Freitag, 2. September 2011

Frauen bewegen (sich in der) Kirche II

Grundübung II:
Die Kniebeuge

Wer sonn- und werktags zur Heiligen Messe oder zum Gebet eine Kirche aufsucht, wird sicherlich schon häufig die Unsicherheiten bei der Bewältigung dieser Grundübung beobachtet haben.
Wo liegen die Schwierigkeiten?
Durch den modernen Kirchbau, bzw. die Renovierungen alter Kirchengebäude und die damit häufig verbundene dezentrale und altarferne Aufstellung des Tabernakels kommt es zu einer unnötigen Desorientierung der Kirchenbesucher. Dieses bauliche Problem könnte in aller Regel durch einen Hubwagen und eine kleine Gruppe tatkräftiger Mitglieder der KAB innerhalb von einer knappen Stunde behoben werden. Sprechen sie doch bei der nächsten Gelegenheit mit der KAB.
Wann und wo mache ich die Kniebeuge?
Eine gute Frage, die sie ganz individuell für sich entscheiden müssen.
Wichtige Parameter dafür:
ihre ganz persönliche Gottesbeziehung und Fitness
Daneben gilt außerdem eine alte Ministrantenregel:
In dubio genuflectio! (lat.: Im Zweifelsfall Kniebeuge!)
Seien sie also achtsam, übertreiben sie es aber nicht.

Kommen wir nun zur Grundübung.
Nehmen sie wieder die schon bekannte angstfreie Grundstellung ein.
Schließen sie nun die Augen.
Atmen sie tief und frei in der Bauchraum.
Alle Geräusche (Handy, eingehende Emails, etc.) treten in den Hintergrund, werden leiser, nichts lenkt sie mehr von ihrer Betrachtung des Atmens und der bewußten Körperhaltung ab.
Sie verlassen in Gedanken ihr Wohnzimmer. Vor ihrem inneren Auge sehen sie nun eine gotische Kathedrale. Der helle Sandstein strahlt golden im Licht der aufgehenden Sonne. Sie spüren die Wärme auf ihrem Rücken. Sie freuen sich an dem Anblick. Die Glocken des Domes beginnen zu läuten. Sie spüren innere Freude. Sie rezitieren leise für sich einen Psalmvers. "Ich freute mich, als man mir sagte, zum Hause des HeRRN wollen wir ziehen." Sie gehen nun um das Gebäude herum, im Uhrzeigersinn. Sie gehen dem Klang der Glocken nach. Sie erreichen das wunderschöne Westportal. Die Heiligenfiguren weisen ihnen den Weg! Über ihnen schwingen die festlich läutenden Glocken. Hier ist der Ort der Begegnung mit ihm. Sie treten ein, der Klang der Glocken wird weicher, gedämpfter. Durch die Fenster des Hochchores fällt das Sonnenlicht in den Dom. Die Fialen, Wimperge und Kreuzrosen des Hochaltares werden überstrahlt von diesem bunten Licht. Sie gehen weiter in den Dom hinein. Sie kommen an das Weihwasserbecken und führen ihr Hand in Richtung Wasser. Sie benetzen dann die Spitze von Zeige- und Mittelfinger. Sie spüren die Kühle des Weihwasser und machen in aller Stille und ganz bewußt das ihnen vertraute und geliebte Kreuzzeichen. Die Orgel ertönt. Die leise schwebende Vox coelestis stellt ihnen den Introitus der Messe schon vor. Sie gehen weiter in Richtung Altar. Sie entdecken eine Bank neben sich und bleiben stehen. Das Licht der bunten Fenster fällt auf ihr Gesicht und ihren Körper. Sie haben ihr Ziel erreicht.
Nun beginnen wir mit der Kniebeuge. Die Füße stehen parallel nebeneinander. Die Knie sind nicht durchgedrückt. Die Hände ruhen in der bekannten lockeren Haltung in der Körpermitte. Heben sie nun das rechte Bein an, bis die rechte Fußspitze den Boden nicht mehr berührt. Führen sie nun das rechte Bein mit dem so angewinkelten Unterschenkel in die Ausgangsposition zurück. Der Oberschenkel weist lotrecht nach unten. Setzen sie nun die rechte Fußspitze sanft auf. Beugen sie nun das linke Knie und bewegen sich bei aufrechter Körperhaltung nach unten, bis das rechte Knie den Boden berührt. Sie haben das erste Ziel erreicht. Nun machen sie wiederum schweigend ein Kreuzzeichen. Verweilen sie einen Augenblick. Nehmen sie sich und ihre Haltung wahr. Ich mache mich klein vor seiner Größe und Güte. Ich darf Gott mit dieser Geste begrüßen. Ich vergebe mir nichts. Ich spüre meine Würde als Geschöpf Gottes. Voll Freude erheben sie sich nun. Der Körper bleibt aufrecht dabei. Sie müssen sich nirgendwo festhalten. Ganz leicht richten sie sich wieder auf. Alles passiert ohne Anstrengung und Mühe. Sagen sie sich dabei: "Ich werde aufgerichtet!" Das linke Bein wird wieder gestreckt, das rechte Bein ebenfalls. Sie stehen wieder im Glanz des Lichtes, aufgerichtet vor dem Altar Gottes.
Hier endet unsere Übung.
Verlassen sie nun in Gedanken wieder die Kathedrale.
Atmen sie ruhig und tief weiter. Ihr Zuhause tritt nun wieder ins Bewußtsein, die gewohnten Geräusche sind wieder da. Öffnen sie ihre Augen.

Diese kleine Gedankenreise soll sie bei der Überwindung innerer Blockaden unterstützen.
Ganz wichtig ist dabei, daß sie auftretende Bilder wie z.B. Tapeziertische mit Broschüren von Basisgruppen oder auftretende Frauen mit Klemmbrettern, die sie zu Unterschriften für Reformbewegungen nötigen wollen, auszuschalten lernen. Konzentieren sie sich in solchen Momenten immer auf das Licht, welches vom Hochaltar zu ihnen herüberstrahlt. Es wird ihnen helfen.
Probieren sie es!


Kommentare:

Johannes hat gesagt…

Ist ja schon gut. Mußte mir aber ein Lachen verkneifen. Oder war das Gelächter des Publikums jetzt eingeplant?
;-)))))))))))

Laurentius Rhenanius hat gesagt…

Gelächter?
Ich muß doch sehr bitten, lieber Johannes!
;-)