Mittwoch, 31. August 2011

Via pulchritudinis

Der Heilige Vater hat bei der Generalaudienz über die Kunst als "via pulchritudinis" zur Gottesschau eine Katechese gehalten. Nur selten gelingt es heutigen Künstlern, diesen Weg zu beschreiten und damit anderen diesen Weg auch zu eröffnen. Über bekannte Fehlversuche oder Totalverweigerungen ist schon einiges geschrieben worden, ich erinnere nur an die bekannte Passage über "Schrei und Wolke" bei Mosebach (Häresie der Formlosigkeit, 76ff.) oder das Lappenclownfenster von Köln.
Aus der Stadt Leipzig kommen seit einigen Jahren jedoch Impulse, die Anlaß zur Hoffnung geben. Schon der 2004 verstorbene Werner Tübke hat die angeblichen Grenzen der zeitgenössischen Kunst und ihre Verweigerungen kaum zur Kenntnis genommen. Ob es nun das berühmte Bauernkriegspanorama in Bad Frankenhausen ist oder der Flügelaltar der Salvatorkirche in Zellerfeld, sie sind im besten Sinne modern, bedienen sich aber virtuos der Bilder und Formensprache der Tradition.
Daneben tritt Michael Triegel, ebenfalls der Leipziger Schule zugerechnet. Neben Gemälden und Portraits ist nun auch ein Altarbild von ihm in einer katholischen Kirche installiert worden. Er ist offensichtlich kein Christ, eher ein Suchender, der auf dem richtigen Weg ist. Sein Weg zu Gott führt ganz offensichtlich über die "via pulchritudinis".
Ex oriente lux... einmal etwas anders.

Kommentare:

thysus hat gesagt…

http://www.thysus.com/2011/08/verbotene-einblicke.html

Dieser "verbotene Einblick" zeigt Wandbilder (Graffitis) einer entstehende und bereits heiss umstrittenen Hauskapelle. Hier könnte sich - wenn man den will - ein fruchtbarer Blick in die Möglichkeiten der zwar aktuellen, aber ganz anderen Kunst- und Empfindungswelt öffnen..

ultramontanus hat gesagt…

»Häresie der From(m)losigkeit« ist auch gut. ;)

Johannes hat gesagt…

Schon Merkwürdig, daß beide Werke von Knstlern stammen, die in der DDR gewirkt haben und daß bei Kunstwerke in protestantischen Kirchen stehen. Die ehemaligen Ikonoklasten haben offenkundig ein sensibleres Verhältnis zu Kunst und Kirche als die neukatholischen Progessisten, die sich selbst und ihre Kirche in Harlekinsgewänder kleiden.

Laurentius Rhenanius hat gesagt…

@ thysus:
Danke für Deinen Hinweis! Sehr beeindruckend, aber ob mich diese Formensprache in die Betrachtung göttlicher Geheminisse führt, wage ich nicht zu beurteilen.

@ ultramontanus:
Der Schreibfehler ist mir vorhin aufgefallen. Man braucht manchmal einfach einen zeitlichen Abstand zu einem Text, damit die Fehler wieder sichtbar werden. Danke!

@ Johannes:
Tübkes Altäre stehen in Stuttgart und Zellerfeld in evangelischen Kirchen. Der neue Altar von Triegel jedoch in einer römisch-katholischen Kirche. In den evangelischen Kirchen sind es nun echte Altarbauten, während Triegels Werk in einer nachkonziliaren Tabernakelwand integriert wurde.
Aber bemerkenswert ist die Tatsache schon, daß die Protestanten weit weniger Probleme mit solch "dienender Kunst" zu haben scheinen als unsere eigene Kirche.

Johannes hat gesagt…

Danke für den Hinweis, habe in meiner früheren Gemeinde erfolglos für die Rekonstruktion des im zweiten Weltkrieg schwer beschädigten, aber in wesentlichen Teilen noch erhaltenen Hochaltars gekämpft. Nun steht dort ein alts Marienaltärchen, davor quadratischer, steingrauer Volxaltar im Bauhausstil, in der Taufkapelle steht das Tabernakel ohne Vorhang, die Patronin der Kirche findet sich nicht mehr im Hochaltar, sondern als Grüß-Elisabeth irgendwo am Eingang, Das Taufbecken steht im Mittelgang, was die meisten heutigen Kirchenarchitekten immer ganz toll finden (Soll den "Weg des Christen" darstellen) usw. usf. Desorientierung aller Orten. Eine Tabernakelwand ist ja schon mal was.