Dienstag, 25. Oktober 2011

Ende der Funkstille

Liebe Leserinnen und Leser,
in den letzten Wochen gab es für mich viel zu tun und somit blieb leider keine Zeit für einen Eintrag auf dieser Seite.
Es reichte noch nicht einmal dafür, mich auf der Nachprimiz von Alipius in Bilk sehen zu lassen, obwohl es für mich um eigentlich fast ein Heimspiel war. Mein geistliches Leben reduzierte sich auf den Besuch der Sonntagsmesse in meiner Ortspfarrei, also eine ernste Situation. Und keine Zeit zum Bloggen!
Ach, es hätte so viele nette Anlässe für den einen oder anderen Eintrag gegeben!
Z.B. die Nachwirkungen des Papstbesuches in deutschen Landen.
Ein Vergleich zwischen Gregor Gysi und der "kässen" Margot hätte sich angeboten. Wer hat mehr verstanden; wer hat besser zugehört? Für mich geht der Punkt eindeutig an den Anwalt und Politiker aus Berlin.
Der BDKJ war nicht nach Rom eingeladen! Och, wie gemein war das denn?

Was mich als Ruhri aber besonders packte und packt, ist die Entwicklung des sogenannten Dialogprozesses im Ruhrbistum.
Dem Papsttreuen im Pott sei an dieser Stelle mal nen herzlichen Gruß übern Gartenzaun geschickt. Hömma Kollege, klasse! Mama ruich weiter!

Was sich da momentan so ereignet, wächst sich für mich immer mehr zu einer Art ausführlichen Anmanese aus, die den bedenklichen Gesundheitszustand der Kirche im Ruhrgebiet versucht zu ermitteln. Es ist derart erschüttternd schlimm, da bleibt mir manchmal die Spucke weg. Die Generation der silbernen Wutbürger schreit, schubst und boxt sich durch die Diskurse, wenn sich die wenigen Vetreter der kirchlichen Zukunft mit ihren Wünschen für Gegenwart und Zukunft zu Wort melden. Wer schlicht und ergreifend den Wunsch äußert, einfach mal wieder katholisch sein zu wollen, muß mit Empörung rechnen.
Empörung, wenn ich das schon höre, Empörung!
Es ist das neue Modewort für alle, die sich gegen jede Form moralischer und dogmatischer Vorgaben verwahren und mit im tiefen Brustton ihrer festen inneren Überzeugung ihre moralische Entrüstung über eben diese römische Anmassung zum Besten geben. Klassee!

Man steht auf. Man läßt sich nicht mehr gefallen, man erhebt, man hebt sich empor. Und mit diesem Emporkommen, kommt auch alles hoch.
Man erhebt sich, weil man es vermeintlich besser weiß, man ist sprichwörtlich klüger als der Papst. Die sich Erhebenden lächeln erhaben über den Papst, die Kirche und die Unerleuchteten, in aller unbotmäßigen Überheblichkeit. Ja es ist Aufstand. Es ist eine Revolution, im Sinne einer protestantischen Reformation nur ohne führenden und denkenden Kopf. Und wie zu Zeiten der Reformation sind die Bischöfe wieder still, schätzen die Lage anders ein, beschwichtigen die Lager, obwohl es ja eigentlich gar keine Lager gibt. Sie stehen in der Verantwortung, gegen diesen Aufstand vorzugehen. Aber wo ist zwischen diesen gut beratenen und gecoacheten Personen die Persönlichkeit, die wie Bonifatius zu den Friesen geht und unerschrocken das Evangelium verkündet oder wie Liudger mal anfängt, den Wald kleiner Donareichen zu roden, der sich in den letzten 45 Jahren selbst ausgesät hat?
Die vox populi sine Deo nörgelt und johlt durch die Lande. Aber was soll es?
Der Aufstand ist schon lange gescheitert. Was immer er auch noch für Folgen haben wird. Es ist das letzte Aufbegehren, der Volkssturm vor der Kapitulation.
Denn der Anfang des Aufstandes war zugleich sein Ende. Es hat nur noch keiner gemerkt.
Es ist so einfach:
Man hat das Knien aufgegeben und ist im Stuhlkreis auf dem Hintern gelandet.

Warum ich so spitzzüngig bin, hat einen Grund. Ich las bei kath.info einen Artikel über die Volxversammlungen im Bistum Essen. Es waren ein paar Sätze, die mir alles noch einmal klar und deutlich vor Augen stellten und mich zutiefst erschütterten.

Zitatanfang:
Um unseren Tisch zieht ein emeritierter Theologieprofessor seine Runden. Gut erinnere ich mich noch, wie er auf einer anderen Veranstaltung, den Bericht über die eifrige Wahrnehmung der eucharistischen Anbetung auf dem Weltjugendtag mit dem Ausspruch kommentierte: “Wir (!) haben das II.Vatikanum doch nicht gemacht, damit die Leute jetzt wieder anfangen, diese Oblate anzubeten.”
Zitatende

Also: Weiterknien und bloß nicht hinsetzen und ne Runde "Extraknien" für alle, dat nich mehr hinkriegen!

http://www.katholisches.info/2011/10/05/%e2%80%9eaggressiv-vorgetragene-statements%e2%80%9c-was-bezweckt-der-%e2%80%9eergebnisoffene-dialogprozes%e2%80%9c-der-deutschen-bischofe-%e2%80%93-teil-3/

Kommentare:

Catocon hat gesagt…

Willkommen zurück, ich habe Deine bissigen und treffenden Kommentare tatsächlich vermisst!

Doch in der Abwesenheit hast Du zum Glück scheinbar nichts verlernt.

Außer Latein: "vox populi sine Dei"!?
Geht nicht "sine" mit dem Ablativ? Und heißt nicht der Ablativ von Deus "Deo" statt "Dei"? Vermutlich nur ein Tippfehler (o liegt direkt neben dem i), aber etwas peinlich für einen "Latinophilen". ;-)

Laurentius Rhenanius hat gesagt…

Stommt, peonlocher Toppfehler! :-)
War mal wieder zu schnell!

Danke, cathcon!

dilettantus in interrete hat gesagt…

Im Rahmen der Beschreibung einer bestimmten Menschengruppe halte ich die Formulierung für mehr als angemessen!