Mittwoch, 14. September 2011

Kreuzerhöhung

Fest, II. Klasse, Gloria, Credo.
"Heute begeht die Kirche das Gedächtnis an den Triumphzug, in dem der griechische Kaiser Heraklius das heilige Zeichen unserer Erlösung nach Jerusalem zurückbrachte, nachdem es eine Zeit lang in den Händen der Perser gewesen war." (Schott)

Wir erleben, wie sich die Medien in den letzten Tagen vor dem Besuch des Heiligen Vaters verhält. Politiker verschiedener Lager zeigen, wie es um die von ihnen postulierte Freiheit und Toleranz bestellt ist.
Künstler und Journalisten zeigen ihr mangelndes Mitgefühl für die Opfer des 11. September 2001. Dank der hellsichtigen Analyse von Hendryk M. Broder (Danke, Elsa!) ist mir dieser Abgrund deutlich geworden.
In der westfälischen Provinz sägt die Dorfpresse in aller, unserer Zeit leider sehr gemäßen, Stumpfheit an den Grundpfosten der eigenen christlichen Identität. Der ganz normale, alltägliche Wahnsinn einer immer gefühlloser werdenden Welt.
Das Kreuz ist der heutigen Gesellschaft nicht mehr zu vermitteln. Es ist unzeitgemäß, genauso wie damals auf Golgatha, wie es zu Zeiten des Paulus eine Torheit und ein Ärgernis war, wie zu allen Zeiten. Gott ist nicht einfach Gott geblieben. Er ist Mensch geworden. Er ist aus der Allmacht in die Sphäre unserer Ohnmacht getreten und ist den Weg des Menschen gegangen, den Weg in den Tod, den Tod, der nicht mehr der Tag der Entscheidung über Wohl oder Wehe ist,sondern das Ende der Wertschöpfung und des Genusses hier darstellt. Das Kreuz ist die bohrende Anfrage nach dem Ziel des Lebens. Das Kreuz drängt zur Haltung jenseits aller flüchtigen Meinungen. Man kann vor ihm flüchten oder es in Liebe und im Glauben dankbar annehmen. Dann wird auch der Hymnus des Venantius einleuchten. Denn das Kreuz weist über Golgatha den Weg, in den Garten, zum Grab, über das Grab hinaus. Aber auch das ist kaum vermittelbar!

Aus dem Hymnus zu Ehren des hochheiligen Kreuzes

Crux fidelis, inter omnes arbor una nobilis,
Nulla talem silva profert flore, fronde, germine,
Dulce lignum dulce clavo dulce pondus sustinens.

Flecte ramos, arbor alta, tensa laxa viscera,
Et rigor lentescat ille, quem dedit nativitas,
Ut superni membra regis mite tendas stipite.

Sola digna tu fuisti ferre pretium saeculi
Atque portum praeparare nauta mundo naufrago,
Quem sacer cruor perunxit fusus agni corpore.

[Aequa Patri Filioque, inclito Paraclito,
Sempiterna sit beatae Trinitati gloria;
Cuius alma nos redemit atque servat gratia.]
Venantius Fortunatus (+ um 600)

Hierzu die gut singbare Übersetzung aus dem Deutschen Antiphonale I, S. 268:

Heilig Kreuz, du Baum der Treue,
edler Baum, dem keiner gleicht;
keiner so an Laub und Blüte,
keiner so an Früchten reich:
Süßes Holz, o süße Nägel,
welche süße Last an euch!


Beuge, hoher Baum, die Zweige,
werde weich an Stamm und Ast,
denn dein hartes Holz soll tragen
eine königliche Last.
Gib den Gliedern deines Herren
an dem Stamme linde Rast!

Du allein warst wert, zu tragen
aller Zeiten Lösegeld;
du, die Arche, die uns rettet
aus dem Schiffbruch dieser Welt.
Du, gesalbt vom Blut des Lammes,
Pfosten, der den Tod abhält.

Lob und Ruhm sei ohne Ende
Gott, dem höchsten Herrn, geweiht.
Preis dem Vater und dem Sohne
Preis dem Geist der Heiligkeit,
dem dreieinen Gott sei ewig
alle Macht und Herrlichkeit! Amen.
(Münsterschwarzach 1970)

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