Montag, 8. August 2011

Geschichte wiederholt sich nicht?!

Im Blätterwald des deutschen Qualitätsjournalismus rauscht es mal wieder kräftig. Der kurze Sommer hat uns nur ein entsprechend kleines Loch beschert und bringt uns nun die ersten Herbststürme. So erklärt uns in der Zeit Frau Wendel, daß wir uns gefälligst endlich mit der pluralen Gesellschaft abzufinden hätten. Das Christentum als Leitkultur Europas kommt für diese katholische Theologin anscheinend nicht mehr in Frage. Was hätten wir auch noch groß an gesellschaftlicher Orientierung anzubieten. Viel schlimmer als diese Säkularplattitüde ist jedoch, wie sie den durchgeknallten Killer aus Norwegen mit traditionellen Katholiken in eine Topf wirft:

"DIE ZEIT: Ist Anders Breivik ein christlicher Fundamentalist?

Wendel: Ja und nein. Einerseits bezeichnet er sich als nicht religiös, andererseits nimmt er das Christentum in Anspruch, um sein Handeln zu legitimieren. Er hat ein ganz klar christlich aufgeladenes Weltbild und misst der katholischen Kirche die Funktion zu, Schwert im sogenannten Kampf um Europa zu sein. Er sagt, der Papst wäre das schärfste Schwert, wenn er denn richtig funktionieren würde.

DIE ZEIT: Wie sieht Breiviks ideale Kirche aus?

Wendel: Er fordert nicht nur eine Revitalisierung des Christentums, sondern auch eine konservative Revolution der katholischen Kirche. Er will die Öffnungen, die das Zweite Vatikanum in den sechziger Jahren vollzogen hat, rückgängig machen und den alten Exklusivismus ins Recht setzen. Extra ecclesiam nulla salus: Die katholische Kirche ist die einzig wahre Kirche. Er kritisiert ihr Bekenntnis zur Religionsfreiheit und die Öffnung zum Islam.

DIE ZEIT: Damit steht er aber nicht allein.

Wendel: Nein, das sind klassische Topoi des katholischen Traditionalismus. Breivik hat zutiefst antimoderne Einstellungen etwa zur Abtreibung, zur Empfängnisverhütung, zur Geschlechtergerechtigkeit. Deshalb polemisiert er auch gegen Frauenordination und gegen die Anerkennung von Homosexualität durch die Kirche. Er lobt den Reichtum der Liturgie und die apostolische Sukzession, setzt die Autorität des katholischen Lehramtes gegen beliebige Deutungen der Schrift und betont die Unfehlbarkeit des Papstes."
(Mehr davon gibts hier.)

Geschichte wiederholt sich nicht. Es gibt aber Denkweisen, die immer wieder aus den Tiefen der Geschichte wieder auftauchen und zeigen, wie wirkmächtig so mancher Gedanke ist. Die hier spürbaren Ressentiments und Stereotype sind ziemlich alt. Sie speisen sich aus den Quellen protestantischer Kritik am Katholizismus, die historisch im Vormärz anzusiedeln sind, den "aufklärerischen Kenntnissen" eines v. Döllingers und den kulturkämpferischen Äußerungen aus der Zeit der kleindeutschen Reichsgründung. "Die Zeit" hat damit das Niveau der liberal-bürgerlichen "Gartenlaube" aus den 1870ern wieder erreicht.
Gratulation!!!
(Wer mehr dazu lesen will: Manuel Borutta, Antikatholizismus, 80ff.)
Der romtreue Katholik ist also mal wieder der Staatsfeind und Gesellschaftsgegner, dem nicht zu trauen ist.

Aber heir wird noch ein Schritt mehr gewagt

Romtreue, fromme, betende Schwestern und Brüder im Herrn werden mit einem Massenmörder in einem Atemzug genannt. Sie speisen sich aus der gleichen Quelle...



Wie bitte?
Also romtreue Katholiken setzen sich als demnach bewußt über das Tötungsverbot des Dekalogs und die Weisungen der Bergpredigt hinweg, um ja was?
Müssen wir also damit rechnen, daß die Priesterbruderschaft Pius X sich demnächst den Zugang zur Kirche in Altötting freibombt oder was unterstellt da Frau Wendel ungesagt? Müssen wir mit Geiselnahmen in städtischen Kindergärten rechnen, bei denen die Vorschulkinder dann zum Rosenkranz gezwungen werden oder was?
Wie kann man es überhaupt wagen, den Massenmörder aus Norwegen mit unschuldigen, frommen Christen zu vergleichen?
So fördert man Mißtrauen, die leicht in Gewalt umschlagen kann.
Hat die Interviewte einfach nicht bemerkt, was sie da sagt oder hat sie es bewußt getan? Wie auch immer, es fehlt offensichtlich der Sprecherin an der Gabe der Unterscheidung der Geister. Es fehlt ihr offensichtlich an Einsicht darüber, welche Folgen ihre Worte haben könnten. Worte können töten und Morde auslösen. Man denke an Henry II. und sein Gerede auf dem Krankenbett, das zur Ermordung von Thomas Becket geführt hat. Lange her? Sicherlich, aber das Gewaltpotenzial ist da!

In Frankfurt am Main wird eine Karfreitagsprozession von "Junggrünen" massiv gestört. Ich habe nur Beter und kleine Ministranten gesehen, die z.T. mit angsterfüllten Augen und unter Polizeischutz durch die johlende, pfeifende und stänkernde Masse zogen. Da hat keiner in Flecktarnsoutane den Weg freigeschossen!

In Berlin werden christliche Lebensschützer von "linken" Gegnern tätlich angegriffen, mitgeführte Kreuze werden in den Kanal geworfen. Militante katholische Prügeltruppen habe ich da nicht gesehen.
Muß erst was passieren? Muß erst neben den weißen Kreuzen der Lebensschützer "eine Leiche im Landwehrkanal" schwimmen, bis einige Gutmenschen merken, daß nicht jedes Mittel recht sein darf und Stimmungsmacherei gefährlich sein kann?

Ist das übrigens die Pluralität, mit der wir uns gefälligst abfinden sollen, wenn ein orthodoxer Priester im Multikulti Uni-Center Bochum sein Auto regelmässig beschädigt bekommt, von Jugendlichen angepöbelt wird und sein Familie Todesdrohungen bekommt?

Fakten werden verdreht, Verdächtigungen angedeutet, das ganze mit eine wenig Geheimbündelei vermengt, fertig ist der potenziell Kreis von, Schläfern, Killern und Kinderschändern!

In Teilen Irlands trauen sich Priester schon nicht mehr auf die Straße, weil sie angespuckt werden und mit Gewalt rechnen müssen, weil sie unter Generalverdacht stehen und der Pöbel auf der Straße offensichtlich mit den richtigen Feindbildern gefüttert worden ist und jeglichen Respekt vor dem Gewand eines Priesters verloren hat.

Matthias Matussek hat zur Dümmlichkeit der geschwungenen Keule einen lesenswerten Beitrag im Spiegel veröffentlicht.

Wie geht man jedoch mit der zunehmend vergifteten Atmosphäre in unserer Gesellschaft um?
Ich werde jedenfalls nicht den Rosenkranz gegen den Morgenstern eintauschen und ich kenne auch niemanden aus der Schola gregoriana, der sein liber usualis gegen eine Anleitung zum Bombenbasteln tauschen möchte.

Schließlich ist weder irdische Macht noch die Deutungshoheit in den Feuilletons das Ziel der Kirche sondern die Rettung der Seelen und die ewige Gemeinschaft mit dem, der vom Holz herab regiert!
Da hilft nur eine geistliche Waffenrüstung!
Christus vincit + Chrisus regnat + Christus imperat

1 Kommentar:

Catocon hat gesagt…

Ich fürchte, dass selbst "eine Leiche im Landwehrkanal" nicht viel an der Stimmung ändern würde. Irgendwie wären das "diese intoleranten Fortschrittsfeinde" auch noch selbst Schuld.
Dagegen kann man wenig machen. (Die Lage wird sich auch noch stark verschlimmern, bevor sie wieder besser wird.)
Preisfrage: Wann wird es den ersten Christlichen Märtyrer in Deutschland geben?