Dienstag, 29. November 2011

Würzburgs weiße Wartehalle

Stuttgart 21 ist durch. Ich persönlich halte zwar nichts von dem Modell, allein schon wegen der ungeklärten geologischen Fragen um die Heilquellen, aber gut. Andere skandalöse Umbauten passieren mal wieder unter Ausschluß der Öffentlichkeit.
Kreuzfährten hat eine aktuelle Kirchenzerstörung aus Würzburg eingestellt, die "Modernisierung" der Augustinerkirche. Was die Bombardements der Allierten Luftstreitkräfte überstanden hatte und durch die Wirren der Nachkonzilszeit gekommen war, ist nun endgültig ausgeräumt worden. Das erhaltene Bild des Hochaltares ist durch ein farbenfrohes Transparent verhängt worden, was dem unschönen Orgelgehäuse aus den 1970ern mit seinem lutherischen Aufstellungsort noch mehr Ausdruck verleiht. Die erhaltenen Bänke sind weg. Dafür gibt es nun eine bewegliche Bestuhlung ohne Kniebank, die aus dem Versandkatalog eines Büroartikelhändlers stammen könnte. Der Ort der Wort- und Mahlfeier ist in Form der "Richterschen Ellipse" (Kirchenräume - Kirchenträume) gestaltet, Die Ästhetik der weißen Wand, gepaart mit clavinistischer Stuhlordnung.
Für Mutige und Leser mit niedrigem Blutdruck ein paar Links:
Auf dieser Seite stellt sich der Konvent der Augustiner im Bild vor. Noch Fragen?
Zum Umbau sei auf folgende Unterseite verwiesen: (Klick!) Noch Fragen?
Bilder bei Messa in latino.

Folgenden Text möchte ich jedoch einstellen, er findet sich, wenn man dem zweiten Link folgt:

Anfang des Zitates:
Am 1. Advent wurden nach 15 Monaten Umbauzeit wieder die Türen unserer Augustinerkirche geöffnet. Mit ihr erhält Würzburg einen Freiraum inmitten der Fußgängerzone zurück.

Wir laden ein, in unserer Kirche zur Ruhe zu kommen. Sie ist Ort des Gebets und der Versammlung des Volkes Gottes. Bei den verschiedenen Gottesdienstangeboten kommen wir als „Nachfolgegemeinschaft von Gleichgestellten“ zusammen. Dabei haben Statusunterschiede also keinen Platz.

Trauer und Umgang in und mit Traurigkeiten ist eine wesentliche Erweiterung unserer pastoralen Arbeit. Der neu geschaffene ZwischenRaum unterhalb der Empore war Auslöser der Renovation und ist ein zentraler Ort dieser Pastoral. Mit ihm wollen wir es Menschen – über die Grenzen von Konfession und Religion hinweg – ermöglichen, mit all dem umzugehen, was traurig macht und trauern lässt (enttäuschte Hoffnungen, Beziehungsende, Arbeitsplatzverlust, Tod …).
Ende des Zitates
Ob alle gleichgestellt zur Meinung befragt wurden, als dieser Umbau passierte? Sind alle, ohne Standesunterschiede,...
Ach, ich kann dieses scheindemokratische Wortgehülse jener "Avantgarde von vorgestern" nicht mehr hören. Mit der entgrenzten Pastoral und dem Stuhlkreis wird keinem Suchendem mehr eine hilfreiche Norm und Ausrichtung geboten. Die Abstraktion des Raumes ist nicht mehr und nicht weniger als ein sichtbares Zeichen des freudlosen, sinnesfeindlichen, abstrakten und kraftlosen Glaubens, der noch für einen Vortrag in einem Seminarraum ausreicht oder für ein therapeutisches Gespräch. Wo ist die Freude geblieben? Wo ist die Freude an einer sinnenfreudigen Liturgie, an Festen, Fasten und "Viertele" geblieben?
Wofür soviel Geld? Für weiße Farbe, Wartezimmerstühle und ein Hungertuch?
Hättet ihr lieber die alten Altäre wieder aufgerichtet, damit jeder wieder seine eigene Messe am Morgen lesen könnte, zur Erfrischung der armen Seelen im Purgatorium und zum Seelenheil der Würzburger. Welch eine Freude hätte die Eröffnung der Wiedererstandenen Kirche mit ihrer barocken Pracht sein können. Manche alte Wunde über den Verlust der Bombennächte hätte Heilung erfahren. Nun sind noch mehr Wunden entstanden, noch mehr heimatlos geworden in dieser Wartehalle der "Endstation Sehnsucht".
Es ist wirklich ein Ort für Trauernde geworden, ein Ort des Jammers und ein Grund zum Weinen. Das ist hier gelungen.

Kommentare:

Der Predigtgärtner hat gesagt…

Das ist Geschmackssache, sagte der Affe und biss in die Seife.
Ich habe auch kritisch darüber berichtet und stelle nun fest, dass es jede Menge Leute gibt, die einfach nur enttäuscht und traurig sind; aber es gibt auch klare Zustimmung zu dieser "Renovierung"...

Eugenie Roth hat gesagt…

Ich hab nur auf einem Prospekt eine Computerdarstellung gesehen mit je zwei Stuhlreihen auf jeder Seite und einem riesigen QUADRATISCHEN Altar und einem Ambo.

Ich gehe da nicht rein!!!

Der Tabernakel steht übrigens irgendwo seitlich auf einem "verrosteten Blumenständer" hat man mir beschrieben. DANKE, NEIN!!!