Donnerstag, 17. November 2011

Nihil novi sub sole

Benetton hat es mal wieder geschafft, durch Geschmacklosigkeit in die Schlagzeilen zu kommen. Diesmal ist es ein gefälschtes Bild, auf dem der Heilige Vater eine ...
Nein, ich werde jetzt nicht noch Reklame für schlechte Reklame machen!
Daß Benetton auf diese Karte setzt, ist ja nichts Neues. Schon in meiner Schulzeit (damals in den guten 80ern!) hat dieses Modelabel schon Plakate geklebt, auf denen eine sehr hübsches Model im Habit der Vinzentinerinnen einen ebenso hübschen, als Priester in Soutane und "Saturno" verkleideten Jüngling küsst. Da ich Kleidung und Verhalten des hübschen Paares für unvereinbar hielt und als schlichtes katholisches Kind meine Rückschlüsse auf Geschmack, Intension und moralische Integrität der Macher in neoscholastischer Manier zog, kaufte ich kein Teil von dieser Firma und gehörte damit an meiner "höheren Lehranstalt" zu einer Minderheit. Wer damals an unserer bischöflichen Penne auf fortschrittlich und aufmüpfig (=cool) machen wollte, kaufte danach etwas mit dem Logo von Benetton. Die ganz Coolen (damals "Popper" genannt) besorgten sich das Plakat fürs "Kinderzimmer", wie man damals gemeinhin noch sagte. Die Rechnung war also aufgegangen. Benetton setzte in den folgenden Jahren immer mehr auf Tabubrüche. Als dann der sterbende AIDS-Patient einige Jahre später auftauchte, war man doch etwas schockiert. Das Bild von einem ästhetisch männlichen Oberkörper mit unästhetischer Handprothese, wie Mumien verwickelte Personen in Stellungen, die dem Austausch menschlicher Körperflüssigkeiten dienen, die drei herausgeschnittenen menschlichen Herzen und was es sonst noch alles gab. Es sind Symptome für eine, mit Einfalls- und Geschmacklosigkeit geschlagenen Werbeabteilung oder Werbeagentur auf Talfahrt, die nur durch Überschreitung von Schamgrenzen Punkten kann. Die Auftraggeber aus der Chefabteilung Benetton scheint auch jedes Mittel recht zu sein, die Firma wieder in das öffentliche Interesse zu schieben und wenn man auch schon mal ein Bild fälschen muß und die Persönlichkeitsrechte anderer verletzt.
(ACHTUNG: IRONIEMODUS AN!) Ja wir wissen alle: Benetton will wachrütteln und auf Probleme aufmerksam machen, ist gegen Diskriminierung, für Freiheit, Gleicheit, Brüderlichkeit, Liebe, Öko und so. Klar!
Deswegen ist ja auch die soziale Verantwortung der Benetton Group so unglaublich hoch , wie man in der Erklärung von Bern aus dem Jahre 2010 nachlesen kann. Da hat Benetton im Gegensatz zu vielen anderen Firmen, die die schlechteste Einstufung für die Arbeitsbedingungen in den Erzeugerländern mit der zweitschlechtesten, also viel besser abgeschnitten. TOLL!(IRONIEMODUS AUS)
Wer etwas über die so lauteren Beweggründe der Familie Benetton wissen möchte, der kann schlicht und dumpf bei wikisowieso alles finden.
Die aktuelle Geschmacklosigkeit ist wieder zurückgenommen worden. Der Aufreger hat sein Ziel erreicht. Der Aufreger kann gehen!
Nihil novi sub sole!

1 Kommentar:

Der Predigtgärtner hat gesagt…

Super!
Habe gerade verlinkt.

http://predigtgarten.blogspot.com/2011/11/der-vatikan-ist-emport-fotomontage-mit.html