Dienstag, 30. August 2011

Frauen bewegen (sich in der) Kirche I

Wer sitzenden Tätigkeiten nachgeht, braucht einen sportlichen Ausgleich. Auch die Mitglieder katholischer Verbände leiden seit einigen Jahren unter deutlichem Bewegungsmangel. Die klassischen Übungen kirchlicher Gymnastik sind jüngst etwas in Vergessenheit geraten. Diese leider unterschätzten Übungen förderten in der Vergangenheit sowohl das Wohlbefinden als auch die geistige und körperliche Beweglichkeit.
Völlegefühl und Sodbrennen z.B., wie sie sich heutzutage auf mehrtägigen Gremiensitzungen in Folge überhöhten Kaffeekonsums gerne einmal einstellen, waren bis Ende der 1960er Jahre beinahe unbekannt. Ebenso unbekannt waren auch die heute nicht selten veröffentlichten Abschlußpapiere. Diese, häufig in Form von Forderungskatalogen formulierten Druckerzeugnisse, spiegeln in aller Regel die erschütternden Umstände wider, unter denen die Teilnehmer diese Papiere erarbeitet haben. Es ist daher nur zu begrüßen, wenn sich namhafte Verbandsvertreter für mehr Bewegung in der Kirche aussprechen.
Auch diese Seite wird diese Initiative für mehr Bewegung in der Kirche tatkräftig unterstützen.
In den folgenden Beiträgen werde zur Förderung der Bewegungsfreude einige grundlegende Übungen der klassichen Kirchengymnastik vorstellen. Daneben treten zur Aufmunterung einige Kurzportraits von besonders beweglichen Damen der Kirche.

GRUNDÜBUNG I
Das Kreuzzeichen machen.

Mancherorts ist es schon völlig verlernt und vergessen. Dabei ist es ganz leicht zu erlernen! Einmal gekonnt, vergessen sie es nie wieder.
Nehmen sie zunächst eine aufrechte und angstfreie Position ein. Atmen sie tief und ruhig in den Bauchraum. Lassen sie ihre verhärteten Schultern fallen. Lassen sie nun den Atmen einfach kommen und gehen, so wie es ihr Körper braucht. Die Arme hängen ganz locker herab. Strecken sie nun ihre Finger aus. Die Daumen schmiegen sich an die Zeigefinger. Machen sie eine Pause. Der Atmen kommt und geht in aller Ruhe.
Der folgende Bewegungsablauf verlangt einiges an Koordination.
(Achtung: Die Bewegung der beiden Arme erfolgt gleichzeitig! Lesen sie daher zunächst die folgende Übungsfolge durch. Machen sie dann die Übung zunächst nur mit dem linken Arm, nehmen sie dann den rechten Arm dazu.)
Atmen sie tief ein. Es sollte aber kein unangenehmes Spannungsgefühl im Bauchraum entstehen.
Führen sie nun gleichzeitig beide Hände aus der hängenden Seitenposition in Richtung Bauchnabel. Der Arm wird dabei nur im Unterarm bewegt. Wenn sie die Höhe des des Bauchnabels erreicht haben, so legen sie dort die linke Hand locker auf.

Gleichzeitig wird der rechte Arm ebenfalls zunächst nur mit dem Unterarm bewegt. Die Hand geht jedoch an der Körpermitte vorbei in Richtung Stirn. Dabei senken sie den Kopf nur ganz wenig aus der aufrechten Position heraus. So blicken sie der ausgestreckten Hand entgegen. Berühren sie nun vorsichtig und bewußt ihre Stirn mit den Spitzen von Zeige- und Mittelfinger.

(In diesem Moment kommt nun ihre Mündigkeit als Katholik ins Spiel. Manchem wird es am Anfang etwas an Überwindung kosten. Versuchen sie es immer wieder, bis es ihnen flüssig von den Lippen geht. Es lohnt sich!)

Sprechen sie dabei laut und deutlich: "Im Namen des Vaters..."

Danach wird die rechte Hand lotrecht nach unten geführt. Oberhalb der abgelegten linken Hand, etwas unterhalb des Brustbeins berühren sie nun ihren Oberkörper.
Sprechen sie dabei laut und deutlich: "...und des Sohnes...".

Von dort führt nun der Weg der rechten Hand direkt zur linken Schulter. Berühren sie sie.
Sprechen sie dabei laut und deutlich: "...und des Heiligen..."
Führen sie nun die rechte Hand zur rechten Schulter. Berühren sie sie.
Sprechen sie dabei laut und deutlich: "...Geistes. Amen."

Lassen sie nun den Rest der verblieben Luft ganz locker aus der Lunge strömen.
Führen sie dabei die beiden Hände auf Höhe des Brustbeins zusammen, bis sich Fingerspitzen und Handflächen locker berühren. Legen Sie ihre Daumen locker übereinander.
Fertig.
Nun können sie mit dem Gebet beginnen.

Nach Abschluß des Gebetes wiederholen sie diese Bewegungsfolge.

Sie haben die richtige Geschwindigkeit bei dieser Übung erreicht, wenn sie diese Übung auf einen Atemzug schaffen, inkl. Text.
Regelmässig angewendet, verhilft ihnen diese Übung zu innerer Ruhe. Sie wirkt zudem zentrierend und - in der Öffentlichkeit vollzogen - identitätsfördernd.

Weiterführende Informationen und Gedanken zu dieser Übung:
Romano Guardini, Von Heiligen Zeichen, S. 17-21.

Kommentare:

Catocon hat gesagt…

Diese detailgetreue Schilderung des Kreuzzeichens ist wohl die ausführlichste ihrer Art - erinnert mich an die Schilderung des Zähneputzens, die ich mal bei irgendeinem Soziologen gelesen habe. Beeindruckende Satire über die OplädInnen der Kirche in Deutschland - wäre noch lustiger, wenn die Glaubensferne vieler Funktionäre nicht so traurig und tragisch wäre.

thysus hat gesagt…

Grossartig!