Freitag, 18. November 2011

Entweltlichung im Ländle und im ZK (& ein PING!)

Die Freitagsglosse

Die Gedanken sind frei,
wer kann sie erraten?
Sie fliehen vorbei...

So beginnt ein altes und bekanntes Studentenlied. Es führt uns zurück in finstere Zeiten, irgendwo zwischen napoleonischer Geheimpolizei, von Metternichschen Polizeispitzeln und preussischer Obrigkeit. Europa war in Aufruhr, neue Staatengebilde, fragile Gebäude, revolutionäres Denken. Die Überwachung des politischen Treibens der Bürger ließ manchmal nur noch die Freiheit des Gedankens zu. Die totalitären Systeme des 20. Jh.'s perfektionierten diese Systeme. Dann kam der Fall des Ostblocks und nun herrscht endlich Freiheit, des Gedankens, des Wortes und überhaupt. Die Stärke einer Institution zeigt sich im Umgang mit Andersdenkenden. Die Stärke eines Staates u.a., inwieweit er Meinungsfreiheit gewährt.
Nun scheint es um die "Kirche der Freiheit" nicht sehr gut bestellt zu sein, jedenfalls bietet die Landeskirche Württemberg gerade ein ziemlich schwaches Bild.
Wie Stanislaus berichtete, ist es der sonst so sehr um das gute Verhältnis zu Muslimen bemühte Kirche nicht recht, daß eine Vikarin eine (ACHTUNG! BÖSES ALTES WORT) "Mischehe" mit einem Muslim eingeht. Gut, vielleicht hat sich hier eine zu integrativ denkende Vikarin einfach mal an der Bekenntnisstärke ihrer Kirche einen Karriereknick eingehandelt. Weniger verständlich ist jedoch die, ebenfalls von Stanislaus berichtete, Geschichte eines Pfarrers, der sich durch das Gebahren der Stuttgarter Wutbürger an braune Zeiten erinnert fühlte und das auch äußerte. Starke Worte der Mahnung aus dem Munde eines Kirchenmannes, die zum Nachdenken über Handeln und angewandte Mittel führen könnte. Doch in unserer fast rauchfreien Republik ist das eindeutig zu starker Tobak. Beschwört man sonst gerne die Schuld eines ganzen Volkes, so reagiert man offensichtlich sehr empfindlich, wenn jemand bei gestandenen Bürgern aus der Mitte der Gesellschaft das gleiche Handeln diagnostiziert, wie es bei rechten Randalierern mit schwarzen Kapuzen zu beobachten ist. Warum eigentlich? Heißt es nicht: Währet den Anfängen! Hat nicht gerade dieser Pfarrer aus jenen dunklen Jahren seine Lektion gelernt?
Hier besteht der Verdacht, daß offensichtlich das Eintreten der Wutbürger für die "gute Sache" die Mittel heiligt, auch wenn dadurch unsere parlamentarische Demokratie in Frage gestellt wird! Oder hat er gegen einen, noch nicht in die Bekenntnisschriften aufgenommen Grundsatz der Kirche verstoßen, der da heißt: "Bewahrung der Schöpfung steht oberhalb einer freiheitlich demokratischen Grundordnung und ist mit allen Mitteln durchzusetzen!"? Dann wäre es auch ein Zeichen für Bekenntnisstärke.
Ich fürchte eher, daß die Nähe zu den Anliegen einer gewissen Partei, die Anpassung an die Strömungen in der Gesellschaft, den mainstream und die Genderei den Verlust der notwendigen kritischen Distanz zur Welt hervorgerufen haben.
Hier hatte Benedikt unseren lieben GeschwisterInnen im Herrn durchaus in einer Rede ein wichtiges und großes Gastgeschenk gemacht, als er von der notwendigen "Entweltlichung" sprach.
Entweltlichung ist das Stichwort, was mir eine tolle Überleitung zu einem anderen bahnbrechenden Ereignis dieser Woche bietet:
Das Zentralkomitee der Deutschen Katholiken tagt in Bad Godesberg.
Mit etwas "Glück" wird ein Beschluß über die Öffnung des Diakonates für Frauen verabschiedet.
Jaaaa und dann wird "uns Alois" das Papier am Heiligen Abend dem Papst zur Unterschrift vorlegen und der sagt dann: "Das ist ja toll, lieber Alois, darauf hat die Weltkirche gewartet. Wir in Rom kriegen das einfach nicht hin! Ach weisste, Diakonat ist doch nur halber Kram. Die gute Frau Käßmann löst den Robert ab. Danke Zentralkomitee, danke Deutschland!"
Ja und ganz herzliche Grüße ins Paralleluniversum des Deutschen Verbandskatholizismus, wenn ihr mich hören könnt, so viele Lichtjahre von der Erde entfernt, so gänzlich "entweltlicht".

Zum Schluß mein erstes PING! mit einem passenden Gruß von der NDW:

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