Freitag, 25. Februar 2011

And the "Pong!" goes to... Johannes!

Die Woche war mal wieder zugepackt und es blieb kaum Zeit für einen Blogeintrag!
Johannes hat mich mit seinem Musikvideo zum Wochenende beflügelt.
Hier dazu mein "Pong!" Sandra Luna (in Argentinien ein Star der neuen Tangoszene, oder hätte ich jetzt pc "Starin" schreiben müssen?) hat eine alte Piaf-Nummer mit ihrer Truppe neu eingespielt. Im Moment läuft die CD von ihr fast ständig in meinem Büro!

Schönes Wochenende!

Donnerstag, 17. Februar 2011

PID und Reformkatholiken (Mater amata)

Für alle, die mal wieder eine Runde "fremdschämen" wollen, denen kann ich nur empfehlen, sich über die sog. CDU und PID zu informieren.
Gestern noch dem Heiligen Vater vor das Schienbein treten wollen, heute die Öffnung zur Freigabe der PID "ein Stück weit" vorantreiben.
Liberale Protestanten und Reformkatholiken der ehemaligen C-Partei schicken sich an, der PID Tor und Tür zu öffnen.
Offensichtlich wird die in Gedenktagsreden so beschworene "besondere Verantwortung der Deutschen vor der Vergangenheit" auf dem Altar des medizinischen Fortschritts geopfert, oder geht es gar um die Vermeidung von Folgekosten?
Genaueres lest bitte bei Mater amata!

Da geht mir alle Fröhlichkeit mal wieder gründlich ab!

Mittwoch, 16. Februar 2011

Ach, nee, komm, lass mal....!

Was könnte man zu den Äußerungen jenes Pfarrers aus Regensburg alles schreiben! Josef Brodat hat es wie immer ganz wunderbar auf den Punkt gebracht. Auch die Tübinger Klatsche gegen S.E. Walter Card. Kasper ist bei Stanislaus gut beschrieben. Auch dazu gäbe es noch sehr viel zu sagen.
Aber schenken wir jenen, die aufgrund einer abgeschalteten Kommentarfunktion meinen, anderen deswegen poststalinistische Dialogverweigerung unterstellen, nicht zuviel unserer kostbaren Zeit?
Sollte man Bemerkungen, wie die Karl Wallners zur PpE micht einfach übergehen, weil sie auch nicht hilfreich sind und nur unnötig Zeit beanspruchen?
Mag sein!

Beunruhigend aber ist der Stil, mit dem gegen die "Gegner" des Memorandums vorgegangen wird, sei es nun ein Journalist, der Berufskraftfahrer, der das Memorandum unterzeichnet hat, oder ein Kardinal der Una Sancta!

Es sind die probaten Mittel der politischen Auseinandersetzungen, wie wir sie von unseren ehemaligen Volksparteien kennen. Da wird Inkompetenz unterstellt. Wenn das nicht greift, wird die Dialogbereitschaft bezweifelt. Wenn das dann nun auch nicht mehr hilft, greift man dann entweder zum Florett und versucht es auf die elegante Weise und fragt nach der Lösungsorientierung oder man greift zur abgesägten Schrotflinte und unterstellt extremistische Tendenzen. Das funktionierte bisher immer ganz gut.
Aber darf das der Modus vivendi "et disputandi" in der Kirche Gottes sein?
Faktisch ist er das, aber sollte er das sein?

Was ist das doch kompliziert, wenn man als einigermaßen entideologistierter römischer Katholik einfach in Freude aus dem Vollen der Tradition schöpfen möchte!

Beispiel "Kommunionempfang":
Die Vorgaben über den Kommunionempfang sind bekannt. Die übliche Praxis ist eine andere. Der Wunsch des Heiligen Vaters (der uns Befehl sein sollte) ist ebenso bekannt.
Meine eucharistische Frömmigkeit hat sich in den letzten Jahren intensiviert, auch durch die Begegnung mit dem verpönten Ordo originis. Für mich ist es nach langem Ringen mit mir, den alten Gewohnheiten und auch mit der Scheu, gehörig aus der Reihe zu tanzen, gelungen, mich zu der Form durchzuringen, die meiner Ehrfurcht und Demut vor dem Leib des Herrn entspricht. Es war gut, den geschützten Raum des Ordo originis zu haben, um diesen Schritt zur Synchronisation von innerer und äußerer Haltung endlich vollziehen zu können. Ich habe ein Stück geistlicher Freiheit gewonnen! Ich knie, wenn ich meinem Herrn und Gott begegne, nur nicht wenn ich "zu Hause" bin!
In meiner Wohnortgemeinde sind mir solche "Kapriolen" schlichtweg verwehrt, es sei denn ich möchte mich mit aller Gewalt aus der aktiven Arbeit zurückziehen!

Allgemeineres Beispiel:
Wer z.B. für Architektur, Musik und Liturgie sensibilisiert ist, steht seit Bergers letzter Veröffentlichung (übrigens ein deprimierendes Werk) unter einer ganz neue Art des "Generalverdachtes".

Platt gesagt: Es ist billig, schlecht und es gehört sich nicht!
Für mich stellt sich in dieser aufgeheizten Phase der Auseinandersetzungen die Frage:
Welche Chance besteht überhaupt, diese unsäglichen Umgangsformen zu ändern?

Es ist ja schon schlimm genug, wenn man vom hohen Turme des Experten meint, dem tumben Bauern ohne Habilitation den Ackerbau erklären zu müssen.
Wenn es nicht so traurig wäre, wäre es zum Lachen. Das ist so ähnlich, als wenn ein Autofahrer zu einem Fußgänger sagte: "Sie könen gar nicht beurteilen, ob ich falsch durch die Einbahnstraße fahre, sie sind ja nur Fußgänger!"

Davila schreibt so wunderbar knapp:
Das religiöse Problem verschärft sich täglich, weil die Gläubigen keine Theologen und die Theologen nicht gläubig sind.

Besser geht nicht!

Was mir aber noch auffällt, ist dieser verbissene Ernst, mit dem das alles vorgetragen wird. Für mich ist der Faktor Humor ja ein ganz entscheidender Punkt. So hatte Pater Brown einmal einen falschen Priester enttarnt, weil er diese "Grundeigenschaften" eine Gläubigen bei ihm nicht fand.
Wo Heiterkeit und Gelassenheit sich rar machen, habe ich persönlich immer einen bösen Verdacht: Ich rieche Sektierertum! Das freudlose Puritanertum der Ironhats, Katharer und der Ausschußprotokolle.
Aber vielleicht ist das auch eine Spätfolge moderner Betonkirchen. Oder kommt das von schlechter Kirchenmusik?
Hören die denn keinen Palestrina oder Händel?
"King of Kings, forever and ever, and Lord of Lords..."
Mensch, da geht einem doch das Herz auf! Da muß man sich doch einfach freuen! Da kann man doch gar nicht mehr anders, als vor dem König der Könige auf die Knie zu gehen....
Oh, wenn das jetzt einer liest! Bei einigen ist das Maß sicherlich längst übergelaufen, wie?

Ordo originis, Mundkommunion, Ressentiments gegenüber neueren Kirchenbauten, monarchistische Begrifflichkeiten im Umgang mit Bruder Jesus, ...

Jahaha, wollt ihr noch mehr lesen? Ich mache jetzt mal die große Kiste hier auf!
Ich zähle auch die Züge beim Inzens, ziehe alte Kaseln neueren Betsäcken vor, besitze einen Schott, ein Graduale Romanum, mehrere Rosenkränze (die auch benutzt und nicht um den Hals gehängt werden!) kann eine Doppelkniebeuge von einer einfachen Kniebeuge unterscheiden und weiß auch, wann ich was zu machen habe, neige nach nach Highchurchmanier mein Haupt, wenn das Vortragekreuz an mir vorbeizieht und würdige den Zelebrans mit einer ebensolchen Kopfbewegung und erwidere den liturgischen Gruß ("Der Herr sei mit euch...") nicht nur mit Worten sondern auch mit einer angedeuteten Verbeugung!
So, reicht das für ein Klischee? Schön!
Wer mich jetzt für einen monarchistischen, parfümierten Ästheten, oder einfach nur für liturgisch hyperaktiv hält, der hat sich mal wieder ein Schnitzbild gemacht!!!

Menschenskinder, ich bin einfach nur katholisch, habe Spaß an den kleinen Details, die das Leben so lebenswert und reich machen, liebe meine Kirche, vertraue unserem wunderbaren Heiligen Vater und habe Freude daran, ganz einfach!
Ich leide nicht darunter, Katholik zu sein, es macht mir Spaß, SPAAAAAAß!
Wie man bei uns sagt: Ich hab da Spasssss drann! Ich find dat schön!
Das ist aber leider nur schwer vermittelbar, ein echtes Kommunikationsproblem!

Ich will keinen Gottesstaat, mag aber auch keine Stuhlkreise! Das macht die Sache etwas kompliziert, nicht wahr? Da steht man schnell zwischen den Stühlen!

Was kann ich nur machen?

Jetzt weiß ich es!
Es fehlt die Freude!
Das ist es!

Ich weiß jetzt, was ich tue!
Ich bete um Freude am Glauben, an der Kirche Gottes und um Humor!

Da gibt es doch so ein schönes Gebet von St. Thomas More,
oder doch Paulus: Freuet euch, abermals sage ich freuet euch!.....momentemal, wo hab ich den schon widder dat GL.....

Und die Damen und Herren Memorierende und Reform-CDU-ler, wißt Ihr, was ihr jetzt mal macht?
Ich hab da ne tolle Idee für Euch!
Ihr entmüllt mal den Terminkalender und geht mal schön auf nen ordentlichen Pfarrkarneval, laßt mal richtig die Korken knallen, geht zum Rosenmontagszug, Dienstag zum Requiem für de Nubbel und dann mal ordentlich stramm in den Aschermittwoch, mit Beichte, Aschekreuz und ... Starkbieranstich! Von wegen 7 Wochen ohne! Dat is luthersch! Und dann alles noch mal auf Anfang!
...
Mensch wo hab ich dat Gotteslob? Der Schott is da, dat Liber usualis, aber dat GL...?
Stimmt gar nicht! Das GL habe ich in fünf unterschiedlichen Ausgaben griffbereit hier im Regal!
Reingefallen!

Schönen Abend noch!

DCG ist gegründet

Es hat sich in Frankfurt am Main eine "Deutsche Chesterton Gesellschaft" virtuell gegründet und ist mit einem Forum am Start.
Für alle Interessenten geht es hier zur entsprechenden Seite.

Participatio actuosa

Die tätige Teilnahme des Gottesvolkes als Frustrationsquelle der priesterlichen Existenz, so kann man den Artikel, auf den ich verweisen möchte, knapp zusammenfassen. Wer hat je daran gedacht, daß die Einführung der Monitini-Tischchen, äh... Volxaltäre (alleine schon dieses Wort ist eine Fragwürdigkeit sondergleichen) zur Krise der Kirche auf eine ganz besondere Art und Weise beigetragen hat: der Blick in die gelangweilte Gemeinde, die dösend rumsteht oder sitzt und unmotiviert Antworten mummelt.
Hier liegt der echte Reformstau in den Bänken rum! Also wach sein, freundlich lächeln und während der Predigt mal zustimmend nicken, laut mitbeten, dann macht es auch dem Zelebranten wieder Spaß!
Für alle FreundInnen (ne, wat schön!) des trockenen angelsächsischen Humors (US-Version) geht es hier zu "The Crescat".
Es gibt ja auch noch eine andere Lösung, die keinen frustriert oder in die Lage bringt, falsche Anteilnahme heucheln zu müssen und die ich persönlich bevorzuge: Wendet Euch doch wieder gemeinsam Gott zu!
Das klingt jetzt ein wenig doppeldeutig...
Ich lasse das jetzt mal so stehen.

Dienstag, 15. Februar 2011

Heraldik "for runaways"

Anglikanische Kirchenheraldik ist wohl nicht ganz so ordentlich, wie man es eigentlich von einer Kirche mit königlichem Oberhaupt erwarten sollte. The New Liturgical Movement bringt ein wenig Licht ins Dunkel und Ordnung in die Wurschtelei und macht gleichzeitig Vorschläge für Anglo-Katholiken.
Darf das Wappen der adeligen Gattin (im Zuge der Gleichberechtigung oder aus bloßer Angeberei?) als zweiter Wappenschild unter die Mitra?
So macht man aus einem anglikanischen Wappen ein anglokatholisches Wappen!
Was macht zum Beispiel ein ehemaliger Anglikanischer Bischof mit seinem Wappen nach seiner Konversion, wenn er nur die Priesterweihe empfangen hat?
Wieviele Trödelkes welcher Farbe darf ein anglikan. Archdeacon an einem Hut welcher Farbe auf seinem Wappen denn nun führen? Die Lösung findet sich hier.
Das sind doch mal Probleme! Wer so etwas mag, lese den Artikel hier und folge den Links im Text!
Heraldik für Fortgeschrittene und Weggelaufene!

Montag, 14. Februar 2011

Sonntags gehört Opa mir!

Da es ja in unserer Kirche momentan en vogue ist, alte Kamellen wieder aufzuwärmen und sie dann in Form eines Forderungskataloges dem Papst als unabdingbares Reformwerk vor die Füsse zu knallen, habe ich mir erlaubt eine alte Gewerkschaftsparole aus dem Jahre 1956 etwas umzuschreiben und als Gedankenanstoss zu missbrauchen. Confiteor!



Viri probati
Es gäbe vieles zu diesem Thema zu sagen, seit wann es diese "Regel" schon gibt, wie sinnvoll sie sein kann, welche Ausbildungen dann nötig wären (Würgsburger Schnellkochkurs oder Studium im Alter), Einsatzmöglichkeiten, etc.
Ich möchte nur einen Aspekt aufgreifen, der selten ernsthaft in Betracht gezogen wird, nämlich die Auswirkungen auf das Familienleben derer, die von diesen VP eine haben.
Wer als Laie in seiner Gemeinde tätig ist, weiß doch nur zu gut, wie schnell sich die Freizeit mit unheimlich wichtigen Terminen anfüllt. Wer den einen oder anderen Diakon im Nebenamt kennt, weiß außerdem, wie schnell die Übernahme von Diensten die Erholungszeiten neben dem Beruf und die Freizeit mit der Familie schwinden lässt. Das ist alles andere, nur nicht familienorientiert. Schuppdiwupp arbeitet Papa dann wochentags bis 17.00h für den Broterwerb, danach und am Wochenende für Mutter Kirche.
Gerade in Zeiten, in denen die "Versorgung der pastoralen Räume" immer mehr zu einem Problem wird, steht die ehrwürdige VP-Regel - die ich eher als Auszeichnung für ein ausgezeichnetes Leben sehen wollte (denn was anderes sollte sie sein, wenn man einem verdienten Mann am Abend seines Lebens durch die Weihe die Berechtigung zur Feier des Messopfers verleiht) - in der Gefahr, zum ehrenamtlichen Notstopfen für das "System Deutsche Kirche" zu werden und zwar bei der Generation 65+, also der Generation der Großeltern.
Ja und dann ist da noch die Frage, wer von der Generation 65+ dann wohl zur Verfügung steht. Sicherlich der eine oder andere wirklich probate Mann mag dabei sein, aber ich habe da so meine Befürchtungen!
Wer wird wohl das Selbstopfer zum Wohle der deutschen Kirche als erstes erbringen?
Die besonders engagierten und um den Fortbestand der Kirche so Mitchristen im vorgerückten Alter,... muß ich noch deutlicher werden,...?
Gestern noch ein nörgeliger Flugblattverteiler von WsK's Gnaden, heute in den Klerikerstand getreten, um die Reform von der anderen Seite zu beschleunigen.
Neee, bitte nicht!
Das ist jetzt kein lang durchdachter Beitrag, sondern eher ein spontaner Reflex, weil ich gerade mal wieder in meinen Terminer geschaut habe!
Einen schönen Abend noch!

Dienstag, 8. Februar 2011

Der progressive Katholik....

hebt den >>kommunitären<< Charakter nicht hervor, um die Gläubigen an ihre mystische Solidarität mit einer geschichtlichen Gemeinschaft zu erinnern, sondern um still und heimlich die uralte Doktrin der Kirche auf den Altären des Tages zu opfern.
Die Kollektivismen opfern die erhabene Gemeinschaft der Jahrhunderte stets dem augenblicklichen kollektiven Verlangen.
Nicolás Gómez Dávila

Freiheit

Die Illusion der Freiheit wächst mit unserer Unterwerfung unter die Welt.
Wer Sklave von allem ist, was ihn umgibt, verkündet seine Selbständigkeit.
Nicolás Gómez Davilá

Sonntag, 6. Februar 2011

Danke, Mama!

Obwohl ich erst nicht zum Thema Memorandum schreiben wollte, folge ich dem Aufruf von Alipius und sage auf meine Art "Danke, Mama!"

Ich glaube, Gott, mit Zuversicht,
was deine Kirche lehret,
es sei geschrieben oder nicht,
denn du hast ihrs erkläret,
der du die Wahrheit selber bist
und Wahrheit nur kannst geben.
In diesem Glauben stirbt der Christ,
in diesem Glauben stirbt der Christ,
in diesem muß er leben.

So steht der Text im alten Kölner Gesangbuch. Ein Vergleich mit dem heutigen GL-Texten (wenn das Lied überhaupt noch bis in den Diözesan-Anhang gekommen ist) zeigt interessante Textvarianten und Neuordnungen. Gehörte dieses Lied mit den zwei weiteren Strophen ("Ich hoffe, Gott, durch deinen Sohn Verzeihung meiner Sünden"/"Gott über alles lieb ich dich aus meinem ganzen Herzen") in den Bereich "heiliges Leben" wird es heute, um die zwei Strophen gekürzt und durch eine "spiritualisierte" Textvariante verändert, zum Credoersatz für die Sonntagsmesse.
So wird dann aus Zeile 3ff:
dein Heilger Geist verleiht ihr Licht
und alles ihr erkläret.
Der du die Wahrheit selber bist,
hast ihr dein Wort gegeben.
In diesem Glauben lebt der Christ,
in diesem Glauben stirbt der Christ,
erlangt das ewge Leben.

Es gibt immer mal wieder Textvarianten, die nebeneinader her auf eine lange Tradition zurückblicken können. Aber gerade im Bereich der Gesangbücher und ihrer Reformen zeigt sich seit langer Zeit an Verbesserungseifer, der mir sehr fremd ist. Da wird mal eben aus "Brüdern" ein "freudig loben", damit sich auch emanzipierte Vollzeitbetroffene mit dem Liedtext identifizieren können oder wie im obigen Lied wird dann mal ganz schnell was ganz anderes daraus gebastelt. Die mangelnde Ehrfurcht vor dem geistigen und geistlichen Werk unserer Vorgänger im Glauben hat mich schon immer etwas erschreckt.
Wie kann man nur so stumpf und arrogant mit gewachsenen Texten umgehen?
Sind diese Leute alle nicht in der Lage, auf Autor und Abfassungdatum zu schauen und von daher eine gewisse Abstraktionsleistung von sich selbst und der Jetztzeit zu vollbringen?
Offensichtlich nicht. Der Text etspricht nicht meinen Vorstellungen, also ist der Text schlecht.
Ich verstehe den Text nicht, also ist der Text doof und muß so geändert werden, bis ich ihn verstehe.
Man stelle sich nur einmal vor, eine Kommission des deutschen Buchhandels beschlösse, aus Gründen der Gleichbehandlung von Mann und Frau dürften die nächsten Ausgaben des "Felix Krull" von Thomas Mann nur noch in der Fassung einer "Felicitas Krull" erscheinen.
Welch ein Aufschrei ginge wohl durch die Literaturwelt? Oder gäbe es vielleicht keinen Aufschrei? In den USA ist ja schon eine politisch-corrigierte Ausgabe des Tom Sawyer auf den Markt gedrängt worden, weil doch im Original das Wort "nigger" so häufig vorkommt, was heute ja unzumutbar ist.
Gleichwohl existieren in Deutschland leider immer noch die "arisierten" Ausgaben evangelischer Kirchenmusik und werden zum Teil noch immer nachgedruckt und gesungen. So haben die sogenannten "Deutschen Christen" in der NS-Zeit jüdische Bezüge z.B. aus bachischer Musik herausgetrennt und durch unverfängliche Texte ersetzt. Wer also als Sänger eine Ausgabe von "Dir, dir, o Höchster, will ich singen" hat, sollte sie durch die Ausgabe "Dir, dir, Jehova, will ich singen" ersetzen, auch wenn der Gottesname darin genannt wird.
Ein bisher wenig bearbeitetes Kapitel der Kirchenmusik Deutschlands...

Was wir nun mit dem Memorandum der 144 (150, 143???) in Händen halten, ist für mich ebenso ungeheuerlich, wie die Eingriffe in die Liedtexte oder die Vorstellung einer "Felicitas Krull" oder des politisch-correcten "Tom Sawyer".
Das Memorandum sagt mir viel über das Befinden, die Befindlichkeiten und die Denkstrukturen der Unterzeichner, doch werden sie mit ihren Vorschlägen einer zeitgemäßen Über-und Umsetzung der Botschaft dem "Text" unserer Tradition gerecht? Lassen sie der Lehre unserer Kirche Gerechtigkeit widerfahren?
Der Text verrät wenig Liebe zum überkommenen Glaubensgut, mangelndes Vertrauen auf unsere Mater et magistra. Hier gilt offenbar nur noch, was anders und neu gemacht werden kann. Hier spricht sich eine "Renovierungswut" aus, die zwar viel Kreativität und Innovationsgeist zeigt, aber Grundkenntnisse der Statik außer acht lässt. Ob diese Innovationen wirklich das sind, was die Kirche heute braucht, möchte ich in aller Demut bezweifeln. Ein Blick zu den reformatorischen Geschwistern im Herrn zeigt, wie glaubensstärkend und kirchfüllend diese angeblich notwendigen Verbesserungen sind. Es ist auch nicht wirklich sehr innovativ, was uns da als Notwendigkeiten angeboten wird. Idiomatisch klingt da vieles an, was man auch in Gewerkschaftspapieren der 1970er Jahre finden kann... Es ist m.E. schlichtweg Ausdruck dafür, wie "durchprotestantisiert" einige kreise sind.
Daneben scheint man von der Unfehlbarkeit der eigenen Position sehr überzeugt zu sein. Es ist wenig thetisch formuliert. Nirgendwo findet sich ein Satz wie:" auch auf die Gefahr hin, dass wir uns irren...".
Die Meinung, für die überwiegende Mehrheit der schweigenden Katholiken zu sprechen und daraus einen Wahrheitsanspruch ableiten zu können, gibt dem ganzen Schreiben einen merkwürdig paternalistischen Zug, der Wahrheitsanspruch und Demokratie vermengt. Jetzt einmal abgesehen von dem doch eher wenig demokratischen Verständnis, das sich hier ausspricht, muß ein Punkt noch einmal festgehalten werden:
Wahrheit ist nicht demokratisierbar. Wahrheit ist adelig, ist wahres Gottesgnadentum!
Das Evangelium kann nicht durch Expertenkommissionen und kirchenparlamentarische Entscheidungen an die Erfordernisse der Gesellschaft angepaßt werden, es ist gefälligst der Welt zu verkündigen, ob es den Leuten nun in den Kram passt oder nicht:
"Praedica verbum, insta opportune, importune, argue, increpa, obsecra, in omni longanimitate et doctrina" 2 Tim 4,2.
Und weiter heißt es dann in Vers 3f: "Denn es wird eine Zeit kommen, in der man die gesunde Lehre nicht erträgt, sondern sich nach eigenen Wünschen immer neue Lehrer sucht, die den Ohren schmeicheln; und man wird der Wahrheit nicht mehr Gehör schenken, sondern sich Fabeleien zuwenden. Du aber sei in allem nüchtern, ertrage das leiden, verkünde das Evangelium, erfülle treu deinen Dienst!"
Die Lehre der Kirche ist, nach katholischem Verständnis, wenn ich es richtig behalten habe, doch unwandelbar und wahr?!
Das Memorandum ist für mich eine Art verspäteter Triumph der Reformation des Nordens. Es ist ein Ausdruck deutscher Provinzialität. "Wir wissen ganz genau, was die Weltkirche braucht!"
Wie wäre es denn, wenn sich das deutsche Wesen mal ausnahmsweise seine Genesung in Rom suchte und nicht seine angeblichen Heilkünste zu exportieren suchte? Das wäre doch einmal eine tolle Importleistung des Exportweltmeisters, nicht wahr?
Als überzeugter Gläubiger der globalisierten Weltkirche und erklärter Feind aller nationalkirchlichen Bestrebungen setzte ich in aller Bescheidenheit, Demut und kindlicher Zuversicht mal wieder das Gebet des seligen John Henry Card. Newman dieser Position entgegen:

Herr, wir glauben und bekennen voll Zuversicht, daß du deiner Kirche Dauer verheißen hast, solange die Welt besteht. Darum haben wir keine Sorge und Angst um den Bestand und die Wohlfahrt deiner Kirche. Wir wissen nicht, was ihr zum Heile ist. Wir legen die Zukunft ganz in deine Hände und fürchten nichts, so bedrohlich bisweilen die Dinge auch scheinen mögen. Nur um das eine bitten wir dich innig: Gib deinem Diener und Stellvertreter, dem Heiligen Vater, wahre Weisheit, Mut und Kraft. Gib ihm den Trost deiner Gnade in diesem Leben und im künftigen die Krone der Unsterblichkeit. Amen.

Schönen Sonntag noch!

Dienstag, 1. Februar 2011

Genie und Geometrie

Vor einigen Wochen lief auf arte, 3sat, br-alpha (?) ein faszinierender Film mit dem Titel "Genie und Geometrie". Nun gibt es auch eine Internetseite dazu. Unter dem Menupunkt "Filmkapitel" lassen sich ein paar Einblicke in die Doku gewinnen. Besonders empfehlenswert ist das Kapitel zum Thema "Dombau". Dieser Teil des Filmes zeigt in aller Deutlichkeit, was den "nutzungsorientierten Gemeindezweckbau" der Moderne, Postmoderne und Postpostmoderne von der mittelalterlichen Kathedrale trennt. Manches auf der Seite erscheint mittlerweile etwas zweifelhaft (z.B. die Geschichte mit "sol invictus" findet sich hier - wer hatte in der Blogozese letztens noch Zweifel an der Haltbarkeit dieser These angemeldet?) und es fällt ein betrüblicher Schatten auf das Konzil von Trient (die Aufgabe der zwingenden Ostung für den Kirchbau).
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