Montag, 5. September 2011

Die EKD hat Probleme mit Napoleon!

Die etwas reisserische Überschrift bezieht sich auf einen Artikel bei kath.net.
Dem gebildeten Leser werden Begriffe wie "Reichdeputationshauptschluß" und "Säkularisation" nicht unbekannt sein. Mancher wird sich mit Grausen an die Berichte erinnern, wie sich weltliche Herren an den Besitztümern von Orden und Bischöfen gütlich hielten, Kulturschätze unter den Hammer kamen und unwiederbringlich zerstört wurden.
Der weltliche Besitz der Kirche im Bereich des Heiligen römischen Reiches deutscher Nation verschwand von den Landkarten. Selten jedoch waren die neuen Herren die begrüßten Befreier, wenn es auch die säkulare Geschichtsschreibung gerne so darstellte.
(Nebenbei sei noch bemerkt, daß durch die Aufhebung der geistlichen Gebiete und die Aufhebung der Klöster auch das katholische Bildungswesen zerfiel, was auf dem Gebiet des späteren deutschen Kaiserreiches zur Monopolisierung protestantischer Bildungsziele und -ideale führte. Aber das is ein anderes Kapitel. Borutta lesen!)
Nun hat die Bundesrepublik Deutschland als Rechtsnachfolgerin der vorherigen Staaten die Entschädigungszahlungen für diese Enteignungen weiterhin bezahlt, genauso wie die Zahlungen für den WK I ja auch noch bis vor einiger Zeit liefen.
Aus mir nicht nachvollziehbaren Gründen rüttelt nun die EKD ( in persona Prälat Bernhard Felmberg, Bevollmächtigter der EKD beim Deutschen Bundestag) an diesen grundgesetzlich verankerten Entschädigungen und will die "für den Bürger nicht nachvollziehbaren" Zahlungen an die Kirche zur Disposition stellen.
Ist dies nun eine Art vorauseilender Gehorsam vor dem geschichtlichen Unwissen der breiten Mehrheit unserer Mitbürger? Oder hat die EKD Angst, es könnte im Zuge des Papstebsuches in Deutschland und die üblichen Kostendiskussionen durch einen unglücklichen Zufall z.B. bei der taz ruchbar werden, daß Bischöfe der EKD nicht ganz zeitgemäß die Quellen ihres Einkommens dem Kriegstreiben eines gewissen Napoleon I verdanken? Da kann man schnell in einen Abwärtsstrudel bei den Umfragen geraten.
Abgesehen davon haben die protestantischen Kirchen nicht so sehr viel in dieser Zeit verloren, weil sie ja schon vorher fast alles verloren hatten, ganz im Gegensatz zur katholischen Kirche.
(Wenn wir allein die territorialen Verluste für die katholischen Bistümer und Klöster zusammenrechnen und den Verlust an Kunstwerken, Gebäuden, Bibliotheken etc. beiseite lassen, so reden wir von immerhin 27% Grund und Boden der heutigen BRD!)
Die EKD scheint sich in aller ökumenischen Großzügigkeit also wieder einmal um Dinge zu kümmern, die sie zumindest zu einem großen Teil nichts angehen und durch ihr Gerede zur unpassenden Zeit ihre "Geschwister im Herrn" in weitere dumpfbackige Diskussionen bringen dürfte. Ist das jetzt einfach nur dumm oder schon böswillig?
Oder hat ihm das Mutti geflüstert? So bekommt man auch neue Resourcen für neue Eurobonds... Nein, kann nicht sein!

Wer meckert, soll ja bekanntlich auch eine Alternative anbieten!
Ich möchte an dieser Stelle eine Komplettlösung für die Trennung von Staat und Kirche im finanziellen Bereich vorschlagen:
1. Die Kirchensteuer wird abgeschafft.
2. Die Zahlungen für die Folgen der Säkularisation werden eingestellt.
3. Der katholischen Kirche werden alle damals enteigneten Bestzungen der Bistümer, Klöster und geistlichen Fürsten zurückgegeben, inkl. aller territorialen Ansprüche.
4. Für die seit über 200 Jahren der Kirche entstandenen Einnnahme- und Steuerausfälle (abzüglich der bisher geleisteten Zahlungen) werden Ausgleichszahlungen von der BRD an die römisch-katholische Kirche geleistet. Das Recht zur Erhebung und die Einnahme von Steuern wird dem Treuhänder (siehe Punkt 10) übergeben.
5. Für die durch die seit der Reformation enstandenen Schäden an Besitz kommen die Rechtsnachfolger der protestantischen Fürsten und ihrer Kirchenleitungen auf (BRD und EKD).
6. Für die mit Gewalt vertriebenen Mönche und Nonnen, die zum Teil durch evangelische Fundamentalisten zu Zwangsheiraten getrieben wurden, sollten an den zerstörten Klöstern Denkmäler durch die EKD errichtet werden und jährliche Gedenkfeiern gehalten werden (staatlicher Feiertag!).
7. Die Verfolgung und Diskriminierung von Katholiken in den verschiedenen Phasen des Kulturkampfes inkl. aller verhinderter Karrieren) muß man wohl oder übel finanziell pauschalieren.
Hier sind ebenfalls entsprechende Schuldbekenntnisse und Entschuldigungen von der EKD zu fordern.
8. Wird die EKD aufgefordert, alle im Umfeld der Reformation unberechtigt angeeignete Dome (z.B. zu Brandenburg, Schleswig, Minden, Lübeck, Halberstadt, Naumburg, etc.), Kirchen und Klöster (z.B. in Erfurt und Wittenberg, etc.) in den Besitz der römisch-katholischen Kirche zurückzugeben.
9. Die seit der Reformation in Museen verschleppte Beutekunst wird in den Besitz der römisch-katholischen Kirche wird zurückgegeben. Sollte dies nicht möglich sein, so sollte entlang der erhaltenen Inventarlisten ein entsprechender Schätzwert erhoben werden.
10. Um eine Überlastung der Strukturen der DBK zu vermeiden, werden alle Besitztümer und alle Rechte zur treuhänderischen Verwaltung an den Heiligen Stuhl in Rom übergeben.
11. Die Konkordate mit Preussen und Bayern werden gelöst.
12. Die damit verbundenen Bestimmungen für die Ernennung von Bischöfen sind damit hinfällig.
13. Die Ernennung von Bischöfen in allen Bistümern, insbesondere auch in den neuen Bistümern wie Minden, Naumburg, Oldenburg, etc. obliegt damit wieder alleine dem Heiligen Vater.

Als ein erster Überlick diene jene Karte und Aufstellung, sowie diese Liste hier und jene dort.
Bei der Berechnung des Verdienstausfalls durch den Ausfall der Meßstipendien sollte man m.E. gegenüber der Bundesregierung Großzügigkeit walten lassen.

Dann sollten die Richter des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte sich die Schweiz, Niederlande, Frankreich, UK, Dänemark, Schweden, Finnland etc. mal genauer ansehen.
Daneben sollte ein Verfahren gegen Frankreich in Den Haag wegen der allgemeinen Kriegsverbrechen (z.B. Zwangsrekrutierungen) während der Revolutionskriege angestrebt werden. Die von Napoleon geraubten Kirchenschätze und die von Franzosen verheizten Bänke des Kölner Domes werden bei diesen Dimensionen zu einem Betrag für die Portokasse. Reparationen aus Frankreich... hm....

Ich finde auch, es wird Zeit für einen sauberen Schlußstrich, Herr Prälat!

Kommentare:

Vincentius Lerinensis hat gesagt…

Eine kleine, aber ganz entscheidende Korrektur: Der Staat leistet gerade keine Entschädigung, jedenfalls nicht für die Enteignung, er zahlt nur für den (nun ausbleibenden) Gewinn der Kirche aus den enteigneten Besitztümern. Die Ablösung der Enteignungen wurden in jedem Konkordat als offene Frage festgehalten, und die in letzter Zeit regelmäßig durchs Dorf getriebene Sau "Ende der Staatsleistungen" ginge im Falle des Falles nach hinten los: Soviel Geld hat der Staat gar nicht.

Laurentius Rhenanius hat gesagt…

Danke für die wichtige Korrektur und den interessanten Hinweis!
Sehr interessant, wirklich sehr sehr interessant.