das Verkaufsmodell ganz bei den Menschen bzw. Kundenwünschen angekommen. Wenigstens schon einmal in diesem Segment des Unternehmens kann man sich da nichts mehr vorwerfen lassen. Besser geht es doch nicht! Warum nicht auch noch mit dem "Pfaffenspiegel" des Otto von Corvin nen schnellen Euro für die gute Sache machen, ja warum eigentlich nicht? Wer Erfolg haben will, muß schon mal über den eigenen Schatten springen.
Himmel, das darf doch wohl alles nicht mehr wahr sein!Als Krönung fehlte jetzt nur noch die elfteilige DVD-Box "katholisch Kamasutra" mit Darstellerinnen und Darstellern des Fernsehballetts als Eigenproduktion! Mannomann!
Ich warte jetzt nur noch auf den Verschwörungstheoretiker, der mir erklärt, warum da jetzt so böse auf die Kirche, Tänzer und Versandhausmitarbeiter eingedroschen wird!
Vielleicht ist das auch eine blosse Neiddiskussion, eine Hetzkampagne! Genau! Hier wird in einer Zeit wirtschaftlicher Schwierigkeiten der Kirche wieder einmal nicht der Erfolg gegönnt! Man will der finanziell so potenten deutschen Kirche an die Wäsche, so ist das nämlich! Vielleicht die Mitanbieter? Oder war es die EKD, die sich auf einmal im "Zwischenmenschlichen" links überholt sieht? Oder die Giordano-Bruno-Stiftung, die Bilderberg Konferenz oder vieleicht sogar Professor Moriarty?

Hochgeschätzte, hochverehrte Exzellenzen im Bischofsamt!
Als einfacher Laie und unwürdiger Diener meines Herrn, mit vielen Sünden befrachtet, wie zum Beispiel mit meinem immer wieder aufbrandenden Zorn, möchte ich Euch meine Befürchtungen mitteilen.
Kommen wir einmal zum eigentlichen Kerngeschäft!
Diese Versandhausaffäre wird der deutschen Kirche endgültig das Genick brechen, wenn es um Fragen der Moral im gesellschaftlichen Diskurs geht. Dieser angeblich nur 0,17% kleine "Erotik"-Anteil des Sortimentes wird, wenn die Medien sich erst einmal richtig darauf eingeschossen haben, der Untergang im Ansehen des Volx bedeuten. Ich befürchte in diesem Segment einen Totalverlust = 100%!
Es wird das Grunddisaster für alle, die sich demnächst noch in Talkshows wagen.
Wenn Ihr die Glaubensstärke derer, die sich noch zu Kirchen halten, auf die Probe stellen wollt, dann ist Euch das gelungen. In den Gemeinden versuchen KatholikInnen die Grenzen zwischen Esoterik und Evangelium nicht verschwimmen zu lassen, werden jugendliche Aussteiger aus satanischen Kulten begleitet und woanders werden Büchlein über Edelsteintherapien und Startersets für die Kontaktaufnahme mit dem Durcheinanderwerfer verhökert! Als kirchlicher und marktwirtschaftlicher Laie habe ich da ein Problem mit meiner kleinlichen Beschränktheit! Ich habe nun mal nicht Milton Friedman gelesen, nur Martin Buber, für den Erfolg bekanntlich kein Name Gottes ist. War das ein Fehler? Muss ich Friedman lesen, um es zu verstehen?
Exzellenzen, es wird sehr viel Kraft kosten, wenn man sich in Zukunft noch öffentlich als Katholik zu erkennen geben wird. Es wird sehr schwer sein, als loyaler Katholik Worte der Erklärung und des Schutzes für die Bischöfe und gegen die Tiraden der Gegner zu finden, ohne sich in den Augen der Gesellschaft einer Lüge oder der Blödheit schuldig zu machen. Wie soll ein Katholik wie ich, der seine Bischöfe achten und schützen will, unter diesen Voraussetzungen für Euch noch eine Lanze brechen? Die üblichen Ausweichmanöver der Presseabteilungen halte ich -mit Verlaub- für einen sehr ungeschickten Versuch, von den seit spätestens 2008 in einigen Ordinariaten bekannten Fakten und der nachfolgenden Untätigkeit abzulenken.
Ihr entwaffnet uns!
Für alle, die sich an ihrem Platz in Welt und Kirche für die Neuevangelisierung Europas einsetzen, wird Hohn und Spott die Folge sein und der Vorwurf der Bigotterie und Verklemmtheit. Wie sollen Seelen von der Heiligkeit Gottes etwas spüren können und zum Heil in der Gemeinschaft Christus kommen, wenn für ein Linsengericht, ... , Ihr bringt mich um meinen Nachtschlaf, ach,
... Exzellenzen, vergessen sie bitte diesen Beitrag! Entschuldigung! Ich nehme alles zurück! Entschuldigen Sie die Störung!

Christe qui lux es et dies,
Noctis tenebras detegis,
Lucisque lumen crederis,
Lumen beatum praedicans.

Precamur Sancte Domine,
Defende nos in hac nocte,
Sit nobis in te requies,
Quietam noctem tribue.

Ne gravis somnus irruat,
Nec hostis nos surripiat,
Nec caro illi consentiens,
Nos tibi reos statuat.

Oculi somnum capiant,
Cor ad te semper vigilet,
Dextera tua protegat
Famulos qui te diligunt.

Defensor noster aspice,
Insidiantes reprime,
Guberna tuos famulos,
Quos sanguine mercatus es.

Memento nostri Domine
In gravi isto corpore,
Qui es defensor animae,
Adesto nobis Domine.

Deo Patri sit gloria,
Eiusque soli Filio,
Cum Spiritu Paraclito,
Et nunc et in perpetuum. Amen.

Donnerstag, 27. Oktober 2011

Wutbürger - Psychogramm eines Ideals

Wir haben es ja seit Sturrgert 21 mit einem ganz neuen Phänomen zu tun. Nicht nur junge, enthusiasmierte Menschen gehen für eine bessere Welt auf die Straße. Nein, auch die ältere Generation über 50 steht auf, kämpft für alte Bäume, Juchtenkäfer und Denkmale der Baugeschichte, die sie in ihrer aktiven beruflichen Zeit "ohne mit der Wimper zu zucken" noch mit Abrißbirnen behandelt hätte.
Man ist gut organisiert. In Stuttgart ist man auch fachlich gut aufgestellt, wie die endlosen Übertragungen aus dem Rathaus zeigten und ist in der Lage, Alternativlösungen zu entwickeln. In Kirchenfragen wird übrigens diese mangelnde fachliche Vorbereitung durch Engagement und hohe Emotionalität bei den Vorträgen wettgemacht.
Einsicht in Notwendigkeiten?
Gesellschaftlich motiviertes Engagement?
Was macht eigentlich einen Wutbürger aus?
Woher kommen sie jetzt auf einmal alle?
Haben wir es mit 68er Nostalgie zu tun?
"Wat isse ne Wutbürger?" (frei nach Heinrich Spoerl)
Die Fragen haben sich auch einige Forscher in Deutschland gestellt. Die Antworten dazu bietet nun die "Junge Freiheit" (Nr. 43/11 vom 21.10.2011, S. 6). Eigentlich bringt diese Studie nichts Neues. Was nun gleich in Kürze dargestellt wird, haben sicherlich schon viele von uns geahnt. Besonders wenn man sogenannten "Wutkatholiken" begegnet, hat man so seine Zweifel an den hehren Zielen mancher Vertreter dieser Gruppe von Aktivisten.
Nun sind wir aus dem Bereich der Vermutung und der unchristlich bösen Unterstellung heraus.
Fakten, Fakten Fakten!
Der Göttinger Politikwissenschaftler Franz Walter vom Institut für Demokratieforschnung hat ein Psychogramm entworfen und gleichzeitig soziales Herkommen, Bildung etc. untersucht.
Der Wutbürger ist in der Regel über 50, meist männlich, hat eine universitäre Ausbildung genossen, ist finanziell (noch) sorgenfrei. 30 % von ihnen sehen sich politisch "ganz links". Er ist bisher nicht an Protestaktionen beteiligt gewesen.
Ginge es jetzt um andere Bereiche, so würde man man sicherlich von einer Bedrohung der Gesellschaft durch finanziell potente Extremisten oder Fundamentalisten sprechen, von einer noch nicht bekannten Anzahl möglicher Schläfer... Egal!
Aber wofür kämpfe sie und stehen sie ein, diese auf Krawall gebürsteten Senioren?
Die Diagnose des Institutes ist erschütternd!
Sie gehen nur für jene Probleme auf die Straße, die das eigene traute Heim oder den Grünstreifen vor dem Haus betreffen, also Windräder, Strommasten, Startbahnen in nächster Nachbarschaft oder die Gassistrecke durch den schönen Hofgarten. Die mit Verve verteidigten Interesse der Gesellschaft sind in der Regel als ortsnah zu bezeichnen. es geht immer um Projekte in der Nähe ihres eigenen Grundstückes, weil sie Wertverluste ihrer Immobilien oder Beeinträchtigungen ihrer Mittagsruhe und Gartenpartys durch Lärm von außen befürchten. Der Juchtenkäfer ist also ein Bonus in der Argumentation und nicht der Grund für sie.
Sie wollen Basisdemokratie, wenn es um die Wahrung ihrer Interessen geht und das Ergebnis den Wünschen entspricht. Es geht um Besitzstandswahrung, Deutungshoheit und die Ruhe in den eigenen vier Wänden. Vorgartenfundamentalismus!

Das wenig schmeichelhafte Ergebnis von Franz Walter in drei knappen Worten: "Alt, stur, egoistisch".
Und dort wo es gerade keine Bahnhofsprojekte, Windräder oder Landebahnen gibt, füllen die älteren Herrschaften mittlerweile Kirchen und Gemeindesäle, um für einen angstfreien Dialog auf Augenhöhe zu sorgen.

Also doch kein "demokratischer Frühling"!
Neobiedermeier!

PS: Wer weiß, an welches Werk der deutschen theologischen Forschung sich der Titel anlehnt, der kann das Original aus meinen eigenen Beständen gewinnen!
Na, wer traut sich?

Dienstag, 25. Oktober 2011

Ende der Funkstille

Liebe Leserinnen und Leser,
in den letzten Wochen gab es für mich viel zu tun und somit blieb leider keine Zeit für einen Eintrag auf dieser Seite.
Es reichte noch nicht einmal dafür, mich auf der Nachprimiz von Alipius in Bilk sehen zu lassen, obwohl es für mich um eigentlich fast ein Heimspiel war. Mein geistliches Leben reduzierte sich auf den Besuch der Sonntagsmesse in meiner Ortspfarrei, also eine ernste Situation. Und keine Zeit zum Bloggen!
Ach, es hätte so viele nette Anlässe für den einen oder anderen Eintrag gegeben!
Z.B. die Nachwirkungen des Papstbesuches in deutschen Landen.
Ein Vergleich zwischen Gregor Gysi und der "kässen" Margot hätte sich angeboten. Wer hat mehr verstanden; wer hat besser zugehört? Für mich geht der Punkt eindeutig an den Anwalt und Politiker aus Berlin.
Der BDKJ war nicht nach Rom eingeladen! Och, wie gemein war das denn?

Was mich als Ruhri aber besonders packte und packt, ist die Entwicklung des sogenannten Dialogprozesses im Ruhrbistum.
Dem Papsttreuen im Pott sei an dieser Stelle mal nen herzlichen Gruß übern Gartenzaun geschickt. Hömma Kollege, klasse! Mama ruich weiter!

Was sich da momentan so ereignet, wächst sich für mich immer mehr zu einer Art ausführlichen Anmanese aus, die den bedenklichen Gesundheitszustand der Kirche im Ruhrgebiet versucht zu ermitteln. Es ist derart erschüttternd schlimm, da bleibt mir manchmal die Spucke weg. Die Generation der silbernen Wutbürger schreit, schubst und boxt sich durch die Diskurse, wenn sich die wenigen Vetreter der kirchlichen Zukunft mit ihren Wünschen für Gegenwart und Zukunft zu Wort melden. Wer schlicht und ergreifend den Wunsch äußert, einfach mal wieder katholisch sein zu wollen, muß mit Empörung rechnen.
Empörung, wenn ich das schon höre, Empörung!
Es ist das neue Modewort für alle, die sich gegen jede Form moralischer und dogmatischer Vorgaben verwahren und mit im tiefen Brustton ihrer festen inneren Überzeugung ihre moralische Entrüstung über eben diese römische Anmassung zum Besten geben. Klassee!

Man steht auf. Man läßt sich nicht mehr gefallen, man erhebt, man hebt sich empor. Und mit diesem Emporkommen, kommt auch alles hoch.
Man erhebt sich, weil man es vermeintlich besser weiß, man ist sprichwörtlich klüger als der Papst. Die sich Erhebenden lächeln erhaben über den Papst, die Kirche und die Unerleuchteten, in aller unbotmäßigen Überheblichkeit. Ja es ist Aufstand. Es ist eine Revolution, im Sinne einer protestantischen Reformation nur ohne führenden und denkenden Kopf. Und wie zu Zeiten der Reformation sind die Bischöfe wieder still, schätzen die Lage anders ein, beschwichtigen die Lager, obwohl es ja eigentlich gar keine Lager gibt. Sie stehen in der Verantwortung, gegen diesen Aufstand vorzugehen. Aber wo ist zwischen diesen gut beratenen und gecoacheten Personen die Persönlichkeit, die wie Bonifatius zu den Friesen geht und unerschrocken das Evangelium verkündet oder wie Liudger mal anfängt, den Wald kleiner Donareichen zu roden, der sich in den letzten 45 Jahren selbst ausgesät hat?
Die vox populi sine Deo nörgelt und johlt durch die Lande. Aber was soll es?
Der Aufstand ist schon lange gescheitert. Was immer er auch noch für Folgen haben wird. Es ist das letzte Aufbegehren, der Volkssturm vor der Kapitulation.
Denn der Anfang des Aufstandes war zugleich sein Ende. Es hat nur noch keiner gemerkt.
Es ist so einfach:
Man hat das Knien aufgegeben und ist im Stuhlkreis auf dem Hintern gelandet.

Warum ich so spitzzüngig bin, hat einen Grund. Ich las bei kath.info einen Artikel über die Volxversammlungen im Bistum Essen. Es waren ein paar Sätze, die mir alles noch einmal klar und deutlich vor Augen stellten und mich zutiefst erschütterten.

Zitatanfang:
Um unseren Tisch zieht ein emeritierter Theologieprofessor seine Runden. Gut erinnere ich mich noch, wie er auf einer anderen Veranstaltung, den Bericht über die eifrige Wahrnehmung der eucharistischen Anbetung auf dem Weltjugendtag mit dem Ausspruch kommentierte: “Wir (!) haben das II.Vatikanum doch nicht gemacht, damit die Leute jetzt wieder anfangen, diese Oblate anzubeten.”
Zitatende

Also: Weiterknien und bloß nicht hinsetzen und ne Runde "Extraknien" für alle, dat nich mehr hinkriegen!

http://www.katholisches.info/2011/10/05/%e2%80%9eaggressiv-vorgetragene-statements%e2%80%9c-was-bezweckt-der-%e2%80%9eergebnisoffene-dialogprozes%e2%80%9c-der-deutschen-bischofe-%e2%80%93-teil-3/